Titel: Schottische Doctoren-Fabriken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 43, Nr. XXXVI./Miszelle 13 (S. 158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj043/mi043036_13

Schottische Doctoren-Fabriken.

Man darf sich nicht länger wundern, sagt das Mechanics' Magazine N. 428 S. 62, die Welt mit so zahllosen, gelehrten Doctoren überschwemmt und verpestet zu sehen, wenn man bedenkt, daß die schottischen Universitäten allein seit dem Anfange des gegenwärtigen Jahrhundertes nicht weniger als 279 Doctoren der Theologie, 214 Doctoren der Rechte, und 4395 Doctoren der Medizin fabricirten. Wir wünschten zu wissen, wie viel die Verleiher dieser Ehren und Titel seit dieser Zeit für ihre Fabrikate in die Tasche stekten. – Von dem größten Theile unserer alten und neuen, deutschen Universitäten gilt dasselbe. Man sieht nur auf die Zahl der Studenten, und die Facultätsmitglieder sehen besonders auch noch auf die Zahl der Promovirten, auf die sich manch Mal das Kapitel Petri vom reichen Fischfange anwenden läßt. Was kann man für Aerzte erwarten, so lange dieser Unfug fortbesteht) so lange ein jeder, er mag etwas gelernt haben oder nicht, sich nach altem Zunftgeiste in seine Zunft einkaufen kann und muß? Man hebe die Taxen und Sporteln auf, die man vom Pedelle an bis zum Rector hinauf zahlen muß, oder verwende, wenn man die Beutel der Promovirenden ja in Anspruch nehmen will, das, was von denselben eingeht, auf die oft halb verwaisten Universitäts-Bibliotheken oder auf andere ebenso vernachlässigte Institute, dann werden nicht nur die Herren Examinatoren in den Promotionen keine reine Finanzspeculation mehr erbliken, und gewissenhafter dabei zu Werke gehen, sondern auch die Institute eine Stüze erhalten, die ihnen bei der fehlerhaft gerichteten Sparsamkeit so dringend nothwendig wird.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: