Titel: Mittel um dem Weine den Faßgeschmak, und dem Branntweine den Geschmak nach den Träbern zu nehmen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 42, Nr. XXVI./Miszelle 19 (S. 74–75)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj042/mi042026_19

Mittel um dem Weine den Faßgeschmak, und dem Branntweine den Geschmak nach den Träbern zu nehmen.

Hr. Toulouzan sagt in den Annales provençales Janvier 1831 (aus welchen diese Notiz in den Agriculteur manufacturier Fevr. 1831 S. 271 überging), daß die Meine der Provence oft einen Faßgeschmak annehmen, wodurch sie dann außerordentlich an Werth verlieren. Um ihnen diesen Geschmak zu nehmen, wurden verschiedene Mittel vorgeschlagen, unter welchen jedoch das Verfahren Pommier's (welches darin besteht, daß man eine dünne Schichte Olivenöhl auf den Wein gießt, diesen damit schüttelt, und dann das Oehl, welches den üblen Geschmak an sich gezogen hat, wieder abgießt), den Vorzug erhielt. Dieses Verfahren ist jedoch bei großen Quantitäten schwer anwendbar, indem es nur in kleinen Gefäßen ausgeführt werden kann, und bei großen Mengen Wein auch eine beträchtliche Quantität Oehl erfordert. Ueberdieß behält der Wein dabei immer noch einen mehr oder weniger kenntlichen Faßgeschmak. Ein Gutsbesizer in der Nähe von Air wendet daher das Oehl auf eine andere, vortheilhaftere Weise an; er nimmt einen Aermel, wie ihn die Liqueur-Fabrikanten zum Filtriren nehmen, taucht diesen in Jungfern-Oehl, läßt ihn dann abtropfen, und filtrirt durch denselben ein Faß Wein, indem er ihn an dem Hahne befestigte. Der filtrirte Wein wird in einen Kolben gegossen, wo sich eine Schichte Oehles auf demselben bildet, die zu wiederholten Malen mit einer Messerklinge abgenommen |75| wird. Der auf diese Weise behandelte Wein hat allen Faßgeschmak verloren, allein er besizt auch gar kein Bouquet, diesem Fehler ist. jedoch leicht durch Zusaz von etwas Himbeeren-Essenz abzuhelfen. – Hr. Serullas empfahl das Oehl auch, um dem Branntwein den Geschmak nach den Träbern zu nehmen; dieser Zusaz muß jedoch bei der Destillation geschehen. Man kennt indessen schon seit langer Zeit ein wohlfeileres und sichereres Mittel, und dieses besteht darin, daß man einige Tropfen flüchtiges Alkali in den Branntwein gießt, welches dann alles Empyreumatische einsaugt. Dieses Mittel erfordert übrigens große Behutsamkeit, denn ein Tropfen davon zu viel zugesezt, gibt der ganzen Flüssigkeit einen ammoniakalischen Geruch, der schwer zu entfernen ist. Sezt man dem, auf diese Weise rectificirten Weingeiste eine gehörige Dosis Gerstenzuker zu, so erhält man einen Liqueur, der für alten Cognac. gelten kann. Beim Erdäpfelbranntweine zeigt sich dieses Verfahren vorzüglich besser, als die Reinigung durch die Chlorüre.

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