Titel: Unglüksfälle auf englischen Eisenbahnen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 43, Nr. XV./Miszelle 2 (S. 71)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj043/mi043015_2

Unglüksfälle auf englischen Eisenbahnen.

Das Zeitblatt The Times vom 4. October v. J. berichtet ein trauriges Ereigniß, welches einige Tage zuvor an der Eisenbahn zwischen Avenhambrow und der hölzernen Brüke vorgefallen ist, da auf der dortigen steilen schiefen Fläche, über welche die beladenen Wagen mittelst einer Kette ohne Ende von einer auf der höchsten Stelle vorgerichteten Dampfmaschine hinauf gezogen werden, die Kette brach, und die hiedurch los gewordenen und herabrollenden Wagen einen unter dieselben geworfenen Arbeiter auf die schreklichste Weise zermalmten.

Ein noch weit schreklicheres Unglük ist am 5. November auf der Eisenbahn zwischen Liverpool und Manchester nur zufälliger Weise noch abgewendet worden, worüber Galignani's Messenger vom 10. November aus dem Liverpool Mercury Folgendes berichtet:

„Am vergangenen Samstag ereignete sich auf der Liverpool- und Manchester-Eisenbahn bei dem Transporte der Briefpost mit ungefähr hundert Reisenden nach Manchester ein Unfall. Der Zug war an der Newton-Seite von Chat-Moß angekommen, und lief eben über den dortigen Damm mit der Geschwindigkeit von zwanzig Meilen in einer Stunde, als in Folge einer gebrochenen Achse der ganze Zug über die eisernen Schienen hinausgeschleudert wurde, und in einer etwas schiefen Richtung gegen 600 Schritte weit bis zu einer Entfernung von 1 1/2 Ellen vom Rande des Dammes fortlief ehe er aufgehalten werden konnte. Wäre der Grund durch einen kurz vorher gefallenen Regen nicht sehr weich gewesen, so wäre wahrscheinlicher Weise der ganze Zug über den hohen Damm herunter gestürzt worden, mit einem schauderhaft zu denkenden Verlust von Menschenleben. Glüklicher Weise nahm Niemand den geringsten Schaden („den fürchterlichsten Schreken ausgenommen“). Die Fahrt ward nun eine Stunde lang unterbrochen, wornach der Zug wieder in Gang gesezt wurde, und um den Zeitverlust einzubringen, forcirte man die Maschinen, und legte den noch übrigen Weg von 11 Meilen in 22 Minuten zurük.“ – Die Geschwindigkeit war demnach eine halbe englische Meile in jeder Minute, oder 30 Meilen (= 13 bayerische Stundenlängen) in einer Stunde! –26)

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Da haben wir wieder einen neuen Beweis, wie gefährlich in dieser Hinsicht die in England jezt allgemein eingeführten und als Non plus ultra von Vollkommenheit angepriesenen erhabenen Bahnmaschinen (Edge-Rails) sind, und wie leicht bei einer sehr schnellen Bewegung die Wagen über dieselben hinausgeschleudert, umgeworfen, zertrümmert, oder in Graben und Abgründe gestürzt werden können. Wie viele solche Unfälle werden sich noch ereignen müssen, ehe man von der eingewurzelten Vorliebe für diese Construction von Eisenbahnen zurükkommen, und auf eine sicherere Bauart derselben denken wird? – Wenn die von Hrn. Ritter von Baader, in unserm Journale XLI. Bd. 1. Heft angekündigte neu erfundene Bauart von Eisenbahnen, Wagen und fortschaffenden Maschinen auch nur diesen einzigen von ihm (S. 13) versprochenen Vortheil gewährt, so dürfte diese seine Anzeige schon die ernstlichste Beachtung aller Regierungen und aller Gesellschaften verdienen, welche gegenwärtig mit Entwürfen zur Anlage von Eisenbahnen sich beschäftigen. A. d. Red.

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