Titel: Der Pont du Louvre zu Paris.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 43, Nr. CXIV./Miszelle 4 (S. 463)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj043/mi043114_4

Der Pont du Louvre zu Paris.

Der vor Kurzem begonnene Bau des Pont du Louvre zu Paris ist im vorigen Herbste unter der Leitung des Hrn. Polonceau, Divisions-Inspectors der Brüken und Chausseen, außerordentlich schnell vorwärts geschritten: man rammte Tag und Nacht Pfähle zur Verfertigung der Kastendämme ein, und hoffte noch vor dem Winter sämmtliche Grundlager erbauen zu können, so daß die ganze Brüke bis zum künftigen Herbste fertig werden soll. Man stritt sich lange über den Ort, an welchem diese Brüke erbaut werden sollte; die einen, wozu besonders die Ingenieurs gehörten, wollten sie als bloßes Communicationsmittel betrachten, und sie daher am Ausgange der rue des Saints-Pères erbauen; während die anderen, besonders die Architecten, behaupteten, es handle sich hier weniger um Abkürzung des Weges, als um eine Herstellung der Harmonie in der Ansicht, die der Fluß gewährt. Leztere Meinung erhielt die Oberhand, so daß das Nüzlichere dem Schöneren auch hier weichen mußte. – Die ganze Brüke erhält nur drei Bogen von 47 Meter Spannung, wodurch die Schifffahrt also nicht im Geringsten beeinträchtigt werden wird. Jeder Bogen wird von 7 Streben aus Gußeisen von eigener und neuer Form bestehen. Diese Streben werden nämlich hohl und ganz mit Holz besezt seyn, welches denselben gleichsam als Mark dienen wird. Der Durchschnitt der Streben gibt ein Oval; ihre Form ist daher so, daß das angewendete Gußeisen die größte mögliche Kraft hat. Holz wird bei diesem Baue nur so viel angewendet werden, als nöthig ist, um durch dessen Dazwischenkunft jene rauhen Schwingungen zu neutralisiren, welche die vorzüglichste Ursache des Verfalles der Brüken aus Gußeisen sind. Der Erbauer der Brüke hat bei seinem Baue so viel als möglich gesucht, die Vortheile der Hängebrüken und der feststehenden Brüken, so wie die Wohlfeilheit, die Dauerhaftigkeit, die Breite des Weges, und die Freiheit der Schifffahrt, mit einander zu vereinigen, in wiefern ihm dieß gelungen ist, muß die Erfahrung zeigen. Man hat berechnet, daß diese Brüke jährlich 200,000 Franken eintragen wird, so daß mithin auf jeden Tag 5500 Fußgänger, die über dieselbe gehen, kommen. Ueber den Pont des Arts gehen täglich 10, 500 Fußgänger; dafür wird man aber über den Pont du Louvre auch fahren können, was man am Pont des Arts nicht kann. (Aus dem Bulletin d. Sciences technologiques. Julius 1831, S. 190.)

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