Titel: Parker's große convexe Linse, und Verfall der Flintglasbereitung in England.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 42, Nr. XXVI./Miszelle 7 (S. 70–71)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj042/mi042026_7

Parker's große convexe Linse, und Verfall der Flintglasbereitung in England.

Im Mechan. Magaz. wurde Bedauern darüber geäußert, daß hie herrliche convexe Linse, welche Hr. Parker verfertigte, und welche als ein unvergleichliches Meisterstük der englischen Kunst gepriesen wurde, nach China wanderte. Hierauf antwortet nun ein Hr. J. Smith im Mechan. Magaz. N. 417 S. 354, daß er nicht einsehe wie, die Ausfuhr dieser Linse einen Nachtheil für die Künste haben könne, indem die Wirkungen derselben wohl als Curiositäten sehr interessant sind, allein keinen praktischen Werth haben; er sagt ferner, daß, wenn es nöthig und nüzlich seyn sollte, solche Linsen zu verfertigen, man sich leicht andere, eben so gute verschaffen könnte, und behauptet endlich, daß diese herrliche Linse in China eben so großen Nuzen bringen wird, als wenn sie in den Sammlungen der Royal-Institution aufbewahrt, würde. Es scheint uns wahrhastig gegen alle Förderung der Künste und Wissenschaften zu verstoßen, wenn man so etwas im Ernste behaupten kann. Nie ist es möglich, daß ein nur etwas verständiger Mensch behaupten kann, der Verlust von etwas, das man in seinen Wirkungen noch nicht genau kennt, und dessen praktischer Werth noch gar nicht zu bemessen ist, könne keinen Nachtheil für Künste und Wissenschaften haben? Daß die Aufbewahrung der Linse in den Sammlungen der Royal-Institution keinen Nuzen gestiftet haben würde, wollen wir gern zugeben; denn in dieser Anstalt scheinen, so wie in vielen unserer deutschen, gelehrten und ungelehrten, Anstalten verschiedenen Namens, die Sammlungen nicht zum Unterrichte, zur Verbreitung von Kenntnissen, zur Förderung der Künste und Wissenschaften durch fortgesezte Beobachtungen und Versuche zu bestehen; sondern sie scheinen oft bloß zur Schau, zur Erprobung der Wirkung der Einflüsse der Zeit, der Insecten etc., oder höchstens zur Befriedigung der Bedürfnisse einzelner Vorstände vorhanden zu seyn. Es wird sich zeigen, ob die Chineser nicht mehr Nuzen von ihrer Acquisition zu ziehen wissen werden, als die Engländer. – Wir wollen nicht länger bei diesen Betrachtungen stehen bleiben, und lieber die Resultate der Versuche, angeben, die mit dieser Linse gemacht wurden, die vielleicht vielen unserer Leser unbekannt blieben, und die Hr. Smith auf folgende Weise zusammenstellte. 1) Jede Art von Holz, es mochte ausgetroknet, oder grün, oder in Wasser eingeweicht seyn, entzündete sich augenbliklich. 2) Dünne Eisenplatten wurden in einem Augenblike heiß, und schmolzen dann. 3) Ziegel, Schiefer, und alle Arten von Erden wurden sogleich verglast. 4) Schwefel, Pech und alle harzigen Körper schmolzen unter Wasser. 5) Brennholz, welches unter Wasser in den Brennpunkt gebracht wurde, schien ganz unverändert; allein beim Zerbrechen zeigte es sich innen ganz verkohlt. 6) Brachte man die Gegenstände auf Kohle in den Brennpunkt, so wurde dadurch die Wirkung der Linse bedeutend erhöht. 7) Jedes Metall schmolz auf Kohle augenbliklich, wobei das Feuer wie eine Schmiede Funken sprühte. Obschon nun die Hize im Brennpunkte so groß war, daß Gold in wenigen Minuten in Fluß kam, so war doch in geringer Entfernung davon die Hize so schwach, daß man den Finger ohne allen Nachtheil bis auf einen Zoll dem Brennpunkte nähern konnte. Der Eigenthümer der Linse hatte die sonderbare Neugierde zu versuchen, welche Empfindung diese Hize am menschlichen Körper hervorbrachte; er stekte daher den Finger in den Brennpunkt, und versicherte darnach, daß das dadurch verursachte Gefühl keineswegs jenem gleiche, das ein Verbrennen am Feuer oder Kerzenlicht hervorbringt, sondern jenem, welches durch einen heftigen Schnitt mit einer Lanzette erzeugt wird.

Obgleich Hr. Smith oben sagte, daß man, wenn es von Nuzen wäre, leicht eine eben so vortreffliche Linse verfertigen könne, wie jene Parker's war, so |71| gibt er doch weiter unten, einen Beweis des Verfalles der Optik in England, aus welchem hervorgeht, daß diese Linse doch nicht so gar leicht ersezt werden könne. Er sagt nämlich, daß weit mehr als der Verlust von Parker's Linse, das gänzliche Aufhören der Glasfabrik zu East-Smithfield zu bedauern sey, welche nicht bloß wegen ihrer Spiegelgläser, sondern auch wegen der Erzeugung von Glas für Optiker berühmt war. Das Glas, welches diese Fabrik den Optikern lieferte, soll jenes aller übrigen Fabriken Englands und des Continentes an Güte und Reinheit übertröffen haben. Er sagt ferner, daß es gleichfalls mehr zu bedauern sey, daß das Flintglas, welches in England gegenwärtig zu Objectivgläsern erzeugt wird, täglich schlechter wird, und daß man, wenn man ein gutes Stük Flintglas brauche, sich an Frankreich wenden müsse, welches, nach seiner Meinung, diesen Zweig der Künste auf den höchsten Grad gebracht habe. Wir hoffen, daß unser bayersches Flintglas dem französischen nicht nachstehen werde, und daß der Engländer bloß deßwegen des bayerschen nicht erwähnte, weil er, wie dieß leider in England so häufig der Fall ist, nicht weiß, was auf dem Continente, und besonders in Süddeutschland in Künsten und Wissenschaften geschieht.

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