Titel: Civilisation oder Luxus auf den Sandwich-Inseln.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 42, Nr. LXI./Miszelle 16 (S. 221–222)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj042/mi042061_16

Civilisation oder Luxus auf den Sandwich-Inseln.

Capt. Beecheys macht in der Beschreibung seiner Entdekungsreise in die Südsee und nach der Behringsstraße (welche so eben in zwei Elephanten-erdrükenden Quart-Bänden in London erschien, und doch gar keine neue Entdekung enthalten soll) folgende, in technischer, merkantilischer und statistischer Hinsicht) interessante, Schilderung seines Besuches der Sandwich-Inseln. Im Januar 1827 befanden sich zu Woahoo mehrere angesehene amerikanische Kaufleute, in deren Magazinen man alle nöthigen Artikel von amerikanischer Fabrikation, alle Producte der Chinesischen Märkte, verschiedene Weine und fast alle Seebedürfnisse finden konnte. Es waren auch zwei Hotels vorhanden, in denen man für einen Dollar des Tages sehr anständig speisen konnte; ferner waren zwei Billardzimmer, von welchem eines einem gewissen Boki gehörte, und 10 bis 12 öffentliche Branntweinschenken errichtet. Die Häuser der Großen sind mit zierlichen Tischen und Stühlen eingerichtet, und in dem Pallaste Kahumana's befinden sich seidene und sammetne Sofa's und Pölster. Kahumana füllte ganze Kisten mit den kostbarsten Seidenwaaren China's, und verwendete eben erst 4000 Dollars auf die Ladung eines Schiffes. Boki zahlte erst 3000 Dollars für einen silbernen Service, den er dem Könige zum Geschenke machte; er hat übrigens noch andere schöne Service, worunter ein sehr kostbarer aus geschliffenem Glase von der Fabrik der HHrn, Pellat und Green zu London! Ebenso hatten sich die Civil-Einrichtungen |222| und die politischen Verhältnisse verändert: der König wurde beständig von einer, unter dem Gewehr stehenden Garde bewacht, und die Schildwachen präsentirten vor den Officieren wie in Europa; auf dem Fort befanden sich 40 Kanonen, und die ganze Nacht über hörte man, wie auf einer europäischen Festung die Rufe der Schildwachen. Im Frühjahre und Herbste ist der Hafen voll von Schiffen, so daß man deren zuweilen an 50 zählt. Es sollen 5000 Gewehre auf der Insel vertheilt worden, und 300 Mann bereits förmlich militärisch eingereiht worden seyn. Die Sandwich-Flagge flatterte täglich von fünf Briggs und 8 Schonern. Mit England und den Vereinigten Staaten von Nordamerika waren Verträge abgeschlossen, und beide Staaten hatten Consuln für diese Inseln ernannt. Sogar der Eroberungsgeist wurde schon rege, denn es sollte eine Expedition ausgerüstet werden, um einige der neuen Hebriden in Besiz zu nehmen!! Wer erkennt hierin noch die wilden Bewohner der Sandwich-Inseln, die vor 50 Jahren kaum gekannt waren? Welche Veränderungen lassen sich aus diesem Beispiele einst noch für Europa erwarten!

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