Titel: Sauveroche, über das Schwarzfärben der Hüte.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 43, Nr. VIII. (S. 40–43)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj043/ar043008

VIII. Auszug aus einer Abhandlung über das Schwarzfärben der Hüte von Hrn. Sauveroche, Färber zu Périgueux.10)

Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement. Septbr. 1831, S. 431.

Der Verfasser vermuthete, daß das Verfahren, welches man beim Schwarzfärben der Wolle befolgt, auch bei den Materialien, woraus die Hüte verfertigt werden, anwendbar seyn dürfte: um darüber Gewißheit zu erhalten, handelte es sich darum, die Haare mit samt dem Felle zu färben, zu erfahren ob der Indigo die Beize (Secretage) aushält und ob die Operation des Walkens in einem starken Bade von rohem Weinstein die verschiedenen Gründe, welche den angewandten Substanzen ertheilt wurden, nicht zu sehr schwächt; man mußte sich ferner hüten die verschiedenen Bäder, welche zur Vorbereitung angewandt werden, zu sehr zu erhizen, was bei dem nachherigen Filzen und Walken hätte nachtheilig seyn können.

Bei dem Färben der Wolle bildet die falbe Farbe, indem sie sich mit der blauen verbindet, das Schwarz; es ist aber unmöglich lezteres zu erhalten, ohne die Wolle unmittelbar mit den hiezu erforderlichen Ingredienzien zu kochen. Behufs des Färbens der Hüte mußte man einen falben Färbestoff ausmitteln, welchen man den Haaren mittheilen kann, ohne daß sie von den Fellen abgemeißelt werden, der ferner sehr solid ist und weder den Glanz noch die Weichheit der Haare vermindert. Eine solche falbe Farbe für die Wolle, die Hasen-, Biberhaare u.s.w. fand der Verfasser nach zahlreichen Versuchen in dem Krapp, wenn man denselben wie den Indigo beim Ansezen der warmen Indigoküpe behandelt.

Colbert's Ordonnanzen schrieben für alle ächten braunen Farben |41| grüne Wallnußschalen vor; da man sich dieselben aber nur schwer verschaffen konnte, ihre Anwendung kostspielig und die Vorbereitungsoperationen zur Erzielung einer sehr satten Farbe langwierig waren, so gab man sie auf. Nur der Krapp konnte alle bekannten Verfahrungsarten, um die Farben vorzubereiten (d.h. den Stoffen einen farbigen Grund zu ertheilen), vortheilhaft ersezen.11)

Allgemeine Operationen bei diesen Versuchen.

Erster Versuch. Nr. 1. – Filzhut von Roussilloner Lammwolle. Krappküpe um einen dunkelfalben Grund zu ertheilen. – Ein Pfund Krapp, ein halbes Pfund Weinhefenasche (gereinigte Potasche), ein Viertelpfund Weizenkleie auf 12 Liter (24 Pfund) Flußwasser, wurden eine Viertelstunde lang mit einander gekocht; diese Küpe muß eine braunrothe in Rosenroth stechende Farbe haben, ehe sich die Gährung einstellt, durch welche sie dann rothgelb wird.

Warme Indigoküpe. Es ist allgemein bekannt, wie die Wollenfärber diese Küpe ansezen und wir beschränken uns daher auf die Angabe des Resultates. Die Wolle, welcher in dieser Küpe der zweite Grund ertheilt worden war, hielt alle nachfolgenden Operationen ohne Schwierigkeit aus. Das Walken mittelst eines Weinhefenbades dauerte dritthalb Stunden, wobei die Farbe nur wenig an Intensität verlor.

Der Hut wurde nun auf die Form gebracht, getroknet und hierauf in einer neuen Flotte gefärbt. Man ließ nämlich eine Viertelsunze schwefelsaures Kupfer mit einer halben Unze Galläpfel und drei Unzen Kampescheholz eine Stunde lang mit einander kochen, worauf man den Hut in diese Farbenbrühe brachte und zwei Stunden lang darin ließ ohne zu kochen; er wurde endlich auf gewöhnliche Weise mit schwefelsaurem Eisen (Kupferwasser) gebräunt.

Zweiter Versuch. Nr. 2. – Halbfeiner flämmischer Filzhut aus Hasenhaaren von der Dordogne. Nachdem die unbrauchbaren Haare weggeschafft waren, tränkte man die Haare mit einer schwachen Auflösung von Weinhefenasche, um sie sodann in der Krappküpe auf oben angegebene Weise falb und hierauf auf gewöhnliche Art in der Indigoküpe blau zu färben.

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Nachdem die Häute Behufs des Filzens mit Scheidewasser und Queksilber – der gewöhnlichen Composition, die man mit ihrem zehnfachen Volumen Wasser verdünnte – gebeizt worden waren, zeigte sich ihre Farbe nicht im Geringsten verändert. Das Filzen und Walken ließ sich ebenfalls ohne Schwierigkeit bewerkstelligen. Als dieser Hut vollendet, mit der Weinhefenbrühe gebeizt, auf die Form gebracht und getroknet war, brachte man ihn in eine neue Flotte, welche aus einer Unze Galläpfel, drei Unzen Kampescheholz und einer Viertelsunze schwefelsaurem Kupfer bestand. Die Operation war dieselbe wie bei Nr. 1.

Wir müssen hier bemerken, daß der Versuch Nr. 2 nicht mit allen erforderlichen Vorsichtsmaßregeln ausgeführt werden konnte, denn der Verfasser war nun sehr in der Zeit beschränkt und die Witterung außerordentlich ungünstig, was ihn nöthigte fast alle Operationen abzukürzen. Das Falb war zu hell, daher das Schwarz bei dem der Société d'Encouragement eingeschikten Muster einen grünlichen Stich besaß, was nicht der Fall gewesen wäre, wenn Hr. Sauveroche den Versuch mit der erforderlichen Genauigkeit hätte anstellen können.

Verfahren bei der Krappküpe. Der Verfasser brachte in einem Kessel, welcher 40 Pfund oder 2 Kannen Flußwasser enthielt, ein halbes Pfund Weizenkleie, drei Viertelpfund Weinhefenasche und anderthalb Pfund gewöhnlichen Krapp; er kochte das Ganze fünf Minuten lang und nahm sodann das Feuer weg. Diese Küpe, deren Flüssigkeit eine dunkle braunrothe Farbe besaß, kam bei einer Temperatur von 40 bis 45° R. wie die Färber zu sagen pflegen, heran. Die Gährung stellte sich ein, der Geruch änderte sich und das Bad erhielt ein anderes Ansehen. Als man auf ihre Oberfläche blies, erschien die Flüssigkeit in Masse dunkel rothgelb; man rührte die Küpe auf, dekte sie drei Stunden lang zu und tauchte dann Muster von weißem Tuche hinein, welche darin eine etwas gelbe falbe Farbe erhielten, aber in Berührung mit der Luft rein falb wurden; sie wurden sieben Mal eingetaucht und nach jedesmaligem Eintauchen ein Flek zurükgelegt, um zu erfahren wie lange die Intensität der Farbe noch zunahm.

Um aus dieser Küpe schwarz zu färben, sezte ihr der Verfasser eine geringe Menge Indigo zu und prüfte sie drei oder 4 Stunden später mit neuen Mustern, welche öfters herausgenommen, der Luft ausgesezt und wieder hineingetaucht wurden, wodurch sie eine sehr solide Olivenfarbe erhielten. Als er dann eine größere Menge Indigo zusezte und die Küpe lange genug stehen ließ, wurden neue |43| Muster, welche man öfters herausnahm, der Luft aussezte und wieder eintauchte, sehr solid braunschwarz.12)

Die Société d'Encouragement hat in ihrer Generalsizung am 28. Dec. 1830 Hrn. Sauveroche eine silberne Medaille zuerkannt. A. d. O.

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Die einfachkohlensauren Alkalien lösen selbst bei starkem Sieden, nur den falben Bestandtheil des Krapps, d.h. ein Gemenge von gelbem und rothem Färbestoff auf; wenn sich aber die drei Farben Gelb, Roth und Blau mit einander verbinden, so entsteht mehr oder weniger reines und sattes Schwarz, je nach ihrem gegenseitigen Verhältniß und ihrer Intensität.

Hr. Sauveroche glaubte, daß die Hauptwirkung des Krapps, welchen man der Indigoküpe zusezt, darin besteht, daß er dem Blau einen schwarzen Grund ertheilt. A. d. O.

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Wir machen bei dieser Gelegenheit auf Pichards Abhandlung über das Schwarzfärben der Hüte im polyt. Journal Bd. XXXII. S. 187 aufmerksam. A. d. R.

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