Titel: Ueber die Errichtung von Baumwoll-, Kaffee- und Zukerpflanzungen in Frankreich.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 42, Nr. LXI./Miszelle 14 (S. 220–221)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj042/mi042061_14

Ueber die Errichtung von Baumwoll-, Kaffee- und Zukerpflanzungen in Frankreich.

Gegen das Ende des Jahres 1830 erschien zu Paris eine Broschüre unter dem Titel: De la facilité et des avantages de l'introduction en France de la culture en grand du Coton, du Café et notamment de la canne à sucre. 8. Chez M. Huzard. Der Agriculteur Manufacturier Fevrier 1831 gibt S. 266 einen Auszug aus diesem Werkchen, dessen Verfasser ein französischer Pflanzer ist, der 52 Jahre auf den Antillen lebte, und daher mit einiger Sachkenntniß über diesen Gegenstand schreiben kann. Wir wollen das, was über den Kaffeebaum und die Baumwollstaude gesagt wird, übergehen, indem diese beiden Gewächse sich nur für das südliche Frankreich und vorzüglich für Corsika eignen; noch besser aber, wie es uns scheint, für das unglükliche Spanien und für Algier. Mehr Interesse für uns hat die Einführung der Cultur des Zukerrohres, von welcher der Verfasser obiger Schrift meint, daß sie gerade im Elsaß, in Flandern, und im nördlichen Frankreich am besten gedeihen müsse, da sich dort die Cultur des Bodens bereits auf einer höheren Stufe befinde. Er würde daselbst den Zukerrohrbau auf folgende Weise führen. Anfangs März würden die Zukerrohrknospen oder Schößlinge in ein gut aufgelokertes und gedüngtes Erdreich gepflanzt; bis zum April bliebe die Vegetation mehr eine innere, im April, Mai, Junius würde die äußere Vegetation beginnen und fortschreiten, und das Rohr würde während dieser Zeit um so starker wachsen, je sorgfältiger es während derselben zwei Mal ausgegätet und ein Mal angehäufelt wird. In den Monaten Julius, August und September müßte noch Mal gegätet werden, und das Abschneiden der Blätter und das Abköpfen geschehen, so daß die Ernte im Oktober beginnen könnte. – Um zu beweisen, daß innerhalb dieser sieben Monate das Zukerrohr sehr gut gedeihen könne, und daß die Hize der Antillen zum Reifen nicht nöthig sey, vergleicht der Verf. den Bau des Zukerrohres mit dem Baue des Mais, welcher gleichfalls eine, in heißeren Klimaten einheimische Pflanze ist, welcher in Frankreich so gut gedeiht wie auf den Antillen, und welcher auf den Antillen beinahe dieselbe Zeit zum Reifen braucht wie das Zukerrohr, während er im Elsaß nur vier Monate dazu nöthig hat. Der Verf. hätte diese Ansicht noch durch hundert Beispiele von einjährigen, aus heißen Klimaten stammenden, Gewächsen unterstüzen können, die den Sommer über in unseren Garten eben so üppig wachsen, wie zwischen den Wendekreisen. Allein ob das Zukerrohr so reich an Zukerstoff seyn wird, wie zwischen den Wendekreisen, ist eine andere Frage, die der Verfasser mit Stillschweigen übergeht, und die dadurch verneinend beantwortet zu werden scheint, daß die meisten, in unseren Garten im Sommer gezogenen Gewächse, in Hinsicht auf Geruch, Geschmak und andere Eigenschaften schwächer sind, als dieselben Gewächse in den Tropenländern |221| sind. Wir würden der Beantwortung dieser Frage durch den Hrn. Verfasser übrigens auch um so weniger Glauben und Vertrauen schenken können, als er (um die irrige Meinung zu unterstüzen, daß der Einfluß von abwechselnder Kälte und Wärme eine viel kräftigere Vegetation hervorbringe, als man sie in einem wärmeren Klima findet) behauptet, daß der Tabak im nördlichen Frankreich besser gedeihe, als im südlichen. Er schreibt hier offenbar den Einfluß einer verständigeren Cultur, und eines, für die Tabakpflanze mehr geeigneten, Erdreiches, fälschlich dem Einflusse des Klima's zu. Wer kennt nicht den Unterschied zwischen den amerikanischen und norddeutschen, den ungarischen und deutschen Blättern, und wem wird es darnach einfallen zu sagen, daß bei gleich gutem Boden, und gleich verständiger Cultur im Norden besserer Tabak erzeugt werde, als im Süden? – Am Schlusse beweist der Hr. Verfasser sehr richtig, daß der Zukerrohrbau, die Zukergewinnung und die Rumfabrikation in Frankreich weit wohlfeiler betrieben werden könnten, als auf den Antillen, wo Handarbeit, Dünger, Maschinen etc. so unendlich kostspielig sind, und wo man die Abfälle nicht so gut zur Viehmastung benuzen kann, wie in Frankreich. Er fordert daher die französische Regierung, alle Güterbesizer und Förderer der inländischen Landwirthschaft, und vorzüglich die Runkelrübenzukerfabrikanten auf, Versuche mit Zukerrohrpflanzungen anzustellen, um ein Mal dahin zu gelangen, den großen Tribut abschütteln zu können, den wir jährlich dem Auslande für Zuker bezahlen. Wir können hierin nur mit ihm übereinstimmen, obwohl wir besorgen, daß in unserem Vaterlande nur wenige Gegenden zu dem Baue des Zukerrohres geeignet seyn dürften, ausgenommen im Untermain- und Rheinkreise. Die größeren Güterbesizer des gesegneten Ungarns könnten aber leicht solche Versuche, und dadurch vielleicht ihrem Lande auch noch in einem neuen Zweige des Ertrages seines Bodens ein großes Uebergewicht über seine Nachbarstaaten verschaffen. Wir sind überzeugt, daß keine Gegend des Binnenlandes von Europa sich besser zur Cultur des Zukerrohres eignen dürfte, als das Land an der unteren Donau und das Banat.

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