Titel: Turner, über Maschinen und Apparate zur Papierfabrikation.
Autor: Turner, Georg William
Fundstelle: 1832, Band 43, Nr. CVIII. (S. 436–439)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj043/ar043108

CVIII. Verbesserungen an den Maschinen und Apparaten zur Papierfabrikation, auf welche sich Georg William Turner, Papierfabrikant in der Pfarre St. Mary Magdalen, Bermondsey, Grafschaft Surrey, am 21. März 1831 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem London Journal of Arts. November 1831, S. 69.

Mit Abbildungen auf Tab. VII.

Die Verbesserungen, die der Patent-Träger an den Apparaten zur Papierfabrikation anbrachte, bestehen in der Verfertigung und Anwendung einer eigenen Art von Sieb, durch welches die Knoten, Klümpchen und anderen Substanzen, welche sich mit den feinen Fasern des Zeuges noch in Verbindung befinden, auf ihrem Durchgange in den Model oder das Drahtgewebe, auf welchem das Papier verfertigt wird, abgeschieden werden.

In Folge dieser Verbesserungen bedarf er des gewöhnlichen Troges oder der Bütte und des Rührers nicht, in welcher der Zeug unmittelbar bevor er auf das Drahtgewebe, oder auf das endlose Gewebe einer Fourdrineir'schen oder anderen ähnlichen Papiermaschine fließt, mit Wasser vermengt und beständig umgerührt wird. Sein Sieb kann auch an der gewöhnlichen Bütte, die zum Ausheben des Papieres mit der Hand dient, mit Vortheil angewendet werden.

Diese Siebe werden nach dem Vorschlage des Patent-Trägers kreisförmig verfertigt, indem man eine beliebige Zahl glatter, concentrischer, metallener Ringe so mit einander verbindet, daß kleine Räume, von 1/50 bis 1/100 Zoll, zwischen denselben bleiben. Für die Durchschnittsgestalt dieser metallenen Ringe zieht derselbe jene eines Ausschnittes vor, welcher dem umgekehrten Buchstaben L gleicht. Diese Ringe werden an Halbmesserarmen, die an der Achse des Mittelpunktes oder der Spindel aufgezogen sind, befestigt. Fig. 48 zeigt dieß Radskelet oder die Halbmesserarme a, a, a, a, auf welche die erwähnten concentrischen Metallringe gelegt, und die zugleich mit dem äußeren Ringe b, b, b gegossen, oder zuerst sicher an demselben befestigt werden.

Fig. 49 ist ein Grundriß oder eine Darstellung der horizontalen Oberfläche des Siebes, die aus den concentrischen, auf den Halbmesserarmen aufgezogenen Ringen besteht, zwischen welchen man die concentrischen Oeffnungen oder Räume sieht. Fig. 50 ist ein senkrechter Durchschnitt des Siebes, woran man die concentrischen Ringe von der Kante her, auf den Halbmesserarmen ruhend, sieht.

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Diese Ringe werden gewöhnlich mittelst kleiner Schrauben an den Armen befestigt, sie können aber auch angelöthet, oder auf irgend eine andere geeignete Weise fest gemacht werden. Das Ganze ist mit einem dünnen metallenen Reifen c, c, c umgeben.

Obwohl nun der Patent-Träger es vorzieht, die Siebe aus mehreren, die Form eines umgekehrten L bildenden, Ringen zu verfertigen, so beschränkt er sich doch nicht auf diese Form der Vorrichtung allein, sondern er verfertigt zuweilen einen Rahmen, welcher aus Halbmesserarmen mit Ringen oder Reifen besteht, die entweder an die Arme angegossen oder concentrisch daran befestigt werden, und beiläufig 1/4 Zoll von einander entfernt sind, und löthet dann auf die obere Fläche dieses Reifenrahmens eine kreisförmige Metallplatte, in die er auf einer Drehebank mit einem feinen Drehestahle die Oeffnungen schneidet, welche das Sieb bilden sollen. Unter gewissen Umständen verfertigt er die Fläche des Siebes auch aus Draht, statt aus der dünnen Metallplatte, indem er mehrere Ringe Drahtes in einer Fläche dicht neben einander legt, und sie entweder durch eine Löthung oder durch Querdrähte in Zwischenräumen von einem halben Zoll befestigt. Er läßt ferner entweder die oben erwähnten kreisförmigen, concentrischen Räume für den Durchgang der feinen Fasern des Breies; oder er verfertigt, wenn er es für geeignet findet, die Siebe dadurch, daß er, wie man in Fig. 51 sieht, nur Segmente an dem Rahmen oder den Armen befestigt, oder daß er, wie in Fig. 52 ersichtlich, gerade Stangen oder Drähte in polygonalen Winkeln anbringt. Seine Absicht ist nämlich bloß die Verfertigung eines solchen Siebes oder solcher Siebe, welche sich umdrehen können, und deren Zwischenräume längliche Oeffnungen bilden, welche mit der drehenden Woge, in der der Zeug durch und unter das Sieb fließt, correspondiren.

Der Erfinder gibt diesen Sieben gewöhnlich einen Durchmesser von 24 bis 30 Zoll, und der oberen Fläche der Ringe, welche die Vorderseite des Siebes bildet, eine Breite von beiläufig einem halben Zoll, während er den äußeren Ring oder Reif beiläufig 8 Zoll hoch macht.

Die Art und Weise, auf welche nun der Patent-Träger diese Siebe an einer Papiermaschine anbringt, ersieht man aus Fig. 53, die einen horizontalen Durchschnitt des Apparates darstellt. Fig. 54 zeigt denselben Apparat im Aufrisse und zum Theil im Durchschnitte. d, d, d, ist ein Trog oder Canal, der den Papierzeug und das Wasser in die Siebe e, e, e, e leitet, deren zwei an jeder Maschine angewendet werden sollen.

Diese Siebe, von denen ein jedes an einer Welle ff aufgezogen ist, |438| sind horizontal in dem Kasten g, g aufgehängt, der die Stelle der gewöhnlichen Bütte vertritt. Die obere Fläche eines jeden derselben befindet sich, wenn sie still stehen, beiläufig einen halben Zoll über der Fläche des Zeuges und des Wassers in dem Kasten g.

Die oberen Enden der Wellen oder Spindeln f, f gehen durch die Knäufe des Balkens h, h, und werden durch die Schraubenmuttern i, i festgehalten. Der Balken kann sich bei j auf Zapfen schwingen, welche auf dem festen Gestelle k, k ruhen. Die Wellen oder Spindeln gehen auch durch die Führer q, q, q, q, damit die Siebe auf diese Weise vollkommen horizontal erhalten werden.

An einer der Wellen oder Spindeln f ist eine Rolle oder ein Rigger l befestigt, über die, von irgend einer gehörigen Triebkraft her ein Riemen oder Laufband läuft, wodurch die Welle oder Spindel f mit ihrem Siebe in drehende Bewegung gesezt wird. Eine andere, an derselben Spindel angebrachte Rolle m, führt ein Band ohne Ende n an eine zweite ähnliche Rolle m, die sich an der Welle oder Spindel des anderen Siebes befindet, so daß, wenn die Rolle l getrieben wird, beide Spindeln oder Wellen und beide Siebe sich umdrehen müssen.

Um den Durchgang des feinen Zeuges und des Wassers zu erleichtern, wird den Sieben auch eine Bewegung nach Aufwärts und Abwärts mitgetheilt, und zwar durch den sich schwingenden Balken h, dessen Ende mit einer Stange o, o in Verbindung steht, deren unterer Theil an dem sich umdrehenden gekrümmten Hebel p befestigt ist. Hieraus erhellt, daß wenn der Welle des gekrümmten Hebels p eine schnelle, drehende Bewegung gegeben wird, der Balken h sich schwingen, und folglich die Siebe in dem Kasten g mit derselben schnellen Bewegung auf und nieder drüken muß, mir welcher der gekrümmte Hebel bewegt wird.

Durch dieses schnelle Heben und Senken der Siebe wird während des Hebens unter jedem Siebe ein leerer Raum entstehen, und dieser wird die oberhalb befindliche Luft veranlassen, das Durchdringen der feinen Fasern des Zeuges durch die Zwischenräume des Siebes zu begünstigen. Beim Senken der Siebe wird hingegen der Druk der Flüssigkeit die Klümpchen oder anderen Substanzen, welche sonst die Zwischenräume an den Sieben verstopfen und verlegen würden, nach Aufwärts drängen. Durch die drehende Bewegung der Siebe um ihre Wellen oder Spindeln werden die zarten feinen Fasern in beständiger Bewegung erhalten, und verhindert, sich zu Boden zu sezen, so daß dadurch der Rührer, welcher an anderen Maschinen angewendet wird, entbehrlich ist.

Die gröberen Theile des Zeuges, die Klümpchen und Knötchen, welche nicht durch die Siebe gehen können, werden in den Sieben zurükbleiben, und können von Zeit zu Zeit, je nachdem es nöthig ist, entfernt |439| werden. Die feineren, durch das Sieb in den Kasten g gelangten, Theilchen des Zeuges werden hingegen über den Rand r auf das gewöhnliche Drahtgewebe fließen, und daselbst in Papier verwandelt werden.

Der Patent-Träger schließt sein Patent mit folgender Erklärung: meine Erfindung, welche ich als mein ausschließliches Recht in Anspruch nehme, besteht in meiner eigenen Methode die beschriebenen Siebe zu verfertigen, und dieselben zum Reinigen des Zeuges von den Klümpchen, Knötchen und anderen damit vermischten Körpern anzuwenden; so wie in der Benuzung dieser Siebe an Papiermaschinen (indem ich ihnen entweder auf die angegebene oder irgend eine andere taugliche Weise sowohl eine drehende Bewegung, als eine Bewegung nach Auf- und Abwärts gebe), und in Papierfabriken, in welchen mit der Hand gearbeitet wird.

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