Titel: Ein neuer Schärfungsapparat für Rasiermesser.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 43, Nr. XV./Miszelle 13 (S. 75–76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj043/mi043015_13

Ein neuer Schärfungsapparat für Rasiermesser.

Einsender dieses rasiert sich seit seiner Jugend selbst und hat sich von jeher bemüht seinen Rasiermessern eine zarte scharfe Schneide zu geben. Um diesen Zwek zu erreichen, hat er sich nicht nur stets gute Messer gehalten, sondern sich auch fast alle Arten von Schärfungsapparaten und Streichriemen angeschafft. Von lezteren besizt er einen hohlliegenden elastischen, einen ganz gerade aufliegenden englischen Patent-Streichriemen, auf welchen das Leder geleimt ist, und einen convexen, nach Angabe eines vor einigen Jahren über diesen Gegenstand in Berlin erschienenen Werkchens angefertigt.28) Troz aller dieser Streichriemen konnte er nie ein ihm genügend scharfes zartschneidendes Messer erhalten. Er forschte der Ursache hievon nach und fand, daß wenn auch das Rasiermesser ganz regelrecht auf einem feinen Abziehsteine abgezogen wurde – nämlich so, daß das hohlgeschliffene Messer zu gleicher Zeit mit dem Rüken und der Schneide auf dem |76| Steine ruhend hin und her gezogen wurde, es auf einem Streichriemen eben so behandelt, seine Schärfe nicht vermehren kann, weil das Leder elastisch ist, also dem Druke des Messers nachgibt und gleich hinter der Schneide desselben wieder hervorquillt, wodurch die vorher erlangte Schärfe wieder abgestumpft wird. Um diesen Nachtheil zu vermeiden, gerieth er auf den Gedanken sich den unten beschriebenen einfachen Schärfungsapparat zu verfertigen, der wie jeder Streichriemen zu gebrauchen ist, allen Anforderungen vollkommen entspricht und auch gewiß Jedem genügen wird.

Er goß sich von Blei (das im flüssigen Zustande vor dem Ausgießen vermittelst eines Hölzchens von allem oben auf schwimmenden Schmuze befreit wurde) eine Platte von 1/2 Zoll Dike, 2 Zoll Breite und 9 Zoll Länge und machte dieselbe mit einem gewöhnlichen Hobel auf allen Seiten ganz glatt. Hierauf befeuchtete er diese Bleiplatte auf einer der breiten Seiten und trug mit dem Finger ganz fein geschlämmtes Caput mortuum so dünn auf, daß sie nur damit bedekt war und roth aussah. Nachdem dieser Auftrag ganz getroknet war, nahm er ein gewöhnliches, jedoch glattes Brodmesser, und rieb das Caput mortuum so lange und so stark damit, bis sich diese Substanz ganz fest in das Blei eingedrükt hatte, fast schwarz aussah und die ganze Oberfläche der Bleiplatte fein polirt erschien, nach welcher Manipulation sie zum Gebrauch fertig war. Die dieser gegenüber befindliche Seite der Bleiplatte überzog er mit dem feinen (vorher getrokneten) Schleime, welcher dadurch entsteht, daß man zwei angefeuchtete Abziehsteine auf einander reibt. Die Art dieses feine Pulver aufzutragen ist dieselbe wie die vorherbeschriebene; auch hat dasselbe die nämliche Wirkung wie das Caput mortuum, obgleich lezteres vorzuziehen ist.

Wer sich nach dieser leicht ausführbaren Methode einen Schärfungsapparat für Rasiermesser verfertigt, wird gewiß die gehabte Mühe durch einen guten Erfolg belohnt sehen und dem Einsender für die Mittheilung dankbar seyn.

E. H. . . r.

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Man vergleiche polyt. Journal Bd. XXXIX. S. 193, wo auch Knight's Schärfungsapparat für Rasiermesser beschrieben ist, welcher dem Hrn. Verfasser wahrscheinlich unbekannt ist. A. d. R.

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