Titel: Amerikanische Colonie in Afrika.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 42, Nr. XXVI./Miszelle 30 (S. 80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj042/mi042026_30

Amerikanische Colonie in Afrika.

Während die neueren Colonien aller Staaten in Afrika, mit Ausnahme einiger weniger, wenig Glük machten, und einige sogar zum Nachtheile der Regierungen unterhalten werden, schreitet die amerikanische Negercolonie Liberia, auf welche nur die geringe Summe von 27,000 Pfd. Sterling verwendet wurde, äußerst rasch vorwärts. Vor acht Jahren noch war Cap Messurado nichts als ein Sklavenmarkt, auf welchem jährlich 10,000 solche, durch christliche Liebe und Eigennuz zum Vieh entwürdigte, Menschen verkauft wurden. Seit dieser kurzen Zeit wurde daselbst dieser schändliche Handel ganz aufgehoben, und es entstand dafür eine Colonie, die aus 2000 in Amerika emancipirten Sklaven besteht. Es wurden Schulen und Kirchen gegründet, der Handel wird lebhaft betrieben, und selbst eine Zeitung erscheint bereits, und zwar ohne schwarze Cousur! Zehntausend Eingeborne wurden schon vom wilden Nomadenvolke zum akerbautreibenden gemacht. In der Stadt Monrovia allein wurden im Jahre 1830 an 25 steinerne Wohnhäuser erbaut. Es bildete sich eine Schifffahrtscompagnie, die St. Paul's River Navigationscompany, die jedoch noch nichts leistete. Das Uebel einer jeden größeren Gesellschaft, das Zahlen von Steuern, ist auch schon im Gange, aber auf eine Art. die eben so zwekmäßig und wenig belästigend in der Abforderung, als wohlthätig in ihrer Verwendung ist. Wer 100 Dollars Realvermögen hat, bezahlt davon 50 Cents, und der Ertrag dieser Steuer ist lediglich für die öffentlichen Schulen bestimmt. Auf geistige Getränke ist eine starke Auflage gelegt, und deren Ertrag auch bloß für die Schulen angewiesen. Es wurde ein eigener Plaz für den Gottesdienst errichtet, mit welchem eine Sonntagsschule verbunden ist; die Sittenlehren, die dort den Eingebornen, den amerikanischen Negern und wieder frei gemachten Sklaven ertheilt werden, sollen besser seyn, als jene, welche man in den Predigten in Nordamerika hört. Streitigkeiten sollen äußerst selten vorkommen. Das amerikanische, auf Freiheit, weniges Regierenwollen, und Verbreitung von Unterricht begründete Colonisationssystem scheint sich mithin auch in Afrika als das Beste erwiesen zu haben. (Aus dem Mechan. Magaz. N. 418 S. 383).

Wer Mehreres hierüber lesen will, wird es im Mechan. Magaz. N. 418 S. 383 und N. 420 S. 410 in einem schönen Aufsaze des Agenten der amerikanischen Colonisationsgesellschaft, des Hrn. Elliott Cresson, welcher sich gegenwärtig in London aufhält, finden. Menschenfreunde werden daraus sehen, daß sie. um die geringe Summe von 7 Pfd. 10 Sh. (90 fl.) die Freiheit eines freigelassenen nordamerikanischen Sklaven sichern, seine Ueberfahrt nach Liberia bestreiten, und ihn daselbst zum freien Eigenthümer von 30 Morgen fruchtbaren Landes machen können!

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: