Titel: Ueber den Bau des Mays in England.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 43, Nr. XV./Miszelle 20 (S. 78–79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj043/mi043015_20

Ueber den Bau des Mays in England.

Der Bau des Mays oder türkischen Weizens, der in den lezten Jahren in England so sehr empfohlen wurde, und für dessen Verbreitung sich vorzüglich der bekannte Cobett, dieser Reformer in so vielen Dingen, eifrigst verwendete, wurde nun beinahe überall aufgegeben, und selbst von seinem Hauptvertheidiger verlassen. Der Herausgeber des Domestic Gardener's Manual sucht in einem Aufsaze, der auch in das Repertory of Patent-Inventions 1831 November S. 271 überging, zu beweisen, daß man durchaus keinen Grund habe, die Cultur dieser nüzlichen Pflanze aufzugeben, und daß dieselbe zwekmäßig gedeihe, und mit großem Vortheile gebaut werden könne, wenn man ihr nur die gehörige Pflege schenkt, und wenn man sie nicht auf jedem Boden ziehen will. Es ging hier, wie es in der Medicin mit vielen sehr guten Mitteln geht; man wendet dieselben in allen, und selbst den verschiedensten Fällen an, und verwirft sie am Ende ganz, weil man nicht einsehen will, daß das, was in einem Falle gut ist, im anderen schlecht seyn kann und muß. Da der Maysbau auch in einigen Gegenden unsers Vaterlandes versucht wird, und in den milderen Gegenden mit lokeren Boden auch sehr gut gedeiht, so wollen wir hier aus obigem Aufsaze bemerken, daß der Maysbau jedes Mal fehlschlagen, oder wenigstens keinen Vortheil gewähren wird, wenn man ihn auf einem Stük Landes unternimmt, welches nicht den ganzen Tag über der Sonne ausgesezt ist, und dessen Boden schwer und kalt ist. Zum Gedeihen ist ferner durchaus nöthig, daß man die Samen nicht zu tief in den Boden legt, denn legt man sie z.B. in einem Boden, der eine starke bindende Kraft besizt, nur 2 Zoll tief unter die Erde, und kommen auf dieses Anbauen starke Regengüsse, so wird die Erde eine Rinde bilden, durch die der Keim nicht zu dringen vermag, oder durch die er sich wenigstens mit solcher Schwierigkeit |79| durcharbeitet, daß die Pflanze sich schwer mehr erholt. Ist die Saat aufgegangen, so darf endlich mit dem Ausgäten und Behaken des Bodens durchaus nicht gespart werden. Wir können diese Vorschriften des Hrn. G. J. T. in Folge mehrjähriger Erfahrung nur bestätigen. – Am meisten schadete der Einführung des Maysbaues in England der Umstand, daß dessen Kolben zu ungleichen Zeiten reifen, und daher 2, 3 und mehrere Ernten erfordern. Dieß mag wohl in dem feuchten England nöthig seyn; in vielen Gegenden Ungarns und Tyrols, wo überall Mays gebaut wird, thut man dieses nicht; man läßt die reifen Kolben an der Pflanze bis auch die später reifenden zur Abnahme tauglich sind, und macht bloß eine einzige Ernte.

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