Titel: Oehl aus den Baumwollsamen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 43, Nr. LIV./Miszelle 7 (S. 239–240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj043/mi043054_7

Oehl aus den Baumwollsamen.

Das Franklin Journal und aus diesem das Register of Arts, Mai 1831, S. 54. enthält einen Brief des Hrn. D. R. Williams in Süd-Carolina an die HH. Follet und Smith in Petersburg in Virginien, aus welchem sich ergibt, daß das Oehl, welches aus den Baumwollsamen ausgepreßt wird, nicht nur in Nordamerika in den Künsten, Gewerben, und in Haus- und Landwirthschaft bald eine große Rolle spielen wird, sondern daß dasselbe binnen Kurzem zu einem bedeutenden Ausfuhrartikel werden dürfte. Die Samen der Baumwolle wurden vor der Erfindung der Maschine zum Aushülsen, die man den HH. Follet und Smith verdankt, lediglich als Dünger benuzt, so daß die Besizer großer Baumwollfabriken in Amerika froh waren, wenn ihnen ein Nachbar das wegführte, was ihnen Millionen Dollars hätte tragen können. Die Aushüls-Maschine der HH. Follet und Smith entspricht, nach Hrn. Williams, ihrem Zweke auf eine ganz vorzügliche Weise, und ist so einfach, daß sie von Jedermann, wenn er auch vorher nie eine ähnliche Maschine sah, geleitet werden kann. Nach dem Aushülsen werden die Samen in einer gewöhnlichen deutschen Oehlmühle gemahlen und ausgepreßt. Das Oehl, welches man hierdurch erhält, ist in den meisten Fällen, nach Hrn. Williams Versicherung, dem Leinöhle vorzuziehen, und wird, wie man vermuthet, auch bald in der Kochkunst verwendet werden. Es läßt sich auf eine höchst einfache und wohlfeile Weise reinigen, und kommt dann in allen seinen Anwendungen dem besten Wallrathe gleich. Auch zum Mahlen ist es sehr tauglich, indem man dasselbe eben so leicht troknen machen kann, als das Leinöhl; Sachverständige versichern sogar, daß es mehr Körper als Lezteres besize, und daher bei Weitem den Vorzug verdiene. Es brennt ferner ganz vorzüglich, und ist wegen seiner Geruchlosigkeit zur Beleuchtung äußerst tauglich, und selbst dem besten thierischen Oehle vorzuziehen, Hr. Williams empfiehlt es daher zur Beleuchtung aller größeren Anstalten. Der ausgepreßte Rükstand, der sogenannte Oehlkuchen gibt überdieß ein vortreffliches Nahrungsmittel für Hausthiere, besonders für Milchkühe und Schweine; so daß die Aushüls-Maschine dadurch allein schon unendlichen Vortheil gewähren würde. Der Baumwollpflanzer nämlich, welcher 4 Säke Baumwolle erzielt, wird gegenwärtig nebenbei auch 40 Bushel Viehfutter gewinnen, die wenigstens einer gleichen Quantität Eicheln an Güte und Kraft gleichkommen; in Neu-England zieht man wenigstens den Bushel Oehlkuchen aus Baumwollsamen einem Bushel Eicheln weit vor. – – Für uns hat diese Benuzung der Baumwollsamen vor der Hand hauptsächlich insofern eine |240| große commercielle Wichtigkeit, als dadurch, daß der Baumwollenbau noch einen anderen beträchtlichen Gewinn abwirft, die Baumwolle nothwendig in ihrem Preise noch mehr sinken muß, als sie bereits gesunken ist.

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