Titel: Long's Verbesserungen im Brükenbaue.
Autor: Long, Georg W.
Fundstelle: 1832, Band 43, Nr. LVII. (S. 245–248)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj043/ar043057

LVII. Verbesserungen im Brükenbaue, auf welche sich Georg W. Long, von der Armee der Vereinigten Staaten, zu Fort Jackson, Louisiana, am 10. März 1830 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem Register of Arts. Januar 1831, S. 248.

Mit Abbildung auf Tab. V.

Meine Erfindung bezwekt eine bedeutende Stärke einer Brüke mittelst eines Gerüstes, welches einem gegebenen festen Balken von solcher Form analog ist, daß derselbe, wenn er horizontal gestellt ist, das möglich größte Gewicht zu tragen vermag, indem man demselben eine solche Gestalt gibt, daß er der ganzen Länge nach einen gleichmäßigen Grad von Stärke besizt. Diese Eigenschaft besizt nun ein Balken von gleichmäßiger Breite, der in seiner Längenrichtung halbelliptisch ist. Meine Erfindung besteht mithin darin, daß ich ein Gerüst baue, welches diese Eigenschaft eines festen Balkens besizt, oder vielmehr, daß ich dem Balken eine starke Tiefe oder Höhe, und folglich eine große Kraft gebe, indem ich das Gerüst auf eine solche Weise durch Pfosten und Klammern stüze, daß dasselbe ganz fest wird, und einem, auf dasselbe gelegten, Gewichte nicht nachgibt. Auf diese Weise läßt sich eine solche Kraft erreichen, wie sie für Brüken mit einer Spannung von 2 bis 300 Fuß nöthig ist.

Es gibt gegenwärtig verschiedene Arten von Brüken, welche in einem gewissen Grade die Grundsäze dieser Erfindung in sich fassen. Die gewöhnlichste ist eine Verbindung des Bogens und Balkens, wodurch ein gekrümmter Balken entsteht, und die Erfindung des seligen Oberstlieutenants S. H. Long, die in einem geraden Balken besteht, der an den Enden und in der Mitte gleiche Dike hat. Alle diese Brüken weichen jedoch in der Einrichtung der Balken und in deren Form von der meinigen ab.

Die Erfindung, die ich machte, besteht darin, daß ich ein gezimmertes Gebälk auf die einfachste und mathematische Form zurükführe, so daß sich kein überflüssiges Material an demselben befindet, daß jeder Balken des Gerüstes einen Theil der Kraft erhält, um irgend ein, auf die Brüke gebrachtes, Gewicht tragen zu können, und |246| endlich, daß sich diese Kraft in der Längenrichtung oder in der stärksten Richtung derselben befindet.

Die Form des gezimmerten Gebälkes kann eine Ellipse, ein Kreisabschnitt oder ein Dreiek seyn; zur Erklärung der Grundsäze und der Bauart selbst, welche in allen diesen Fällen eine und dieselbe ist, nahm ich jedoch hier erstere an.

Das gezimmerte Gebälk besteht erstens aus einem Bandstüke (string piece), welches aus einem Balken verfertigt ist, oder dessen Theile, wenn es mehrere sind, mittelst eiserner Bänder mit einander verbunden sind. Diese Bänder müssen so gut durch die Balken gebolzt seyn, daß die Gefüge so fest wie die übrigen Theile des Bandstükes werden. Das Bandstük erstrekt sich nach der ganzen Länge der Spannung.

2) Auf dem Bandstüke wird in gehörigen Entfernungen von einander eine Reihe Pfosten angebracht, die mit eisernen Bändern, welche unter dem Bandstüke durchlaufen, und an dessen Boden gut angebolzt sind, befestigt werden. Diese Pfosten haben am Grunde an jeder Seite, nach der Quere der Brüke, einen Ausschnitt, der zur Aufnahme der Schwellen dient, auf welchen die Kniee und der Boden ruhen. An den oberen Enden der Pfosten sind an jeder Seite, so wie die Einschnitte für die Kniee, kleine Zapfenlöcher angebracht, die zur Aufnahme von Balken dienen, welche zwischen denselben getragen werden. Unter diesen Zapfenlöchern sind diese Pfosten auch an den äußeren Seiten von der Mitte weg ausgeschnitten, und diese Ausschnitte dienen zur Aufnahme der oberen Enden der Stüzen, durch welche die Brüke fester gemacht, und den Stößen Widerstand geleistet wird.

3) Die oberen Enden der Pfosten sind durch eine Reihe von Balken verbunden, welche mittelst kleiner Zapfen und Zapfenlöcher an ihrer Stelle erhalten werden. Diese stellen in dem Gebälke den oberen Rand oder den äußersten Punkt des Bruches im Durchschnitte vor.

4) Die Stüzen bestehen aus einer Reihe von Balken, welche sämmtlich diagonal zwischen die Pfosten gestellt, und auch sämmtlich nach Einwärts geneigt sind. Der Fuß einer jeden Stüze ruht, ausgenommen in der Mitte, auf dem Bandstüke in der Nähe des Grundes des Pfostens, und die Stüze neigt sich dann gegen die Spize des nächsten inneren Pfostens. An jedem Ende der Stüzen sind vierekige Ausschnitte so angebracht, daß sie jeden Druk aufnehmen, und daß der Kopf des Pfostens und das Bandstük nicht geschwächt wird. Durch diese Stüzen wird jedes, auf die Brüke gebrachte, Gewicht, welches auf die Pfosten zu liegen kommt, über das ganze Gerüst vertheilt. Für eine Brüke mit einem einzigen Geleise sind zwei, für eine Brüke mit doppeltem Geleise hingegen drei solche Balken nöthig. |247| Die Schwellen ruhen, wie schon oben gesagt, auf den Schulterausschnitten in den Pfosten; sie können auch so ausgeschnitten werden, daß an jeder Seite der Pfosten zwei und zwei zusammenkommen, und fest an die Pfosten gehakt oder geklammert werden können. Diese Schwellen können ferner auch so weit über die Seiten der Brüke hinausragen, daß sie Stüzen, durch welche die Pfosten in ihrer aufrechten Stellung erhalten werden können, aufzunehmen vermögen. Die Pfosten müssen an ihren oberen Enden auch quer über die Brüke durch kleine Balken verbunden werden; durch diese Balken und die zulezt erwähnten Stüzen erhält die Brüke ihre gehörige Festigkeit. Die Kniee und die Bodendielen werden auf die gewöhnliche Weise gelegt. Die Brüke kann auch mit Seitenriegeln versehen werden, denen man jede beliebige Form geben kann.

Das Material zur Erbauung dieser Brüken kann aus Holz oder Eisen, oder aus beiden zugleich bestehen. Die Bandstüke können aus Eisen verfertigt werden, auch kann man statt der Stüzen in Diagonalen, welche den eisernen Stüzen entgegengesezt sind, Bänder anbringen. Nimmt man eine Kette statt der Bandstüke, so muß die Brüke eine umgekehrte Stellung erhalten, nach welcher die Kette zu jenem Theile wird, der in dem ersteren Falle den oberen Balken entspricht. Eben so müssen dann auch alle übrigen Balken in eine umgekehrte Stellung kommen.

Man wird einsehen, daß ein Gewicht, welches auf eine Brüke dieser Art gebracht wird, auf sämmtliches Gebälk derselben nach dessen stärkster Richtung eine Gewalt ausübt. Diese Brüke hat den Vortheil, daß sie durchaus nicht mehr Material enthält, als direct angewendet wird, um ihr die nöthige Stärke zu geben; und daß sie aus der einfachsten Zimmerung besteht. Zu den Vortheilen derselben gehört auch die Ersparung an Brükenpfeilern und Wiederlagern, da sie keinen Stößen Widerstand zu leisten hat.

Mein Zimmerwerk oder Gebälke kann auch zum Tragen der Dächer kleiner und großer Gebäude dienen; durch dasselbe läßt sich nämlich ein Raum von 1 oder 200 Fuß ohne alle andere Stüzpunkte, als die Mauern deken.

Ein Modell, welches ich verfertigte, und welches 10 Fuß lang, 18 Zoll hoch, und aus 1 1/8 zölligen Cypressenbalken erbaut war, trug 14 Männer, deren Gewicht sich auf 2140 Pfunde belief.

Fig. 9 ist eine Seitenansicht der Brüke.

Fig. 10 ist ein senkrechter Durchschnitt durch die Mittelpfosten.

S, S sind Bandstüke, Fig. 9 und 10.

P, P sind Pfosten, Fig. 9 und 10.

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i, i sind Eisenbänder, durch welche die Pfosten mit den Bandstüken verbunden sind, Fig. 9 und 10.

B, B sind die Hauptstüzen, Fig. 9.

T, T sind Balken, welche die Köpfe der Pfosten besonders stüzen, Fig. 9.

L, ist die Schwelle der Brüke, Fig. 10.

s, s sind die Kniee, Fig. 9 und 10.

F, ist der Boden.

A, ist ein Gelenk in dem Bandstüke, welches durch eiserne Bänder, die gut in die Balken gebolzt sind, fest gemacht ist, Fig. 9.

b, b sind Stüzen, c das Querstük, welches das Gerüst fest erhält, Fig. 10.

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