Titel: Ueber den Lignit von Utznach
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 42, Nr. LXI./Miszelle 9 (S. 217–218)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj042/mi042061_9

Ueber den Lignit von Utznach

ist im Bulletin de la Société industrielle de Mulhausen N. 19 S. 443 ein interessanter Brief des Hrn. Koechlin zu Zürich enthalten, der der Gesellschaft eine ganze Kiste voll von diesem fossilen Holze zur Untersuchung sandte. Der Lignit wird bei Utznach am Ende des Züricher Sees, eine halbe Stunde von der Linth, welche in den See einmündet, ausgebeutet, so daß derselbe um den niedrigen Preis von 50 Gulden oder 118 Franken die 250 Centner in die Werkstätten und Fabriken Zürichs geliefert werden kann, und daher auch allgemein mit großer Ersparniß und großem Vortheile benuzt wird. Dieses Lager von Lignit wurde im Jahre 1822 von Hrn. Koenlein aus Würtemberg entdekt, und hat eine Ausdehnung von 4 bis 5 Meilen Länge auf 2 bis 3 Meilen Breite. Es findet sich in zwei übereinander befindlichen Schichten von 2 bis 6 Fuß Mächtigkeit, zwischen denen sich eine Mergelschichte von beiläufig 2 Fuß Dike befindet. Die obere Schichte ist gleich unter der Oberfläche des Bodens, und das Brennmaterial derselben ist weit weniger verändert, als jenes der tiefer liegenden Schichte. Man unterscheidet in dem ganzen Lager ungefähr 20 verschiedene Arten von Pflanzen und Moosen, und 11 Arten von Holz, unter denen sich lauter weiße Hölzer, wie Tannen, Fichten, Birken, Haselnüsse etc., aber keine Eichen und Buchen vorfinden. Oefter finden sich Stüke Holz, welche fest mit Kiesgeröll zusammenhangen, Stüke, die an dem einen Ende verkohlt sind, und auch Tannenzapfen. Einige Stüke enthalten zuweilen in den Spalten auch eine Art von sublimirtem Harze, das von Strohmeyer qualitativ analysirt wurde, und in welchem Wasserstoff und Kohlenstoff in einem Verhältnisse enthalten seyn soll, das jenem ähnlich ist, in welchem diese Elemente in der Naphthalins mit einander verbunden sind. Hr. Eßlinger hat Hrn. Beudant oder Hrn. Gay-Lussac ersucht, eine förmliche Analyse dieses Harzes zu veranstalten. – Wie dieses große Lager von Lignit sich gebildet habe, darüber sind die Meinungen sehr verschieden 5 einige halten dasselbe für die Wirkung eine bloß örtlichen Begebnisses; Hr. Koechlin hingegen meint, daß es durch eine |218| der neuesten Umwälzungen unserer Erde entstanden seyn müsse, und daß auf jeden Fall das Wasser eine bedeutende Rolle dabei gespielt haben müsse, indem fast alle Stämme platt gedrükt sind (mithin erweicht gewesen seyn müssen), und indem die Asche derselben nur eine Spur von Potasche enthält. Auch findet man gar keine Spuren von thierischen Wesen in dem Lignite, was gewiß der Fall wäre, wenn er sich in Folge einer örtlichen Begebenheit gebildet hätte. Die irisirenden Blattchen, welche einige für Flügeldeken von Insecten hielten, sind nach Hrn. Koechlin bloß Schuppen von Schwefeleisen. Auch Hr. Roettelé, der der Gesellschaft einen Bericht über die Sendung des Hrn. Koechlin erstattete, hält den Lignit von Utznach für einen Niederschlag, dergleichen mehrere in den oberen Theilen der tertiären Gebirge vorkommen. Er zählt ihn unter die unterirdischen Wälder, und findet, daß er jenem von Bouxwiller sehr ähnlich ist. Auch er will in einem von Utznach kommenden Lignite deutlich Flügeldeken von Käfern gefunden haben. – Es ist Schade, daß der Lignit von Utznach, da er einzelnen, frei schaltenden Eigenthümern angehört, so unregelmäßig und so wenig nach Grundsäzen ausgebeutet wird, daß viele dieser Werke bald werden verlassen werden müssen. Man wühlt bloß, und treibt keinen Bergbau, den überhaupt nur Gesellschaften oder große Capitalisten nach Grundsäzen treiben können.

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