Titel: Ueber öffentliche Bauten in Irland.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 42, Nr. CXVI./Miszelle 16 (S. 434)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj042/mi042116_16

Ueber öffentliche Bauten in Irland.

Hr. Stanley sagte im Hause der Gemeinen über die öffentlichen Bauten Irlands folgende Worte, welche auch auf viele Bauten in denselben Staaten, die in lezter Zeit in verschiedenen Kammern zur Sprache kamen, ihre volle Anwendung finden: „Es war bisher nicht üblich, vorher die Summe bestimmen zu lassen, welche für diesen oder jenen öffentlichen Bau verwendet werden soll; und wenn das Geld ein Mal bewilligt war, so wurde über die Verwendung desselben keine weitere Controle gepflogen. Daher wurden Arbeiten unter dem Vorwande des öffentlichen und allgemeinen Nuzens unternommen, die in der That nur einzelnen Privaten zum Vortheile gereichten, und daher einen Schandflek auf gewisse Personen heften. In der Grafschaft Mayo wurde z.B. viel Geld auf den Bau einer Brüke ausgegeben, von welcher man, als sie fertig war, fand, daß sie gar keinen Nuzen habe, so daß man dieselbe in einen Damm verwandelte! Man wird erstaunt seyn, von einer Brüke zu hören, die in einen Damm verwandelt wurde, und wird sich wundern, wie dieß geschah; es geschah, wie man sagt, auf eine sehr einfache Weise, indem man den Bogen verstopfte, und indem man dasselbe bei hohem Wasser durch ein Fluththor aufnahm. Dieser Bau war als Brüke gänzlich unnüz, da sich weder an der einen, noch an der anderen Seite derselben eine Straße befindet, und auch gar keine Veranlassung zur Anlage einer Straße vorhanden ist, weil 1/4 Meile davon eine andere Brüke existirt! Ebenso ist es notorisch, daß viele Straßen bloß deßwegen angelegt wurden, damit sie an dem Hause dieses oder jenen Gentleman vorüber, oder durch die Domänen desselben gehen!“ C'est partout comme chez nous! Man macht Vorschläge über Vorschläge, und wenn man der Sache auf den Grund sieht, so wird man finden, daß die meisten aus Privatvortheil, die wenigsten aus Liebe für das allgemeine Wohl gemacht werden.

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