Titel: Das neue Straßenpflaster zu London wurde wirklich zu glatt befunden.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 43, Nr. LXXIX./Miszelle 5 (S. 311–312)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj043/mi043079_5

Das neue Straßenpflaster zu London wurde wirklich zu glatt befunden.

Einige Gegenden Londons wurden in lezter Zeit neu mit großen Quadersteinen gepflastert, und dabei ganz vorzüglich darauf gesehen, daß die Steine nicht die geringsten Fugen zwischen einander ließen, und daß mithin das Pflaster so eben als möglich wurde. Gegen dieses Pflaster wurden nun von mehreren Seiten Klagen erhoben, indem die Pferde beim Ziehen sowohl, als beim Reiten häufig ausglitten, indem die Pferde nicht schnell genug angehalten werden konnten, so daß aus diesen und ähnlichen Ursachen viele Unglüksfälle entstanden, denen leicht hätte vorgebaut werden können. Hr. Baddeley machte öfters im Mechanics' Magazine hierauf aufmerksam, und machte auch den Vorschlag, die Steine an den Rändern nur ein klein wenig abzudachen, um auf diese Weise Fugen zu bilden, die den Pferden als Stüzpunkte hätten dienen können. Man achtete jedoch nicht hierauf, und war, wie Hr. Baddeley in Nr. 438 obiger Zeitschrift bemerkt, gezwungen, an den etwas abhängigen Stellen, mitten durch alle die gelegten Steine tiefe Furchen hauen zu lassen, die weit mehr Kosten verursachten, als wenn man gleich Anfangs die gehörigen Einrichtungen getroffen haben würde. Hr. Baddeley beharrt daher auf seinem Vorschlage, und findet vorzüglich bei den Einfahrten in mehrere der engen Straßen seine oder andere Verbesserungen nöthig, indem es hier den Pferden ohne einige feste Punkte bei etwas schwer beladenen Wagen beinahe ganz unmöglich wird, die Wagen aus den Canälen herauszuziehen, in die sie nothwendig gleiten müssen. – (Für unsere Straßenpflasterer sind diese Vorschläge bisher freilich nur Curiositäten; denn bei uns brechen sich Menschen und Pferde nicht wegen der Ebenheit, sondern wegen der Unebenheit des Pflasters Hals und Bein! Man baut so viel in die Luft, und läßt, obwohl wir eben nicht gar so arm an Steinen sind, beständig ein Pflaster erneuern und ausbessern, auf welchem sich kaum gesunde, viel weniger kranke, Beine ohne Unbequemlichkeit und Gefahr bewegen können, und dessen Unterhaltung |312| doch weit mehr kostet, als die Interessen eines Capitals betragen würden, welches zur Anlegung eines soliden Pflasters erforderlich wäre.)

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