Titel: Fortschritte im Verfertigen von Thermometern.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 43, Nr. LXXIX./Miszelle 13 (S. 314)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj043/mi043079_13

Fortschritte im Verfertigen von Thermometern.

Die Kunst, genaue Thermometer zu verfertigen, scheint sich nun auch mehr zu verbreiten, und das, was vor Kurzem nur Eigenthum von Gelehrten war, in den Werkstätten der Mechaniker einheimisch zu werden. Die Aufgabe des Mechanikers beim Verfertigen genauer Thermometer besteht bekanntlich darin, Skale und Kaliber der Rohre in Uebereinstimmung zu bringen, so daß ein abgetrennter Queksilberfaden an jeder Stelle gleich viele Theile auf der Skale einnimmt, damit eine gleiche Ausdehnung des Queksilbers sich als solche an der Skale kund gibt. Zwei Methoden gibt es diese Aufgabe zu lösen, entweder man wählt eine Röhre zum Thermometer, die ein durchaus gleiches inneres Kaliber hat, und theilt dann auch die Skale zwischen dem Eispunkt und Siedepunkt gleichförmig ein; oder man nimmt jede beliebige Röhre, und theilt die Skale nach dem Kaliber ein, welches die Röhre an jeder einzelnen Stelle hat. So mühsam auch das lezte Verfahren ist, so scheint es doch durch die Schwierigkeit genau kalibrirte Röhren zu finden, aufgewogen zu werden. So viel ist gewiß, daß genaue Thermometer mit gleichförmig eingetheilten Skalen zu den physikalischen Seltenheiten gehören, indessen der Hr. Mechanikus Peter Rath in München nach der zulezt genannten Methode um sehr billige Preise Thermometer verfertigt, die in Beziehung auf Genauigkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Die große Seltenheit langer Thermometerröhren von genau gleichem Kaliber scheint auch die Ursache zu seyn, warum lange Thermometer bei physikalischen Untersuchungen so selten gebraucht werden. Hr. Rath verfertigte unlängst einen Thermometer, der von – 40º bis + 80º Réaum. 26,66 pariser Zoll faßte. Die Röhre ist so konisch, daß z.B. der Raum von – 30º bis – 40º = 2,00 Zoll, dagegen von + 70º bis + 80º = 2,44 Zoll groß ist. Die königl. Akademie der Wissenschaften kaufte diesen Thermometer, nachdem sie sich überzeugt hatte, daß die Theilung der Skale, die natürlich dem inneren Kaliber der Röhre angepaßt war, nicht um 1/10 Grad falsch war. – Nachdem Hr. Rath sich erbietet, Thermometer von jeder Größe und jedem verlangten Grad von Genauigkeit, den Siedepunkt auf jeden Barometerstand reducirt, zu verfertigen, so wünschen wir seinem Unternehmen den besten Erfolg.

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