Titel: Ueber Benuzung der Drachen zur Schifffahrt und anderen Zweken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 42, Nr. XLI./Miszelle 5 (S. 158–159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj042/mi042041_5

Ueber Benuzung der Drachen zur Schifffahrt und anderen Zweken.

Wir haben unsere Leser schon öfter mit den verschiedenen Vorschlägen und mit den Resultaten der Versuche unterhalten, die in neuerer Zeit mit den Drachen angestellt wurden, die lange Zeit bloß unter den Vergnügungen der Knaben eine Rolle spielten, und die allerdings einst noch verschiedene Anwendungen erfahren dürften. Wir finden im Mechanics' Magazine N. 406 S. 188 einen mit Rend unterschriebenen Aufsaz über diesen Gegenstand, aus welchem wir Folgendes ausziehen wollen. Hr. R. schlägt vor, große, sehr leichte und doch starke und dauerhafte, Drachen von 15 Fuß Länge und von angemessener Breite zu verfertigen, und dieselben so mit Angeln und Gewinden zu versehen, daß sie zusammengefaltet und in einen kleinen Raum gepakt werden können. Nach Hrn. R. soll jedes in See gehende Schiff ein Paar, mit solchen Drachen gefüllte, Kisten mit sich nehmen, von welchen er sich folgende Vortheile verspricht. Wenn Jagd auf etwas gemacht, oder wenn man verfolgt wird, könnte man mehrere solche Drachen steigen lassen, und dadurch ohne alle Gefahr die Schnelligkeit des Schiffes bedeutend vermehren. Da man diese Drachen an dem Buge des Schiffes, und selbst unter dem Verdeke befestigen könnte, so kann durchaus keine Gefahr des Umschlagens des Schiffes Statt haben, wie dieß bei der Höhe der Maste bei heftigen Windstößen und aufgespannten Segeln zuweilen der Fall ist; die auf diese Weise angebrachten Drachen haben sogar im Gegentheile die Neigung das. Schiff aus dem Wasser herauszuheben. – Man könnte ferner die Drachen bei gehöriger Anspannung derselben benuzen, um das Ziehen schwer beladener Schiffe zu erleichtern. – Da die Strömung der Luft einige hundert Fuß über der See oft ganz von dem, auf der Oberfläche derselben wehenden, Winde verschieden ist, so meint Hr. R. die Drachen könnten sehr gut bei Gegenwind angewendet werden: er schließt dieß aus mehreren Versuchen, welche vor Kurzem mit einem kleinen, mit Drachen bespannten, Bothe gemacht wurden, und welche vollkommen gelangen. – In Seeschlachten ist das sogenannte Gewinnen des Windes ein Gegenstand von großer Wichtigkeit; man könnte der Gefahr, in die man dadurch durch den Feind gesezt wird, durch das Steigenlassen von Drachen auf verschiedene Höhe, vorbeugen. – Ueberdieß könnten auch Drachen, da sie außer der Schußhöhe des Feindes liegen, das Schiff aus der Gewalt desselben retten, wenn die Maste abgeschossen sind, was häufig geschieht. Ferner geschieht es oft, daß Schiffe unter dem Schuze des Landes wegen Windstille ruhig stehen, während sie sich in geringer Entfernung vom Lande eines angenehmen Windes erfreuen würden; in solchen Fällen könnten gleichfalls Drachen Hülfe leisten. – Ebenso könnten sie sehr großen Nuzen bringen, wenn man sich ihrer da bediente, wo man auf schmalen Wasserflächen wegen widrigen Windes laviren muß, und wo nach der gewöhnlichen Methode jedes Mal ein bedeutendes Zurükweichen Statt hat, wenn der Vordertheil |159| direct gegen den Wind zu stehen kommt. Endlich meint Hr. R. noch, daß wenn Hr. Parry bei seiner lezten. Nordpol-Expedition seine Schlitten hätte durch Drachen ziehen lassen, er wahrscheinlich eher sein Ziel erreicht hätte! – Sollte die Drachenfahrt hiernach irgend einen wesentlichen Fortschritt machen, so werden wir nicht ermangeln, denselben unseren Lesern schnell mitzutheilen.

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