Titel: Seaward, Apparat zur Ersparung des Dampfes.
Autor: Seaward, Samuel
Fundstelle: 1832, Band 43, Nr. XX. (S. 107–109)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj043/ar043020

XX. Verbesserungen an den Apparaten zur Ersparung an Dampf, die auch zu anderen Zweken dienen können, und auf welche sich Samuel Seaward, Ingenieur, an den Canal Iron Works, Poplar, Middlesex, am 15. Januar 1831 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem Repertory of Patent-Inventions. Novbr. 1831, S. 264.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Ich lasse aus Eisen oder einem anderen geeigneten Materiale ein Gefäß Z Fig. 16 machen, welches der Hize des, in dem Dampfkessel Y enthaltenen, Dampfes, und dem Druke der Atmosphäre zu widerstehen vermag, und welcher ungefähr den zwanzigsten Theil des räumlichen Inhaltes der Wasserkammer des Dampfkessels hat. Dieses Gefäß nenne ich den Aufnehmer (receiver), und seze es, wie in der Zeichnung zu ersehen, auf den Kessel Y, oder irgendwohin in die Nähe des Kessels, jedoch in einer solchen Höhe, daß jede in dem Aufnehmer enthaltene Flüssigkeit durch ihre eigene Schwere in den Kessel herabgelangt. An diesem Gefäße nun bringe ich vier Hähne oder Klappen und eben so viele Röhren, in folgender Ordnung an. Eine Röhre A, welche von dem Scheitel des Gefäßes Z in die Dampfkammer des Dampfkessels geht; eine Röhre B, welche von dem Boden des Aufnehmers Z in die Wasserkammer des Dampfkessels gelangt; eine Röhre C, die von dem Grunde des Aufnehmers in das Wasser außer dem Schiffe führt; und eine Röhre D, die von dem Scheitel des Aufnehmers in den untersten Theil des Schiffes geht, in welchem sich der Dampfkessel befindet.

Die erste Operation dieses Apparates zur Ersparung an Brennmaterial geschieht nun auf folgende Weise: – Wenn der Dampf so hohen Druk hat, daß er die Sicherheitsklappen emporhebt und entweicht, es mag dieß in Folge des Stillstandes der Maschinen oder der zu starken Feuerung geschehen, so wird der Hahn A geöffnet, und der Aufnehmer Z dadurch mit Dampf gefüllt, indem die Luft durch einen kleinen, an dem Dekel desselben angebrachten, Hahn E ausgetrieben wird. Ist der Aufnehmer gefüllt, so werden die Hähne A und E geschlossen, und dafür der Hahn C geöffnet. Dadurch wird der in dem Aufnehmer enthaltene Dampf verdichtet werden, und in Folge davon ein leerer Raum entstehen, so daß das Wasser von der Außenseite des Schiffes eindringen, und den Aufnehmer füllen wird. Wird dann der Hahn C geschlossen, und der Hahn B dafür geöffnet, so wird das Wasser schnell durch seine eigene Schwere in die Wasserkammer |108| des Kessels hinabgelangen; dieß kann noch dadurch beschleunigt werden, daß man den Hahn A wieder öffnet, wodurch das Wasser auf einen Hizgrad herabsinken wird, der nicht viel unter jenem des Siedpunktes steht. Die Ersparniß an Brennmaterial ist hieraus offenbar, indem der Kessel zu allen Zeiten vollkommen gefüllt, und das Wasser selbst durch jenen Dampf auf einen hohen Grad erwärmt werden wird, welcher sonst durch die Sicherheitsklappen entweichen, und ganz verloren gehen würde.

Die zweite Operation besteht in dem Auspumpen des Wassers aus dem Kielraume. Um dieß zu bewirken, wird der Hahn A neuerdings geöffnet, und dadurch der Aufnehmer mit Dampf gefüllt; dann wird der Hahn A geschlossen, und der Hahn D dafür geöffnet, wodurch das Wasser aus dem Kielraume emporsteigen, und den Aufnehmer füllen wird. Wird hierauf der Hahn D geschlossen, und der Hahn C geöffnet, so wird, wenn man auch den kleinen Lufthahn E öffnet, das in dem Aufnehmer enthaltene Wasser über Bord auslaufen. Diese Operation kann so lange wiederholt werden, bis das Schiff vollkommen troken ist. 50 bis 60 Tonnen Wasser können auf diese Weise bei einem Dampfbothe von 100 Pferdekräften in Einer Stunde leicht dadurch entleert werden, daß man den ersparten Dampf, während die Maschinen still stehen, hierzu anwendet.

Nachdem ich nun meinen verbesserten Apparat beschrieben, erkläre ich, daß ich denselben als meine Erfindung in Anspruch nehme, wenn er an den Dampfkesseln an Bord der Paketbothe oder anderer Fahrzeuge, zur Ersparung an Dampf, oder zu anderen hier beschriebenen Zweken angewendet wird, nicht aber, wenn man sich desselben in irgend einer anderen Absicht bedient.

Anmerkungen.

Die Vortheile, die sich bei der Anwendung dieses Apparates ergeben, sind zweifach: 1) die vollkommenste Ersparung an Brennmaterial, indem aller, in dem Kessel erzeugter Dampf benuzt wird; 2) eine sehr einfache und wirksame Benuzungsweise des Dampfes zum Auspumpen und Entleeren des Wassers aus dem Kielraume der Schiffe und Fahrzeuge.

Jedermann, der z.B. die Dampfbothe auf der Themse beobachtet hat, muß sich von der ungeheuren Menge Dampfes, welche verloren geht, und folglich von der Verschleuderung von Brennmaterial überzeugt haben, die dadurch hervorgebracht wird, daß man den Dampf vor dem Beginne der Fahrt, während derselben, und am Ende, in so großer Menge, wie dieß gewöhnlich geschieht, aus den Abgangsröhren ausströmen läßt. Man darf hiebei nicht vergessen, daß aller |109| Dampf, welcher auf diese Weise entweicht, mit einem wirklichen Verluste verbunden ist, indem derselbe eine große Menge Hize mit sich fort reißt. Ueberdieß werden die Reisenden dabei durch die große Menge warmen Wassers und erdiger Substanzen, welche auf das Verdek fällt, belästigt. Durch meinen Apparat wird sowohl diesem Verluste, als dieser Unbequemlichkeit abgeholfen, indem der Dampf, statt zu entweichen, verdichtet wird, und indem die Hize gebunden, und wieder in den Dampfkessel zurükgeführt wird.

Der Umstand, daß man zu jeder Zeit, wenn sich auch nur die kleinste Menge Dampf im Kessel befindet, denselben bis zu jener Höhe mit Wasser füllen kann, welche beim Abfahren nöthig ist, und daß man jede Menge Wassers, die sich im Kielraume angesammelt hat, ohne Beihülfe von Pumpen, und ohne Aussezung der Arbeit der Maschine, entleeren kann, sind Vortheile von solcher Wichtigkeit, daß dieselben gewiß Jedermann in die Augen fallen und weit mehr noch die Beachtung der Dampfboth-Unternehmer verdienen müssen. Die Ausgaben für einen solchen Apparat, der für eine Maschine von 100 Pferdekräften geeignet ist, mögen beiläufig 100 Pfd. Sterl. betragen.35)

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Das Register of Arts gibt im Septemberhefte 1831 S. 161 gleichfalls dieses Patent, und gesteht die Vortheile des Auspumpens des Wassers aus dem Kielraume auf obige Weise zu. Was die Ersparung an Dampf, oder die Benuzung desselben zur Erwärmung des Speisewassers betrifft, so bedauert es aber, daß es von der Erfindung des Hrn. Furnival nicht ebenso vortheilhaft sprechen kann. Sie beruht nämlich, wie das Register sagt, auf einem Principe, welches dem Plan zur Speisung der Dampfkessel, auf den sich Hr. William Taylor am 19. Julius 1830 ein Patent geben ließ (vergl. Polytechnisches Journal Bd. XL. S. 35), sehr ähnlich ist, und steht diesem lezteren darin nach, daß sie sich nicht wie jene, durch eine Verbindung der Sperrhahne der Dampf- und Wasserröhren mit einem Regulirschwimmer in dem Kessel, selbst in Thätigkeit sezt. A. d. Ue.

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