Titel: Ueber die Färbestoffe des Krapps.
Autor: Claubry, Gauthier
Persoz, J.
Fundstelle: 1832, Band 43, Nr. XCI. (S. 381–387)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj043/ar043091

XCI. Ueber die Färbestoffe des Krapps; von H. Gaultier de Claubry und J. Persoz.

Aus den Annales de Chimie et de Physique. Sptbr. 1831, S. 69.120)

Obgleich viele Chemiker zahlreiche Versuche in der Absicht den Färbestoff aus dem Krapp auszuscheiden angestellt haben, so wissen wir doch nur sehr wenig über die wahre Natur dieser Substanz. Die neuesten Arbeiten über diesen Gegenstand sind diejenige des Hrn. Kuhlmann 121) einerseits und der HH. Robiquet und Colin 122) |382| andererseits; sie hatten hauptsächlich zum Zwek den Farbestoff oder die Farbestoffe, welche der Krapp enthält, in reinem Zustande darzustellen.123)

Nach Hrn. Kuhlmann enthält der Krapp zwei Färbestoffe, einen falben, den er nicht naher untersuchte, und einen rothen, welchem er mehr Aufmerksamkeit schenkte. Man erhält nach seiner Angabe diesen lezteren, wenn man den zuvor in kaltes Wasser eingeweichten und damit ausgezogenen Krapp mit frischem Wasser kocht und die Flüssigkeit mit Schwefelsäure niederschlägt, sodann den Niederschlag in Alkohol auflöst und diese Flüssigkeit verdunstet.

Die HH. Robiquet und Colin sind dagegen der Meinung, daß diese Substanz nicht als der reine Färbestoff des Krapps betrachtet werden kann; als solchen sehen sie vielmehr einen anderen Stoff an, welchen sie in Folge zahlreicher Versuche aus dem Krapp zu bereiten lernten und Alizarin nannten. Man erhält ihn, wenn man Krapp in 3 bis 4 Theilen Wasser einweicht und das Gemenge 8 bis 10 Minuten lang einer Temperatur von 15 bis 20º C. aussezt. Die Flüssigkeit, welche säuerlich ist, gelatinirt beim Erkalten; die Gallerte läßt man abtropfen, süßt sie mit ein wenig Wasser aus und behandelt sie dann öfters mit einer großen Menge concentrirten Alkohols. Die geistige Auflösung bringt man in eine Retorte und destillirt 4/5 des Alkohols ab; in den Rükstand gießt man Schwefelsäure, welche daraus falbe Floken niederschlägt. Leztere werden durch Decantiren öfters mit Wasser ausgesüßt, getroknet und dann erhizt, wobei sich das Alizarin in nadelförmigen Krystallen sublimirt.

Es schien uns, daß die angeführten Chemiker es nicht mit dem wahren Färbestoff des Krapps zu thun hatten, denn als wir ihre Versuche wiederholten und diese Färbestoffe auf Zeugen zu befestigen suchten, erhielten wir mit dem des Hrn. Kuhlmann nur eine blasse Farbe, die aber sehr solid war, und mit dem der HH. Robiquet und Colin eine rosenrothe Farbe, die bei weitem nicht so solid war wie diejenige, welche man beim Krappfärben darstellt.

Vergebens suchten wir durch Beizmittel diese leztere Substanz beständiger zu machen und ihr eine intensive Farbe zu ertheilen; im Verlauf dieser Versuche wurden wir aber auf eine von allen bisher befolgten wesentlich verschiedene Behandlungsweise des Krapps geleitet, indem wir wohl vorhersahen, wie es schon Hr. Mérimée |383| vermuthete, daß diese Pflanze zwei Färbestoffe enthält, welche man bisher noch nicht von einander abgeschieden hatte.

Nachdem wir uns durch directe Versuche versichert hatten, daß die Säuren dem Krapp keine merkliche Menge Farbestoff entziehen (bekanntlich hat man auch in den Fabriken schon seit langer Zeit bemerkt, daß der Farbestoff in einem Wasser, worin die saure Gährung Statt fand, unauflöslich ist), bedienten wir uns der Schwefelsäure, um die große Menge gummiger Substanz, welche der Krapp enthält und die das erforderliche Auswaschen desselben so schwierig macht, in Zuker zu verwandeln.

Hr. Mérimée behandelte den Krapp mit kohlensaurem Natron und glaubte ihm dadurch eine falbe Substanz, die zur Bereitung der Lake, deren Feuer sie vermindert, ganz unnüz ist, zu entziehen. Gerade in dieser Natronauflösung, womit der Krapp ausgesüßt wurde, fanden wir einen eigenthümlichen Färbestoff, welcher in seinem reinen Zustande unseres Wissens noch von keinem Chemiker untersucht wurde.

Nach folgendem Verfahren erhielten wir den rothen und den rosenrothen Färbestoff, welche beide im Krapp vorhanden sind.

Man rührt das Krapp-Pulver mit so viel Wasser an, daß ein sehr dünner Brei entsteht und versezt die Flüssigkeit mit 90 Grammen Schwefelsäure auf jedes Kilogramm Krapp. Wenn man nun Dampf hineinleitet oder sie direct zum Kochen erhizt, so wird das Gummi bald in Zuker verwandelt und der Krapp läßt sich dann sehr leicht auswaschen.

Die Flüssigkeit hat eine gelbe, schwach in Grün stechende, Farbe; neutralisirt man sie mit Alkalien, so wird sie auffallender grün, ohne daß ein Niederschlag entsteht.

Erhizt man den so behandelten Krapp mit einer Auflösung von kohlensaurem Natron, so kann man ihn leicht durch zwei Operationen erschöpfen; er wird dann so lange ausgesüßt, bis die Flüssigkeit ganz färbenlos abläuft.

Die gefärbten Flüssigkeiten gießt man zusammen und neutralisirt sie mit einer Säure; dadurch entsteht ein braunrother Niederschlag, welchen man gut auswäscht und dann in Alkohol auflöst. Die geistige Auflösung wird destillirt und hinterläßt dann den rothen Färbestoff des Krapps.

Der auf angegebene Weise mit kohlensaurem Natron ausgezogene und ausgewaschene Krapp wird mit einer Alaunauflösung digerirt. Die Flüssigkeit erhält eine schöne kirschrothe Farbe; man filtrirt sie und versezt sie in geringem Ueberschuß mit concentrirter Schwefelsäure oder Salzsäure (nicht aber Salpetersäure), welche darin einen schön rochen in Orange stechenden Niederschlag verursachen, der auf ein Filter gebracht |384| und gut ausgesüßt wird; man löst ihn in Alkohol auf und dampft ab. Die Substanz, welche man nun erhält, ist der rosenrothe Färbestoff des Krapps.

Rother Färbestoff.

Diese Substanz bildet eine rothbraune Masse von glänzendem Bruch; kaltes Wasser lost davon kaum eine merkliche Menge auf; heißes mehr, ohne beim Erkalten etwas abzusezen.

Die schwachen Sauren verändern sie nicht; concentrirte Schwefelsäure löst sie in der Kälte und noch leichter bei gelinder Wärme auf, ohne schwefliche Säure zu entwikeln.

Die Salpetersäure greift sie nur in der Wärme an; es bilden sich weiße Floken, welche Schleimsäure zu seyn scheinen.

Kali, Natron und Ammoniak lösen sie in der Kälte sehr gut auf; die beiden ersteren geben eine schön rothe Auflösung, welche sich in Berührung mit der Luft nicht verändert, während die Auflösung in Ammoniak sich in dem Maße trübt, als diese Basis sich verflüchtigt.

Die kohlensauren Alkalien lösen sie ebenfalls auf und geben schön orangerothe Flüssigkeiten.

Die Säuren schlagen den Färbestoff aus diesen verschiedenen Auflösungen im unveränderten Zustande nieder.

Der Alkohol löst den rothen Färbestoff schon bei der gewöhnlichen Temperatur auf; digerirt man ihn bei ungefähr 40º C. längere Zeit damit, so wird die Flüssigkeit so dunkelroth wie eine geistige Safranauflösung. Bei gelinder Wärme verdunstet, hinterläßt sie eine braune Substanz, welche ein kupferartiges und grünes Farbenspiel zeigt.

Aether löst ihn leichter auf als Alkohol, sowohl in der Kälte als in der Wärme; durch die freiwillige Verdunstung erhält man den Färbestoff in krystallinischen Nadeln.

Das Alaunwasser löst den rothen Färbestoff nicht merklich auf, wahrscheinlich weil er mit den Alaunerdesalzen unauflösliche Verbindungen bildet.

Erhizt man den rothen Färbestoff in einer Glasröhre durch die Flamme einer Weingeistlampe, so zersezt er sich, indem er Spuren von Alizarin, die verschiedenen Producte der Pflanzensubstanzen, besonders Theer und eine voluminöse Kohle liefert.

Färbt man damit Zeuge, welche mit einem Alaunerdesalz gehörig gebeizt sind, so ertheilt er ihnen eine ziegelrothe Farbe ohne Glanz, die aber sehr solid ist.

Das Chlor zersezt ihn nur schwierig, selbst bei längerer Einwirkung.

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Das salzsaure Zinnoxydul löst ihn in der Wärme leicht auf und bildet damit eine sehr dauerhafte Verbindung.

Er löst sich auch in schwefelwasserstoffsaurem Ammoniak auf; die Flüssigkeit ist schön braunroth.

Zinnoxydul, mit ein wenig Kali vermischt, nimmt davon eine große Menge auf; die Flüssigkeit hat die Farbe der Safrantinctur, verbindet sich mit den Zeugen und ertheilt ihnen eine schmuzigrothe Farbe, welche durch äzende Alkalien reiner wird.

Der röthe Färbestoff wird von arseniksaurem und arsenichtsaurem Kali aufgelöst. Dergleichen von einer alkalischen Kieselerde- oder Alaunerde-Auflösuug; bei den beiden lezteren kann aber das freie Alkali die Ursache seyn.

Rosenrother Färbestoff.

Wenn man den Krapp mit kohlensaurem Natron behandelt, dann mit Alaunauflösung digerirt und leztere Flüssigkeit mit Schwefelsäure niederschlägt, so erhält man den rosenrothen Farbestoff, welcher getroknet eine feste Masse bildet, die auf dem Bruch harzig wie Gummigutt ist; gepulvert gibt sie eine herrliche rosenrothe Farbe, welche vielleicht in der Mahlerei vorteilhaft angewandt werden könnte.

Verdünnte Schwefelsäure greift ihn nicht an.

Concentrirte Salpetersäure zersezt ihn in der Kälte; man erhält eine gelbe Flüssigkeit, welche kleine Krystalle von Kleesäure absezt.

Die äzenden Alkalien lösen ihn in der Kälte auf; die Flüssigkeit hat eine schöne violette Farbe, welche beim Erhizen intensiver wird; sättigt man sie mit Schwefelsäure, so wird sie gelblichroth.

Läßt man die Auflösung des rosenrothen Färbestoffs in Kali einige Zeit lang stehen, so entfärbt sie sich, indem der Färbestoff niederfällt; der rothe Färbestoff zeigt hingegen ein verschiedenes Verhalten.

Die kohlensauren Alkalien lösen in der Kälte den rosenrothen Färbestoff auf; die Flüssigkeit ist orseilleroth; beim Erkalten sezt sich der Färbestoff ab.

Der Alaun und die auflöslichen Alaunerdesalze lösen ihn sehr leicht auf; die Flüssigkeit ist schön kirschroth. Dagegen ist der rothe Färbstoff des Krapps in diesen Salzen unauflöslich.

Das Wasser löst nur sehr wenig von dem rosenrothen Färbestoff auf.

Der Alkohol löst ihn schon in der Kälte auf und in größerer Menge in der Wärme. Die Auflösung ist schön kirschroth; durch Zusaz von Kali wird sie violettroth und nach einiger Zeit schlägt sich der Färbestoff nieder. Krapp, welchem man die gummige Substanz |386| und durch kohlensaures Natron oder salzsaures Zinnoxydul auch den rothen Färbestoff entzogen hat, liefert eine ganz ähnliche Flüssigkeit.

Aether löst den rosenrothen Färbestoff auf; die Flüssigkeit hat eine dunklere Farbe als die mit Alkohol erhaltene. Diese beiden Flüssigkeiten geben beim Verdunsten 4 bis 5 Linien lange nadelförmige Krystalle.

Das Chlor zerstört den rosenrothen Färbestoff leichter als den rothen.

Beim Erhizen zersezt er sich wie der rothe Stoff und gibt ein wenig Alizarin.

Das salzsaure Zinnoxydul löst diesen Farbestoff nicht auf.

Schwefelwasserstoffsaures Ammoniak löst ihn schon in der Kälte auf; die Flüssigkeit ist dunkelroth und wird bei längerer Berührung mit überschüssigem Färbestoff noch dunkler.

Zinnoxydul, welches man mit einigen Tropfen Kali versezt, löst schon in der Kälte den rosenrothen Farbestoff in allen Verhältnissen auf; die Flüssigkeit ist außerordentlich schön roth und ertheilt den Zeugen eine schöne reine rosenrothe Farbe.

Concentrirte Schwefelsäure löst den rosenrothen Färbestoff in der Kälte auf und nimmt eine schöne kirschrothe Farbe an; versezt man die Flüssigkeit mit Wasser, so schlägt sich der Färbestoff nieder, ohne eine Veränderung erlitten zu haben.

Arseniksaures und arsenichtsäures Kali lösen den rosenrothen Färbestoff auf; Alaunerde- oder Kieselerde-Solution in Aezkali, deßgleichen; die beiden lezteren vielleicht durch ihr überschüssiges Alkali.

Die angeführten Eigenschaften der beiden Färbestoffe, welche wir im Krapp fanden, leiteten uns auf ein sehr einfaches Verfahren sie darzustellen: es besteht darin, die gummige Substanz auf oben angegebene Weise zu zerstören und den ausgewaschenen Krapp mit Zinnoxydul zu behandeln, welches mit ein wenig Aezkali gemischt ist. Man erhält eine sehr dunkle rothe Flüssigkeit, in welcher ein mit Alaun gebeizter Zeug in wenigen Augenbliken eine sehr intensive braunrothe Farbe annimmt.

Durch das mit Kali gemischte Zinnoxydul kann man dem Krapp die beiden Färbestoffe, welche er enthält, vollständig entziehen. Wenn man nun einige Tropfen Säure zusezt, so fallen diese beiden Substanzen in rothen Floken nieder, welche man sorgfältig auswascht; behandelt man sodann diesen Niederschlag mit einer Alaunauflösung, so löst sich der rosenrothe Färbestoff auf und man erhält als Rükstand den rothen Färbestoff, welchen man nur auszuwaschen braucht, um ihn von dem rosenrothen zu trennen.

Wollte man sodann die beiden Färbestoffe in vollkommen reinem |387| Zustande erhalten, so müßte man den rosenrothen aus der Alaunauflösung mit Schwefelsäure niederschlagen und jeden in Alkohol, oder besser, in Aether auflösen, aus welchen sie sich beim freiwilligen Verdunsten in krystallinischen Nadeln ausscheiden würden.

Man kann auch aus rohem Krapp und ohne vorher die gummige Substanz zersezt zu haben, die Färbestoffe erhalten, wenn man ihn mit salzsaurem Zinnoxydul behandelt; 30 Gramme von diesem Salze sind für ein Kilogramm Krapp vollkommen hinreichend.

Aus den angeführten Thatsachen geht hervor, daß der Krapp zwei verschiedene Färbestoffe enthält, welche, indem sie sich in mannigfaltigen Verhältnissen verbinden, die lebhaften und dauerhaften Farben hervorbringen, die man in den Färbereien mittelst Krapp producirt.

Wenn man bisher den rothen Färbestoff des Krapps nicht auffand, so ist die Ursache davon wahrscheinlich diese, daß man immer das färbende Princip der schönen Lake, deren Bereitungsart Hr. Mérimée beschrieben hat, darzustellen sich bemühte. Hr. Kuhlmann aber, welcher den rothen Färbestoff ausschied, trennte ihn nicht von dem rosenrothen, womit er verbunden war, was wie wir gezeigt haben, durch Alaunerdesalze geschehen kann.

Diese Abhandlung wurde der Akademie der Wissenschaften in Paris den 23. October 1826 versiegelt übergeben und den 13. December 1827 vorgelesen. Wir können uns nicht erklären, warum die Akademie oder die Verfasser sie nicht früher bekannt machten. A. d. R.

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Polyt. Journal Bd. XIII. S. 224. A. d. R

|381|

Polyt. Journal Bd. XXIV. S. 530. A. d. R.

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Die neuesten Untersuchungen über den Krapp, welche durch eine Preisaufgabe der Société industrielle in Mülhausen veranlaßt wurden, findet man im polytechnischen Journal Bd. XXVII. S. 200–227 und Bd. XXXIX. S. 385. A. d. R.

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