Titel: Ueber die Seidenraupenzucht und die Maulbeerpflanzungen im Elsaß.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 42, Nr. CIV./Miszelle 14 (S. 391–392)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj042/mi042104_14

Ueber die Seidenraupenzucht und die Maulbeerpflanzungen im Elsaß.

Das Bulletin de la Société industrielle de Mulhausen enthält in seiner 18ten Nummer zwei sehr interessante Berichte über Versuche, welche im Elsaß über den Seidenbau gemacht wurden, und welche zu beweisen scheinen, daß man auch diesen Zweig der Cultur im Departement du haut-Rhin mit eben so vielem Eifer als Erfolg zu umfassen bemüht ist. Es geht aus diesen Berichten erstens hervor, daß das Klima für die Anpflanzung des weißen Maulbeerbaumes durchaus nicht zu rauh ist, und daß derselbe vortrefflich gedeiht, wenn man nur sumpfige Gegenden vermeidet; und zweitens, daß die Seide, die in kälteren Klimaten gezogen wird, eben so gut, wo nicht besser ist, als jene, welche in südlicheren Gegenden erzeugt wurde. Der vorzüglichste Seidenraupenzüchter im Elsaß ist Hr. Adam Folzer, Güterbesizer zu Tagolsheim. Er war es, der die erste, jezt 15 Jahre alte, Maulbeerbaumpflanzung anlegte, welche 250 hochstämmige Bäume enthält, die gegenwärtig ungefähr für 80,000 Seidenraupen Futter liefern. Er zog in den verflossenen Jahren beständig so viele Seidenraupen, als sich mit dem Alter seiner Bäume vertrugen, und ließ im Jahre 1830 zwei mit der Seidenzucht sehr vertraute Individuen aus Italien kommen, um seine Anstalt einige Jahre hindurch von denselben leiten zu lassen. In diesem Jahre zog er jedoch aus einer Veranlassung, die weder mit dem Klima, noch mit dem Local in irgend einem Zusammenhange steht, nur 38,000 Raupen, die ihm 8 Kilogr. Seide lieferten, welche, nach dem Urtheile Sachverständiger zu Basel und an anderen Orten, der südfranzösischen Seide an Güte vollkommen gleich kam; so daß über die Möglichkeit und über die Vortheile der Seidenzucht im Elsaß nicht mehr der geringste Zweifel herrschen kann. – Einen Versuch in weit kleinerem Maßstabe machte Hr. Fournier, Ingenieur en Chef des Dept. du haut-Rhin. Es standen demselben nämlich nur 20 zehnjährige Maulbeerbäume, und die Seitenknospen von 300 zweijährigen und eben so vielen dreijährigen Sämlingen zu Gebote. Er ließ 4000 Eier, welche 53 Gran oder 1/11 Unze wogen, ausfallen, und erhielt davon, obschon ihm bei der dritten Häutung viele Raupen zu Grunde gingen, 3,33 Kilogr. Cocons, die doppelten und jene, welche er verschenkte, abgerechnet. Seine Ernte gab mithin beiläufig ein Verhältniß von 80 Pfund auf 1 Pfund Eier, ein Verhältniß, welches man im südlichen Frankreich für eine ziemlich günstige Ernte hält. Den Tod vieler Raupen bei der dritten Häutung schreibt er vorzüglich dem Geruche des Lampenöhles, mit welchem er die Ausbrütvorrichtung erwärmte, und, wie es scheint, mit noch mehr Grund dem zu, daß er die Raupen nach der zweiten Häutung in ein Gemach brachte, welches nicht gehörig gelüftet werden konnte. Die Seide seiner Cocons war vortrefflich.

Nichts steht mithin der Seidenzucht im Elsaß mehr im Wege, als der Mangel an Futter, dem so leicht abgeholfen werden kann. – Bei uns kommt zu diesem Hindernisse troz der vielen Bemühungen des landwirtschaftlichen Vereines |392| noch die grobe Unwissenheit der Mehrzahl derjenigen, die sich mit der Seidenzucht mit Vortheil für sich und andere befassen konnten.

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