Titel: Anderson's verbesserte mechanische Vorlage für Drehebänke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 43, Nr. XXXVII. (S. 161–164)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj043/ar043037

XXXVII.  Anderson's verbesserte mechanische Vorlage für Drehebänke.48)

Aus dem Mechanics' Magazine N. 426. S. 18.

Mit einer Abbildung auf Tab. III.

Die Erfindung der mechanischen Vorlage (verschiebbaren Ruhe, slide-rest) war von unendlichem Nuzen und Vortheile für die Drehekunst;. denn mit dieser sinnreichen Vorrichtung konnte man weit vollkommenere Cylinder, Kegel, Kegelabschnitte oder ebene Flächen erzeugen, als man sie bisher durch das Drehen aus freier Hand hervorzubringen im Stande war. Leider konnte dieselbe aber noch immer nicht bei einer gewissen Classe von Körpern, wie z.B. bei solchen, die in jeder Richtung kreisförmige Oberflächen darbieten, angewendet werden. Diesem empfindlichen Nachtheile abzuhelfen, ist der Zwek gegenwärtiger Erfindung. Dieser Zwek wurde auch so vollkommen erreicht, daß man nun mittelst derselben Körper, wie man sie in P Fig. 52 sieht, und deren Oberfläche entweder convex oder concav gegen die Achse der Drehung seyn kann, mit eben so großer Genauigkeit und Leichtigkeit hervorzubringen im Stande ist, als man mit der gewöhnlichen mechanischen Vorlage Cylinder verfertigen kann. Ein weiterer Vorzug der neuen Vorrichtung vor der älteren liegt darin, daß sie eben so gut zur Verfertigung convexer und concaver Linsen, als ebener Flächen dient, während leztere nur bei ebenen Flächen anwendbar ist.

Das Princip, nach welchem diese Erfindung erbaut ist, beruht auf folgenden zwei geometrischen Säzen:

1) daß alle Winkel in einem und demselben Segmente eines Kreises gleich sind; und

2) daß wenn man eine gerade Linie immer parallel mit sich selbst und so bewegt, daß das eine Ende derselben einen Kreis berührt, ihr anderes Ende einen Kreis beschreiben wird, der in jeder Hinsicht dem ersteren Kreise gleich seyn wird. Dieß wird nothwendig |162| der Fall seyn, welche Länge die Linie auch haben mag, und sie mag den ersten Kreis außen oder innen berühren.

Fig. 51 ist ein Grundriß der verbesserten Vorlage; Fig. 52 ist ein Durchschnitt derselben durch BO, und Fig. 53 ein Querdurchschnitt der Schieber durch m n. Gleiche Buchstaben beziehen sich in allen Figuren auf gleiche Gegenstände.

AA ist das Bett der Drehebank; B ist eine Platte, die so angebracht ist, daß sie sich bloß der Länge nach auf dem Bette schiebt. C ist die Basis der Vorlage, die so auf dieser Platte angebracht ist, daß sie sich bloß nach der Quere über das Bett schieben kann. Mittelst dieser beiden Stüke kann nun die Vorlage auf dem Bette in jede erforderliche Stellung gebracht, und durch den Bolzen a, dessen Kopf sich in einer schwalbenschwanzförmigen Rinne in der Basis C schiebt, in dieser Stellung erhalten werden. DD ist der Körper der Vorlage, in welchem sich eine cylindrische Scheide oder Dille b befindet, durch die derselbe mit der Basis verbunden ist. Vermöge dieser Scheide oder Dille kann die ganze Vorlage umgedreht werden, so daß sie cylindrische, kegelförmige oder ebene Flächen dreht. Die Stellschraube c dient dazu, dieselbe in jeder beliebigen Stellung fest zu halten. E ist eine Schieberplatte, die sich in schwalbenschwanzförmigen Fugen bewegt, und mittelst der Schraube d und der Kurbel M rükwärts und vorwärts bewegt werden kann.

FF ist eine verschiebbare Büchse, die sich gleichfalls in schwalbenschwanzförmigen Fugen bewegt, und welche so angebracht ist, daß sie sich in rechten Winkeln mit der Platte E schiebt. G ist ein anderes verschiebbares Stük, welches sich in dem vorigen bewegt, und das Dreheinstrument t trägt; es wird mittelst der Schraube e und der Kurbel H in der Büchse bewegt. Dieser Schieber wird durch zwei Stellschrauben unbeweglich gehalten.49)

KJ, JL sind zwei gleiche Stangen mit langen Fenstern, welche bei J durch ein Gelenk, um welches sie sich bewegen, mit einander verbunden sind, und welche unter jedem Winkel gestellt werden können. hi ist eine Verbindungsstange, durch welche dieselben in der erforderlichen Stellung erhalten werden. Bei K und L befinden sich zwei Stifte, deren untere Enden an Vorsprüngen des Körpers der Vorlage befestigt sind (von denen man den einen in Fig. 52 bei N sieht), während sich auf ihren Köpfen die Fenster der Stangen JK und JL schieben. Der Stift bei J, welcher das Gelenk der beiden Stangen |163| KJ und J L. zusammenhält, ist so in der verschiebbaren Büchse FF (Fig. 52) angebracht, daß er sich frei, aber zugleich auch mit Festigkeit an seiner Stelle bewegt. Das obere Ende dieses Stiftes geht auch durch eine Oeffnung in dem Segmente, welches einen Theil der Verbindungsstange hi bildet, und tragt an seiner Spize eine Nuß.

Sezen wir nun, daß die Stangen KJ und JL so gestellt sind, wie man sie in den Figuren sieht, so lasse man die drei Nußschrauben bei hJi fest schrauben, und dadurch jene Stangen mittelst der Verbindungsstange fest in dieser Stellung erhalten. Man lasse dann ferner die Kurbel M so drehen, daß sie die Schieberplatte E in jeder Richtung bewegt; dadurch wird mithin diese leztere die verschiebbare Büchse FF mit dem in ihr enthaltenen Schieber G und mit der Spindel t mit sich führen. Sie wird sich aber mittelst des Stiftes gJ auch längs der Stangen KJ und JL bewegen, und diese lezteren werden, indem sie sich gegen die befestigten Stifte bei K und L zu schieben haben, an dem Punkte J das Segment eines Kreises beschreiben, dessen Sehne KL, und dessen Sinus versus Jx ist. Da ferner der Scheitel des Winkels bei J durch den Stift gJ mit der verschiebbaren Büchse verbunden ist, so kann der Mittelpunkt dieses Stiftes als ein Ende einer geraden Linie betrachtet werden, die den von der Spize J beschriebenen Kreis berührt, während das andere Ende dieser Linie die Spize des Dreheinstrumentes t ist. Und da sich endlich die Schieber F und G immer parallel mit einander bewegen müssen, so wird die Spize des Dreheinstrumentes t ein Segment eines Kreises beschreiben, welches in jeder Hinsicht jenem gleich ist, das die Spize J beschreibt, und mithin den Körper P, so wie er sich in der Drehebank umdreht, in der Form drehen, den man in der Zeichnung dargestellt sieht.

Soll der Körper P concave Oberflächen erhalten, wie dieß durch punktirte Linien ausgedrükt ist, so darf man die Stellung der Stangen KJ, JL bloß so verändern, daß sich die Spize J an der anderen Seite der geraden Linie KxL, welche die beiden befestigten Stifte KL mit einander vereinigt, befindet; befindet sich nämlich die Spize J ins, so wird P die durch die punktirten Linien bezeichnete Form erhalten. Mittelst der Kurbel und der Schraube He kann man den Schieber G, welcher den Drehestahl führt, vorwärts und rükwärts gehen machen, und dadurch P von jedem beliebigen Durchmesser drehen. Wenn man das kreisförmige Gelenk der Stange KJ oder JL Grade eintheilt, so erhält man dadurch ein Instrument, mit welchem man den Winkel KJL messen kann; und da die Basis KL des Dreiekes KJL sich immer gleich bleibt, so läßt sich der Durchmesser des, durch KJL gehenden, Kreises leicht dadurch bestimmen.

|164|

Um endlich diese verbesserte mechanische Vorlage als eine gewöhnliche zu benuzen, darf man nur die sich kreisförmig drehenden Stangen wegnehmen, und die verschiebbare Buchse F an der Platte E befestigen, was mittelst eines kleinen Bolzens geschehen kann, dessen Stellung in Fig. 51 durch die Punkte v bezeichnet ist.

Hr. Thomas Anderson gewann durch seine sinnreiche Erfindung einen jener Preise, die Dr. Fellowe für die Mitglieder der London Mechanics' Institution für das Jahr 1830 ausschrieb. A. d. O.

|162|

Diese Beschreibung paßt bis Hieher ganz auf eine Modification der gewöhnlichen mechanischen Vorlage, mit dem einzigen Unterschiede jedoch, daß die Büchse FF, die sich hier verschieben läßt, in jener fest an die Platte E angebolzt ist. A. d. O.

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