Titel: Beobachtung von Thieren, eine Quelle nüzlicher Erfindungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 43, Nr. XV./Miszelle 16 (S. 77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj043/mi043015_16

Beobachtung von Thieren, eine Quelle nüzlicher Erfindungen.

Hr. Brunel trug vor der königlichen Akademie zu Rouen mehrere sehr interessante Details über seine Arbeiten bei dem verunglükten Themse-Tunnel vor. So sagte er, „daß er durch die Beobachtung des Baues des Schiffswurmes (Teredo navalis)29) auf die Idee seines Schildes kam, welcher bei seiner ersten Anwendung so viel Aufsehen und Gerede veranlaßte. Dieses Thier ist nämlich im Stande, unter dem Wasser große Stüke Holz und Zimmerung zu durchbohren; es hat auf seinem Kopfe eine Art von Schild, durch welchen es gegen die Wirkung der Wellen geschüzt wird, und unter welchem es ungestört seine zerstörende Arbeiten fortsezt.“ Wir bemerken hier nur, daß Hr. Brunel den Schweif des Thieres, welches diesen Schild trägt, für den Kopf hielt, und machen bei dieser Gelegenheit neuerdings aufmerksam, wie viel Nüzliches wir noch entdeken und erfinden dürften, wenn unsere Naturhistoriker bei ihren Beobachtungen mit mehr Rüksicht auf wirklichen Nuzen, und mit weniger sogenannter Naturphilosophie zu Werk gehen möchten.

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Das Repertory of Patent-Inventions October 1831, S. 212, welches diese Notiz aus dem Recueil industriel entlehnt, gibt für dieses, für die Marine so zerstörende, Thier bloß den französischen Namen Taret an, verweist in Hinsicht auf eine Beschreibung und Abbildung desselben auf das Dictionnaire classique d'Histoire naturelle, und gibt einen so auffallenden Beweis der englischen Unwissenheit, daß es sich nicht entblödet zu sagen: „wir werden demjenigen unserer entomologischen Freunde, der uns den englischen Ramen dieses Thieres angibt, sehr verbunden seyn!“ Es ist unglaublich, und nur bei der Unzwekmäßigkeit der höheren englischen Unterrichtsanstalten, besonders der in Wortkrämerei, fälschlich Philologie genannt, in Jurisprudenz und Theologie vermodernden Universitäten, einiger Maßen begreiflich, wie ein etwas gebildeter Engländer, ein integrirender Theil jener, auf ihr Uebergewicht zur See so mit Eitelkeit und Hochmuth erfüllten Nation, nicht ein Mal den Namen jenes Thieres kennt, welches seiner Marine und seinen Dämmen sowohl, als jenen aller übrigen an der See wohnenden Völker so unendlichen Schaden und so großes Verderben brachte! Wie konnten die Beobachtungen, die der unsterbliche Linné und andere über diesen Wurm machten, in England so weit vergessen werden, daß man Entomologen zu Hülfe ruft, um den Namen eines Wurmes kennen zu lernen! Dieß ist die Folge der Erziehung durch Philologen, und Theologen, die im Allgemeinen zu den beschränktesten und unwissendsten Individuen gehören, und den ganzen Zwek ihres Studiums verdreht und verkannt haben.

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