Titel: Ueber die Anwendung eines chemischen Düngmittels.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 43, Nr. LXXVIII. (S. 306–308)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj043/ar043078

LXXVIII. Ueber die Anwendung und Einwirkung eines chemischen Düngmittels auf Feld- und Garten-Bau.

Von der Fabrik-Direction zu Neuschloß bei Heppenheim an der Bergstraße eingesandt.

Wir haben im September v. J. durch eine gedrukte Anzeige bekannt gemacht, daß wir ans den Abfällen unserer Fabrik einen chemischen Dünger zum Verkaufe bereiten lassen, der wesentlich zur Verbesserung des Bodens der Felder und Gärten beitragen, und zur Erhöhung der Ernte auf denselben mitwirken wird. Wir versprachen in dieser Anzeige demnächst Einiges über die Anwendung und Einwirkung unseres Düngmittels bekannt zu machen, und wollen uns hiemit unseres Versprechens entledigen, in der Hoffnung dadurch vielleicht Einiges zur Förderung der Landescultur beizutragen.

So viel bereits über den Dünger geschrieben worden, so vielerlei verschiedene Düngmittel man in Vorschlag brachte, so scheint man bei der Wahl derselben doch die düngenden Urstoffe nicht gehörig berüksichtigt zu haben. Daher mag es wohl kommen, daß man für das sogenannte Animalisiren des Bodens eine solche Vorliebe hat, |307| daß man sich den thierischen Dünger oft mit den größten Opfern zu verschaffen sucht, während man einen anderen, eben so guten oder noch besseren, mineralischen Dünger, den man in der Nähe haben könnte, vernachlässigt. Darin mag der Grund liegen, warum man aus dem Mineralreiche, welches eine so ungeheure Masse Substanzen enthält, die dem natürlichen Dünger, dem Humus, am Nächsten kommen, noch immer nicht den Vortheil zieht, den es gewähren kann, und muß.

Die vorzüglichsten Nahrungsmittel aller Gewächse sind Wasserstoff und Kohlenstoff; je mehr daher ein Dünger den Pflanzen von diesen beiden Urstoffen zuführt, und je mehr er durch einen gewissen, auf die Vegetationskraft wirkenden Reiz, er mag im Sauerstoffe, in sauerstoffreichen Substanzen, oder in irgend etwas Anderem gelegen seyn, die Aufnahme und Aufsaugung dieser beiden Stoffe durch die Pflanze begünstigt, um so vorzüglicher wird er seyn, um so mehr wird er seinen Zwek erfüllen.

Betrachtet man nun unser Düngmittel nach diesen Grundsäzen, so wird man finden, daß durch die verschiedenen, darin enthaltenen Salze und deren chemische Wirkung auf den Boden den Gewächsen eine beträchtliche Menge Kohlensäure zugeführt werden wird, von der sie den Kohlenstoff in sich aufnehmen, den Sauerstoff hingegen aushauchen werden; daß durch mehrere der Salze der Boden nicht bloß loker erhalten und zum Eindringen der Luft geeignet gemacht, sondern fortwährend auch eine große Menge Wasser aus der Luft eingesogen und den Pflanzen mitgetheilt werden wird; und daß endlich die Säuren dieser Salze den gehörigen Reiz auf die Pflanzen ausüben und dadurch eine größere Thätigkeit in ihrem Organismus unterhalten werden. Das Chlornatrium, einer der vorzüglichsten Bestandtheile unseres Düngmittels, wird außerdem zerstörend auf die Insecten wirken, die im Boden enthalten sind, sie in Fäulniß überführen, und auch hiedurch einen neuen Vorrath von Kohlenstoff und Wasserstoff für die Pflanzen erzeugen. Der Zusaz von thierischem Oehle, welcher sich bei unserem Düngmittel befindet, wird nicht bloß die Wirkung der Salze unterstüzen, sondern auch verschiedene schädliche Thiere, namentlich die Mäuse, von den Feldern vertreiben und abhalten.

Wer etwas düngen will, muß vor Allem wissen, was er düngen will; daher muß der Oekonom, der sich unseres Düngmittels bedienen will, sich vorher mit seinem Boden bekannt machen, wenn er es noch nicht seyn sollte. Von den Eigenschaften des Bodens und der Art der Frucht, die darauf gebaut werden soll, hängt nämlich Menge und Anwendungsweise desselben ab, welche jeder Oekonom zu |308| ermessen, oder durch Versuche auszumitteln wissen wird. Um jedoch einige Anhaltspunkte zu geben, wollen wir nur bemerken, daß eine Lauge, die aus dem 16ten Theile Salz besteht, sowohl die animalischen als vegetabilischen Stoffe vor Fäulniß bewahrt, während eine, aus dem 90sten Theile Salz bestehende, Lauge die Fäulniß befördert, und daß nach den Versuchen bewährter Oekonomen 7–10 Centner des Düngmittels für einen Morgen mageren Bodens erforderlich sind, während für einen besseren Boden eine geringere Menge hinreicht.

Die Zeit der Anwendung hat eben so gut ihren Einfluß auf die Wirkung des fraglichen Dungmittels, wie die Art der Frucht. Die Erfahrungen sind zwar in dieser Hinsicht nichts weniger als geschlossen, doch haben uns unsere eigenen Beobachtungen und Erfahrungen, so wie jene mehrerer tüchtiger Aker- und Garten-Bebauer bisher zu folgenden Resultaten geführt.

Die Anwendung unseres Düngsalzes fällt für

Gartengewächse, Hafer und Sommerkorn als späteste Zeit in den Monat Februar;

für Gerste, Weizen, gelbe Rüben, Kartoffeln, Mays in den Februar oder Anfang März;

für Erbsen, Bohnen, Linsen, Hanf, Flachs und Tabak in die Mitte Aprils;

für Heidekorn und Dikrüben in die ersten Tage des Mai;

für Reps ein Paar Wochen vor der Einsaat; und

für Klee und Wiesegründe in die ersten Tage nach der Klee- und Heu-Ernte.

Zum Schlusse wollen wir nur noch darauf aufmerksam machen, daß man ja nicht ängstlich oder irre werden darf, wenn die auf diese Weise gedüngten Früchte bei trokener Witterung Anfangs kränkeln oder zurükbleiben; sie werden nach gefallenem Regen sicher üppiger wachsen, und zuverlässig eine ergiebigere Ernte liefern, als andere, auf die gewöhnliche Weise behandelte Früchte.

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