Titel: Bestimmung der Dike fester Körper durch die Abweichungen der Magnetnadel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 43, Nr. XXXVI./Miszelle 7 (S. 154–155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj043/mi043036_7

Bestimmung der Dike fester Körper durch die Abweichungen der Magnetnadel.

Der hochwürd. William Scoresby, F. R. S. Lond. und Edinb. hielt in der Sizung der Royal-Society vom 16. Junius einen Vortrag über die Bestimmung der Dike fester Körper, die sich auf keine andere Weise messen lassen, durch die magnetischen Abweichungen. Da die Entdekung des Hrn. Scoresby in vielen Fällen von sehr großer Wichtigkeit werden dürfte, so wollen wir hier den Auszug seiner Abhandlung geben, der in dem Philosophical Magazine and Annals of Philosophy, Octob. 1831, S. 295 enthalten ist. – Hr. Scoresby gab in dem ersten Abschnitte seiner Abhandlung die Resultate einer Reihe von Versuchen an, die er unternahm um zu erforschen, ob alle Körper dem magnetischen Fluidum gleichen und gleichmäßigen Durchgang gestatten. Unter einer großen Menge von nicht eisenhaltigen Substanzen von verschiedener Beschaffenheit, Dike und Festigkeit, die dem Versuche ausgesezt wurden, zeigte sich kein einziger Fall, in welchem durch deren Dazwischenkunft eine merkliche Hemmung in der Wirkung des Magnetes auf den Compaß entstanden wäre. Selbst wenn die dazwischen gebrachten Substanzen aus Eisenerzen bestanden, hatte keine Unterbrechung Statt, ausgenommen in ein Paar Fällen, in welchen jedoch das Eisenerz selbst magnetisch war. Diese Versuche führten den Verfasser auf die Idee, daß die genaue Schäzung des magnetischen, durch die festen Substanzen mitgetheilten Einflusses ein vortreffliches Mittel zur Bestimmung der Dike solcher Substanzen an die Hand geben könnten, deren Dike sich auf keine andere Weise messen läßt. Er machte daher, um den Grad der Genauigkeit zu erforschen, den man durch dieses Mittel zu erreichen im Stande wäre, mehrere Reihen von Versuchen, wobei er den Magnet zuerst in eine, nach dem Mittelpunkte des Compasses zeigende Linie, und in gleicher Höhe in die östliche und westliche magnetische Richtung, dann aber in solche Stellungen brachte, die mehr oder weniger schief gegen diese Richtungen waren. Aus diesen Versuchen ergab sich, daß sich auf diese Weise ein so hoher Grad von Genauigkeit erreichen lasse, daß man sich dieser Methode mit großem Vortheile im Bergbaue bedienen könne. Er bestimmte z.B. nach seiner Methode die Dike eines Felsenblokes von 3 Fuß Dike, der sich an der Liverpool- und Manchester-Eisenbahn befand, und traf in seiner Bestimmung bis auf 1/8 Zoll mit der wirklichen Dike zusammen. – Hr. Scoresby machte ferner viele Versuche Um den Einfluß auszumitteln, den die Form, der Umfang, die Güte und die Zahl der Magnete auf deren directen Einfluß auf den Compaß ausübt. Es ergab sich aus denselben, daß durch die Vermehrung der Dike des Magnetes dessen Kraft wenig oder gar nicht erhöht wird, daß sich aber bei Magneten von gleicher Gestalt ihre Directionskräfte beinahe in geradem Verhältnisse zu deren Längen verhalten. Der Verfasser gab hierbei auch die Resultate einer Menge von Versuchen über den gemeinschaftlichen Einfluß mehrerer Magnete, die er auf verschiedene Weise mit einander in Berührung oder neben einander brachte. Das Zusammenstoßen zweier ungleicher Pole brachte in allen Fällen eine Vermehrung und jenes gleicher Pole eine Verminderung der Wirksamkeit hervor. – Im zweiten Abschnitte geht der Verfasser in die Auffindung eines Gesezes der magnetischen Directionskraft in Bezug auf die Entfernung ein; er findet es nach diesen Untersuchungen geeignet, alle Entfernungen in Multiplis der Länge des angewendeten Magnetes, oder richtiger des Zwischenraumes zwischen diesen beiden Polen, zu schäzen. Aus dem aufgestellten Geseze der magnetischen Kraft –, nämlich daraus, daß sich dieselbe im umgekehrten doppelten Verhältnisse der Entfernung befindet –, leitete er verschiedene Formeln ab, nach welchen er die Directionskraft eines Magnetes auf einen Compaß in verschiedenen Entfernungen schäzt. Die vereinigte Wirkung |155| von vier Magneten auf einen Kater'schen Compaß von 5 Zoll im Durchmesser und eine ziemlich genaue Messung der Dike irgend einer dazwischen gebrachten Substanz gaben, selbst wenn leztere 40 Fuß dik seyn sollte. Sogar in einer Entfernung von 82 Fuß wird die durch den Magnet hervorgebrachte Abweichung der Magnetnadel zwei Minuten eines Grades betragen, und daher sehr wohl bemeßbar seyn. Die Empfindlichkeit des Compasses gegen den magnetischen Einfluß kann jedoch durch Anwendung eines kleinen Directions-Magnetes, welcher so gestellt wird, daß er den größten Theil des Directions-Einflusses der Erde neutralisirt, noch bedeutend erhöht werden. Auf diese leztere Weise erhielt Hr. Scoresby nämlich noch in einer Entfernung von 61 Fuß, innerhalb welcher sich Erde, Steine und Mauerwerk befanden, eine Abweichung des Compasses von beiläufig 5 Minuten. – Im dritten Abschnitte endlich handelte der gelehrte Verfasser von der praktischen Anwendung. des magnetischen Einflusses beim Bergbau und verschiedenen Arten von Ingenieur-Arbeiten, um dadurch die Dike solcher Substanzen zu bestimmen, die nicht direct gemessen werden können. Er führte hier eine große Menge von Fällen an, in welchen die Aufklärung, die man auf diese Weise erhalten kann, bei der Fortsezung und Leitung gewisser Arbeiten, und zur Vermeidung verschiedener Unglüksfälle dienen könnte, denen man bisher nicht vorzubeugen im Stande war. Am Schlusse gab er eine praktische Anweisung zur Anwendung der von ihm aufgestellten Grundsäze.

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