Titel: Mac Adam's Vorschriften zur Ausbesserung der Straßen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 43, Nr. LVIII. (S. 248–256)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj043/ar043058

LVIII.  Mac Adam's Vorschriften zur Ausbesserung der Straßen.

Aus dem Propagateur du Pas de Calais Julius 1831 im Bulletin des Sciences technologique Februar 1831, S. 132.

Allgemeine Grundsäze.

1) Eine Straße darf nicht ehe frisch aufgeschüttet werden, als bis die Dike der Steine derselben unter 10 Zoll beträgt.

2) Die Steine müssen in Stüke zerkleinert werden, welche nicht über 6 Unzen wiegen.

3) Die Straße darf nur eine schwache Wölbung haben: 3 Zoll Höhe reichen für eine Straße von 30 Fuß Breite hin.

Art der Bearbeitung.

4) Man hakt die holperige Oberfläche der Straße so tief auf, als es nöthig ist, um derselben den gehörigen Grad von Ebenheit zu geben; und sind die Steine herausgerissen, so zieht man sie mit einem eisernen Rechen, dessen Zähne 2 1/2 Zoll lang sind, bei Seite, und zerschlägt sie daselbst. Nie sollen die Steine auf der Straße selbst zerschlagen werden.

5) Wenn die großen Steine entfernt, und nur Steine von 6 Unzen und darunter gelassen wurden, so ebnet man die Oberfläche der Straße mittelst eines Rechens, durch welchen die Steine in die Höhe, der Koth und Staub aber in die Tiefe gebracht werden.

6) Ist die Straße auf diese Weise zugerichtet, so breitet man auf deren Oberfläche mit aller Sorgfalt die Steine aus, die auf den Seiten zerschlagen worden. Diese Operation muß aber sehr behutsam |249| geschehen, denn der gute Zustand der Straßen hängt gänzlich von der Art und Weise ab, auf welche sie geschieht. Man darf die Steine nicht in Haufen auf die Straße bringen, sondern man muß eine Schaufel voll neben die andere legen, und das Ganze dann sorgfältig und gleichmäßig auf der ganzen Oberfläche ausbreiten.

7) Man darf nur eine geringe Streke, beiläufig 2–3 Meter, auf ein Mal in Arbeit nehmen. Die Zahl der Arbeiter soll 5 betragen: zwei derselben sind beschäftigt die großen Steine in der ganzen Breite der Straße los zu machen und bei Seite zu ziehen, die Straße zu ebnen, und sie zur Aufnahme der zerschlagenen Steine zuzurichten, während die drei übrigen die Steine zerschlagen müssen. Diese zerschlagenen Steine werden aufgetragen, sobald die Straße dazu hergerichtet ist. Ist diese Arbeit beendigt, so beginnt man mit einem anderen Theile, und verfährt damit auf dieselbe Weise.

8) Die Vertheilung der Arbeit unter den fünf Arbeitern hängt nothwendig von den Materialien zur Straße ab. Da wo es viel große Steine gibt, sind die drei Zerschlager nicht im Stande jene beiden Arbeiter gehörig zu versehen, die mit dem Losmachen der Steine und dem Formen der Straße beschäftigt sind. Sind die Steine hingegen klein, so wird das Gegentheil eintreten. Der Inspector muß dieß zu beurtheilen und einzutheilen verstehen.

Bemerkungen.

9) Obschon angerathen wird, eine Straße, die bloß aus großen Steinen besteht, welche mit Thon, Mergel oder anderen Substanzen gemischt sind, neu aufzubauen, so gibt es doch viele Fälle, in welchen dieses nicht vortheilhaft seyn würde.

10) Dieß hat Statt, wenn die Straße aus so zerreiblichen Steinen besteht, daß sie durch das neue Aufbauen in Sand verwandelt werden würden. In diesem Falle empfiehlt Hr. Mac Adam die Unebenheiten zu entfernen, die Straße eben und gleichförmig zu machen, und die alten Materialien nach und nach durch sehr gute, gehörig zerschlagene und geordnete Steine zu ersezen.

11) Man hat Gelegenheit gehabt zu bemerken, daß, wenn man gezwungen war, eine Straße neu aufzubauen, um die geringe Menge guter Steine von den weichen Materialien zu trennen, aus denen sie bestand, dieß ungeheure Ausgaben verursachte, ehe man eine gute Straße auf demselben Grunde erbauen konnte.

12) In der Praxis zeigten sich noch viele andere, besondere Fälle, welche verschiedene Methoden erforderten, deren Aufzählung hier unnüz und zu weitläufig seyn würde. Diese Details müssen der Einsicht und dem Unheils der Straßenbau-Inspectoren überlassen bleiben, |250| und von denselben nach richtigen allgemeinen Grundsäzen behandelt werden. Diesen Grundsäze sind immer dieselben, und müssen, ungeachtet der vielen Verschiedenheiten, die sich in der Praxis darbieten, immer als leitende Regeln dienen.

Beschütten alter Straßen.

13) Wenn eine alte und feste Straße so ausgefahren ist, daß sie neu beschüttet werden muß, so muß deren Oberfläche immer vorher aufgehakt werden, damit die neuen Materialien sich gehörig mit den älteren verbinden können.

Vorsichtsmaßregeln bei der täglichen Unterhaltung der Straßen.

14) Wenn eine Straße neu ausgebessert worden, so bilden die Wagen, wie ihre Räder auch immer gebaut seyn mögen, und mit welcher Mühe und Kunst die Materialien auch gelegt worden, immer Geleise, bis die Straße ein Mal die gehörige Festigkeit erlangt hat. Es ist daher durchaus nothwendig, daß ein sehr sorgfältiges Individuum damit beauftragt ist, diese Geleise in dem Maße zuzuwerfen, als sie sich bilden.

Zerschlagen der Steine.

15) Um das Zerschlagen der Steine so wohlfeil als möglich zu bewerkstelligen, sollen hiezu, da keine große Kraft nöthig ist, nur Weiber, Kinder und Greise verwendet werden. Die Steine werden in kleine Haufen gebracht, auf welche sich diese Individuen sezen, um sie dann mit kleinen Hämmern in Stüke zu zerschlagen, die, wie gesagt, nicht über 6 Unzen wiegen sollen. Die Instrumente, die man braucht, sind folgende:

Eine starke Spizhaue mit einem kurzen Stiele, um die Straße aufzuhauen; kleine Hämmer, deren Kopf beiläufig ein Pfund wiegt, und die Größe eines 20 Sousstükes hat, und die mit einem kurzen Stiele versehen sind.

Rechen mit einem hölzernen Kopfe von 10 Zoll Länge, der mit eisernen, 2 1/2 Zoll langen Zähnen versehen ist. Diese Zähne müssen so stark seyn, daß man mit diesen Rechen die großen Steine auf die Seite ziehen, und die aufgehakte Straße ebnen kann.

Breite und lang geschnabelte Schaufeln, mit welchen die zerschlagenen Steine auf der Straße vertheilt werden.

Reinigen der Steine.

16) Die Straße muß durchaus aus zerschlagenen Steinen erbaut werden, und zwar ohne alle Beimischung von Erde, Kreide, |251| Thon oder anderen Substanzen, die eine Verwandtschaft zum Wasser besizen, und welche leicht von der Kälte angegriffen werden. Man darf durchaus kein Material unter dem Vorwande auf die Straßen bringen, dadurch die Steine zu binden. Die zerschlagenen Steine legen sich so zusammen und mischen sich so unter einander, daß sie eine ebene und feste Fläche geben, welche weder durch die Unbilden der Witterung verdorben, noch durch die Räder der Wagen verändert wird. Die Wagen werden sich ohne Stöße und daher ohne Nachtheil darauf bewegen.

Instruction für die Ausbesserungen der Straßen, wie sie von dem englischen Parlamente erlassen, und allen Straßenbau-Commissären und Inspectoren mitgetheilt worden.

§. 1.
Profil der Straßen.

I. Regel.

Für eine Straße von 50 Fuß Breite muß der Abhang ihrer Querachse an jedem Ende 5 Zoll betragen. Das vortheilhafteste Profil ist jenes einer sehr flachen Ellipse: diese Form begünstigt nicht bloß den Abfluß des Wassers von der Mitte gegen die Ränder, sondern trägt auch zum Austroknen bei, indem sie die Verdünstung des Wassers durch die vereinte Wirkung der Sonne und der Luft befördert. Die Inspectoren haben sich der Sezwage zu bedienen, welche am Ende dieser Instruction beschrieben werden soll, um allen Profilen der Straße genau dieselbe Krümmung zu geben.

§. 2.
Ablaufen des Wassers.

II. Regel.

Alle Gräben müssen außer den Helen und Verzäunungen aufgegraben werden, und mit den natürlichen Abflüssen in Verbindung stehen.

Die steinernen Wasserleitungen und Rinnen, welche über die Straße laufen, müssen zahlreich seyn, und sich bis in die Gräben, die außer den Verzäunungen in den angränzenden Grundstüken aufgeworfen sind, erstreken.

Um die Wege immer troken zu erhalten, muß man gemauerte Verbindungen zwischen den Wasserleitungen, welche durch die Straße gehen, und den Rinnen, welche an den Seiten ausgegraben sind, |252| herstellen, und dafür sorgen, daß das Wasser, welches auf die Straße fällt, schnell abläuft.

Der Grund der Wasserleitungen muß sorgfältig gepflastert werden, besonders an deren Ein- oder Ausmündungen. Man darf nie vergessen, daß eine Straße nur dann vollkommen ist, wenn ihre Oberfläche sehr troken erhalten wird.

Alle natürlichen Quellen, welche sich zeigen, müssen durch Gossen oder Rinnen abgeleitet werden.

§. 3.
Von den Bäumen und Heken.

III. Regel.

Alle an den Straßen gepflanzten Bäume müssen durchaus gefällt, und die Helen bis auf 5 Fuß Höhe abgeschnitten werden. Man kann den Schaden, welchen die Bäume, die dicht an den Straßen stehen, und die zu hohen Helen in Bezug auf die Straßen verursachen, auf 20 Procent schäzen; denn die Materiale, die dadurch beschattet werden, bleiben feucht, und werden dadurch viel schneller zermalmt.

§. 4.
Von den Materialien.

IV. Regel.

Die Steine mögen aus Steinbrüchen oder Feldern genommen werden, so soll man zur Unterhaltung der Straßen immer nur die härtesten auswählen.

Jeder Stein muß so zerschlagen werden, daß die Stüke durch einen Ring von 2 1/2 Zoll im Durchmesser durchgehen können. Man muß sich hiezu eigener Hämmer mit gestählten Köpfen und dünnen leichten Stielen bedienen. Diese Arbeit muß immer im Gedinge, und zwar entweder in den Steinbrüchen, oder an den bezeichneten Stellen der Straßen geschehen. Es sollen nur bejahrte Leute, die zu keiner beschwerlicheren Arbeit tauglich sind, so wie Weiber und Kinder dazu tauglich verwendet werden.

V. Regel.

Nimmt man die Steine aus Kiesgruben, so soll man für die Mitte der Straße nur solche Steine wählen, deren Seiten wenigstens 1 1/2 Zoll messen, und sie von dem Sande durch einen Rechen absondern, dessen Zähne in obiger Entfernung von einander gestellt sind. Der feinere Kies wird von den Arbeitern weggeworfen. Durch dieses |253| einfache Verfahren werden die Kosten des Siebens und des Waschens erspart. Jene Steine, deren Seiten unter 1 1/2 Zoll messen, und der grobe Sand können an den Rändern der Straßen und auf den Trottoirs angewendet werden. Die großen Steine sollen in Stüke von der angegebenen Größe zerschlagen werden, und zwar entweder in den Kiesgruben, oder an den dazu bezeichneten Stellen der Straße.

Die Inspectoren haben sich genau nach dieser Regel zu richten. Die gewöhnliche Anwendung der runden, mit Thon vermischten, Kieselsteine ist sehr schädlich, und soll aufs Strengste verboten werden. Wenn ein Straßenbau-Inspector bei dieser Methode beharren sollte, so soll er von den Commissären abgesezt werden.

§. 5.
Vertheilung der Materialien.

VI. Regel.

1) Wenn die Grundlagen einer Straße weder fest, noch troken sind, so muß die Straße abgetragen und neu aufgebaut werden. Man muß dann in einer Breite von 18 Fuß eine Schichte Steine von 7 Zoll Höhe legen. Hiezu taugen auch weichere Steine oder Schlaken, besonders wenn der Boden sandig ist. Die Steine der ersten Schichte oder der Grundlager müssen sehr sorgfältig und mit der Hand gelegt werden, und zwar so, daß ihre breiteste Seite auf den Boden zu liegen kommt.

Man muß die Steine dicht an einander legen, und die Zwischenräume mit Splittern von Steinen ausfüllen, damit das Ganze eine Fläche bildet, die so eben, so gedrängt und so fest, wie ein Pflaster ist. Die größten Steine dieser Schichte dürfen nicht über 5 Zoll Fläche haben. Auf diese Grundlage von Steinen oder Schlaken soll man 6 Zoll hoch harte, zerschlagene Steine von solcher Größe bringen, daß die größten derselben durch einen Ring von 2 1/2 Zoll im Durchmesser gehen.

Die 6 anderen Fuß einer jeden Seite, welche mit den 18 Fuß des mittleren Theiles für die ganze Straße eine Breite von 30 Fuß geben, sollen 6 Zoll hoch mit einer Schichte groben gereinigten Kieses, oder mit kleinen Steintrümmern bedekt werden, wobei man sich sorgfältig nach dem vorgeschriebenen Profile zu richten hat.

2) Wenn eine Straße in der Mitte concav ist, und nur wenige von den Grundlagern übrig sind, so soll man alle großen Steine, welche zum Vorscheine kommen, entfernen, sie zerschlagen, und die Straße in einer Breite von 18 Zoll mit den zerschlagenen Steinen beschütten, wobei |254| man dem Profile die vorgeschriebene Gestalt, und der Oberfläche die nöthige Festigkeit und Härte gibt.

3) Wenn die Grundlager gut, und die Wölbung gehörig ist, so braucht man nur dann frische Steine aufzuschütten, wenn sich Geleise bilden. In diesem Falle soll man nun dieselben ausfüllen, und sie alsogleich verschwinden machen, indem man kleine Steine hinein bringt: diese zerschlagenen Steine von der angegebenen Größe und von ekiger Form werden sich gegenseitig gut binden.

Wenn die Straßen ein Mal nach diesen Grundsäzen gut und richtig erbaut sind, so werden sie auch mit geringen Kosten in gutem Zustande erhalten werden können.

4) Wenn der Theil der Straße, welcher aus den harten Materialien erbaut ist, oder die eigentliche Chaussée, von der sich kein Wagen entfernen darf, noch nicht 18 Fuß breit ist, so soll derselbe auf diese Breite gebracht werden. Man gräbt hiezu die Erde an beiden Seiten aus, und ersezt sie durch eine, wenigstens 10 Zoll hohe, Schichte zerschlagener Steine, die auf dieselbe Weise angewendet werden müssen, wie dieß für die neuen Straßen vorgeschrieben worden. In der Nahe großer Städte sollen die Straßen in ihrer ganzen Breite aus zerschlagenen Steinen erbaut werden.

§. 6.
Ordnung und Verwaltung bei der Arbeit.

VII. Regel.

Jede Arbeit nach dem Taglohne soll so schnell als möglich abgeschafft werden. Die Inspectoren werden die Menge der Arbeit jeder Art, welche in einer bestimmten Zeit geliefert werden muß, festsezen; sie werden die Bezahlungs-Bedingungen bestimmen, welche man den Unternehmern gestatten will, und dafür sorgen, daß diese Bedingungen vollkommen erfüllt sind, ehe sie noch alle Ausgaben bezahlen. Es muß streng auf diese Regel gehalten werden, denn es gehen fast jedes Mal 2/3 des aufgewendeten Capitales verloren, wenn die Arbeit nach dem Taglohn geschieht.

Beschreibung der im §. 1. erwähnten Sezwage.

Diese Sezwage hat beinahe die Form des gewöhnlichen Winkelmaßes der Maurer, nur ist sie viel größer. Sie besteht aus einer horizontalen Stange von 15 Fuß Länge, auf deren Mitte ein senkrechtes, und folglich wagerecht auf der ersteren Stange stehendes Stük angebracht ist. Dieses senkrechte Stük hat beiläufig 3 Fuß Höhe, und ist an seiner Fläche mit einer Fuge bezeichnet, nach welcher sich das, an |255| dessen oberem Theile aufgehängte Senkblei richten muß. Diese Vorrichtung läßt sich, was ihre Form betrifft, mit nichts besser vergleichen, als mit einem Wagebalken, der einen Zeiger trägt. Um das senkrechte Stük sicherer zu befestigen, ist es durch zwei viel leichtere Stüke von 4 Fuß Länge gestüzt, welche nach Links und nach Rechts um 4 Fuß von dem Grunde des senkrechten Stükes entfernt sind. Das horizontale Richtscheit wird mit einem seiner Enden auf die Mitte oder Wölbung der Straße gesezt, während das andere Ende von einem kleinen, senkrechten Lineale gestüzt wird, welches in einen Falz paßt, und welches, indem es in diesem von Oben nach Abwärts gleitet, gestattet, daß dieses Ende so hoch gehoben oder gesenkt werden kann, als es die Krümmung des Profiles erfordert. Drei andere kleine, dem ersteren ähnliche Lineale dienen der Sezwage als Stüzpunkte; ihre Enden senken sich daher, indem sie sich gegen den Boden stüzen, immer mehr und mehr unter die Achse der horizontalen Stange. Wenn man also z.B. von dem Ende jener Stange ausginge, die sich auf die Wölbung stüzt, und gegen das andere Ende derselben fortschritte, so würde man als die Bedingungen der Krümmung, welche die Instruction fordert, beiläufig finden, daß die senkrechten Lineale, von denen das erste 4 Fuß, das zweite 4 Fuß gegen das andere Ende, das dritte noch um 4 Fuß weiter, und das vierte um 3 Fuß von diesem entfernt ist, so würde man, wie gesagt finden, daß deren Enden sich unter den unteren Theil der horizontalen Stange herabbegeben haben, und zwar das erste um einen Zoll, das zweite um zwei Zoll, das dritte um 3 1/2, und das vierte endlich um 9 Zoll.

Diese Ordinaten geben die Wölbung der Straße; das Wasser sammelt sich am tiefsten Theile, in der Nähe des Trottoirs, welches nur so hoch als die Mitte des Fahrweges ist.61)

|255|

Wir würden diese Mac-Adam'schen Vorschriften, die in dem Straßenbaue Epoche gemacht haben, und über welche bereits so viele gute und schlechte Bücher geschrieben wurden, hier nicht mitgetheilt haben, wenn wir uns nicht auf theoretische und praktische Weise leider überzeugt hätten, daß ein großer Theil unserer Straßenbaubeamten gar keinen richtigen Begriff, viel weniger eine wahre Kenntniß, von der Sache hat. Ein Theil dieser Herren liest nichts aus Bequemlichkeit oder Faulheit; ein anderer Theil hält sich für so weise, daß er nichts weiter braucht, und ein anderer Theil ist so schlecht gestellt, daß er, wenn er Familie hat, und zugleich auch ein ehrlicher Mann bleiben will, an das Anschaffen von Büchern und Journalen gar nicht denken kann. Man wird dieß für übertrieben halten, und doch ist es nur zu wahr. Man sehe nur das System, nach welchem unsere Straßen im Herbste gewöhnlich beschüttet werden, und man wird finden, daß dieß weiter nichts ist, als ein regelloses, unzwekmäßiges, die Straßen ganz unfahrbar machendes, und doch sehr kostspieliges Ueberdeken der Straßen mit Geschieben von jeder Größe und jeder Form. Man macht auf diese Weise um schweres Geld schlechte Straßen, die allen Verkehr hemmen, und verwandelt |256| die, an den Straßen gelegenen, Gründe durch das planlose Wühlen nach Material für Jahrzehende in unbrauchbare Streken, die sonst vielen Menschen und Thieren Nahrung geben könnten. – Wie vielen unserer Straßenbau-Inspectoren müßten abgesezt werden, wenn auch bei uns die, am Ende der 5ten Regel ausgesprochene Verordnung gälte? A. d. Ueb.

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