Titel: Thilorier, Pumpe zur Compression oder Verdichtung der Gase.
Autor: Thilorier,
Fundstelle: 1832, Band 44, Nr. IV. (S. 12–30)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj044/ar044004

IV. Ueber eine Pumpe zur Compression oder Verdichtung der Gase, die nach der Theorie ausgeführt wurde, welche im J. 1829 den von De Montyon gegründeten Preis erhielt. Von Hrn. Thilorier.

Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement. Septbr. 1830, S. 345.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Theorie der Compensation oder Ausgleichung.

Die Vervollkommnung, welche ich an den Instrumenten anbrachte, die bisher zur Compression oder Verdichtung der Gase angewendet wurden, besteht darin, daß ich in derselben Zeit, mit demselben Kraftaufwande und bei demselben Volumen Luft einen zehn und sogar hundert Mal größeren Druk hervorbringe, als jener an der vollkommensten Luftpumpe ist. Es ist bekannt, daß man bei der gewöhnlichen Pumpe die Kraft, oder, was dasselbe ist, die Oberfläche der Kolben nicht vermindern kann, ohne dadurch in gleichem Verhältnisse den Aufwand an Zeit zu erhöhen, d.h. daß man nothwendig entweder die Zahl der Stöße des Kolbens vermehren, oder dessen Bewegung länger fortsezen müsse. Umgekehrt läßt sich aber auch nur auf Kosten der Kraft an der Zeit gewinnen. Aus der Wirkung, die man durch das neue System erhält, muß man nicht schließen, daß dieselbe durch die Kraft erzeugt wurde, denn dieß wäre den Gesezen der Mechanik zuwider; allein ich fand eine sehr wesentliche Kraft darin, daß ich eine Zeit benuzte, welche bei der alten Maschine ganz und gar verloren ging. Die Unvollkommenheit der gewöhnlichen Compressionsmethode ist so groß, daß um einen Druk von 4 Atmosphären zu erhalten, der Kolben bis auf 3/4 seiner Laufbahn herabsteigen muß, während man mit weniger als dem dritten Theile dieses durchlaufenen Raumes 100, 1000 und 10,000 Atmosphären hervorbringen kann. Durch eine gleichmäßige Vertheilung der Zeiten gelange ich zu dem, in der Praxis unermeßlichen Resultate, daß ich mit einem sich gleich bleibenden Gewichte einer einzigen Atmosphäre durch einen einzigen Kolbenzug zehn, hundert und tausend Atmosphären hervorbringe, und daß ich sogar auf zehntausend Atmosphären steigen könnte, wenn es ein Gas gäbe, das ohne Veränderung seiner Natur diese ungeheuere Reduction seines Volumens aushalten könnte. Die Lösung dieses Problems liegt in der Versezung des Widerstandes, und in der ununterbrochenen Annäherung desselben gegen den Stüzpunkt während der Zeiten des Laufes. Bei dem ersten Blike scheint es, daß man die höchsten Grade von Druk, 1000 Atmosphären z.B., durch die mechanische |13| Versezung des Widerstandes erreichen kann: der Theorie nach gibt es nichts Einfacheres. Man braucht nur in Gedanken den Raum, der die Kraft von dem Stüzpunkte trennt, in 500 Theile zu theilen, wenn die Compensation durch das Gewicht Einer Atmosphäre geschehen soll; in 1000 Theile, wenn man diese Compensation mit dem Gewichte einer halben Atmosphäre, und in 4000 Theile, wenn man sie mit 1/8 Atmosphäre bewirken will. Sezt man nun voraus, daß dieser Zwischenraum 360 Millimeter betrage (er wird wohl schwerlich größer seyn können), so würde die Entfernung des Widerstandes von dem Stüzpunkte im ersten Falle nur 0,72 oder 2/3 Millimeter, im zweiten Kur 0,36 oder 1/3 Millim., und im dritten Falle nur 0,09 oder weniger als 1/10 Millim. betragen. In der Wirklichkeit kann aber die Compensation durch die einfache Versezung des Widerstandes nur bei den zehn ersten Atmosphären mit Wirksamkeit geschehen; denn man erhält die Kraft nur auf Kosten des Durchmessers der Achse, mit welcher der Hebel artikulirt, d.h. das Instrument zur Compression wird in dem Maße schwächer, in welchem die Kraft größer wird. Wenn es aber nicht angeht, den Widerstand über gewisse, ziemlich enge Gränzen hinaus zu versezen, so kann man ohne Nachtheil auf den Widerstand selbst wirken, indem man denselben ununterbrochen vermindert; denn die dynamische Wirkung der Verminderung des Widerstandes ist genau dieselbe, wie jene, die man durch Versezung des Widerstandes erhält. Ein conischer Cylinder, in welchem sich ein Kolben aus einer Substanz bewegen würde, die elastisch genug wäre, um am Ende ihres Laufes eine 4000 Mal kleinere Oberfläche anzunehmen, als sie beim Beginne desselben hatte, würde vollkommen den Bedingungen einer genauen Compensation mit 1/8 Atmosphäre entsprechen. Wenn man nicht im Stande ist, durch einen einzigen Cylinder diese ununterbrochene Verminderung des Durchmessers des Kolbens zu erhalten, so kann man dasselbe Volumen Luft in mehreren Cylindern von ungleichem Durchmesser des Kolbens comprimiren; nur springt bei dieser Einrichtung die Compensation schnell von einem Cylinder auf den anderen über, und erfordert, statt daß sie durch das anhaltende Gewicht Einer oder einer halben Atmosphäre bewirkt wird, die ganze Kraft, welche nöthig ist, um das Gas des ersten Cylinders in den zweiten Cylinder, aus dem zweiten in den dritten n. s. f. zu treiben; diese Kraft ist um so großer, je weiter das Verhältniß der Capacität der Cylinder zu einander entfernt ist. Bei einer Maschine, die nach dem Systeme mehrerer solidarischer Cylinder erbaut ist, besteht die Kraft, welche anzubringen ist, in dem Gewichte, welches erfordert wird, um dem Druke auf einen jeden der Kolben das Gleichgewicht zu halten, und das Product ist |14| der Druk, oder die Zahl der Atmosphären, welche dieser Druk vorstellt, auf die zweite, dritte oder vierte Potenz erhoben, je nachdem man das Gas zwei, drei oder vier aufeinander folgenden Compressionen unterwirft.

Man kann mithin auf eine mechanische oder auf eine statische Weise zur Compensation gelangen. Im ersten Falle beträgt das Anfangs- oder Grundgewicht (poids initial), das dem Widerstande zu allen Zeiten das Gleichgewicht halten muß, nur die Hälfte oder den vierten Theil einer Atmosphäre, wo dann dessen Wirkung auf eine kleine Zahl von Atmosphären beschränkt ist; im zweiten Falle beginnt der Druk höher und mit weniger Sparsamkeit, geht aber ohne Vermehrung oder Erhöhung bis ins Unendliche fort. Die Verbindung dieser beiden Verfahrungsweisen bildet den Hauptgegenstand dieser Abhandlung. An der Maschine, die ich nach diesem doppelten Grundsaze baute, würde ein Gewicht von Einer Atmosphäre, das auf das Ende der Kurbel wirkt, einen Druk von zehntausend Atmosphären hervorbringen. Als ich mich im Jahre 1829 um den Preis aus der Mechanik, den de Montgon stiftete, bewarb, konnte ich der Maschine noch nicht alle die Vollkommenheit geben, deren sie fähig ist; die Akademie2) zeigte sich daher mehr wegen der vollkommenen Neuheit der Theorie, als wegen der Maschine selbst, gnädig gegen mich, indem sie den großen Einfluß erkannte, den diese Theorie auf die Vervollkommnung der Mechanik in ihrer Anwendung auf die Compression elastischer Flüssigkeiten haben könnte und müßte.

Diese Maschine, die zur Demonstration gut ist, hatte zwei Nachtheile, wie man sich durch Betrachtung von Fig. 2 überzeugen kann, wenn man annimmt, daß statt des Drehapparates ABCE ein einfacher Hebel angebracht wäre. Erster Nachtheil. Die Maschine wird durch einen Hebel von 15 Fuß Länge, dessen Gebrauch sehr unbequem ist, in Bewegung gesezt; die Vertheilung der Kolben auf beiden Seiten des Stüzpunktes und die Zahl dieser Kolben erfordern eine sehr schwere Grundmauer und einen kostspieligen Bau. Diesem Nachtheile hat der Erfinder durch eine Einrichtung abgeholfen, in deren Folge sich sein System leicht auf die verschiedenen Künste und Zweige der Industrie anwenden läßt. Fig. 1 zeigt eine Drehpumpe mit statischer Compensation, an welcher ein einziger Cylinder das Geschäft von zwei ungleichen Pumpenstiefeln versieht. Diese Vereinfachung hat nicht bloß in Hinsicht auf die Wohlfeilheit und Leichtigkeit des Apparates, der leicht tragbar ist, einen großen Vortheil, sondern sie gewährt auch noch dadurch einen eben so großen |15| Vortheil, daß sie sich selbst als Abkühler dient. Man weiß nämlich, daß sich bei der Compression eine sehr große Hize entwikelt, die das Leder des Kolbens schnell zu Grunde richtet, und den Widerstand vermehrt, so daß ein größerer Aufwand von Kraft nöthig wird. Um diesem Nachtheile, der an meiner Pumpe vom Jahre 1829 in vollem Maße vorhanden ist, abzuhelfen, muß man den Stiefel der Pumpe in Wasser tauchen, welches an der Maschine, die Fig. 2 und 3 dargestellt ist, beständig erneuert werden muß. Die ringförmige Einrichtung des zweiten Raumes, der zwischen dem Cylinder selbst und der Kolbenstange gebildet wird, bringt die Luft mit einer metallischen, sehr weiten Oberfläche in Berührung; überdieß wird der Kolben, der die innere Wand des ringförmigen Raumes bildet, jedes Mal so oft er sich über den Cylinder erhebt, durch die äußere Luft abgekühlt, indem er einen Theil des Wärmestoffes abgibt, der sich an seiner Oberfläche abgesezt hatte. Eine nach diesem Grundsaze erbaute Maschine comprimirte in einer Stunde 1 1/2 Kilogrammen Luft auf 40 Atmosphären, ohne sich merklich zu erhizen.

Zweiter Nachtheil. Der zweite Uebelstand an meiner ersten Maschine war, daß sie den Grundsaz, auf welchem sie beruht, nicht in der vollen Entwikelung, die er zuläßt, zeigte; sondern daß sie die Compensation roh und sprungweise, und von einem Druke von 10 Atmosphären ausgehend, bewirkte. Fig. 5 und Fig. 2 stellen das System in seiner ganzen Vollendung dar: die Compensation geschieht in demselben durch das Gewicht einer halben Atmosphäre ohne Lüke und auf eine gleichförmige Weise. Dieses Resultat war bloß dadurch zu erreichen, daß man mit der ursprünglichen Maschine eine ganz verschiedene Vorrichtung verband, die sich auch auf die gewöhnliche Pumpe anwenden läßt, im Falle der Druk nicht über 10 Atmosphären betragen müßte, und die die compensirende Wirkung durch die mechanische Annäherung des Widerstandes an den Stüzpunkt hervorbringt. Durch diese Verbesserung vermindere ich den Kraftaufwand von 10 Menschen, den meine erste Maschine erforderte (die nach dem Berichte des Hrn. Navier über dieselbe bei einem Druke von 1000 Atmosphären so viel bewirkte, als wenn 300 Menschen an einer gewöhnlichen Pumpe gearbeitet hätten), auf den Kraftaufwand eines einzigen Menschen! Dieses Resultat erreichte ich durch eine neue Schneke mit Wechselbewegung, mit der ich mich zuerst beschäftigen will.

Drehpumpe mit einer Schneke. (Fig. 5 und Fig. 2.)

Der Grundsaz, auf welchem die neue Wechselbewegung beruht, ist bloß eine Modification der Schneke der Uhrmacher, der ich eine abwechselnde Bewegung gab. Eine Schneke oder Spirale, deren Elemente |16| mit dem Geseze von Mariotte übereinstimmen, und aus welcher sich eine Kette aufrollt, die an dem Hebel, der den Kolben bewegt, befestigt ist, schien mir die Bedingung eines Triebrades zu ersezen, dessen Durchmesser während des Laufes des Hebels abnähme. Die Anwendung der Schneke als Mittel, um eine abwechselnde Bewegung in eine drehende umzuwandeln, erforderte jedoch mehrere Bedingungen. 1) Da der Zug des Hebels auf beiden Seiten geschieht, und da die Schneke nur nach einer Richtung, d.h. wenn sie vom größeren Durchmesser auf den kleineren übergeht, nüzlich wirkt, so müssen nothwendig zwei solche Schneken angebracht werden: eine um den Hebel herabzulassen, und eine um denselben zu heben. 2) Da dieselben einander mit den Scheiteln gegenüberstehen, und da sie in gleicher Richtung fortgerissen werden, so müssen sie umgekehrt verfertigt werden. 3) endlich, da ihr Gang nicht gleichförmig ist, und da sie einander aus diesem Grunde nicht gegenseitig führen können, so müssen sie vollkommen unabhängig von einander seyn, und dabei doch ihre Function in vollkommener Uebereinstimmung verrichten; die eine muß sich aufrollen, während sich die andere abrollt, und umgekehrt. Diese complicirte Wirkung wird an jeder der Schneken durch ein Triebrad und durch ein zur Hälfte gezähntes Rad hervorgebracht. Dieses Rad, welches vier Mal größer ist, als das Triebrad, macht eine Umdrehung, während jenes deren vier macht, nämlich: zwei um die Kette aufzurollen, wenn es in den gezahnten Theil eingreift, und zwei in umgekehrter Richtung, wenn es, da es nicht mehr in die Verzahnung eingreift, frei ist, und dem Zuge des Hebels folgt, der nun von der anderen Schneke mit fortgerissen wird. Die Vertheilung der Zähne auf den zwei Rädern, die die zwei Triebräder führen, ist so, daß in dem Augenblike, wo der lezte Zahn des einen Rades sich losmacht, der erste Zahn des anderen Rades sich des Triebrades bemächtigt, so daß dasselbe auf den Punkt zurükgeführt wird, von dem es ausging. Damit immer dieselben Zähne einander begegnen, bewegt ein auf der Welle der Schneke gezogener Schraubengang eine Schraubenmutter, die sich bei ihrer zweiten Umdrehung gegen den Baken des Triebrades stemmt, und mithin dieses hindert, den bestimmten Punkt, an welchem das Eingreifen der Zähne Statt haben muß, zu überschreiten. Die beiden Räder mit abwechselndem Eingreifen sind an einer und derselben Achse angebracht, und eben diese Achse trägt auch ein Rad, das von dem Triebrads der Kurbel geführt wird. Dieses Triebrad, das vier Mal kleiner ist als das Rad, macht vier Umdrehungen, während die beiden Schneken sich auf- und abrollen, und während der Hebel steigt und fällt. Zu bemerken ist, daß die Kette, die am Anfange des Laufes, wenn der |17| Widerstand Null ist, ein wenig schief läuft, sich in dem Maße mehr und mehr dem Senkrechten nähert, in welchem der Widerstand zunimmt. Was die Schneke betrifft, so muß die Aufwikelung derselben an der Stelle der Articulation der Kette genau den Lauf des Kolbens darstellen. Die Elemente ihrer Einrichtung hängen von der Natur der Compensation ab, die ihren Ausgangspunkt höher oder niederer an dem Maßstabe des Drukes haben kann. Je kleiner das Gewicht seyn wird, dessen Versezung die Compensation bewirkt, um so früher wird es sich der Achse der Schneke nähern müssen, und um so weniger Glieder wird es folglich in der Progression geben; dieß würde nicht der Fall seyn, wenn der Lauf sehr groß wäre, oder wenn der Durchmesser der Achse der Schneke ins Unendliche vermindert werden könnte. Die Wahl der Compensation hängt von dem Druke ab, bis zu welchem man gelangen will. Bei 1/12 Atmosphäre mit vier Cylindern, deren Raumverhältniß in diesem Falle nicht größer seyn darf als wie 1 zu 2, könnte die Compensation nur 16 Atmosphären, die vierte Potenz von 2, erreichen. Bei einer halben Atmosphäre, und unter Voraussezung einer Reihe von Cylindern, die sich wie 1 zu 10 zu einander verhielten, würde die Einwirkung der Schneke auf zwei Kolben 100, die Einwirkung auf drei 1000, und jene auf vier Kolben 10,000 Atmosphären geben; denn, wie gezeigt wurde, ist der äußerste Druk das Product des Drukes eines jeden Kolbens, so oft mit sich selbst multiplicirt, als dieser Druk wiederholt wird. Ist die Große der Schneke ein Mal bestimmt, so handelt es sich nur mehr darum, die Momente des Widerstandes in den Zeiten des Laufes zu kennen, und denselben die Elemente des Hebels unterzuordnen. Die Berechnung der dynamischen Wirkung der Schnekenpumpe, die ich so eben beschrieben, hat die Compensation bei einer halben Atmosphäre zur Basis.

Dynamische Wirkung der Pumpe mit einer Schneke.

Das Triebrad der Kurbel wirkt auf das Triebrad der Schneke mittelst des Rades mit abwechselnder Verzahnung: da diese beiden Triebräder gleichen Durchmesser haben, so ist das Resultat der mechanischen Vorrichtung dasselbe, als wenn die Kraft der Kurbel direct auf die Achse der Schneke angebracht, und als wenn die Kette an einem der Punkte des Winkelarmes der Kurbel selbst befestigt wäre. Der Befestigungspunkt der Kette kann näher bei der Drehungsachse angebracht, oder weiter von derselben entfernt seyn, ohne daß es nöthig wäre, das Gewicht, welches den Hebel bewegt, zu erhöhen oder zu vermindern, nur wird der Zug der Kette mehr oder weniger schief seyn; die Verminderung der Kraft, die aus dieser Schiefheit des Zuges entspringt, hat jedoch einen so geringen Werth, daß es nicht nöthig ist, dieselbe in Anschlag zu bringen. – Sezen wir, daß |18| das Gewicht einer Atmosphäre 48 Kilogrammen auf den Kolben betrage; daß dieses Gewicht durch die Verlängerung des Wagbalkens, an welchem die Kette aufgehangen ist, auf 24 Kilogrammen reducirt werde, und daß das Gewicht, das zur Bewirtung des Zuges bestimmt ist, nur eine halbe Atmosphäre, mithin 12 Kilogrammen betrage, so wird dieses Gewicht den, Kolben bis zu dem Punkte sinken machen, an welchem die Schnellkraft der Luft dem Gewichte einer halben Atmosphäre gleich seyn wird, d.h. bis auf den dritten Theil seines Laufes. Sezen wir aber, daß in dem Maße als der Kolben abwärts steigt, das Gewicht sich der Achse der Kurbel nähert, so daß in dem Augenblike, in welchem der Kolben die Hälfte seines Laufes durchgangen hat, das Gewicht die Hälfte des Zwischenraumes einnimmt, der ihn am Anfange seines Laufes von dem Stüzpunkte trennte, so wird das Resultat dasselbe seyn, als wenn das Gewicht verdoppelt worden wäre. Der Widerstand, der Anfangs nur eine halbe Atmosphäre betrug, wird mithin dem Druke Einer Atmosphäre das Gleichgewicht halten, den der Kolben in der Mitte seines Laufes erleidet. Bei 3/4 des Laufes desselben wird der Druk drei Atmosphären betragen. Damit ein Grund- oder Anfangsgewicht von 12 Kilogrammen oder einer halben Atmosphäre drei Atmosphären das Gleichgewicht halte, muß der Widerstand in derselben Zeit, in welcher der Kolben diesen Theil seines Laufes zurüklegt, sich auf 5/6 des Raumes begeben, welcher im Principe zwischen dem Widerstande und dem Stüzpunkte existirte. Bei 9/10 des Laufes beträgt der Druk auf den Kolben 9 Atmosphären; damit aber ein Gewicht von einer halben Atmosphäre den Kolben bis dahin bringe, ist es hinlänglich, daß er der Achse der Kurbel 18 Mal näher ist, als er es am Anfange des Laufes war. Ich seze voraus, daß der Kolben in einem, an seiner Basis geschlossenen, Cylinder nach dieser Hypothese abwärts steige. Die Momente des Drukes sind jedoch in der Hypothese eines Kolbens, der die Luft in einen Behälter treibt, verschieden. In diesem Falle ist das Verhältniß der Momente unter einander nicht verändert, bloß die Grade des manometrischen Maßstabes haben sich vergrößert. – Nach diesem Geseze nun geschieht die Versezung des Widerstandes durch das Aufrollen der Kette auf die Schneke. Wenn die Länge der Kurbelstange, die die Schneke bewegt, nicht den großen Durchmesser der Schneke überstiege, so brauchte man, um die Compensation einer halben Atmosphäre hervorzubringen, ein gleichförmiges Gewicht von 12 Kilogrammen; allein durch die Verlängerung dieses Winkels wird dieses Gewicht am Ende der Kurbel auf den dritten Theil oder auf 4 Kilogrammen vermindert. Mithin wird ein Gewicht von 4 Kilogrammen, das einem Gewichte |19| einer halben Atmosphäre gleichkommt, hinreichen, um auf directe Weise einen Druk von 10 Atmosphären, und durch Einwirkung auf zwei oder drei Kolben einen Druk von 100 und 1000 Atmosphären hervorzubringen. – Um die Ersparniß, die sich aus der Anwendung einer Pumpe mit Schneken ergibt, besser schäzen zu können, muß man untersuchen, mit welchem Kraftaufwands man mit den verschiedenen gewöhnlichen Pumpen dasselbe Resultat erreichen könnte. Wir wollen voraussezen, daß während des Aufsaugens und des Hinauftreibens ein Volumen Luft auf denselben Grad von Compression gebracht werde; wir wollen ebenso einen gleichen Lauf der Kolben annehmen, deren Durchmesser jenem des ersten Kolbens der Pumpe mit einer Schneke oder Spirale ähnlich ist. Da das Gewicht einer Atmosphäre auf diesen Kolben 48 Kilogrammen beträgt, so werden zu dem directen Druke auf einen gewöhnlichen Kolben

bei 5 Atmosphären 240 Kilogrammen
bei 10 – 480 –
bei 100 – 4,800 –
bei 1000 – 48,000 –

erfordert werden. Wirkt man aber auf das Ende eines Hebels, so werden diese Gewichte in dem Verhältnisse abnehmen, in welchem die Kraft erhöht worden seyn wird. Wird hingegen die abwechselnde Bewegung durch eine drehende ersezt, so ist diese Schäzung nicht so einfach, wie bei der Anwendung eines Hebels auf den Kolben. – Es gibt zwei Mittel um die drehende Bewegung hervorzubringen; man bezwekt sie erstens durch ein Triebrad, das in eine Zahnstange eingreift, oder, was dasselbe ist, durch eine Trommel, auf die sich eine Kette aufrollt; oder zweitens durch eine Kurbel oder durch ein excentrisches Rad. – Der Lauf beträgt an der Stelle, an welcher sich die Kette auf die Spirale aufrollt, 442 Millimeter; die Spirale macht zwei Umdrehungen um sich selbst: ein Cylinder oder ein Triebrad, welches gleichfalls zwei Umdrehungen macht, muß also, um den Wagbalken 442 Millimeter weit zu treiben, 72 Millimeter des Durchmessers oder 36 Millimeter des Halbmessers durchlaufen; der Arm der Kurbel, der die Spirale bewegt, ist 360 Millimeter lang. Das Gewicht einer Atmosphäre, welches, wie wir gesehen haben, an dem Ende des Wagbalkens 24 Kilogrammen beträgt, wird also an dem Ende der Kurbel um das Zehnfache weniger, d.h. 2,400 Kilogrammen ausmachen. Um die dynamische Wirkung einer solchen Pumpe zu erhalten, braucht man bloß dieses Gewicht von 2,400 Kilogr. mit der Zahl der Atmosphären zu multipliciren, die der Druk bezeichnet. Man wird

für 5 Atmosphären 12 Kilogrammen
für 10 – 24 –
für 100 – 240 –
für 1000 – 2400 – erhalten.
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Bei einer Drukpumpe, an welcher die Drehung durch eine Kurbel oder durch ein excentrisches Rad bewirkt wird, muß die Kraft, die angewendet werden muß, auf eine andere Weise berechnet werden. Der Durchmesser des Kreises, den die Kurbel beschreibt, stellt den Lauf des Kolbens vor; der Arm der Kurbel wird mithin 221 Millim. lang seyn; da aber der Arm der ersten Kurbel zwei ganze Umdrehungen machen muß, bis die zweite Kurbel die Hälfte ihres Kreises beschreibt, so wird die dynamische Wirkung am Ende der Kurbel eben so groß seyn, als sie seyn würde, wenn der Arm der zweiten Kurbel vier Mal kürzer wäre, als er wirklich ist, d.h. wenn er 55 Millim. lang wäre; das Verhältniß mit der Kurbel wird wie 55 zu 360 oder wie 1 zu 6,5 seyn. Das Gewicht einer Atmosphäre wird mithin bei einer gewöhnlichen Pumpe mit Kurbel oder mit excentrischem Rade 3,700 Kilogr. betragen. Um den Druk auszumitteln, ist es hier nicht genug, so wie bei einer Pumpe mit Triebrad oder Trommel, dieses Gewicht mit der Zahl der Atmosphären zu multipliciren; denn, obschon sich das Verhältniß des Winkelarmes des excentrischen Rades zum Arm der Kurbel auf keine Weise ändert, so entsteht doch aus der Schiefheit, des Ganges am Ende des Kurbelarmes eine Vergrößerung des Laufes, welche die dynamische Wirkung in einem bestimmten Verhältnisse erhöhen muß. Wenn diese Vermehrung das directe Verhältniß des Widerstandes befolgen würde, so hätte man, wenn man von der ersten Atmosphäre ausgeht, eine genaue Compensation; allein es ist dem nichts weniger als so, sondern die dynamische Wirkung der Kurbel steht weit unter jener, welche ein Triebrad hervorbringt, das in ein Zahneisen eingreift. Dieß ist gegen die allgemein angenommene Meinung. Bei niedrigem Druke, z.B. bei einem Druke unter 5 Atmosphären, ist das ökonomische Resultat in beiden Fällen, d.h. bei einer Maschine mit Zahneisen und einer Maschine mit Kurbel beinahe gleich, indem hier ihre ganze Wirkung mit ihrer ganzen Kraft nur auf eine geringe Zahl von Atmosphären ausgeübt wird. Ein rechtwinkeliges Dreiek, an welchem eine der Seiten den Lauf des Kolbens darstellt, und dessen Hypothenuse die Sehne des Bogens ist, der von der Kurbel in den verschiedenen Zeiten des Laufes durchlaufen, wird, ein solches Dreiek, sage ich, ist das graphische Mittel, das ich benuzte, um die Kraft zu berechnen, die angewendet werden muß, um den Widerstand in der Hypothese verschiedener Grade von Druk zu überwinden. Diese Berechnung gibt

für 5 Atmosphären 12,700 Kilogrammen
für 10 – 27,700 –
für 100 – 297,500 –
für 1000 – 3,515,400 –

Folgende Tabelle gibt auf einen Blik eine Uebersicht der dynamischen Wirkung der verschiedenen neuen Pumpen im Vergleiche mit jener der gewöhnlichen Pumpe.

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Textabbildung Bd. 44, S. 21
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Die Zahlen in dieser Tabelle geben bloß den, von der Theorie angezeigten Druk, ohne Rüksicht auf die Reibung, die man hier übergehen darf, da sie bei beiden Systemen beinahe gleich ist. Nicht so verhält es sich aber mit der Vermehrung des Drukes, welche durch die mehr oder weniger erhöhte Temperatur, die sich während des Drukes selbst entwikelt, hervorgebracht wird. Die Einrichtung, die ich getroffen habe, und deren Beschreibung folgen wird, gewährt in dieser Hinsicht dem neuen Systeme einen großen Vorzug vor dem alten.

Pumpe mit statischer Compression und einem einzigen Cylinder. (Fig. 6.)

An dieser Pumpe verrichtet ein und derselbe Cylinder die Functionen zweier Cylinder, von denen der eine eine zwei Mal, drei Mal oder zehn Mal größere Capacität, als der andere hätte. Dieses Resultat erhalte ich dadurch, daß ich die Luft, in dem Maße als sie von dem Kolben fortgetrieben wird, in den Raum gelangen lasse, der sich hinter dem Kolben bildet; die Kolbenstange ist es also, welche durch ihren größeren oder kleineren Durchmesser das Verhältniß dieser beiden körperlichen Inhalte oder Capacitäten3) regulirt. Diese Kolbenstange reibt sich in einer ledernen Büchse, die jener bei den hydraulischen Pressen ähnlich ist, und der Luft keinen Durchgang gestattet. Dieser Cylinder wiegt sich so auf zwei Zapfen, daß die Kolbenstange, welche von einem excentrischen Rade geführt wird, denselben frei und ohne Kraftaufwand begleiten kann. Der Recipient oder Behälter ist hier auf einem der Zapfen angebracht, welcher zu diesem Behufe mittelst einer Klappe, die sich am oberen Theile dieses Raumes oder dieser Capacität befindet, und die sich von Innen nach Außen öffnet, mit der zweiten Capacität communicirt. Soll der Recipient fest stehen, und sich nicht mit dem Cylinder wiegen, so kann eine kupferne oder bleierne, etwas biegsame und spiralförmige Röhre, die den Schwingungen nachgibt, als Verbindungsstük zwischen dem Behälter und dem Stiefel der Pumpe dienen. Eine Klappe, die sich von Außen nach Innen öffnet, und die an dem unteren Theile des Cylinders angebracht ist, erfüllt die Aufgabe, das Gas in die erste Capacität zu leiten. Eine andere, an der Basis des Kolbens selbst befindliche, Klappe leitet das Gas in dem Maße in die zweite Capacität, in welchem es aus der ersten getrieben wird. Das Gas könnte eben so gut auch durch einen der Zapfen hineingeleitet werden; dieser müßte |23| jedoch zu diesem Zweke mit einer Klappe, die sich von Außen nach Innen öffnet, versehen seyn. Die dynamische Wirkung der Maschine berechnet sich durch die Kraft, welche nöthig ist, um das Gas der ersten Capacität in der zweiten zu comprimiren, und diese Kraft folgt dem, durch Hie Wirkung der Excentricität modificirten, Verhältnisse der Capacität. Da nun die Capacitäten an der Pumpe, welche ich beschreibe, sich wie 1 zu 5 verhalten, so befolgt auch der Druk dieses Verhältniß, und nimmt man dieselben Bedingungen des Laufes und der Oberfläche wie an dem anderen Apparate an, so erhält man als das Gewicht, welches die Kraft bezeichnet, die nöthig ist um den Kolben an das Ende seines Laufes zu bringen, 12,7 Kilogr. weniger 3,7 Kilogr. (dem Gewichte der atmosphärischen Luft) = 8 Kilogr. (Siehe die Tabelle.)

Man kann, ohne irgend etwas an der Einrichtung zu ändern, an derselben Achse auch noch einen zweiten Stiefel anbringen, so daß man auf diese Weise vier Capacitäten erhält. Diese beiden Pumpenstiefel von ungleichen Durchmessern würden so mit einander communiciren, daß die Luft nur dann in den zweiten Stiefel gelangt, wenn sie in dem ersten bereits eine doppelte Compression erlitten hat.

Aus dieser Einrichtung ergibt sich nicht bloß eine größere Leichtigkeit, ein weniger lästiges Volumen und ein weniger kostspieliger Bau, sondern sie gewährt auch noch andere Vortheile. Der vorzüglichste derselben ist, daß dadurch die metallische Oberfläche, welche mit dem Gase in Berührung kommt, bedeutend vergrößert wird, und daß, bei einer länger fortgesezten Arbeit, die Erhöhung der Temperatur beinahe null und nichtig wird, indem der Wärmestoff, während er sich durch die Compression entwikelt, nach Außen abgegeben wird. Dieß erfolgt nicht in demselben Maße, wenn man auf mehrere Kolben wirkt, wie dieß bei meiner ersten Pumpe der Fall war, oder wenn man, wie bei der gewöhnlichen Pumpe, auf einen einzelnen oder isolirten Kolben wirkt.

Ueber die Wirkung, die durch dieses neue Verfahren hervorgebracht wird, kann man sich leicht genaue Rechnung stellen. Sezen wir z.B., daß ein Volumen Luft auf den zehnten Theil reducirt werden soll; daß der Durchmesser des Cylinders und der Lauf des Kolbens 0,100 Millim. betrage, so muß, um die ringförmige Capacität, in welche das Volumen der Luft gedrükt werden muß, in die gehörigen Umstände zu bringen, der, äußere Durchmesser des Kolbens 0,095 Millim. betragen. Um die metallische Oberfläche, die mit dem, auf 1/10 seines Volumens gebrachten. Gase in Berührung steht, zu finden, braucht man nur den Umfang dieser beiden Durchmesser |24| mit 0,100 Millim., wodurch der Lauf bezeichnet ist, zu multipliciren: dieß gibt mithin für die Oberfläche des Cylinders

31,415 Quadrat-Millimeter
und für die Oberfläche des Kolbens 29,845
–––––
Total-Oberfläche 61,260.

Würde die Compression, wie an meiner Pumpe vom Jahre 1829, in zwei isolirten Cylindern geschehen, von denen der zweite eine 10 Mal geringere Capacität hätte als der erste, oder, was dasselbe ist, dessen Flächeninhalt sich zum Flächeninhalte des ersten wie 1 zu 10 verhalten würde, so würde der innere Durchmesser des kleinen Cylinders 0,031 Millim., und die metallische, mit dem Gase in Berührung stehende, Oberfläche 9,974 Quadrat-Millimeter betragen. Das Verhältniß der Oberfläche ist mithin in diesen beiden Fällen beiläufig wie 1 zu 6.

Ein anderer Vortheil der neuen Einrichtung besteht darin, daß die, von der Kolbenstange gebildete. Wand abwechselnd mit dem comprimirten Gase und mit der atmosphärischen Luft in Berührung tritt, und an diese leztere einen Theil des Wärmestoffes abgibt, der sich auf ihrer Oberfläche ablagerte, und nicht Zeit hatte in die Metallschichte einzudringen.

Geschähe der Druk, wie bei der gewöhnlichen Pumpe in einem einzigen Cylinder, so würde das, auf den zehnten Theil reducirte, Volumen Luft im Cylinder eine Schichte von 0,010 Millim. bilden, deren metallische Oberfläche 3,141 Quadrat-Millimeter betrüge, oder die sich, wenn man die gewöhnliche Pumpe mit der verbesserten vergleicht, wie 1 zu 20 verhielte, während dieses Verhältniß bei der Pumpe mit zwei ungleichen Cylindern, die ich im Jahre 1829 vorlegte, nur wie 1 zu 3 ist.

Ich muß bemerken, daß ich bei der Berechnung der Oberflächen den Flächeninhalt der Basis des Kolbens und der Basis des Cylinders nicht in Rechnung brachte. Diese Umstände sind in den beiden ersten Fällen ziemlich gleich; in der Hypothese der gewöhnlichen Pumpe ist aber die Oberfläche um 1/10 kleiner, wodurch die Wirkung, die die Berührung der Oberflächen hervorbringt, um eben so viel kleiner wird.

Die Wichtigkeit dieser Verbesserung ergibt sich, wenn man berüksichtigt, daß die Erhöhung der Temperatur einer Seits das Leder schnell zerstört, indem sie dasselbe austroknet, die Reibung sehr stark macht, und das Oehl, das die Oberflächen schlüpfrig erhalten soll, zersezt; und anderer Seits die Spannung des Gases, und mithin den nöthigen Kraftaufwand bedeutend erhöht. Es ist bekannt, daß durch die Reduction eines Volumens Luft auf seinen zehnten Theil |25| so viel Wärmestoff entwikelt wird, als erforderlich ist, um dessen Temperatur bis auf 440° steigen zu machen. Man weiß ferner auch, daß das Volumen eines Gases sich bei jedem Grade Wärme um 1/226,67 seines Volumens bei 0 vergrößert, und daß folglich, wenn die Temperatur auf 226°,67 stiege (was leicht geschehen könnte), der Widerstand oder der Druk verdoppelt würde, indem dann das Volumen der Luft gerade doppelt so groß seyn würde, als es am Anfange war. Um nun diesem Nachtheile abzuhelfen, muß man, wenn man mit einer gewöhnlichen Drukpumpe arbeitet, den Cylinder in ein Gefäß mit Wasser tauchen, und dieses Wasser muß beständig erneuert werden. In diese Nothwendigkeit ist man auch bei jenen Pumpen versezt, in welchen die doppelte Compression in zwei isolirten Cylindern hervorgebracht wird. Das Lästige und Bindende eines solchen Apparates ist eben so einleuchtend, wie die Vereinfachung klar ist, die ein Apparat darbietet, der keines Abkühlens bedarf.

Ich comprimirte mit einer, nach dem neuen Principe erbauten. Pumpe mit Hülfe eines Menschen in einer Stunde 1 1/2 Kilogrammen Luft auf 40 Atmosphären, ohne daß die Temperatur des Stiefels der Pumpe merklich erhöht worden wäre.

Schluß.

Bei den alten Pumpen nimmt die Kraft mit dem Druke zu.

Bei der neuen Pumpe hingegen würde ein gleichförmiges Gewicht von einer halben Atmosphäre, welches auf das Ende einer Kurbel wirkt, hinreichen, um den Druk weit über die Glänzen hinaus zu erheben, bei welchen die Gase aufhören comprimirbar zu seyn.

Bei 1000 Atmosphären ist das Verhältniß des Kraftaufwandes in derselben Zeit und bei gleichem Volumen, vorausgesezt, daß alle Umstände ganz gleich sind, wie 8 Kilogr. zu 1200 Kilogr. oder wie 1 zu 150. (Siehe die Tabelle und die ihr vorausgehende Erklärung.)

Die Ersparung im Baue allein, in so fern sie den Widerstand und die Kraft betrifft, die man dem Instrumente nothwendig geben muß, damit es z.B. die Gewalt von 1000 Atmosphären aushalten kann, würde hinreichen, um den neuen Pumpen bei weitem den Vorzug vor den alten zu geben. Die Kraft, die in der gewöhnlichen Pumpe ein Volumen Luft bis auf seinen tausendsten Theil reducirt, ist 24,000, auf die Kolbenstange drükenden, Kilogrammen gleich. Durch die Anwendung meines Verfahrens hingegen wird diese Kraft auf 1440 Kilogrammen vermindert, die auf drei Kolben |26| vertheilt sind, nämlich: 480 Kilogr. beim Aufsaugen und 960 beim Comprimiren.

Da der Widerstand der Kraft angemessen seyn muß, die auf ihn wirkt, so wird sich die Ersparniß an der Stärke, die man den verschiedenen Theilen des Apparates, wie der Kolbenstange, den Achsen der Hebel, dem Gestelle geben muß, wie 960 zu 24,000 Kilogr., oder wie 1 zu 25 verhalten.

Bei dieser Schäzung habe ich jedoch die Reibungen nicht in Anschlag gebracht, indem deren Berechnung von einer Menge von Umständen abhängt; übrigens sind alle diese Umstände beinahe in beiden Fällen gleich, so daß sie die von mir angegebenen Resultate nicht ändern.

Die Unvollständigkeit des zur Compression gebräuchlichen Instrumentes verhinderte bisher die Anwendung der comprimirten Luft in einer Menge von Fällen, in welchen sie sehr vortheilhaft oder sehr nüzlich gewesen wäre. Die Erfindung eines weniger schwierigen und lästigen Verfahrens, durch welches zugleich sowohl an Kraft als an Zeit erspart wird, wird einer Reihe von Untersuchungen, die zum Nuzen der Künste und der Industrie ausfallen müssen, die Bahn öffnen. Ich will hier die vorzüglichsten Fälle angeben, in welchen die neue Pumpe mit großem Vortheile angewendet werden kann.

1) Bei den Respirations-Apparaten, mittelst welchen man unter dem Wasser oder in einem mephitischen Gase arbeiten kann (z.B. bei den Apparaten des Hrn. Lemaire d'Angerville).4)

2) Zur Darstellung der Gase in flüssigem Zustande, wodurch nicht bloß die chemische Theorie vervollkommnet, sondern auch neue Zweige der Industrie gegründet werden können; so könnte z.B. eine Fabrik, in welcher flüssig gemachtes kohlensaures Gas bereitet würde, sehr einträglich werden. Eine Pinte dieser Flüssigkeit, welche 200 Pinten mit Gas imprägnirten Wassers repräsentirt, könnte durch einen leicht ausdenkbaren Apparat benuzt werden, um bei Tische augenbliklich jedes beliebige Getränk mit Gas zu imprägniren.

3) Zur Beschleunigung des Filtrirens; klebrige und fette Flüssigkeiten, wie Syrupe und Oehle, ließen sich leicht unter einem Druke von Einer oder zwei Atmosphären durch das Spiel einer Pumpe oder durch Anschaffung eines Behälters mit comprimirter Luft filtriren.

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4) Zu eigenen Pressen, welche ich Luftpressen (presses aéroliques) nennen werde. Die Spannkraft der Luft könnte in vielen Fällen, in welchen man einen mehr elastischen Druk braucht, als man ihn durch die hydraulische Presse erhält, die unbeugsame Kraft des Wassers ersezen.

5) endlich zur Errichtung von Kraftmagazinen, um die ungleiche und eigensinnige Wirkung des Dampfes durch eine verständigere und weniger gefährliche Gewalt zu ersezen. Es wurde in England ein Patent auf einen Wagen genommen, der von der Luft bewegt würde. Diese Idee, die im ersten Augenblike absurd scheinen mag, ließe sich leicht und nüzlich auf eine Schifffahrt unter dem Meere anwenden, da der Bewegungsapparat zugleich auch zur Unterhaltung der Respiration dienen könnte. Ein Behälter aus Eisenplatten von der Größe eines Kubikmeters, von zwei Centimeter Dike, und welcher 900 Kilogrammen wiegt, würde, mit 100 Atmosphären geladen, die dynamische Wirkung eines Pferdes innerhalb 11 Stunden enthalten.

Erklärung der Figuren, welche die drei Systeme der Pumpen zur Compression der Gase darstellen.

Fig. 1. Seitenaufriß und Durchschnitt einer Gas-Compressionspumpe mit zwei Cylindern.

A, Cylinder des großen Kolbens.

A', Cylinder des kleinen Kolbens.

B, großer Kolben.

B', kleiner Kolben.

CC, lederne Büchsen, worin die Kolbenstangen spielen.

D, Klappe, welche die Luft von Außen nach Innen in den Hohlraum des Cylinders A leitet.

D', Klappe, die die Luft in die erste Capacität oder in den ersten Raum des Cylinders A leitet.

E, Klappe an der Basis des Kolbens B, die sich von der ersten Capacität in die zweite öffnet.

E', Klappe an der Basis des Kolbens B', welche sich von der ersten Capacität in die zweite öffnet.

F, Klappe an der Spize der zweiten Capacität des Cylinders A, welche der Luft, die sich in die erste Capacität des Cylinders A' begibt, Ausgang gestattet.

F', Klappe an der Spize der zweiten Capacität des Cylinders A', durch welche die Luft in den, über dem Zapfen G' angebrachten, Behälter tritt.

GG', Zapfen, auf welchen sich die Heiden Cylinder in dem |28| Falle wiegen würden, wenn sie von einem excentrischen Rade geführt würden.

HH, Gabeln des Hebels, an deren Enden Ketten angebracht sind.

N, großer Hebel oder Wagbalken, der die Pumpen in Bewegung sezt.

O, Säule, die dem großen Hebel als Stüzpunkt dient.

P, Stange, die an dem Hebel N befestigt ist.

Q, Mittelpunkt der Bewegung des Hebels.

RR, Kolbenstangen.

S, Querstük, welches die beiden Stangen mit einander verbindet.

T, Basis, auf welcher der Apparat ruht.

X, Communicationsröhre zwischen den beiden Cylindern.

Fig. 2. Seitenaufriß der Gas-Compressionspumpe mit drei Cylindern sammt dem Mechanismus, durch welchen sie in Bewegung gesezt wird.

Fig. 3. Ansicht des dritten Kolbens und des Mechanismus, durch welchen er bewegt wird, von Vorne.

Fig. 4. Der Kolben des großen Cylinders, für sich allein und in einem doppelt größeren Maßstabe dargestellt.

A, Spirale oder Schneke, auf die sich die Kette B aufrollt.

C, Gabel des Hebels oder Wagbalkens, an deren beiden Enden die Ketten B befestigt sind.

EE, große Räder mit abwechselnder Verzahnung; sie sind nur an der einen Hälfte ihres Umfanges gezähnt.

G, Triebrad der Kurbel.

L, Kurbel.

M M'M'', Behälter mit Wasser, in welche die Cylinder aa'a'' getaucht sind, damit sie sich während der Arbeit nicht erhizen.

N, Hebel oder Wagbalken.

O, Säule, auf welche sich der Hebel stüzt.

P P'P'' Kolbenstangen der Cylinder.

Q, Mittelpunkt der Bewegung, des Hebels N.

R, SS, Stüzen der Basis T der Pumpen.

VV, Gestell aus Gußeisen.

X, Achse der Schneken A.

Z, Communicationsröhre zwischen den drei Cylindern.

a, erster Kolben.

a', zweiter Kolben.

a'', dritter Kolben.

b, Klappe, die sich in den Stiefel der Pumpe a öffnet, und dem Gase, das dem Versuche unterworfen wird, Zutritt gestattet.

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b', Klappe, die die Luft vom ersten Cylinder in den zweiten gelangen läßt.

c, Klappe, welche sich in den Stiefel der Pumpe a' öffnet, und welche gehobelt wird, wenn die Luft aus dem ersten Cylinder in den zweiten tritt.

c', Klappe, welche der Luft gestattet, aus dem zweiten Cylinder in den dritten überzugehen, wenn der Kolben a' bei seinem Abwartssteigen die Luft comprimirt, die ihm durch den ersten Kolben geliefert wurde.

d, Klappe des Stiesels der Pumpe a'', die die Luft, welche von dem Kolben a' verdichtet wurde, hereinläßt.

d', Klappe, durch welche das Volumen Luft, das bereits in den Cylindern a und a' zwei auf einander folgende Compressionen erlitten hat, in den Behälter f getrieben wird.

e, Ansaz, an welchem eine lederne Röhre befestigt ist, die mit einem Gazometer in Verbindung steht.

f, Behälter, in welchen das Gas gedrükt wird.

g, Klappe des Behälters.

h, Schraube, die sich in der Stopfbüchse i reibt, und welche, indem sie sich auf die Klappe g stüzt, das comprimirte Gas in den Behälter treten läßt.

i, Stopfbüchse.

ll, Rahmen, der die Stange des Kolbens a führt.

Fig. 6. Aufriß einer statischen Compressionspumpe mit einem einzigen Cylinder.

Fig. 7. Durchschnitt des Stiefels dieser Pumpe, in welchem die Klappen und die Einrichtung des Kolbens zu sehen.

AA, Cylinder mit doppelter Wirkung.

B, Kolben.

CC, Stopfbüchse, worin die Kolbenstange spielt.

D, Klappe, durch welche die äußere Luft in die erste Capacität tritt.

E, Klappe, die sich von der ersten Capacität in die zweite öffnet.

F, Klappe an dem Scheitel der zweiten Capacität, die der Luft den Zutritt in den Behälter gestattet.

GG, Zapfen auf denen sich der Cylinder A wiegt.

H, Kurbel, welche die excentrische Bewegung bewirkt.

J, Zahnrad, in welches das Triebrad K eingreift.

K, Triebrad.

L, Kurbel.

M, Gestell der Pumpe.

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Fig. 5. Aufriß einer Drehpumpe mit Schneke zur Compression der Gase.

AA, Schneken, auf welche sich die beiden Ketten BB aufrollen.

CC, Gabel des Hebels, an dessen beiden Enden die Ketten befestigt sind.

D D', Triebräder, die an der Achse der Spirale angebracht sind.

EE, große Räder mit abwechselnder Verzahnung, welche die Triebräder DD führen, und die bloß an der Hälfte ihres Umfanges gezähnt sind.

F, bewegendes Rad.

G, Triebrad an der Achse der Kurbel angebracht.

HH, mit Schraubengängen versehene Schraubenmütter, die von den Sperrern JJ zurükgehalten werden, und auf der Achse der Spiralen eine Wechselbewegung erhalten.

K, Bewegungswelle.

L, Kurbel.

M, Behälter, in den der Stiefel der Pumpe getaucht ist.

S, Stüze des Stiefels der Pumpe.

VV, Gestell aus Gußeisen.

X, Stüze der Achse der Schneken.

Anmerkung.

Statt der Kette B kann man leicht auch ein Zahneisen von einer bestimmten Form, das an dem Ende des Hebels fest angebracht wäre, anwenden. In diesem Falle müßte die Spirale gezähnt seyn; die Krümmung des Zahneisens müßte so modificirt seyn, daß ihr Entwikelungspunkt immer mit den entsprechenden Spizen der Spiralen zusammenfiele. Da diese, sehr leicht anbringbare, Vorrichtung an dem Mechanismus der Wechselbewegung nichts ändert, so halte ich es nicht für nöthig eine Zeichnung davon zu geben, sondern führe sie hier bloß an, weil sie mit Vortheil statt der Kette angewendet werden kann, besonders wenn die Maschine in einem großen Maßstabe gebaut wird.

|14|

Der Verfasser wurde schon im J. 1829 für diese Maschine mit dem Preise gekrönt, erhielt aber im J. 1830 neuerdings den Preis aus der Mechanik für die Verbesserungen, die hier beschrieben sind.

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Der Kürze halber wollen wir im Laufe dieses Aufsazes den Ausdruk Capacität beibehalten.

A. d. Ueb.

|26|

Die Erfindungen des Hrn. Thilorier würden sicher auch auf die Ideen des sel. Hrn. Hofrathes und Directors Schultes in Betreff seiner Tauchergloke und seiner Schifffahrt unter dem Wasser (man vergleiche polytechnisches Journal Bd. XVIII. S. 176 und Bd. XXVII. S. 104.) sehr großen und förderlichen Einfluß ausgeübt haben. Schade daß dieselben nicht mehr zu seiner Kenntniß gelangen konnten.

A. d. Ueb.

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