Titel: Burgis, über das Vergolden gewobener Fabrikate.
Autor: Burgis, Johann
Fundstelle: 1832, Band 44, Nr. XVIII. (S. 98–99)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj044/ar044018

XVIII. Neue Verfahrungsweisen gewisse gewobene Fabrikate mit brunirtem und mattem Golde oder Silber zu vergolden oder zu versilbern, welche besagte Fabrikate als Gold oder Silber, so wie auch zu Borten und zu anderen Zweken gebraucht werden können; auf welche Verfahrungsweisen sich Johann Burgis, Fabrikant gemahlter Papiere zu Maiden Lane, in der Pfarre St. Paul, Covent-Garden, Grafschaft Middlesex, am 5. Februar 1829 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem London Journal of Arts. Januar 1832, S. 183.

Der große Bedarf an Gold- und Silber-Borten veranlaßte den Patent-Träger zur Erfindung einer einfachen und wohlfeilen Methode, nach welcher sich ein Fabrikat, welches diesem kostbaren Materiale ähnlich, und zur Verzierung von Vorhängen, Stühlen und anderen Hausgeräthen anwendbar ist, erzeugen läßt. Das Material, welches er hiezu verwendet, ist feiner Baumwollen- oder anderer Zeug, auf den nach dem gewöhnlichen, beim Vergolden Und Versilbern üblichen Verfahren, Blattgold oder Blattsilber aufgetragen wird. Der auf diese Weise vergoldete oder versilberte Zeug wird dann in schmale Streifen geschnitten, welche um Schnüre gewunden werden, die dadurch das Aussehen von Goldschnüren erhalten. Diese Schnüre können auf sehr verschiedene Weise geflochten oder in verschiedene Gewebe verwandelt werden.

Der Zeug, welcher hiezu bestimmt ist, muß vorher gefärbt werden, und zwar orangefarb, wenn er vergoldet werden soll. Ist dieß geschehen, so wird er auf einer ebenen Fläche ausgebreitet, und mit einer Schichte Kleister überzogen, welcher nach Art des gewöhnlichen Vergolderkleisters aus Pergamentschnizeln verfertigt worden. Ist diese Seite getroknet, so wird dann auch die andere auf gleiche Weise mit Kleister bestrichen.

Nach diesen Vorbereitungen werden 2–3 Schichten sogenannten Goldkleisters auf jene Fläche des Zeuges aufgetragen, die vergoldet werden soll. Dieser Kleister wird aus Kleber, Pfeifenthon und Oker oder einer anderen gelben Farbe zubereitet. Wenn hierauf Alles vollkommen troken und hart geworden, wird die Oberfläche glatt polirt, und alle Haare oder aller anhängender Staub entfernt.

Der Zeug wird hierauf fest auf eine ebene Fläche gespannt, und mit einem feuchten Schwamm überstrichen, worauf man das Blattgold mit einer Vergolderbürste aus Kameelhaar vollkommen eben auflegt. |99| Alle Stellen, an welchen das Blattgold in Stüke ging, müssen sorgfältig mit frischem Blattgolde belegt werden, damit keine Stelle unvergoldet bleibt.

Ist diese Vergoldung vollkommen troken geworden, so kann man den Zeug über eine Walze laufen lassen und ihn bürsten, um seine Oberfläche zu bruniren. Sind beide Seiten vergoldet worden, so muß die untere Fläche sorgfältig mit Papier überdekt werden, um dieselbe während der Einwirkung der Brunirbürste gegen Beschädigungen zu verwahren. Soll das Gold matt seyn, so kann man die Brunirbürsten ganz entbehren.

Der auf diese Weise vergoldete Zeug wird in einer Maschine, in welcher in gehörigen Entfernungen von einander Messer oder Scheren angebracht sind, in parallele Streifen von gehöriger Breite zerschnitten. Diese Streifen werden um Schnüre von gehöriger Dike, die vorher orangegelb gefärbt worden, gewunden oder gebunden, und diese Schnüre werden dann zu Bullion, zu Borten oder anderen Dingen verarbeitet. Ganz auf dieselbe Weise wird auch mit dem Blattsilber verfahren.

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