Titel: Ueber Duguet's Melotypie.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 43, Nr. XXXVI./Miszelle 11 (S. 156)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj043/mi043036_11

Ueber Duguet's Melotypie.

Der Recueil industriel vom Februar 1831, und aus diesem das vor Kurzem erst erschienene Maiheft des Bulletin d. Sciences technologiques, enthält eine Notiz über eine Erfindung des Hrn. I. M. P. Duguet zu Paris, rue de Vaugirard N. 90, der vom Entdeker der Namen Melotypie beigelegt wurde, und die in einer neuen Methode alle Arten von Musikalien und Kirchen-Gesängen mit neuen beweglichen Lettern zu druken besteht. Seit mehr als einem Jahrhunderte beschäftigte man sich bereits in allen Ländern mit ähnlichen Erfindungen, deren Resultate aber bisher immer ungenügend ausfielen, so daß man ungeachtet der großen Kosten und verschiedener Schwierigkeiten immer wieder zum Kupferstiche seine Zuflucht nahm. Hr. Duguet scheint glüklicher als seine Vorgänger gewesen zu seyn. Er hat die Musik auf ihren einfachsten Ausdruk zurükgeführt, indem er die Noten und die vorzüglichsten Zeichen in Ziffern umwandelte, die von jedem Arbeiter, wenn derselbe auch gar nichts von Musik versteht, gesezt werden können, und deren Namen von der Stelle hergeleitet sind, welche sie auf den Notenlinien einnehmen. Auf diese Weise werden nämlich die Noten ganz unabhängig von den Schlüsseln; die Chiffern bleiben immer dieselben, so daß sich der Arbeiter nur mit eilf derselben bekannt zu machen braucht, um mit der größten Leichtigkeit die neuen Lettern zusammensezen zu können, und daß er nur die verschiedenen Werthe derselben kennen darf, um sie in die gehörigen Accompagnements zu vertheilen. – Wegen dieser Leichtigkeit der Arbeit kann ein Arbeiter nach Hrn. Duguet's Methode zwei Mal so viel leisten als ein Kupferstecher; außerdem beträgt aber noch die Ersparung an Kupferplatten bei einem Bande von 400 Seiten allein wenigstens 1000 Franken. Abgesehen von der Wohlfeilheit werden die Noten auf diese Weise auch viel richtiger werden als es gewöhnlich der Fall ist, indem man sie nach Belieben corrigiren kann, was bei den Blei- und Kupferplatten weit schwieriger ist. Das Abziehen geschieht, wie jenes der gewöhnlichen Bücher, formatweise und übersteigt die Schnelligkeit des Abziehens der Kupferstiche wenigstens um das Zehnfache, ohne daß diese Schnelligkeit der Reinheit der Abdrüke auch nur den geringsten Nachtheil brachte. Uebrigens lassen sich alle bekannten, und bisher für die Literatur im Allgemeinen gebräuchlichen Lettern auch auf den Druk der Musikalien anwenden, so daß sich durch dieselben auch alle jene garstigen Zeichen ersezen lassen, die wir heut zu Tage noch in diesen Arbeiten antreffen. – Der Preis der Musikalien wird durch Hrn. Duguet's Erfindung wenigstens um 50 Procent niedriger werden. Man kann ferner alle Arten von Papier zu denselben anwenden, und dadurch vermeiden, daß die kostbarsten Werke nicht so leicht in Trümmer gehen, als dieß gewöhnlich der Fall ist, und dergleichen Vortheile noch weit mehr. – Der Erfinder verspricht sich von seiner Erfindung ganz Außerordentliches, und hofft durch dieselbe die Musikfreunde aller Länder auf eine sehr schnelle und wohlfeile Art mit allen älteren und neueren Werken versehen zu können. Er hat zu diesem Behufe den Weg der Subscription eingeschlagen, zu welchem wir ihm herzlich Glük wünschen. Wir befürchten jedoch, daß Hr. Duguet große Mühe haben dürfte die Gewohnheit, diesen eisernen Druk, den so wenige abzuschütteln vermögen, wenn es sich auch um wesentliche Verbesserungen handelt, zu besiegen, und daß er in dem Eigendünkel und Eigensinne vieler Musiker von Profession ein unübersteigliches Hinderniß finden dürfte.

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