Titel: d'Arcet, über die Casserolen
Autor: d'Arcet, Felix
Fundstelle: 1831, Band 42, Nr. LXXXIX. (S. 332–333)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj042/ar042089

LXXXIX. Bericht des Hrn. Felix d'Arcet über die Casserolen aus polirtem Gußeisen, welche die HHrn. Mareschal und Coisplet der Société d'encouragement vorlegten.

Aus dem Bulletin de la Société d'encouragement. August 1831. S. 408.

Es wurde schon oft versucht statt des Kupfers52) gehämmertes und verzinntes Eisen zur Verfertigung von Kuchengeräthen anzuwenden; auch das Gußeisen wurde schon wiederholt hiezu benuzt, theils indem man dasselbe, wie es noch gegenwärtig in Deutschland geschieht, überfirnißte, theils indem man es emaillirte, wie man in Schlesien und England verfährt. Alle diese Fabrikate erhielten jedoch keine ausgedehntere Anwendung: die einen verloren ihren Firniß, während sich an den anderen, in Folge der verschiedenen Ausdehnung des Metalles und des Emails in der Wärme, das Email in Schuppen ablöste, oder wenigstens überall voller Sprünge wurde, und dadurch ein unreinliches Aussehen bekam.

Später verfertigte man solche Gefäße aus unpolirtem Gußeisen, das mit gar keinem weiteren Ueberzuge versehen wurde; allein diese Casserole waren unbequem, zu dik und folglich zu schwer, und man gab daher ihren Gebrauch wenigstens in der Küche auf. Die Casserole der HHrn. Mareschal und Coisplet tragen keinen dieser Nachtheile an sich: sie sind bei gleicher Größe leichter als die kupfernen |333| und zwar in dem Verhältnisse von 100 zu 93; ihre Form ist wenigstens eben so bequem, und in ihren physischen Eigenschaften bieten sie nicht das Geringste dar, was der Gesundheit irgend einen Nachtheil bringen könnte. Die uns von den HHrn. Mareschal und Coisplet vorgelegten Gefäße waren zu 1, 3 und 5 Liter körperlichen Inhaltes; wir bereiteten eine ganze Woche hindurch alle Arten von Nahrungsmitteln in denselben. Die einzige Bemerkung, die wir hiebei zu machen Gelegenheit hatten, besteht darin, daß gewisse Gemüse schwarz wurden, und zwar um so mehr, je mehr Salläpfelsäure oder Gerbestoff in denselben vorhanden war. Die Schweinsbohnen z.B. wurden sehr schwarz, dagegen erhielten Blumenkohl, Erdäpfel, Spargel eine kaum bemerkbare Färbung. Diese Färbung findet übrigens nur in der ersten Zeit des Gebrauches dieser Casserole Statt, und läßt sich auch gleich vom Anfange her ganz vermeiden, wenn man die Gefäße verzinnen läßt, was sehr gut geschehen kann. Sie beschränkt sich übrigens nur auf eine sehr geringe Zahl von Nahrungsmitteln, und hätte, selbst wenn sie sich gar nicht vermeiden ließe, und wenn sie noch weit stärker und allgemeiner wäre, durchaus nichts Nachtheiliges für die Gesundheit, so daß dieser Nachtheil im Vergleiche mit der Gefahr, welche so häufig durch das Kupferoxyd oder den Grünspan entsteht, gar keine Beachtung verdient.

Um jede Idee einer Gefahr, die durch die Anwendung des Gußeisens zu Küchengeschirr entstehen könnte, zu entfernen, will ich bloß anführen, daß man sich in den meisten Casernen Frankreichs, Belgiens etc. und bei der Marine zum Sieden des Fleisches und zur Zubereitung der Gemüse bloß gußeiserner Gefäße bedient. Die Sauce des Gemüses, welches meistens aus Bohnen besteht, wird zwar schwärzlich, und daher nicht sehr angenehm aussehend, allein sie wird gegessen ohne je einen Nachtheil bewirkt zu haben, wie ich mich auf meiner Reise an Bord der Dido und Bellona zu überzeugen Gelegenheit hatte; die Bohnen hatten auch ungeachtet ihrer Färbung weder einen metallischen, noch sonst unangenehmen Geschmak.

Die HHrn. Gaultier de Claubry und Francoeur stimmen in ihren Versuchen, die sie mit den Casserolen der HHrn. Mareschal und Coisplet machten, ganz mit mir überein, und wir schlagen daher vor, die Gesellschaft möge den Erfindern ihre Zufriedenheit mit ihrem Fabrikate bezeugen, und dasselbe sowohl in Hinsicht auf Gesundheit, als auf Industrie allgemein empfehlen.

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Wir benuzen diese Gelegenheit, um auch von unserer Seite wiederholt auf die Schädlichkeit der Anwendung kupferner Küchengeschirre aufmerksam zu machen, die selbst bei der größten Reinlichkeit, viel weniger bei einer in Küchen nicht seltenen Nachlässigkeit, leider oft sehr fühlbarwerden. Wem sind nicht schon sowohl an öffentlichen Orten, als in Privathäusern, Gebäke vorgesezt worden, die an ihrer Kruste den widerlichen Kupfergeschmak besaßen, und wer wird sich wundern, daß die Leute auf den Genuß solcher vergifteter Dinge wenigstens Magenbeschwerden und dergl. klagen! Es gibt leider viele Hausfrauen, denen man nichts einreden darf, oder die wenigstens nie Unrecht haben wollen, und die sich daher auch nicht von ihrem Kupfergeschirre trennen wollen; aber noch unglaublicher ist es, daß viele, sonst verständige, Frauen den Essig zum Einmachen der Gurken in kupfernen Gefäßen sieden, oder ein Kupferstük in denselben legen, damit die Gurken schön grün bleiben! Die Damen sorgen für die Schönheit der Gurken wenigstens so gut, wie für ihre eigene: durch giftige, metallische Schminken! Noch weil schädlicher als ganz kupferne Gefäße sind aber solche, die stellenweise noch eine Spur von Verzinnung an sich tragen, oder eiserne Pfannen mit kupfernen Nägeln, die wir auch schon sahen. Möchten doch alle Hausväter die Confiscirung der kupfernen Küchengeräthe vornehmen, und lieber eine schwärzliche, als eine schöne, aber oft vergiftete, Sauce genießen wollen. A. d. Ue.

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