Titel: Platt, Verbesserungen an der Maschine zum Kämmen der Wolle
Autor: Platt, John
Fundstelle: 1831, Band 42, Nr. XCIX. (S. 357–358)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj042/ar042099

XCIX. Verbesserungen an der Maschine zum Kämmen der Wolle und anderer Faserstoffe, auf welche sich John Platt, Barchentweber zu Salford bei Manchester, Grafschaft Lancaster, in Folge einer von einem Fremden erhaltenen Mittheilung, am 10. Novbr. 1827 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem London Journal of Arts. Mai 1831, S. 68.

Mit einer Abbildung auf Tab. VI.

Diese Maschine ist so eingerichtet, daß die Wolle mittelst zwei sich umdrehender, kreisförmiger Kämme oder Hecheln gekämmt wird, während diese Operation bisher durch die Hände des Wollkämmers verrichtet wurde. Der Mechanismus, durch welcher diese sich drehenden Kämme in Bewegung gesezt werden, wird nicht als ein Theil des Patentes betrachtet; im Gegentheile man kann dieselben auf irgend eine andere, von der in der Zeichnung gegebenen verschiedenen Art und Weise treiben lassen. Den Hauptgegenstand des Patentes bilden bloß die eigene Construction der Kämme und die relative Stellung derselben zu einander.

Fig. 12 ist eine horizontale Darstellung der Maschine, welche aus einem vierekigen eisernen Rahmen oder Gestelle a, a besteht, der, wie der Endaufriß Fig. 13 zeigt, von Füßen getragen wird. b und c sind zwei Wellen oder Spindeln, von denen eine jede einen der kreisförmigen Kämme dd trägt. Diese Wellen oder Spindeln b, c sind nicht horizontal, sondern unter einem spizigen Winkel gegen den Horizont, und so gestellt, daß sie sich kreuzen. Die kreisförmigen Kämme, welche an den Wellen befestigt sind, drehen sich daher unter beträchtlichen Winkeln mit einer Senkrechten, und so gegen einander, wie sie in Fig. 13 dargestellt sind.

Die kreisförmigen Kämme sind in der Form gewöhnlicher, dünner, hölzerner Räder mit Armen oder Speichen gearbeitet, und die Radbüchse wird mittelst einer Schraube an der Welle befestigt. Die Spizen oder Hecheln sind in die Fläche des Randes eingesezt, und diese Kämme werden mittelst des gedrehten Riemens ee, der über die, an jeder Spindel angebrachte, Rolle f läuft, in entgegengesezten Richtungen gedreht, und durch ein, an dem Ende der Spindel oder Welle b befindliches Band und den Treiber g getrieben.

Während die Kämme rund herum gehen, müssen sie sich auch langsam einander nähern; dieß geschieht dadurch, daß die Zapfenlager der Welle c in Geleisen ruhen, und mithin hin und her gleiten können, so daß die Welle c und ihr kreisförmiger Kamm gegen den Kamm |358| an der Welle oder Spindel b gebracht werden kann. Diese hin und her gleitende Bewegung schlägt der Patent-Träger vor, durch eine Schraube ohne Ende und eine an dem unteren Theile des Gestelles angebrachte (in Fig. 12 aber nicht dargestellte) Schneke zu bewirken, durch welche die Welle c gradweise nach einer seitlichen Richtung bewegt wird, während der gedrehte Riemen e, der die beiden Wellen oder Spindeln mit einander verbindet, und c in Folge der Umdrehung von b bewegt, bei der Annäherung der beiden Kämme gegen einander mittelst der schweren Rolle h, welche mit dem Hebel i zusammenhängt, in gehöriger Spannung erhalten wird.

Wird nun diese Maschine in Thätigkeit gesezt, und will man mit derselben Wolle kämmen; so bringt man eine gehörige Menge roher Wolle zwischen die Spizen oder Hecheln der kreisförmigen Kämme; so wie nun diese in eine schnelle drehende Bewegung gesezt werden, so werden die losen Enden der Wolle durch die Centrifugalkraft nach der Richtung der Radii weggeschleudert, und von den Spizen oder Hecheln des anderen, sich umdrehenden Kammes gefangen, und dadurch die Fasern ausgezogen und in gerade Richtung gebracht werden.

Die Operation muß begonnen werden, während sich die Kämme in der größten Entfernung von einander befinden; so wie sich dieselben einander langsam nähern, werden die Enden oder Fasern der Wolle von den Spizen in größerer Tiefe gehalten werden, bis die Kämme an einander gekommen sind, während welcher Zeit die ganze Länge der Wollfasern glatt angekämmt und aus dem Kamme gezogen worden seyn wird, so daß man dann nur mehr mit der Hand die kurze, verworrene Wolle, oder den Rükstand, welcher in den Kämmen bleibt, mit der Hand zu entfernen, und demselben neuerdings für eine neue Operation mit frischer Wolle zu versehen braucht.

Der Patent-Träger nimmt folgende drei Dinge als seine Erfindung in Anspruch: 1) die Construction der kreisförmigen Kämme; 2) die schiefe Richtung, in welcher sie gegen einander gestellt sind, und in welcher sie sich umdrehen, und 3) die Vorrichtung, durch welche die Kämme einander genähert werden, und auf die Fasern der Wolle wirken.

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