Titel: Ueber Gouëzou's Anwurf für Häuser.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 42, Nr. LXI./Miszelle 10 (S. 218)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj042/mi042061_10

Ueber Gouëzou's Anwurf für Häuser.

Im Bulletin de la Société industrielle de Mulhausen N. S. 453 befindet sich folgender interessanter Brief des Hrn. Morin über den Anwurf, welchen Hr. Gouëzou, Mahler zu Saint-Brieux, erfand. „Der Anwurf, mit welchem Hr. Gouëzou sein Haus anwerfen ließ, erhielt sich vollkommen gut ohne Sprünge zu bekommen, obwohl er den strengen Winter von 1829 zu überstehen hatte. Zu bemerken ist jedoch, daß die Terrasse, welche er damit überziehen ließ, nur 5 bis 6 Meter breit ist, und daß bei einer solchen Breite die Ausdehnung und Zusammenziehung wenig merklich ist. Die Länge derselben betrug jedoch 15 bis 16 Meter. Es ist bekannt, daß jeder Anwurf, der nicht schlecht werden soll, weder an der Sonne schmelzen, noch in der Kälte springen darf; aus diesen Gründen mischt man auch, wenn man Harz- oder Theertünchen anwendet, wenigstens das Doppelte an Kalksand unter dieselbe. – Der Anwurf des Hrn. Gouëzou wird nun auf folgende Weise bereitet. Man läßt einen Boden (planches) aus Bohlen machen, welche von einem gut abgespreizten hölzernen Fußgestelle getragen werden. Die Bohlen lassen leere Zwischenräume von 2 bis 3 Zoll zwischen einander, die man mit Steinen ausfüllt, welche mit Hammerschlagen eingetrieben, und mit gut eingerührtem Gypse mit einander verbunden werden. Die Bohlen werden so rauh als möglich gelassen. Auf diese Fläche wird nun die erste Schichte des Ueberzuges gebracht, der aus doppelt gebrannten, gepulverten und gesiebten Ziegelsteinen besteht, denen man etwas, in dem Pulver derselben abgelöschten, Aezkalk zusezt, und unter welche man so viel Kalbshaare mischt, als nöthig ist, um eine zur gebundene Masse zu geben. Sobald dieser Ueberzug, welcher 1/2 bis 1 Zoll dik seyn muß, zu troknen anfängt, glättet man denselben bis zur vollkommenen Trokenheit beständig mit einer Kelle. Dieß muß bei einem Wetter geschehen, welches weder zu heiß, noch zu feucht ist. Ist dieser Ueberzug getroknet, so trankt man ihn, wenn er von der Sonne, oder auf eine andere Weise erwärmt ist, mit siedendem Leinöhle, und fährt damit so lang fort, bis der Ueberzug glänzt. Ist Alles dieß geschehen, so gießt man auf diesen ersten glänzenden Ueberzug eine Flüssigkeit, welche aus 14 Pfunden Leinöhl, 1 Pfunde Bleiglätte, 1/2 Pfunde Harz und 4 Pfunden flüssigem Theer besteht, und welche drei Stunden lang gekocht haben muß. Von dieser Flüssigkeit bringt man in heißem Zustande zwei Schichten auf die erwärmten Stellen. – Ein Quadratmeter dieses Anwurfes kann auf 2 1/2 bis 3 Franken kommen.“

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