Titel: Nutt's Bienenzucht
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 42, Nr. LXXXIII. (S. 299–302)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj042/ar042083

LXXXIII. Ueber Hrn. Thom. Nutt's Bienenzucht.44)

Aus dem Mechanics' Magazine. N. 414. S. 306.

Mit Abbildung auf Tab. IV.

(Im Auszuge.)

Hr. Nutt hat sich endlich entschlossen seine Abhandlung über die Bienenzucht im Druke herauszugeben, und hat dazu den Weg der |300| Subscription erwählt. Er verlangt 500 Subscribenten, von welchen sich bereits über die Hälfte gemeldet haben. Hr. Nutt gibt bei Gelegenheit dieser Ankündigung im Mechan. Magaz. eine Abbildung des Bienenhauses, welches er für die Herzogin von Leeds zu Hornby-Castle, Yorkshire, erbaute. Wir geben von demselben, da es im Aeußeren mehr ein Luxusgebäude ist, nur die Darstellung des eigentlichen Bienenstokes. An dieser Zeichnung Fig. 4 ist nun A der sogenannte Pavillon; B das Erhöhungsglas; C sind die Communicationsbüchsen; D die Abtheilungsschieber; E die Ventilatoren; F die Contributoren; G ist der Fütterer; H das Achtek; III sind die Fenster; 1, 2, 3 und 4 sind dünne Schieber, durch welche alle Verbindung zwischen dem Pavillon, und den verschiedenen Schubläden, Gläsern etc. aufgehoben werden kann.

Der Pavillon A wird zuerst mit einem Bienenschwarme gefüllt. Die Schieber D und der dünne, mit 1 bezeichnete Schieber unter B werden so lang geschlossen gehalten, bis die Bienen den Behälter A beinahe angefüllt haben. Sobald die Bienen zu schwärmen anfangen wollen, ist dieß ein Zeichen, daß es ihnen an hinlänglichem Raume gebricht; man öffnet daher jezt den Schieber 1, und verschafft ihnen dadurch einen neuen Raum, in welchem sie sich ausbreiten werden. Oeffnet man ihnen zugleich einen der Seitenschieber D, so werden die Bienen nicht aufwärts gehen, sondern, wie sich Hr. Nutt aus mehr als 1000maligen Versuchen überzeugte, jedes Mal die Seitenbehälter zur Fortsezung ihrer Arbeiten vorziehen. Die Königin wird immer den mittleren Behälter zu ihrem Aufenthalte wählen, theils weil sie das Geschäft der Vermehrung in Ruhe und Abgeschlossenheit vollbringen will, theils weil derselbe wärmer ist, als die Seitenbehälter, die durch die Ventilatoren E abgekühlt werden, und daher weniger für das Wachsthum der jungen Larven geeignet sind. – Auf diese Weise, sagt Hr. Nutt, wird alles Schwärmen vermieden, und dem bewundernswürdigen Fleiße dieser Thiere der freieste Spielraum gestattet; auch das abscheuliche Tödten der Bienen wird dadurch verbannt, und die Bienenzucht dadurch eben so einträglich als menschlich gemacht.45)

Wir gaben bereits im polyt. Journale Bd. XXXII. S. 297 und XXXVI. S. 237 Nachricht von Hrn. Nutts Bienenstöken, und äußerten dort die Meinung, daß dieselben nur eine Modifikation der in Deutschland längst bekannten Magazinwirthschaft seyn dürften. Dieser Aufsaz wird zeigen, daß unsere Ansicht nicht ganz irrig war. Wir wiederholen übrigens den dort ausgedrükten Wunsch, daß einige reichere Güterbesizer Nutt'sche Bienenstöke aus England kommen lassen möchten, um ein Mal gewisser und deutlicher zu erfahren, wie dieselben eingerichtet sind. Die englische Geheimnißkrämerei ließ bisher immer noch keine vollkommene und genaue Beschreibung zu.a. d. Ue.

|300|

Ein Hr. G. L. S. macht im Mechan. Magaz. N. 416 S. 341 seine Bemerkungen über die vermeintlichen Vorzüge der Bienenstöke des Hrn. Nutt, als die man erstens die Regulirung der Temperatur des Bienenstokes, zweitens die Verhinderung des Schwärmens durch Oeffnung eines größeren Raumes, und |301| drittens den ungeheuren Ertrag eines einzigen Bienenstandes angibt. Ad 1) bemerkt er, daß die Regulirung der Temperatur ganz unnüz ist, indem die gewöhnlichen Bienenstöke, wenn sie troken gehalten werden, nie Krankheiten veranlassen. Im Sommer wird, nach seiner Meinung, die Luft durch die beständige Bewegung der Bienen und das Aus- und Einfliegen derselben hinlänglich regulirt und erneuert; und im Winter kann man die Stöke durch Sakleinewand oder Heu- oder Strohwische, welche man um dieselben windet, gegen Kälte schüzen. Ad 2) sagt er, daß es durchaus nicht richtig ist, daß man das Schwärmen jedes Mal dadurch verhindern kann, daß man den Bienen mehr Raum gibt, indem es eine bekannte Thatsache ist, daß sich oft Schwärme bilden, wenn auch der Bienenstok nur halb voll ist. Das Schwärmen scheint nach seiner Ansicht ganz von der Jahreszeit abzuhängen, zu welcher man den Raum erweitert; auch glaubt er, daß es, wenn es auch möglich wäre, das Schwärmen zu verhindern, doch nicht räthlich wäre, dasselbe zu thun, indem sich die Zahl der Bienen mit jedem Jahre in jeder Colonie verdreifachen würde, was gewiß kein Bienenzüchter verlangt. Was das Tödten der Bienen betrifft, so sagt er, daß es sich oft Mehr darum handelt die Zahl der Stöke zu beschränken, als sie zu vermehren, indem ein Schwarm in fünf Jahren nach einer mäßigen Berechnung deren 80 hervorbringt, so daß man am Ende weder Plaz noch Nahrung für dieselben hätte. Er tödtete daher bei seiner Bienenwirthschaft alle Stöke, die über 15 oder 16 Pfunde, oder unter 10 Pfund wiegen, indem erstere wegen ihres Alters sonst schwächer und weniger gesund werden, und leztere selten den Winter überleben. Ad 3) zieht er den großen Ertrag der Bienenstände des Hrn. Nutt in Zweifel. – Am Schlüsse sagt Hr. G. L. S., daß er mit den meisten der neu erfundenen Bienenkörbe Versuche anstellte, daß er aber an den meisten nichts Vortheilhaftes fand. Im vergangenen Jahrs hatte er sechs vierekige hölzerne Stöke aus zölligen, harzfreien Brettern von 14 Zollen Weite und 10 Zollen Höhe. An diesen Stöken wird ein Stük reines Glas von 5 Zollen auf drei in den Scheitel der Stöke gelegt, und, um das Licht abzuhalten, mit einem dünnen Stüke Holz bedekt. An jedem Stoke sind zwei Fluglöcher: eines vorn, und eines hinten; ein jedes derselben ist 3 Zoll lang und 3/8 Zoll hoch, und kann mittelst eines hölzernen Schiebers von 3/4 Zoll Höhe und 1/8 Zoll Dike geschlossen werden. An der Mitte dieses Schiebers ist ein Stük von 3 Zoll Länge und 3/8 Zoll Höhe weggenommen, und durch dieses kann er mit dem Flugloche correspondiren. Im Frühjahre und Sommer läßt Hr. G. L. S. den ganzen vorderen Eingang offen, wie aber der Herbst herannaht, schiebt er allmählich den Schieber ein, um den Stok vor den Räubereien der Wespen zu schüzen, indem die Bienen einen kleinen Eingang leichter vertheidigen können als einen großen. Diese Stöke stellt er auf zöllige Bretter von 33 Zoll Länge und 15 Zoll Breite. Will er den Bienen mehr Raum geben, so stellt er den vollen Stok an das Ende des Brettes, und vor diesen dann einen leeren mit offengelassenen Fluglöchern; diesen Stok nimmt er, wenn der alte gehörig entleert ist, weg. Bei diesem Verfahren hat er auch den Vortheil, daß er leicht zwei Schwärme vereinigen, oder einen schwachen Schwarm durch einen anderen verstärken kann; man braucht nämlich hierzu nur Abends die beiden Schwärme zusammenzubringen und 16 bis 18 Stunden lang die Fluglöcher geschlossen zu haben; denn nach dieser Zeit, sagt Hr. S., fand er jedes Mal, daß die Bienen sich vereinigt hatten, und ihre Arbeiten ruhig fortsezten. Im Winter bedekt Hr. S. alle seine Stöke mit einem Stüke Sakleinewand, über welches er noch einen beschädigten Milchasch sezt. Um das Füttern der Bienen zu vermeiden, welches nach seiner Ansicht immer |302| mit Nachtheilen verbunden ist, tödtet er im September, wie gesagt, alle Stöke, welche, ohne den Stok, über 16 oder 18, oder unter 10 Pfunde wiegen, indem erstere Quantität zu viel und leztere zu wenig Nahrung für den Winter andeutet.

Wir gaben hier die Ansichten des Hrn. S., ohne dieselben unterstüzen zu wollen, bloß als Controverse; im Gegentheile scheint uns derselbe öfter von irrigen Principien geleitet zu seyn. Seine Furcht vor zu großer Menge von Bienen ist bisher, selbst in England, noch nicht zu fürchten, und dürfte wohl für einzelne Bienenzüchter, aber nie im Allgemeinen ein Grund zum Tödten der Bienen werden. A. d. Ue.

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