Titel: Pearce und Gardner, verbessertes Fid oder Spleißhorn.
Autor: Pearce, Heinrich Georg
Gardner, Richard
Gardner, Joseph
Fundstelle: 1832, Band 43, Nr. XXXIX. (S. 166–170)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj043/ar043039

XXXIX. Verbessertes Fid oder Spleißhorn, auf welches sich Heinrich Georg Pearce, Schiffmeister zu Liverpool, Grafschaft Lancaster, und Richard Gardner und Joseph Gardner, Kaufleute ebendaselbst, am 7. September 1830 ein Patent ertheilen ließen.

(Aus dem Repertory of Patent-Inventions. April 1831, S. 185.)

Mit einer Abbildung auf Tab. III.

Unser verbessertes Fid kann entweder für sich allein zum Aufsezen der Topmaste oder anderer höherer Maste an Schiffen und Fahrzeugen |167| dienen, oder man kann dasselbe zugleich mit dem gewöhnlich gebräuchlichen hölzernen oder metallenen Fid anwenden. Man kann sich desselben ferner zum Erhöhen des Topmastes bedienen, um dadurch das Takelwerk fester anzuziehen, oder zum Herablassen des Topmastes, um dadurch das Takelwerk abzuspannen.

Fig. 14 zeigt unsere Vorrichtung von Vorne, Fig. 15 von der Seite, Fig. 16 im Grundrisse, und Fig. 17 ist ein senkrechter Durchschnitt des Querbalkens derselben.

Unser Fid besteht aus einem starken, aus Eisen oder einem anderen Metalle verfertigten Balken c, der gegen jedes Ende hin bei g mit Schraubengängen durchbohrt ist, die zur Aufnahme der beiden aufrechten Schrauben bb, Fig. 14 und 15 dienen. Wir ziehen metallene Schrauben mit vierekigem Gange und mit starken Köpfen aa an ihren oberen Enden vor; durch diese Köpfe gehen die Oeffnungen ff, in die man die Handhabe eines Hebels bringen kann, um damit jede Schraube umdrehen zu können.

Die Spizen ee an den unteren Enden der Schrauben müssen halbkugelförmig seyn, und in die correspondirenden Aushöhlungen passen, welche in den, in Fig. 18 im Grundrisse, und in Fig. 19 im Durchschnitte dargestellten, metallenen Dillen angebracht sind. Diese Dillen sind durch Schrauben oder andere zwekdienliche Mittel sehr fest an der oberen Fläche der Schragenbäume des unteren Mastes befestigt.

Der Balken c unseres verbesserten Fids kann entweder vierekig seyn, wie ihn Fig. 15 zeigt, oder er kann flach oder schwalbenschwanzförmig gemacht werden, und die Schrauben können vierekige Gänge mit einfachen oder doppelten Schraubengangen, oder sie können anders geformte Gänge und dann gleichfalls einfache oder doppelte Schraubengänge haben, nach der Festigkeit, welche erfordert wird.

Unseren Erfahrungen gemäß scheinen Uns folgende Dimensionen der vorzüglichsten Theile unserer Erfindung für den Topmast eines Schiffes von 100 Tonnen Ladung am zwekmäßigsten. Der Balken c muß 2 Zoll breit, 1 3/4 Zoll tief und 16 Zoll lang seyn, so daß die Entfernung zwischen den Mittelpunkten der beiden Schrauben bb 13 Zolle beträgt. Die Schrauben müssen bis zur Außenseite der Gänge 1 3/8 Zoll im Durchmesser haben, und mit einem Schraubengange so gedreht seyn, daß die Windungen 1/4 Zoll von einander entfernt sind. Die Länge der Schraube von der unteren Seite ihrer Köpfe bis zu ihren Spizen soll 9 Zoll betragen. Diese Dimensionen müssen verhältnißmäßig abgeändert werden, wenn unser Fid an größeren oder kleineren Fahrzeugen angebracht werden soll.

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Fig. 20 gibt eine Seitenansicht eines Theiles des unteren und eines Theiles des oberen Mastes eines Schiffes, und Fig. 21 zeigt dieselben Theile von Vorne. In Fig. 20 ist unser Fid dargestellt, wenn es für sich allein, ohne Beihülfe des gewöhnlichen Fids angewendet wird, um das Gewicht des oberen Mastes zu tragen. Fig. 21 zeigt unser Fid in Verbindung mit dem gewöhnlichen Fid angewendet. h ist der untere Theil des Topmastes; nn sind die Schragenbäume des unteren Mastes; c ist der Balken unseres Fids, der durch ein Zapfenloch quer durch das untere Ende des Topmastes h geht. bb sind die aufrechten Schrauben unseres Fids, deren untere Enden in den Dillen ruhen, die an den Schragenbäumen befestigt sind. Die Schrauben bb tragen das Gewicht des Topmastes, der so hoch aufgesezt werden kann, als es nöthig ist um das Takelwerk zu spannen, was durch Umdrehung der Schrauben um den Hebel geschieht, den man in die Löcher der Schraubenköpfe stekt. Dreht man hingegen diese Schrauben zurük, so kann man dadurch das Takelwerk abspannen.

Soll der Topmast (der sich z.B. in der in Fig. 20 und 21 dargestellten Stellung befinden soll) gesenkt werden, so muß, wie gewöhnlich, an dem Hißtaue l, welches über den Rollenblok k läuft, der auf die gewöhnliche Weise an der Spize des unteren Mastes aufgehängt ist, ein tauglicher Griff angebracht werden. Während nun hierdurch das Hißtau sehr gespannt gehalten wird, müssen die Schrauben bb unseres Fids durch ihre Hebelgriffe zurükgeschraubt werden, bis durch das Herablassen des Fids und das Niederlassen des Topmastes, das Takelwerk nachgelassen, und seine Spannung gemindert ist, und bis das Gewicht des Topmastes bloß mehr von dem Hißtaue getragen wird. Auf diese Weise wird unser Fid von dem Gewichte des Topmastes befreit, so daß dessen Schrauben mit der Hand schneller zurükgedreht werden können, um eine derselben ganz aus der Oeffnung in dem Baume c zu entfernen, und die andere so loker zu stellen, daß ihr unteres Ende aus ihrer Dille gehoben, und daß in Folge davon der Balken c endwärts aus dem Fidloche in dem unteren Ende des Topmastes entfernt werden kann. Wenn dieß geschehen, so wird der Topmast auf die gewöhnliche Weise mit dem Hißtaue niedergelassen.

Soll der Topmast neuerdings wieder aufgesezt werden, so wird derselbe auf die gewöhnliche Weise mittelst des Hißtaues i aufgehißt, bis das in der Ferse des Topmastes befindliche Fidloch, welches zur Aufnahme des Balkens c unseres Fids bestimmt ist, so hoch über die Schragenbäume gehoben ist, daß der Balken c (aus welchem vorher eine oder beide Schrauben entfernt werden) in das Fidloch gebracht werden kann. Wenn dieß geschehen, so werden die Schrauben |169| bb in ihre Löcher geschraubt, so daß ihre halbkugelförmigen Enden in die Dillen b kommen, und daß durch Umdrehung der Hebel an den Schraubenköpfen der Topmast um so viel erhöht werden kann, als zur Spannung des Takelwerkes nöthig ist.

Fig. 22 und 23 zeigen den unteren Theil des Topmastes mit dem Loche x, welches zur Aufnahme des Balkens unseres Fids bestimmt ist. Dieselbe Figur zeigt auch das Fidloch z, welches zur Aufnahme des gewöhnlichen Fids dient, wenn dasselbe zugleich mit unserem Fid angewendet werden soll. Wird das gewöhnliche Fid auch angewendet, so muß. das Fidloch für dasselbe etwas unter einem Winkel durch die vierekige Ferse des Topmastes gehen, so daß das eine Ende des gewöhnlichen Fids hinter einer der Schrauben b unseres Fids, und das andere vor der zweiten Schraube hervorragt, und daß Keile über dem gewöhnlichen Fid in das gewöhnliche Fidloch getrieben werden können, im Falle der Topmast, um das Takelwerk zu spannen, höher gehoben wird, als es zur Einführung des gewöhnlichen Fids nöthig ist. Sind das gewöhnliche Fid, und wenn es nöthig ist, die Keile, an die gehörige Stelle gebracht, so können, wenn man es für geeignet hält, die Schrauben ganz aus unserem Fid herausgenommen werden, so daß das gewöhnliche Fid den Topmast auf die gewöhnliche Weise aufgesezt erhält. Zu jeder Zeit kann man jedoch die Schrauben unseres Fids wieder an Ort und Stelle bringen, und dazu benuzen um den Topmast so hoch aufzusezen, daß aller Druk auf das gewöhnliche Fid beseitigt wird, und daß die, ober demselben befindlichen, Keile, und, wenn es nöthig seyn sollte das Fid selbst, aus dem Fidloche entfernt werden können. Ist dieß geschehen, so kann man durch Zurükdrehen der Schrauben unseres Fids den Topmast erleichtern, um entweder das Takelwerk abzuspannen, oder um den Topmast auf die oben beschriebene Weise mittelst fernes Hißtaues niederzulassen.

Diese Construction unseres Fids kann dadurch abgeändert werden, daß man den Balken c desselben so kurz macht, daß dessen Enden nicht über das Vierek der Ferse des Topmastes hervorstehen, und daß folglich die Schrauben bb und deren Köpfe von Höhlen aufgenommen werden müssen, die so in das Holz geschnitten sind, daß zur Umdrehung der Schrauben mittelst der Hebelgriffe hinlänglich Plaz bleibt. Der Balken c wird in diesem Falle fest in dem oberen Theile des Fidloches oder der Oeffnung, die quer durch die Ferse des Mastes geht, befestigt; und um den Mast zu tragen, muß ein beweglicher eiserner Querbalken durch den unteren Theil der Oeffnung in der Ferse des Topmastes gestekt werden. Die Enden dieses Querbalkens |170| ruhen auf den Schragenbäumen, und die obere Flache desselben hat zwei halbkugelförmige Höhlen zur Aufnahme der Spizen der beiden Schrauben, welche, wie gesagt, in dem Loche in dem Topmaste enthalten sind. Werden nun diese Schrauben angezogen, so werden sie ihre Stellung auf dem Querbalken einnehmen, und den Topmast zur Spannung des Takelwerkes erheben; werden dieselben hingegen nachgelassen, so wird der Topmast zum Behufe der Abspannung des Takelwerkes gesenkt werden; und wurde das Hißtau mittelst seines Griffes vorher sehr gespannt gehalten, so kann das Gewicht des Topmastes von dem Hißtaue getragen werden, wodurch der Querbalken los wird, und daher leicht aus der Oeffnung in der Ferse des Mastes entfernt werden kann, so daß man den Topmast mittelst des Hißtaues niederlassen kann, während der Balken c und die Schrauben b unseres Fids in der Oeffnung, die durch die Ferse des Topmastes geht, zurükbleiben.

Wir betrachten jedoch die zuerst beschriebene Einrichtung unseres Fids für vorzüglicher. Unsere Vorrichtung kann, indem man sie in horizontaler, statt in senkrechter, Stellung anbringt, auch bei gleitenden Bugsprieten angewendet werden.

Wir erklären hiemit, daß unsere Erfindung in dem Balken c mit seinen, durch dessen Enden gehenden, Schrauben bb besteht, der auf die hier beschriebene Weise angewendet wird; und daß wir keine andere Anwendung von Schrauben zum Tragen, Aufsezen oder Niederlassen der Topmaste und Hin- und Herschieben der Bugspriete, so wie zum Abspannen oder Anziehen des Takelwerkes als unsere Erfindung in Anspruch nehmen, als jene, bei welcher die Schrauben, wie hier beschrieben, durch die beiden Enden des Balkens gehen.50)

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Das Register of Arts, welches im Aprilhefte 1831 S. 14 gleichfalls dieses Fids erwähnt, findet dasselbe zwar einfach und sicher, allein nicht so schnell in seiner Anwendung, als es andere bereits bekannte Vorrichtungen dieser Art sind. A. d. Ueb.

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