Titel: Braconnot, über den gallertartigen Bestandtheil der Früchte.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 43, Nr. XIV. (S. 60–70)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj043/ar043014

XIV. Ueber den gallertartigen Bestandtheil der Früchte, nebst einigen Versuchen über den Johannisbeersaft; von Hrn. Henry Braconnot.

Aus den Annales de Chimie et de Physique. Julius 1831, S. 266.

Was wir von der Substanz, die man seit langer Zeit mit dem Namen Gallerte (gelée) bezeichnet hat, wissen, besteht in so wenigen Thatsachen, daß man wohl sagen kann, ihre wahre Natur ist noch unbekannt. Als ein allgemein in den Pflanzen verbreiteter Stoff, verdient sie aber in hohem Grade die Aufmerksamkeit der Physiologen, denn es scheint, daß die Natur sich derselben zum Aufziehen der Pflanzen bedient, und daß sie, nachdem sie während der ganzen Dauer des Wachsthums derselben verschiedene Veränderungen erlitten |61| hat, mit weiser Sparsamkeit in den Organen aufbewahrt wird, um zur Ernährung neuer Individuen derselben Art zu dienen.

Als ich die Eigenschaften der Gallertsäure19) bekannt machte, schien es mir, daß sie mit dem gallertartigen Stoff in den Früchten einige Analogie hat. Hr. Vauquelin fand keinen Unterschied zwischen diesen beiden Substanzen in seiner Abhandlung über die Gallertsäure und die gelbe Rübe, worin man jedoch mehrere irrige Behauptungen findet, so daß dieser geschikte Chemiker offenbar nicht alle darin erwähnten Thatsachen selbst beobachtet haben kann. So viel ist wenigstens gewiß, daß die Gallertsäure in Wasser beinahe vollkommen unauflöslich ist, während die schleimige Gallerte der Früchte, welche nicht saurer Natur ist, sich reichlich in ihren Säften aufgelöst findet. Diese beiden Körper können folglich nicht identisch seyn.

Ehe ich die Eigenschaften des gallertartigen Bestandtheils der Früchte auseinanderseze, muß ich als Vorbereitung darauf einige Versuche über den Johannisbeersaft hier folgen lassen.

Versuche über den Johannisbeersaft.

Der Saft der rothen Johannisbeere (Ribes rubrum) wurde schon von mehreren Chemikern, besonders von Proust, John, Henry, Guibourt, Payen, Berard untersucht; sie stimmten aber über die Eigenschaften der gallertartigen Substanz, welche er enthält, nicht mit einander überein. Ich preßte ganze rothe Johannisbeeren in einem doppelten Sak von Leinewand mit der gehörigen Vorsicht aus, wodurch ich eine klare Flüssigkeit bekam, die sich gegen die Reagentien folgender Maßen verhielt:

Die Mineralsäuren trübten den Saft selbst nach längerer Zeit ganz und gar nicht: er enthält folglich weder Käsestoff noch Kleber oder Eiweißstoff, von denen man bisher annahm, daß sie in allen Früchten vorkommen. Galläpfelinfusion trübte ihn ebenfalls nicht im Geringsten, weil die eigenthümliche stikstoffhaltige Substanz, welche er enthält, mit dem Gerbestoff eine in verdünnten Säuren sehr auflösliche Verbindung bildet; neutralisirt man aber zuvor den Saft mit Ammoniak, so bringt der Gerbestoff darin einen sehr reichlichen Niederschlag hervor, welcher die gallertartige Substanz zum Theil mit sich zu reißen scheint, denn in der überstehenden Flüssigkeit bringt Alkohol nur mehr einen schwachen gallertartigen Niederschlag hervor.

Sättigt man den Johannisbeersaft mit Ammoniak und überläßt ihn vier und zwanzig Stunden lang sich selbst, so verändert er sich |62| nicht. Gießt man in diese Flüssigkeit Chlorcalcium oder eine Mineralsäure, so bewirken sie darin keine merkliche Veränderung und es scheidet sich keine Gallerte ab, was zur Genüge beweist, daß der Johannisbeersaft keine Gallertsäure enthält. Dagegen verhält sich der frische Saft auf eine ganz andere Art gegen die fixen Alkalien und die alkalischen Erden. Sättigt man ihn nämlich mit Kali und versezt ihn dann mit einer Säure, so scheidet leztere sogleich eine durchsichtige, voluminöse und unauflösliche Masse von Gallertsäure ab.

Wird der Saft der rothen Johannisbeeren theilweise mit äzendem oder kohlensaurem Kali gesättigt und sich selbst überlassen, so erstarrt er bald gänzlich zu einer Gallerte, von welcher, wenn man sie auf ein Leinentuch bringt, eine fast farblose Flüssigkeit abtropft, die durch Alkohol ganz und gar nicht zum Gerinnen gebracht wird. Diese gallertartige Masse ist gallertsaures Kali; löst man es wieder in heißem Wasser auf, so gibt es mit den Säuren ein außerordentlich reichliches Coagulum von Gallertsäure: hieraus scheint hervorzugehen, daß leztere durch die Einwirkung des äzenden oder kohlensauren Kalis auf den gallertartigen Bestandtheil der Früchte erzeugt wird.

Sättigt man Johannisbeersaft ganz oder theilweise mit ein wenig Kalkhydrat, so erstarrt die Flüssigkeit bald ganz zu einer durchsichtigen und zitternden Gallerte, welche sich nach dem Gefäß formt. Dieses Gelée scheint gallertsaurer Kalk zu seyn und ist in siedendem Wasser und Ammoniak unauflöslich, löst sich aber beim Erwärmen in kohlensaurem Natron mit Hinterlassung von kohlensaurem Kalk auf.

Wenn man Johannisbeersaft bei gelinder Wärme mit kohlensaurem Kalk oder kohlensaurer Bittererde sättigt, so erstarrt er ebenfalls beim Erkalten zu einer Gallerte.

Das Barytwasser bildet in diesem Safte augenbliklich ein weißes halbdurchsichtiges gallertartiges Magma, in sehr reichlicher Menge. Versezt man ihn mit salpetersaurem Baryt, so gerinnt er bald zu einer durchsichtigen Gallerte.

Uebersättigt man den Johannisbeersaft durch Erhizen mit schwefelsaurem oder salzsaurem Natron, so bleibt er in flüssigem Zustande und liefert beim Erkalten Krystalle dieser Salze, ohne daß die geringste Spur einer Gallerte entsteht, welche bekanntlich durch Zuker leicht erhalten wird.

Chlorcalcium, schwefelsaurer Kalk, kieselsaures Kali, bringen keine merkliche Veränderung in dem Johannisbeersaft hervor. Schwefelsaures Eisenperoxyd trübt ihn ebenfalls nicht, selbst wenn man das Gemisch mit Kali versezt.

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Aezender Queksilbersublimat bildet darin einen schwachen Niederschlag, welcher durch die stikstoffhaltige Substanz hervorgebracht zu werden scheint.

Salpetersaures Silber so wie essigsaurer Kalk bringen den Johannisbeersaft nach einiger Zeit zum Gerinnen.

Essigsaures Blei verursacht darin ein reichliches, in Ammoniak und Salpetersäure auflösliches Magma.

Kleesaures Ammoniak bildet darin einen schwachen Niederschlag von kleesaurem Kalk.

Untersucht man den Saft anderer Früchte, z.B. der Pflaumen, Aepfel und Aprikosen auf dieselbe Art, so erhält man fast die nämlichen Resultate.

Ueber die stikstoffhaltige Substanz im Johannisbeersaft.

Fabroni vermuthete, daß in allen Pflanzensäften, welche in die geistige Gährung übergehen können, die vegetabilisch-animalische Substanz enthalten ist, welche Beccari in dem Weizenmehl gefunden hatte; er stellte aber keinen entscheidenden Versuch an, um seine Meinung zu rechtfertigen, die mir ungegründet zu seyn scheint, wenigstens was die Früchte betrifft.

Wenn man den gallertartigen Stoff aus dem Johannisbeersaft mit Alkohol niederschlägt und dann die geistige Flüssigkeit abdampft, so erhält man einen syrupartigen Rükstand, welcher die stikstoffhaltige Substanz, den Zukerstoff und die freien Säuren enthält.

Behandelt man diesen Rükstand zu wiederholten Malen mit rectificirtem Alkohol, so hinterläßt er die stikstoffhaltige Substanz in einem unreinen Zustande, wo sie Feuchtigkeit anzieht, beim Verbrennen viel kohlensaures Kali hinterläßt und in Wasser aufgelöst mit Galläpfelinfusion einen Niederschlag hervorbringt, der durch ein wenig destillirten Essig verschwindet.

Verdünnt man die syrupartige Flüssigkeit hinreichend mit Wasser und sättigt sie mit Kreide, so schlägt sich die stikstoffhaltige Substanz großen Theils nebst den erdigen Salzen nieder und die überstehende Flüssigkeit, welche den Zukerstoff enthält, gibt mit Gerbestoff nur mehr einen geringen Niederschlag.

Das Ammoniak scheidet diese thierische Substanz ebenfalls aus der syrupartigen Flüssigkeit ab, indem es darin einen in den Säuren auflöslichen Niederschlag hervorbringt. Wird dieser Niederschlag gut ausgesüßt, so liefert er bei der Destillation kohlensaures Ammoniak und hinterläßt eine schwer einzuäschernde Kohle, deren Asche fast |64| ganz aus phosphorsaurem Kalk besteht. Diese thierische Substanz wird aber durch Ammoniak nicht gänzlich gefällt, denn wenn man die vom Niederschlag abfiltrirte vollkommen neutrale Flüssigkeit mit Galläpfelinfusion versezt, so entsteht ein zweiter Niederschlag, der sich in verdünnter Essigsäure wieder auflöst. Thierischer Faserstoff, welchen man in dieser Flüssigkeit einweichte, bemächtigte sich des Gerbestoffs und durch Verdampfen zur Trokniß erhielt man dann die stikstoffhaltige Substanz; sie schien aber noch nicht ganz rein zu seyn, und enthielt hauptsächlich noch Essigsäure.

Ich will mich hier nicht weiter mit dieser Substanz befassen, welche neuerdings untersucht werden muß, kann aber eine merkwürdige Thatsache, die mir die syrupartige auf angegebene Weise mittelst Alkohol von der gallertartigen Substanz wohl gereinigte Flüssigkeit darbot, nicht mit Stillschweigen übergehen. Gehörig mit Wasser verdünnt, gab sie eine klare Flüssigkeit, welche mehrere Tage bei einer Temperatur von 20° sich selbst überlassen, nicht in Gährung überging; dessen ungeachtet schien sie die zur Einleitung derselben nöthigen Elemente – nämlich die thierische Substanz (den Kleber) und den Zukerstoff zu enthalten. Ich löste darin Zuker auf und das Gemisch blieb, wie zuvor, vollkommen indifferent. Nun theilte ich diese mit Zuker versezte Flüssigkeit in zwei gleiche Theile und sezte dem einen davon von der gallertartigen nicht stikstoffhaltigen Substanz zu; hierauf stellte sich die Gährung rasch ein und ich erhielt eine berauschende Flüssigkeit, während die andere Hälfte von der der gallertartigen Substanz beraubten Flüssigkeit, unwirksam blieb. Dieser Versuch beweist, daß die stikstoffhaltige Substanz in den Johannisbeeren, wenn man ihr das gallertartige Princip entzieht, das Vermögen den Zuker in Gährung zu versezen, verliert, und daß beide Substanzen zusammen vorhanden seyn müssen, um sie zu veranlassen; dieß ist um so bemerkenswerther, weil der gallertartige Stoff mit dem Zuker kein weiniges Aufbrausen (d.h. keine geistige Gährung) hervorbringt.

Ueber die Gährung des Johannisbeersaftes.

Um die Bestandtheile des frischen Johannisbeersaftes mit denjenigen, welche sich nach der Gährung absondern, vergleichen zu können, verschaffte ich mir Saft von rothen Johannisbeeren, welcher wie er aus der Presse kam, wasserklar war und auch so blieb, bis sich die Gährung einstellte.20) Alsdann sezte sich nach und nach ein sehr |65| zertheilter Niederschlag ab, welcher nach beendigter Gährung sogleich abfiltrirt wurde. Als man die klare weinige Flüssigkeit zwei Tage lang stehen ließ, erhielt man wieder einen Saz, welcher noch beträchtlicher war und ein anderes Ansehen hatte; beide wurden gut ausgesüßt und jeder besonders untersucht.

Der erste dieser Niederschläge lieferte bei der troknen Destillation eine große Menge kohlensaures und außerdem schwefelwasserstoffsaures Ammoniak. In feuchtem Zustande ist er in Wasser und in Säuren unauflöslich und in den äzenden Alkalien kaum auflöslich. Im Uebrigen besaß er alle Eigenschaften, welche Hr. Thenard dem Ferment zuschreibt. Vergleicht man diese thierische Substanz mit derjenigen der Weinhefe,21) so ergeben sich sehr beträchtliche Verschiedenheiten, denn leztere löst sich selbst in den verdünntesten Alkalien leicht auf, was nicht bei ersterer der Fall ist. Ich vermuthete dieser Unterschied könnte in der größeren Menge von phosphorsaurem Kalk, welche das Ferment der Johannisbeeren enthält, seinen Grund haben, denn nach seiner Verbrennung hinterließ es den sechsten Theil seines Gewichtes von diesem erdigen Salze; als ich es aber mit Salzsäure behandelt hatte, um das Kalksalz abzuscheiden, löste sich der Rükstand nicht besser in den Alkalien auf. Uebrigens hat schon Hr. Gay-Lussac bemerkt, daß das Ferment keineswegs eine identische Substanz ist.

Der zweite Niederschlag, welcher sich in dem Johannisbeersafte gebildet hatte, war nicht so fein zertheilt wie der erste. Er hatte ein gallertartiges Ansehen und röthete das Lakmuspapier nach häufigem Auswaschen. Als man ihn mit Wasser kochte, löste sich keine merkliche Quantität davon in demselben auf und die Flüssigkeit gerann beim Erkalten nicht zu einer Gallerte. In Wasser, welches mit Ammoniak versezt war, löste er sich großen Theils auf und als man der Flüssigkeit Kalkwasser zusezte, schied sich eine beträchtliche Menge gallertsaurer Kalk als Gelée ab. Bei der troknen Destillation lieferte er ein weniger ammoniakalisches Product, als der erste Niederschlag und der kohlige Rükstand hinterließ nach dem Verbrennen eine weiße, fast ganz aus phosphorsaurem Kalk bestehende Asche. Dieser zweite Niederschlag schien also großen Theils aus Gallertsäure in Verbindung mit einer stikstoffhaltigen Substanz, ähnlich derjenigen, welche sich zuerst während der Gährung des Johannisbeersaftes abschied, zu |66| bestehen. Der Saft aber, aus welchem sich die beiden unauflöslichen Niederschläge, wovon wir so eben sprachen, abgeschieden hatten, enthielt noch eine stikstoffhaltige Substanz, welche mir mit derjenigen, die im frischen Safte vorkommt, identisch zu seyn schien, denn wie leztere wurde sie nach der Sättigung mit Ammoniak, durch Galläpfelinfusion gefällt.

Ich glaubte in dem gegohrenen Johannisbeersaft mehr stikstoffhaltige Substanz als in dem frischen zu bemerken; um diese Meinung zu rechtfertigen oder zu widerlegen, sind jedoch neue Untersuchungen nöthig. Sie erinnert mich an die Hypothese des Hrn. Astier, nach welcher das Ferment als eine lebendige Substanz betrachtet wird, die aus kleinen Thierchen besteht, von denen er annimmt, daß sich die Natur ihrer bedient, um die Zersezung des Zukers zu bewerkstelligen. So viel scheint gewiß, daß der gegohrene Johannisbeersaft keine Wirkung mehr auf den Zuker äußert; sezt man ihn jedoch der Luft aus, so verändert er sich allmählich und überzieht sich mit einem weißen Häutchen, welches sich in dem Maße erneuert, als man es wegnimmt; lezteres scheint ein organisirtes Product zu seyn; man findet es oft auf der Oberfläche des auf die Neige gehenden Weines und hat es Weinblume genannt. Wenn man es sammelt und mit Wasser und Zuker anrührt, so bringt es ihn eben so gut in Gährung wie das beste Ferment. Uebrigens bin ich überzeugt, daß dieses leztere, wie der Alkohol und die Kohlensäure ein Product der Gährung ist, die auch den gallertartigen Bestandtheil ganz zu zerstören scheint, indem sie ihn zum Theil in Gallertsäure umändert.

Untersuchung der Eigenschaften des gallertartigen Stoffes in den Früchten.

Man weiß seit langer Zeit, daß ein gallertartiger Stoff in den Früchten enthalten ist, aber hinsichtlich seiner Eigenschaften stimmen die Chemiker nicht mit einander überein. Vauquelin, welcher ihn in der Cassia und Tamarinde fand, glaubte in der lezteren Zeit, daß er von der Gallertsäure nicht verschieden sey. John hingegen vermuthete, daß er mit dem Bassorin identisch ist. Hr. Guibourt nannte ein Product, welches et aus dem gegohrenen Johannisbeersaft erhielt, Grossulin;22) da es aber offenbar in Folge seiner Zersezung entsteht, so darf man sich nicht wundern, daß es mit der Substanz, deren Eigenschaften ich auseinandersezen will, so wenig Aehnlichkeit hat.

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Der gallertartige Stoff kann aus allen Früchten durch Alkohol abgeschieden werden, welcher ihn als Gallerte niederschlägt. So wie man ihn aus frisch ausgepreßtem Johannisbeersaft nach diesem Verfahren erhält, beträgt er nicht viel, wenn man den Alkohol sparen wollte; läßt man aber das Gemisch einen oder zwei Tage lang stehen, so gerinnt diese schleimige Substanz gänzlich zu einer zitternden Gallerte, welche man nur allmählich auszupressen und mit verdünntem Alkohol gut auszusüßen braucht, um das gallertartige Princip hinreichend rein zu erhalten.

Wenn man es troknet, so erhält man häufige halbdurchsichtige Stüke, welche dem Fischleim gleichen. Taucht man dieselben in ungefähr ihr hundertfaches Gewicht kaltes Wasser, so blähen sie sich außerordentlich auf, ungefähr so wie Bassorin und lösen sich endlich vollständig auf, indem sie eine homogene Masse von Gelée geben, die wie Stärkekleister aussieht; sie wird aber durch Jod nicht blau und ist so fest, daß sie nicht aus dem Gefäße fallen kann, wenn man es umkehrt. Sezt man noch mehr kaltes Wasser zu, so behält die Flüssigkeit eine dike schleimige Consistenz bei und opalisirt auch ein wenig, wahrscheinlich weil sie eine geringe Menge fetter Substanz enthält.

Siedendheißes Wasser scheint auf die getroknete Substanz weniger zu wirken als kaltes. Sie löst sich auch bis zu einem gewissen Punkt in sehr verdünntem siedendheißem Weingeist auf, obgleich sie durch diese Flüssigkeit in der Kälte als Gallerte gefällt wird.

Das schleimige oder gallertartige Princip der Früchte hat, wenn es mittelst Alkohol gut gereinigt wurde, keinen Geschmak und röthet das Lakmus nicht. Es besizt nicht die Eigenschaft zu leimen wie arabisches Gummi.

Seine Auflösung in Wasser wird durch Säuren und Ammoniak nicht verändert; eine der auffallendsten Eigenschaften dieses Körpers ist aber, daß er sich in Berührung mit der geringsten Menge eines fixen Alkalis oder einer alkalisch-erdigen Basis vollständig und augenbliklich in Gallertsäure verwandelt.

Sezt man der wässerigen Auflösung dieser Substanz irgend eine Säure zu, so äußert sie durchaus keine Wirkung. Ein schwacher Ueberschuß von Kali oder Natron wird ebenfalls keine in die Augen fallende Veränderung hervorbringen, obgleich in der That eine sehr merkwürdige Statt gefunden hat, denn wenn man nun eine Säure in dieses leztere Gemisch gießt, so gerinnt es gänzlich zu einer durchsichtigen Masse von Gallertsäure.

Versezt man hingegen die Auflösung des gallertartigen Princips an Statt mit einem geringen, mit einem größeren Ueberschuß von |68| Kali oder Natron, so schlägt sich die schleimige Substanz sogleich vollständig im Zustande eines basischen gallertsauren Alkalis nieder.

Kohlensaures Kali verwandelt diese Substanz ebenfalls in Gallertsäure; hingegen haben kohlensaures Natron und concentrirtes Ammoniak diese Eigenschaft nicht.

Ein Ueberschuß von Kalkwasser fällt den schleimigen Stoff gänzlich in unauflöslichen gallertartigen Floken, welche, wenn man sie mit säuerlichem Wasser aussüßt und sodann mit siedendem Wasser behandelt, sich in lezterem zum Theil auflösen; sezt man ein wenig Ammoniak zu, so lösen sie sich vollständig auf. Gießt man hierauf in dieses Gemisch eine Säure, so entsteht ein gallertartiger Niederschlag; das Kalkwasser scheint also ebenfalls, wenigstens zum Theil, das gallertartige Princip in Gallertsäure umändern zu können.

Wird der Auflösung des gallertartigen Princips der Früchte ein wenig Ammoniak und hierauf Chlorcalcium zugesezt, so bildet sich ein schleimiger Niederschlag, welcher auf Zusaz einer verdünnten Säure verschwindet.

Das Barytwasser fällt die Auflösung der schleimigen Substanz vollständig als ein reichliches Gelée von gallertsaurem Baryt. Salpetersaurer Baryt wirkt ebenso mit dem Unterschiede, daß die entstandene Gallerte in verdünnter Salpetersäure sich vollkommen auflöst.

Kocht man die Auflösung dieser Substanz mit äzender Bittererde, so gerinnt sie nicht; dampft man aber zur Trokniß ab und behandelt den Rükstand mit Salzsäure, so bleibt Gallertsäure zurük.

Das gallertartige Princip der Früchte wird durch Chlorcalcium, essigsauren Kalk, schwefelsauren Kalk, sauren kohlensauren Kalk und Alaun nicht gefällt; ebensowenig durch die Chlorüre und Chloride von Queksilber, Platin und Zinn, salpetersaures Silber, kieselsaures Kali, schwefelsaures Eisenoxydul, schwefelsaures Zink, essigsaures Mangan, Brechweinstein und chromsaures Kali; es wird hingegen in gallertartigen, in verdünnter Salpetersäure auflöslichen Massen gefällt, durch die auflöslichen Salze von Baryt und Strontian, essigsaures Blei, salpetersaures Kupfer, die salpetersauren Salze des Queksilbers, schwefelsaures Nikel und salzsaures Kobalt. Das schwefelsaure Eisenperoxyd und die schwefelsaure Beryllerde bringen darin ebenfalls einen gallertartigen Niederschlag hervor, der sich in einem geringen Ueberschuß des Fällungsmittels auflöst; durch Galläpfelinfusion wird sie aber nicht verändert.

Dieses gallertartige Princip, so wie die stikstoffhaltige Substanz in den Johannisbeeren, können in isolirtem Zustande den Zuker nicht zur Gährung disponiren; sie veranlassen dieselbe aber sobald sie vereinigt sind. Läßt man Zuker in der Auflösung des gallertartigen |69| Princips zergehen, so erhält man eine unvollkommene Gallerte, welche endlich fadenziehend wird.

Bei der troknen Destillation liefert das gallertartige Princip, ohne in Fluß zu kommen, empyreumatisches Oehl und ein saures Product, welches das Lakmus stark röthet und kein Ammoniak enthält. Es bleibt sehr viel Kohle zurük, die nach ihrer Verbrennung eine gelbliche, aus kohlensaurem Kalk, schwefelsaurem Kalk, Eisenoxyd und phosphorsaurem Kalk bestehende Asche hinterläßt.

Bei der Behandlung mit Salpetersäure liefert es wie die Gallertsäure und die meisten Gummiarten, Schleimsäure und Kleesäure und kaum Spuren von künstlichem Bitter (Kohlenstikstoffsäure).

Wenn man Salzsäure mit der Auflösung dieser Substanz erhizt, so erhält das Gemisch eine schöne rothe Farbe und es bildet sich eine eben so gefärbte flokige Substanz, welche in Ammoniak unauflöslich ist.

Aus den angegebenen Eigenschaften ersieht man, daß der gallertartige Schleim der Früchte mit keinem anderen Körper verwechselt werden kann; man muß ihm folglich einen besonderen Namen ertheilen; Pflanzenleim kann man ihn nicht nennen, weil Hr. Berzelius damit eine von ihm sehr verschiedene stikstoffhaltige Substanz (den Kleber) bezeichnet. Ich schlage vor ihn Pectin zu nennen, weil er sich in seinen verschiedenen Verbindungen als ein gallertartiges Coagulum darstellt und überdieß sehr leicht in Gallertsäure verwandelt werden kann; ich fand ihn in den Pflaumen, Aepfeln, Aprikosen und anderen Früchten; wenn er ausgetroknet ist, so muß man ihn manchmal mehrere Tage im Wasser liegen lassen, damit er sich in demselben auflöst; dieß ist ein Zeichen, daß er nicht rein ist.

Der Schleim der Hanfsamen und der Gummi Dragant besizen nicht die Eigenschaften, welche das Pectin charakterisiren. Da sich aber das Pectin in Berührung mit Kali oder Kalk so leicht in Gallertsäure verwandelt, so ist diese leztere wahrscheinlich oft ein Product der Operation; es ist jedoch keinem Zweifel unterworfen, daß sie auch ganz gebildet in mehreren Theilen der Pflanzen vorkommt, denn schon Vauquelin fand, daß in sehr vielen Fällen die Pflanzensäuren der Gegenwart von Alkalien ihre Entstehung verdanken. Ueberdieß habe ich schon in mehreren Rinden gallertsauren Kalk gefunden und als ich einige Versuche mit der Ballota nigra oder foetida anstellte, erhielt ich daraus eine große Menge gallertsaures Kali.23)

|70|

Ich habe allen Grund zu glauben, daß sich das Pectin nicht merklich von dem gallertartigen Schleim zwischen der Rinde und dem Holze oder von Duhamel's Cambium unterscheidet.

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Polytechnisches Journal Bd. XXI. S. 542. A. d. R.

|64|

Nach Hrn. Thenard ist der Johannisbeersaft durch Ferment getrübt, welches sich darin suspendirt befindet; diese Trübung rührt aber vielmehr von fleischigen Theilen der Frucht her. Ich hatte indessen Gelegenheit zu bemerken, |65| daß der Saft von weißen Johannisbeeren bei sehr vorgerükter Reife eine durchsichtige Gallerte absezt, die gerade so wie Gallertsäure aussieht, aber doch keineswegs aus solcher besteht, denn wenn man sie in sehr verdünntem Ammoniak auflöst, so wird sie durch Säuren nicht gefällt. A. d. O.

|65|

Die Analyse der Weinhefe von Hrn. Braconnot findet man im polyt. Journal Bd. XLI. S. 430. A. d. R.

|66|

Journal de Chimie médicale No. 1. A. d. O.

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Die Ballota foetida (schwarzer Andorn) wächst häufig an den Wegen; sie ist außerordentlich bitter, kommt aber nicht in unserer Materia medica vor, |70| obgleich sich die Bewohner von Gothland derselben als eines Universalmittels in allen Krankheiten bedienen sollen. Ich fand in dieser Pflanze:

Eine sehr bittere, Substanz, welche durch die Hize zerstört wird;

Gallertsaures Kali in großer Menge;

Aepfelsaures Kali;

Chlorkalium;

Schwefelsaures Kali;

Eine harzige Substanz;

Phosphorsaure Bittererde und phosphorsauren Kalk.

Dieses Resultat darf man nicht als eine genaue Analyse betrachten, denn ich hatte bei meiner Untersuchung nur die Absicht ein dem Salicin ähnliches Fiebermittel aufzusuchen. In Bezug auf lezteres will ich, da sich gerade eine Gelegenheit darbietet, bemerken, daß mir die Anwendung desselben im Zustande von Krystallen nicht so zwekmäßig scheint, wie die eines bloßen Decoctes der Rinden, welche es enthalten, weil man in lezterem Falle sicher ist, es stets unverfälscht zu haben und überdieß diese Rinden eine geringe Menge eines tonischen adstringirenden und siebervertreibenden Mittels enthalten, welches die Wirkung des Salicins begünstigt.

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