Titel: Aker- und Gartenbau-Gesellschaft zu Calcutta.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 42, Nr. XXVI./Miszelle 28 (S. 79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj042/mi042026_28

Aker- und Gartenbau-Gesellschaft zu Calcutta.

Die Akerbau- und Gartenbau-Gesellschaft (Agricultural and Horticultural Society), welche sich zu Calcutta gebildet hatte, bestand am 1. Jul. 1828 aus 97 Mitgliedern, worunter sich auch bereits einige Eingeborne befanden, wie dieß aus dem ersten Bande der Abhandlungen dieser Gesellschaft, der vor Kurzem nach Europa kam, erhellt. Der Hauptzwek der Gesellschaft besteht darin den auf blindes Herkommen, Unwissenheit und Castengeist gegründeten Schlendrian, nach welchem der Akerbau in Indien getrieben wird, zu stürzen, und dem Volke zu zeigen, daß es heute zu Tage nach besseren Grundsäzen und mit besseren Instrumenten arbeiten könne, als mit jenen, an denen es seit 2 und 3000 Jahren hängt. Die Aufgabe ist groß, und die Lösung derselben hat bei den so eingewurzelten Vorurtheilen der Indier noch geringe Fortschritte gemacht. Doch erkennt man bereits deutlich die guten und nüzlichen Wirkungen und Leistungen des botanischen Gartens zu Calcutta, auf welchen die Ostindische Compagnie jährlich 5000 Pfd. Sterl. verwendete, und in welchem dieselbe durch den ausgezeichneten Naturforscher, Director Wallich Alles sammeln und durch Versuche erproben ließ, was in irgend einer Hinsicht von Nuzen für die Colonie werden könnte. In neuerer Zeit, wo den Angelegenheiten der Compagnie eine Veränderung bevorstand, wurden zwar die Summen, die dieselbe auf Botanik, Zoologie, Mineralogie, Agricultur etc. verwendete, vermindert, allein man hofft, daß sie bald wieder ihre großartige Förderung aller dieser Zweige fortsezen werde. Wir sind keine Freunde der Monopole; allein wir sind überzeugt, daß Indien durch Aufhebung der Ostindischen Compagnie gegenwärtig verlieren würde. Nur eine Gesellschaft wie diese, konnte den Handel großartig betreiben; sie erkannte, daß es sich weniger darum handelt, den Handel zu beleben, als darum, zu bewirken, daß ein Land etwas erzeuge, womit es Handel treiben kann. Gibt man Ostindien mit allen seinen Schäzen jezt schon den englischen Krämerseelen Preis, so werden dieselben immer herausziehen wollen, ohne je etwas hinein zu thun; sie werden es aussaugen, und wäre es auch noch 10 Mal so reich, als es ist. Für die englischen Krämer wird Ostindien immer ein fremdes, und daher zu übervortheilendes Land bleiben, während die Ostindische Compagnie in Ostindien gleichsam ihr Vaterland sah und hatte.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: