Titel: Einiges über die Geschichte der Telegraphen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 43, Nr. XXXVI./Miszelle 6 (S. 153–154)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj043/mi043036_6

Einiges über die Geschichte der Telegraphen.

Die Telegraphen, die für die Verwaltung jener Staaten, die sich derselben bedienen, von so. großer Wichtigkeit sind, gehören zu jenen Erfindungen, die erst in den lezten beiden Jahrhunderten einige Ausbildung erhielten. In den ältesten Zeiten aller Nationen bediente man sich nur angezündeter Feuer, um gewisse Signale zu geben und Nachrichten mitzutheilen, und noch gegenwärtig ist dieses Mittel in vielen Gegenden als eine Art von Telegraph in Anwendung. Nach Polybius bedienten sich die Alten verschiedener Instrumente, um Signale in die Ferne zu geben, diese Instrumente bestanden größten Theils in verschiedenen Arten von Fakeln, und wurden daher Pyrisiae genannt. Cleoxenus (nach Anderen Democritus) erfand zuerst eine mehr methodische Manier; er theilte nämlich das griechische Alphabet in 5 Columnen, ließ zuerst zwei Fakeln emporhalten, und bezeichnete dann durch die Zahl der Fakeln, die er zur linken Seite aufhob, die Columne, und durch die zur rechten Seite aufgehobene Zahl der Fakeln den Buchstaben, welcher gelesen werden sollte. Jener, welcher das Signal mittheilte, hatte ein Instrument, welches man Dioptra nannte, und welches aus zwei Röhren bestand, von denen man durch die eine bloß die linke, durch die andere hingegen bloß die rechte Seite sehen konnte. Der ganze Apparat mußte mit einer Mauer von 10 Fuß im Umfange und von der Höhe eines Menschen umgeben seyn, damit die über dieselbe gehobenen Buchstaben sehr deutlich erscheinen, die unterhalb befindlichen hingegen verborgen bleiben. Dieses und anderer ähnlicher Mittel bediente man sich in älteren Zeiten, später kam aber Alles in Vergessenheit bis im Jahr 1663 der Marquis von Worchester in seiner Centurie von Erfindungen ankündigte, daß er ein Mittel entdekt habe, mit welchem Jemand von einem Fenster aus, an welchem man das Weiße vom Schwarzen zu unterscheiden im Stande ist, ohne alles Geräusch mit einem Anderen eine vollkommene Unterredung halten kann, und zwar sowohl am Tage, als bei der finstersten Nacht. Im J. 1684 theilte der berühmte Dr. Hoope der Royal-Society zu London einen Telegraphen mit, und gegen das, Ende des Jahres 1793 trat endlich Chappe mit seinem Telegraphen auf, der jenem Hoope's ähnlich ist, obwohl man Chappe für dessen Erfinder hält. Die erste Beschreibung dieses Telegraphen brachte ein Mitglied des Parlamentes von Bordeaux von Paris nach Frankfurt am Main, wo dann zwei Modelle erbaut, und durch Hrn. W. Playfair an den Herzog von York gesendet wurden, der dieselben bei der Admiralität einführte. – (Aus Gregori's Mechanik im Bulletin d. Sciences technologiques, Februar 1831, S. 129. Wir haben in unserem Journale alle neueren Verbesserungen an |154| den Telegraphen mitgetheilt, und auch schon öfter unsere Verwunderung darüber geäußert, daß man in unseren deutschen Staaten noch immer nicht an deren Errichtung dachte. Man errichtet in Frankreich gegenwärtig eine commercielle Telegraphen-Linie zwischen Paris und Havre, und wir sollten meinen, daß unsere Banquiers und Kaufleute dieses Beispiel nachahmen müßten, wenn sie ihren Vortheil ganz verstünden. In vielen Fällen könnten sich dieselben die Kosten für die Couviere auf diese Weise großen Theils ersparen, und überdieß ihre Nachrichten noch weit schneller erhalten, als durch diese.)

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