Titel: Ueber den Dampfdestillir-Apparat des Hrn. Adam Kasperowski,
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 42, Nr. XXVI./Miszelle 3 (S. 66–68)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj042/mi042026_3

Ueber den Dampfdestillir-Apparat des Hrn. Adam Kasperowski,

gewesenen Majors der polnischen Truppen und Ritters mehrerer Orden, wurde der Redaction des polytechn. Journales durch die HHrn. Kuhn und Millikowski in Lemberg die folgende Nachricht mitgetheilt, an welche leztere sich diejenigen, welche der Gegenstand näher interessirt, in Ermangelung der Angabe des Orts, wo Hr. Kasperowski wohnt, bei weiter zu verlangender Auskunft zu wenden haben. Hr. Kasperowski sagt wörtlich:

Um nicht eine Kritik der verschiedenen bisher aufgestellten und vorgeschlagenen Dampfdestillir-Apparate zu liefern, – glaube ich am deutlichsten, die Vollkommenheit derer durch Vergleich darzustellen, in wie weit diese den ökonomischen Forderungen entsprechen, und mit Thatsachen bewiesen werden können.

Die allgemeine Forderung wäre: Mit dem kleinsten Kapital, und dem wenigsten Brennmateriale, die allmöglichste Quantität der Maische mit der größten |67| Schnelligkeit und Einfachheit des Apparates hinsichtlich der zu erzwekenden Destillirung, in Branntwein zu verwandeln.

Den Aufwand des geringsten Kapitales auf die Anschaffung eines Dampfdestillir-Apparates glaube ich am kürzesten zu beweisen, wenn ich sage, daß mein Dampfkessel aus geschlagenem Eisenblech, – die Schlangen von Kupfer, und alle übrigen zur Destillation gehörigen Gefäße, so wie die Verbindungs-Dampfröhren von Holz verfertiget sind. Die Fermentationsbottiche, von welchen jeder 6000 Pfund Schrot oder 75 Scheffel Berl. Maß fassen, sind ihrer sechs, ebenfalls von Holz, und bedürfen gar keines Eisens. Diese vortheilhafte Benuzung ist durch drei Jahre erprobt worden und unterlag nicht dem geringsten Schaden.

Mein Dampfkessel hat durch seine eigentümliche Construction nur 60 Quadratfuß der Flamme ausgesezte Fläche, und verwandelt in einer Stunde 320 bis 576 Quart Wasser in Dämpfe, mittelst welchen in 3 1/2 bis 3 3/4 Stunden die Maische von 3000 Pfunde Schrot oder 37 1/2 Scheffel abgebrannt werden, und deren Abtreibung zwei des Tages geschehen, weil in einem Tage 6000 Pfund Schrot oder 137 Scheffel Kartoffeln eingemaischt werden.

Der ganze Betrieb, was Feuer anbelangt, dauert nämlich:

das Dämpfen der 137 Scheffel Kartoffeln 1 1/4 bis 1 1/2 Stunden
das Abtreiben der zwei Kessel 7 – 7 1/2 –
––––––––––––––––––––
zusammen 8 1/4 – 9 Stunden.

In der Zwischenzeit, wenn der Spühlich ersterer Hälfte der ganz täglichen Einmaischung abgelassen, und auf die andere Hälfte der Maischbottich gefüllt wird, brennt das Feuer eine halbe Stunde schwach, also ist der ganze Feuergebrauch nur 9 bis 9 1/2 Stunden, – obwohl alle beiden Füllungen mit der kalten Maische geschehen, weil ich mit dem Maischwärmer mehr Angelegenheit und mehr complicirtes Apparat gefunden habe, und nur eine halbe Stunde mehr die Operation dadurch mit einem kleinen Zusaze des Brennholzes verzogen habe.

Uebrigens braucht mein ganztägiger Betrieb nur 3 1/2 volle Füllungen des Feuerraumes, damit das Dämpfen der 137 Scheffel Kartoffeln und die Abtreibung derselben als Maische zwei Mal des Tages, sammt allen übrigen Feuerbedürfnissen in 8 bis 9 Stunden bewirkt wird. Mein Feuerraum auf Brennholz enthält 58 Kubikfuß, woraus sich jeder nach Abschlag des Raumes, welchen das Holz zurükläßt, weil der Ofen nicht vollgestopft seyn kann, und der Spielraum der Flamme gelassen werden muß, den wahren Bedarf des Brennmaterials berechnen kann, und bei uns zum täglichen Abtreiben der 6000 Pfund Schrot wöchentlich 7 Kubikklafter verbraucht werden.

Um die Einfachheit des Apparates noch zu beweisen, bilde ich die Zusammensezung desselben in Buchstaben, nämlich:

Textabbildung Bd. 42, S. 67

A Der Dampfkessel, aus geschlagenem Eisenblech, wiegt 20 bis 24 Centner. Enthält sammt Dampfraum und Wasser 187 1/2 Kubikfuß oder 6000 Quart, wird gefüllt mit 3860 Quart. Hat 60 □ Fuß der Flamme ausgesezte Siedefläche. Liefert vermöge seiner besonderen Bau- und Feuerungsanlage statt 800 Pfund laut dem Grundsaze des Hrn. Gall in Trier beim Druke von einer Atmosphäre stets 970 Pfund Dampf in einer Stunde. Hat keinen Sicherungsventil, sondern einen Trichter, wodurch ununterbrochen das kalte Wasser zugelassen wird, und im Falle der Ueberspannung der Dämpfe, das Wasser aus dem Kessel durch ein bei demselben Trichter zugerichtetes Rohr in's Feuer läuft und löscht. Zwei Dampfkrahne vertheilen den Dampf in fünf Gefäße zum verschiedenen Gebrauch des Getriebes. Ein Glasrohr zeigt den Wasserstand im Kessel, und keine weitere complicirte Einrichtung, wie bei mehreren Dampfkesseln zu ersehen ist.

B der hölzerne Maischbottich, welcher auf einmal mit der kalten Maische von 3000 Pfund Schrot und der zwei Mal des Tages gefüllt wird, also jedes Mal in 3 1/2 bis 3 3/4 Stunden die Maische in Branntwein von 50/100 Tralles verwandelt wird.

C Der Rectificator, wodurch der Branntwein von 50/100 Tralles rein schmakhaft, weil vom Holze kein Fusel entzogen werden kann, erhalten wird.

Der ganze Destillations-Apparat besteht also von einem Dampfkessel, einem |68| Maischbottich, einem Rectificator und einem Kühlfaß, welches leztere hinter der Wand des Gebäudes aufgestellt, mittelst eines Rohres durch die Wand in einer Minute 3 bis 9 Quart Branntwein und 7 bis 3 Quart Nachlauf liefert. Des Tages also das bestmöglichste Product 1080 Quart von 50/100 Tralles eingetrieben wird.

d Die Vorlagen. e Bottich, worin Wasser mittelst Dampf zum Gebrauche der Reinigung der Gefäße gewärmt und sogar gekocht seyn kann. f Reservator, welcher dem Dampfkessel stets kaltes Wasser liefert, und die Dampferzeugung dadurch nicht vermindert wird. g Kartoffeldämpfer, worin 137 Scheffel Kartoffeln mittelst Dampf in 1 1/4 bis 1 1/2 Stunden gekocht werden. h Einmaischbottich, worin die Kartoffeln nach deren Zerreibung durchgeschlagen und eingestellt werden. – Dieser Bottich dient zur Einmaischung des Schrotes mittelst Dampf.

Die Zusammenstellung der Gefäße ist so angebracht, daß, nachdem die Kartoffeln in den Kartoffeldämpfer eingelegt sind, sodann mit der mechanischen Einrichtung verrieben, durchgeschlagen, in die Fermentationsgefäße und in den Maischbottich, so wie auch dem Spühlich mittelst Rinnen durchgelassen wird. Die Verbindungsdampfröhren sind von Holz. Mit diesem Apparate wird auch der Branntwein von 85/100 Tralles erhalten, wenn man den Maischbottich mit 2800 Quart 50/100 und dem Rectificator mit 300 Quart 75/100 füllt, welche Operation in 4 bis 4 1/2 Stunden geschieht. In wie weit Holz der Dampfdestillation entspricht, wenn nicht meine, durch 4 Jahre aufgestellten Apparate hinlängliche Beweise geliefert haben sollten, so mögen uns die Iffländer überzeugen, wo jeder Bauer die Destillation schon von lange her betreibt. Nicht minder bewähren dieses alle russischen Branntweinbrennereien, die schon durch mehrere Jahre dauern und sich vermehren. Die amerikanischen Branntweinbrennereien von Holz und die Behauptungen des Hrn. Gall in Trier begründen ebenfalls die günstigen Resultate dieses Unternehmens.

Um nicht viele Apparate gegen den meinigen in Vergleich zu stellen, werde ich nur die russischen genau vorlegen, indem die lezten deutschen Apparate dem lesenden Publikum in allen Verrichtungen bekannt sind. Die gewöhnlichsten Dampfkessel wiegen 40 bis 50 Centner, enthalten 260 Kubikfuß 80 □ Fuß Siedefläche, in 18 bis 20 Stunden treibbar 6000 Pfund Schrot. Das Brennmaterial wird dadurch ersichtlich. Eine Menge und große Dampfkrahne und wiegen sämmtlich bis 550 Pfund Messing, wogegen jene in meinem Apparate zu demselben Gebrauche an Gewicht nur 242 Pfund betragen. Die Schlangen wiegen gewöhnlich in Rußland 4500 Pfund, indem die meinigen wegen ihres besonderen Baues nur 600 Pfund wiegen, und dennoch in kürzerer Zeit dieselbe Menge kalten Branntwein liefern. Die näheren Bestandtheile meines Apparates sind in meinem Werke von 1828 und in dem neuen Werke von 1830 zu ersehen.

Uebrigens ist meine Einrichtung ganz besonders von der in Deutschland gebräuchlichen unterschieden, da bei mir nur vier bis fünf Mal so viel Wasser zum Einmaischen nach dem Gewichte gebraucht wird. Der Stellungsgrad der Wärme von 40 bis 20 willkürlich seyn kann. Die Gährungsbottiche nicht bedekt, und dennoch 400 Pfund Schrot liefern 16 bis 18 Quart Branntwein 50/100 Tralles, oder 400 Pfund Kartoffeln liefern 6 bis 7 Quart Branntwein 50/100 Tralles.

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