Titel: Warnung für Baumeister.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 43, Nr. XV./Miszelle 15 (S. 76–77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj043/mi043015_15

Warnung für Baumeister.

In der Engineer's Society zu London wurde folgender sonderbare Fall eines verunglükten Baues erzählt, welchen wir auch unseren Herren Baumeistern mittheilen zu müssen glauben, da wir leider täglich sehen, daß das Wissen Vieler in ein wenig Zeichenkunst, in etwas Alterthumskunde und in der Kunst sich Geld |77| zu machen, besteht, während ihnen die Eigenschaften ihres Baumateriales eben so fremd zu seyn scheinen, als die Zwekmäßigkeit der inneren Einrichtung eines Gebäudes. – Auch bei uns sahen wir schon öfter, daß man bei Bauten ohne gehörige Würdigung Festeres auf Weicheres legte: was hieraus entstehen kann, mag; man nun aus Folgendem ersehen. Man sezte an einem neuen Gebäude in den Nähe von Oxford-Market eine hohle Säule von 7 Zoll im Durchmesser und 1 1/2 Zoll Dike auf einen steinernen Fuß von 6 Zoll Dike, welcher auf einer gemauerten Grundlage von 1 Fuß 10 Zoll im Quadrate und 2 Fuß 6 Zoll Höhe ruhte, und spannte von dem Bindebalken aus, der von der Säule getragen wurde, einen Bogen. Nach einiger Zeit hatte sich die Säule in Folge der Last, die sie zu tragen hatte, und weil das Material des Fußes weicher war, als jenes der Säule, nicht bloß durch den Fuß und seine Unterlage einen Weg gebahnt, sondern sie war sogar noch 1 Fuß 9 Zoll tief in den Boden selbst eingedrungen! Die Grundlage blieb dabei ganz unverändert in ihrer Stellung, nur war mitten durch sie ein Loch von dem Umfange der Säule gleichsam durchgebunzt, und von diesem Loche aus liefen einige Sprünge gegen die Ränder hin. (Aus dem Mechan. Magaz. N. 432 S. 122, wo auch eine Abbildung dieser merkwürdigen Thatsache zu sehen.)

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