Titel: Ueber die Unterhaltung und Erneuerung der Obstgärten auf Pachtgütern.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 42, Nr. XXVI./Miszelle 27 (S. 78–79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj042/mi042026_27

Ueber die Unterhaltung und Erneuerung der Obstgärten auf Pachtgütern.

In dem Register of Arts 1831 Julius S. 122 befindet sich ein, aus den Transactions of the Society of Arts gezogener, Brief des Hrn. Georg Aikin Esq. über die Art und Weise, auf welche die Obstgarten auf den Pachtgütern leicht erhalten und erneuert werden können. Er lautet so: „Es ist leider eine allgemein richtige Bemerkung, daß die Obstgarten auf den Pachtgütern, jene Fälle ausgenommen, in welchen sie im Großen bewirthschaftet werden, und einen wichtigen und einträglichen Zweig der Landwirtschaft bilden, sich größten Theils in einem sehr vernachlässigten Zustande befinden, und daß wenig oder gar keine Sorgfalt auf das Puzen der Bäume, und auf den Ersaz derjenigen verwendet wird, die aus Alter zu Grunde gingen, oder durch Stürme umgerissen wurden. Einige der Pächter, besonders jene, deren Pacht nach Willkür aufgekündigt werden kann, scheuen die Ausgaben für neue Bäume; und ein großer Theil anderer besizt so wenig Liberalität und Unverdorbenheit des Herzens, daß er auch da pflanzen möchte, wo er für seine Person der Ernte nicht ganz gewiß ist. Da bei dem gegenwärtigen, darniederliegenden Zustande der Landwirthschaft jede Art von Vermehrung des Einkommens der Landwirthe von hoher Wichtigkeit ist, so will ich eine Methode zur Erneuerung der Obstgarten vorschlagen, die sich durch die Erfahrung bewährt hat, und die so wenig Ausgaben verursacht, daß sie gewiß von jedem Pächter ausgeführt werden kann. Meine Methode besteht nun kurz in folgendem Verfahren: Bei dem jährlichen Fällen des Unterholzes befehle ich, daß alle Wildlinge sorgfältig geschont werden sollen; diese werden hierauf im nächstfolgenden Jahre gepfropft, und an die leergewordenen Stellen des Obstgartens versezt. Außer dem, daß ich mir auf diese Weise ohne Kosten neue Bäume verschaffe, habe ich noch den Vortheil, daß ich der Sorten, die ich bekomme, und von denen ich die besten auswählen kann, ganz gewiß bin; und daß die Bäume, da sie an Ort und Stelle aufwuchsen, durch das Versezen, welches sonst durch Veränderung des Klima's des Bodens oft so nachtheilig einwirkt, durchaus nicht leiden. Ich verschaffte mir auf diese Weise jährlich an 30 der schönsten Apfelbäume, eine Zahl die hinreicht, um meine Obstgärten in wenigen Jahren wieder in blühenden Zustand zu versezen.“ – Wem fällt bei obiger Schilderung des Zustandes der Obstgarten auf den englischen Pachtgütern, nicht derselbe Verfall der Obstcultur in unserem eigenen Vaterlande ein? Täglich hört man bei uns dieselben Aeußerungen; nicht Pächter, sondern Leute, die für ihre eigenen Nachkommen auf ihrem eigenen Grund und Boden sorgen sollten, scheuen sich etwas zu pflanzen, weil sie die Früchte ihrer Pflanzung nicht mehr selbst erleben würden! |79| Man hat in einigen Orten angefangen, den Jungen wöchentlich ein Mal durch den Dorf-Schullehrer auch in der Obstbaumzucht Unterricht geben zu lassen; allein diese höchst wohlthätige und nicht genug zu lobende Einrichtung ist noch nicht allgemein genug verbreitet, und erhält wenig oder keine Aufmunterung, auch sezt sie voraus, daß die Schullehrer richtige Kenntnisse in der Baumzucht besizen, nicht immer der Fall ist, und auch nicht verlangt werden kann, so lange man nicht für deren zwekmäßige Bildung sorgt, so lange sie so gering geachtete Personen sind; so lange man ihnen nicht in finanzieller und anderer Hinsicht eine Stellung gibt, die mit dem großen Einflusse, den sie auf den größten und vorzüglich den producirenden Theil der Bevölkerung, und mithin auf das Wohl des Staates ausüben, einiger Maßen im Einklange steht; und so lange der Schullehrer mehr Meßner seyn muß, als Lehrer. Diesem Uebelstande wird aber nicht abgeholfen werden, so lang man eine Partei, in deren Interesse es ist, Dummheit und Finsterniß zu unterhalten, einen so mächtigen Einfluß auf Unterricht gestattet, wie er sich ihn bei uns wieder zu verschaffen wußte. Um nun wieder zu unserer Obstbaumzucht zurükzukehren, wollen wir schlüßlich nur noch bemerken, daß es nicht genug ist, das Pflanzen von Obstbäumen allein zu begünstigen; denn wenn man Obstbäume ohne Verstand überall hinpflanzt, wenn man die Pflanzer nicht belehrt, was für diesen, was für jenen Boden und andere Localverhältnisse taugt, und wie sie ihre Zöglinge zu behandeln haben, so wird, wie man es an so vielen Orten sieht, der größte Theil der gepflanzten Bäume zu Grunde gehen, und dieser schlechte Erfolg, der als richtige Erfahrung ausgelegt werden wird, wird 10 Mal mehr schaden, als man durch alle Aufmunterung wieder gut zu machen vermag.

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