Titel: Ueber Verhinderung des Ausbleichens der Schrift etc.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 44, Nr. XXV. (S. 117–131)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj044/ar044025

XXV. Bericht der Akademie der Wissenschaften in Paris über die Mittel, wodurch man die Verfälschung von Acten, Banknoten, Wechseln etc. und das betrügerische Ausbleichen der Schrift bei alten gestempelten Papieren verhindern kann.

Aus den Annales de Chimie et de Physique. September 1831, S. 5.

Der Justizminister hat in Betracht daß die sträfliche Verfälschung der Staats- und Privatacten sehr häufig Statt findet, die Akademie über die Mittel berathschlagt, wodurch sie verhindert werden konnte; er wollte außerdem wissen, ob es nicht möglich sey, zu verhindern, daß Privatpersonen die Schrift aus alten gestempelten Papieren ausbleichen, um dieses Papier dann wohlfeiler als das neue gestempelte Papier wieder zu verkaufen, wodurch sie den Schaz um einen Theil seiner Einkünfte bringen. Die Akademie ernannte zur Untersuchung dieser wichtigen Fragen eine Commission, welche aus den HH. Gay-Lussac, Dulong, Chaptal, Deyeux, Thenard, d'Arcet, Chevreul und Serullas bestand. Das Resultat dieser Untersuchung legt die genannte Commission nun der Akademie vor.

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Sowohl die Verfälschung von Acten als das Bleichen alter gestempelter Papiere kann durch zweierlei Mittel verhindert werden, entweder dadurch, daß man eine Tinte anwendet, die, nachdem sie auf das gewöhnliche Papier aufgetragen wurde, vollkommen unzerstörbar ist, oder dadurch, daß man ein Papier gebraucht, welches so zubereitet ist, daß man die Schriftzüge, welche mit gewöhnlicher Tinte darauf gemacht wurden, nicht mehr verändern (ausbleichen) kann, ohne daß Spuren der Verfälschung zurükbleiben. Die Commission glaubt daher die ihr vorgelegten Fragen aus einem doppelten Gesichtspunkte betrachten und sich sowohl über die unzerstörbaren Tinten, als auch über die Sicherheitspapiere erklären zu müssen: sie wird zuerst, die Mittel, welche bis auf die Zeit, wo sie mit dieser Untersuchung beauftragt wurde, zur Verhinderung von Verfälschungen angewandt worden sind, durchgehen.

Die Tinte der Alten war viel dauerhafter als diejenige, welche heut zu Tage im Gebrauch ist: darüber wird man sich auch nicht wundern, indem dieselbe nach Plinius, Vitruvius und Dioscorides aus Kienruß oder sehr fein zertheilter Kohle, in Gummiwasser suspendirt, bestand. Wenn man mit dieser Tinte auf Substanzen schrieb, die so porös waren, daß sie in dieselben eindrang, so konnte man sie mit dem Radirmesser nicht mehr so beseitigen, daß keine Spuren zurükblieben; es war also damals sehr schwer Acten zu verfälschen, welche außerdem bei weitem nicht so häufig waren, wie heut zu Tage. Die Tinte der Alten hatte dagegen den Uebelstand, daß sie nicht gut floß; schrieb man damit auf weniger poröses Papier, so widerstand sie weder dem Wasser noch dem Radiren und bot dann keine hinreichende Garantie mehr dar. Dieß ist ohne Zweifel der Grund, daß die aus Galläpfeln und schwefelsaurem Eisen bereitete Tinte in Gebrauch kam, welche besser in das Papier eindringt und leichter anzuwenden ist, als die Tinte der Alten. Blagden fand bei der Untersuchung mehrerer Manuscripte aus dem neunten Jahrhundert, daß man sich schon damals dieser Tinte bediente; deßwegen muß man aber nicht glauben, daß die Tinte der Alten zu jener Zeit schon ganz aufgegeben war; denn wenn auch einerseits das Bedürfniß die Manuscripte zu vervielfältigen und die Erfindung der Papiermacherkunst27) zu Gunsten der neuen Tinte waren, so sahen sich doch wieder die Copisten wegen des hohen Preises der Manuscripte veranlaßt, nur dauerhafte Tinte anzuwenden; sie mischten daher auch häufig die Tinte der Alten mit der neuen und dieses Gemisch |119| hatte dann den Vortheil, daß es dauerhafter als diese und flüssiger als jene war; als aber durch die Entdekung der Buchdrukerkunst die Kunst der Copisten ihre Wichtigkeit ganz verlor, sah man bei der Schreibtinte mehr auf dunkle Farbe, Glanz und Flüssigkeit als auf Unzerstörbarkeit. So geschah es, daß man die Tinte der Alten (selbst vermischt mit der neuen) ganz aufgab: übrigens konnte der nachtheilige Umstand, daß die Time keine Kohle enthielt, zu einer Zeit, wo der Gebrauch chemischer Reagentien so zu sagen unbekannt war, nicht sehr fühlbar werden; anders verhielt es sich aber im achtzehnten Jahrhundert. Die Entdekung des Chlors, welches eine Menge organischer Substanzen so schnell und gänzlich verändert; die Anwendung desselben zum Bleichen der Zeuge, alter leinenen Lumpen, alter Kupferstiche u.s.w.; die Verbreitung chemischer Kenntnisse in allen Classen der Gesellschaft; die Vervielfältigung der Acten in Folge des Aufschwungs der Industrie, alle diese Umstände vereinigten sich damals, um den Schriftverfälschern die Vervollkommnung ihrer Kunst zu erleichtern.

Wir haben bereits bemerkt, daß man schon im neunten Jahrhundert sich der gewöhnlichen Tinte ohne Zusaz von Kienruß oder fein zertheilter Kohle bediente; in der Schrift von Carreparius über Tintenbereitung, welche im Jahre 1660 erschien, findet man aber Nichts, was vermuthen ließe, daß man damals schon das Bedürfniß fühlte, sie unveränderlicher zu machen. Erst in dem sehr merkwürdigen Werke, welches von Lewis im Jahre 1764 über denselben Gegenstand herausgegeben wurde, wird dieser Umstand erwähnt und Lewis theilt sogar Alles mit, was über die Bereitung unzerstörbarer Tinten bis auf seine Zeit bekannt wurde; wir müssen jedoch auch der späteren Bemühungen, wodurch man in dieser Fabrikation einige Fortschritte machte, mit Lob erwähnen.

Sehr viele Schriftsteller empfahlen nach dem Beispiele von Lewis, oder indem sie seine Ansichten über die Bereitung unzerstörbarer Tinten weiter verfolgten, der gewöhnlichen Tinte Kienruß, Elfenbeinschwarz, chinesische Tusche, die Flüssigkeit des Tintenfisches, oder gefärbte Extracte gewisser Pflanzen etc. zuzusezen. Besonders stellten in dieser Hinsicht Pitolx, Wohrs, Grunner, Lentin, Thorey, Wiegleb, Westrumb, Murray, Bosse, Scherer, Roard und Haldat Versuche an. Bosse schlug außerdem vor, die gewöhnliche Tinte mit gepulvertem Braunstein (Mangansuperoxyd) zu vermengen. Andere Schriftsteller, unter welchen wir besonders Scherer, William Close und Scheldrake anführen müssen, nahmen Kienruß, welcher mit präparirten Firnissen zerrieben war; als Firniß wandten sie Copal, Ambra oder Asphalt in wesentlichen |120| Oehlen und in Trokenöhl aufgelöst, an. Proust machte die gewöhnliche Tinte durch eine Art Kreide (crayon), welche durch Kohle gefärbt ist, unzerstörbar. Thompson empfahl den Kienruß mit einer Auflösung von Stoklak in Borax anzurühren, und endlich schlug Mac Culloch vor, eine Auflösung von Holztheer in Kali statt gewöhnlicher Tinte zu nehmen. Unter der großen Anzahl von Sicherheitstinten, welche in den Handel gebracht, deren Bereitungsart aber geheim gehalten wurde, sind besonders diejenigen der HH. Delunel, Dizé, und Tarry bemerkenswerth, über welche auch zu verschiedenen Zeiten sehr günstige Berichte erstattet wurden; wir wollen jedoch hier nicht weiter in historische Details eingehen. Die Commission hatte nur die Absicht den Weg anzudeuten, auf welchem sie die Tintenbereitung zu vervollkommnen suchen mußte. Die Tinten, welche man in den Handel brachte und für unzerstörbar ausgab, konnten übrigens alle aus dem Papier beseitigt werden, wenn man sich mehrerer Reagentien mit Geschiklichkeit zu bedienen wußte; sie waren außerdem gewöhnlich nicht fließend genug, bildeten beim Stehen einen beträchtlichen Saz, hatten eine unangenehme Farbe, erweichten die Federn, griffen das Papier an oder konnten sogar mit der Zeit die Natur desselben verändern, und so gewährten sie dem Publikum keinen Vortheil. Man sieht also, daß vor dem Jahre 1826 dieser Theil der Frage nicht gelöst war; wir wollen nun sehen, wie weit es damals durch eigends zubereitetes Papier möglich war die Verfälschung der Acten zu verhindern.

Bekanntlich war vor Zeiten der Inhalt der Acten durch die Unterschriften und die Siegel, womit sie die contrahirenden Theile versahen, garantirt. In der Folge stellte man in derselben Absicht die Acten doppelt aus oder deponirte sie bei den Notaren und in den Staatsarchiven, oder man stempelte sie, und endlich nahm man Papiere, welche mit geheimen Erkennungszeichen oder mit mehr oder weniger veränderlichen deutlichen Schriftzügen versehen waren, wie dieses seit vierzig Jahren bei der Fabrikation der Banknoten und des Papiergeldes geschieht.

Lewis schlug im Jahre 1764 vor, ein dünnes, poröses oder wenig geleimtes Papier anzuwenden, in das die unzerstörbare Tinte eindringen soll. Er riech außerdem den Papierzeug mit Galläpfelauflösung zu versezen, damit das Papier die Eigenschaft erhält, die Farbe zu befestigen, indem das überschüssige in der Tinte aufgelöste schwefelsaure Eisen oder Eisenoxyd im Innern des Papiers durch den Gerbestoff gefällt wird.

Hr. Molard der Aeltere empfahl im Jahre 1792 das Papier, um es mit unzerstörbaren Schriftzügen zu versehen, mit einer damascirten, |121| durch das Scheidewasser ungleichförmig angegriffenen, Stahlplatte zu bedruken, die man nach Art der Kupferstecher anwendet.

Im Jahre 1802 gab Hr. Haldat das Blaufärben des Papierzeuges mit Lakmus als ein untrügliches Mittel an, um jeden Versuch zu entdeken, welcher gemacht wird, das daraus fabricirte Papier zu verfälschen.

Die HH. Learier, Delisle und Guittot schlugen im Jahre 1811 vor, in der Mitte der Banknoten bei ihrer. Fabrikation verschiedene Schriftzüge anzubringen, die aus Wolle oder Lumpen bestehen, welche man zuvor in Farben, welche von Säuren und Alkalien angegriffen werden, gefärbt und sodann in feines Pulver verwandelt hat, wie man es bei der Fabrikation der Scherwoll-Tapeten macht.

Mehrere andere, besonders englische Schriftsteller, schlugen auch vor dem Jahre 1826 vor, ein Papier anzuwenden, das von eisenblausaurem Kali durchdrungen ist, nicht nur in derselben Absicht, weßwegen Lewis Galläpfelextract in den Papierzeug brachte, sondern auch damit die Schrift von gewöhnlicher Tinte durch Säuren nicht zerstört wird.

Wir wollen uns nun mit den Tinten beschäftigen, welche der Commission als unzerstörbar überschikt und dann mit den verschiedenen Sorten von Sicherheitspapieren, die der Akademie vorgeschlagen wurden und zulezt die Resultate der Versuche mittheilen, welche die Commission anstellen mußte, um obige beide Fragen, so gut sie konnte, zu beantworten.

Ueber die Tinten, welche der Akademie als unzerstörbar überschikt wurden.

Die Commission glaubt erklären zu müssen, daß sie mit der gewissenhaftesten Aufmerksamkeit die ihr zur Untersuchung übergebenen Documente studirt hat; sie könnte in dieser Hinsicht in die kleinlichsten Details eingehen; aber das voluminöse Actenpaker, welches sie auf dem Bureau deponirt, und worin jedes Stük den Beweis der genauesten Untersuchung liefert; die Tabellen, welche sie ihrem Berichte beifügt; die Zeit, welche nöthig gewesen wäre, ihre zahlreichen Versuche zu beschreiben, und besonders die Gefahr, welche mit der Bekanntmachung vieler Versuche (die die Commission anzustellen für nöthig erachtete) verbunden gewesen wäre, alles dieses wird sie hinreichend entschuldigen, wenn sie hier die Details wegläßt, welche uns dem vorgesezten Zwek nicht näher bringen können: sie wird also nur dann von Personen sprechen, wenn es diesen nüzlich seyn kann, und von Sachen nur in so fern, als sie zur Lösung der Frage beitragen können.

Die der Akademie überschikten Tinten waren entweder in flüssigem |122| oder in festem Zustande; da sie hiernach unter übrigens gleichen Umständen sehr große Verschiedenheiten bei ihrer Anwendung darbieten, so wollen wir jede Sorte besonders betrachten.

Ueber die flüssigen unzerstörbaren Tinten, welche der Akademie übergeben wurden.

Unter neunzehn Sorten flüssiger Sicherheitstinten waren nur fünf, welche hier angeführt zu werden verdienen; es sind die der HH. Bosc, Dizé, Pallu, Da-Olmi und Cagnard-Latour. Alle anderen besaßen die oben angeführten nachtheiligen Eigenschaften, welche man bisher den Sicherheitstinten vorwarf, in hohem Grade; einige davon konnten auf dem Papier durch die vereinte Wirkung verschiedener Reagentien ausgelöscht werden und veränderten sich überdieß mit der Zeit in den Flaschen (worin man sie stehen ließ, ohne sie umzurühren) gänzlich.

Die Tinte, welche Hr. Bosc, Director der directen Steuern in Besançon, einschikte, ist ohne Zweifel die beste unter allen von uns geprüften; sie widerstand eben so lange als das Papier allen Versuchen, welche wir anstellten, um sie auszulöschen. Ihre Farbe ist aber etwas matt; sie erweicht außerdem die Federn ein wenig und sezt mit der Zeit einen Theil ihres Färbestoffes ab, so daß man sie vor dem Gebrauch jedes Mal in der Flasche umschütteln oder in dem Tintenfaß aufrühren mußte; es wäre daher möglich, daß diese Tinte mit der Zeit ebenfalls die bedeutende Veränderung erleidet, welche sich bei den anderen Tinten zeigte, die früher eingeschikt wurden. Hr. Bosc sagt, daß wenn diese Tinte an der Luft eingetroknet ist, man ihr den geeigneten flüssigen Zustand durch Zusaz von Wasser oder derselben Tinte wieder ertheilen kann; sie kommt, wie er bemerkt, nicht theuer zu stehen und könnte zu dem nämlichen Preise wie die gewöhnliche Tinte in den Handel gebracht werden.

Die Tinte, welche Hr. Dizé unter der Benennung encre asphalique einschikte, ist nicht so unveränderlich wie die des Hrn. Bosc; sie fixirt sich nicht augenbliklich auf dem Papier, und die frische Schrift kann sogar durch bloßes Waschen mit Wasser großen Theils beseitigt werden; nach längerer Zeit aber wird sie unzerstörbar; sie fließt außerdem nicht gut aus der Feder und erweicht dieselbe sehr. Die Farbe der Schrift ist matt und unrein, und wird an der Luft nicht dunkler. Diese Tinte gibt einen bedeutenden Saz, welchen man jedes Mal aufrühren muß, ehe man zu schreiben anfängt; endlich verändert sie sich mit der Zeit in einer gut verkorkten Flasche.

Die von Hrn. Pallu eingeschikte Tinte widersteht den Reagentien, jedoch nicht so gut wie die beiden vorhergehenden: sie sezt sich schnell, ist aber schön schwarz und fließt gut aus der Feder. Kali ist das Reagens, welches sie am leichtesten angreift.

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Hr. Da-Olmi überschikte drei Muster von unzerstörbarer Tinte; die beste darunter wird von den Reagentien nur sehr wenig verändert, hat aber eine schöne Farbe und fließt sehr gut aus der Feder; die mit dieser Tinte geschriebenen Schriftzüge werden jedoch durch Kali ein wenig verlöscht. Sie läßt ihren Färbestoff viel zu schnell fallen und veränderte sich überdieß vollständig in der Flasche.

Die Commission glaubt hier noch einer sehr fein zertheilten Kohle erwähnen zu müssen, welche von Hrn. Cagnard-Latour eingeschikt wurde, und die man erhält, wenn man Kienruß in der Wärme mit Schwefelsäure behandelt: diese Kohle bleibt sehr lange in destillirtem Wasser suspendirt, und würde sich sehr gut zur Bereitung unzerstörbarer Tinte eignen; da die Commission aber nur eine sehr geringe Quantität davon erhielt, so konnte sie keine hinreichende Anzahl von Versuchen damit anstellen; sie erwähnt daher dieses Productes nur, um nichts unberührt zu lassen, was zur Verbesserung der Sicherheitstinten beitragen kann.

Ueber die troknen unzerstörbaren Tinten, welche der Akademie überschikt wurden.

Die Commission erhielt nur drei Muster unzerstörbarer Tinten in festem Zustande; die vorzüglichste darunter war Hrn. Dizé's encre asphalique in Stangen. Diese Tinte hat den Uebelstand, daß sie frisch aufgetragen zum Theil ausgewaschen werden kann und von den Alkalien angegriffen wird. Sie fließt nicht gut, erweicht die Federn und hat nur eine matte Farbe ohne Glanz; wenn sie aber auf dem Papier ausgetroknet ist, widersteht sie der vereinten Einwirkung der Reagentien sehr gut. Die trokne Tinte, welche Hr. v. Lasteyrie in Stangenform einschikte, ist zwar hinreichend unauslöschlich, aber doch in jeder Hinsicht geringer als die des Hrn. Dizé. Den dritten Rang nimmt die Tinte des Hrn. Tarry ein, über welche der Akademie im Jahre 1810 ein vortheilhafter Bericht von den HH. Berthollet, Vauquelin und Deyeux erstattet wurde.28) Sie hat eine dunkelblaue Farbe; die damit geschriebenen Buchstaben erscheinen sehr schön schwarz; sie widersteht den Reagentien, welche man nach einander darauf wirken käßt, sehr gut und verdient in dieser Hinsicht den Beifall, welcher ihr zu Theil wurde. Indessen sezt sie sich leicht, fließt nicht ganz gut und greift die Federn ein wenig an. Hr. Tarry versuchte seine Tinte in Stangenform zu bringen; die Muster, welche er einschikte, besaßen aber nicht Festigkeit genug, um leicht angewendet werden zu können: nach längerer Zeit zerfielen sogar mehrere davon in Pulver, was ein großer Fehler ist.

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Resultat der Versuche, welche die Commission anstellte.

Die Commission hat sich bei der Untersuchung der eingeschikten Muster von Sicherheitstinten überzeugt, daß der vorgesezte Zwek durch die Fabrikation einer Tinte, die man im flüssigen Zustande verkauft, nicht gänzlich erreicht werden kann. Alle diese Timen sezten nämlich ihren Färbestoff, wegen seiner größeren Dichtigkeit viel zu schnell ab: eine mehrjährige Erfahrung bewies überdieß, dgß dieser Uebelstand immer größer wird, indem die Färbestofftheilchen nach und nach ihre Cohäsion verlieren und dann nicht mehr in der Flüssigkeit suspendirt bleiben können. Hieraus folgt, daß flüssige unzerstörbare Tinten, welche lange in Flaschen aufbewahrt wurden, weder mit Bequemlichkeit noch mit Sicherheit angewendet werden können, und daß die Consumenten, wenn sie dieselben nicht in kurzer Zeit verbrauchten, oft in den Fall kommen würden, nur mehr eine verdorbene, keine Sicherheit gewährende Tinte anzuwenden.

Unter den unzerstörbaren Tinten, welche in Stangenform im Handel vorkommen, schien uns die chinesische Tusche vor allen anderen als Basis bei unserer Arbeit dienen zu können. Man kennt zwar in Frankreich ihre Zusammensezung nicht genau; sie kommt aber seit so langer Zeit und in so großer Menge im Handel vor, daß ihre Bereitungsart in China kein Geheimniß seyn und ihre Güte offenbar nicht von dem Willen eines einzigen Fabrikanten abhängen kann. Man kann der chinesischen Tusche nur den Vorwurf machen, daß sie nicht tief genug in so stark geleimtes Papier, wie man es heut zu Tage haben will, eindringt; diese Tinte wird nämlich von den Reagentien durchaus nicht verändert, läßt sich leicht und so lange als man will, aufbewahren, verbindet sich chemisch mit dem Papier und wäre darauf vollkommen unzerstörbar, wenn sie immer hinreichend in dasselbe eindringen könnte.

Man fabricirt in Europa eine Art fester Tinte (Tusche) aus Kienruß, thierischem Leim und Gummi, welcher man die äußeren Kennzeichen der chinesischen Tusche ertheilt und die man auch oft statt solcher verkauft. Wird diese Tusche mit Wasser zerrieben, so befestigt sie sich zwar nicht so gut wie die chinesische auf dem Papier, eignet sich aber dessen ungeachtet sehr wohl für unseren Zwek. Man könnte sich derselben also in Ermangelung chinesischer Tusche bedienen und was wir über die Anwendung dieser lezteren sagen, gilt auch für jene in Frankreich fabricirte Tusche.

Die Tinte der Alten, welche aus Kienruß und Gummi bestand, hatte wie die chinesische Tusche den Fehler, daß sie nicht tief genug in das Papier eindrang. Plinius sagt, man müsse sie in Essig |125| aufweichen, um ihre Anwendung sicherer zu machen und die Commission hat die Güte dieses Verfahrens bestätigt; auf der anderen Seite wußte die Commission, daß Hr. Berzelius mit Erfolg die Salzsäure zum Aufweichen der chinesischen Tusche anwendete, und daß Hr. Haussmann im Jahre 1805 mit schwefelsaurem und essigsaurem Mangan eine unauslöschliche Farbe zum Zeichnen der gedrukten Kattune bereitete. Von diesen Bemerkungen ausgehend, hat die Commission zahlreiche Versuche angestellt und kann folgende beide Recepte zur Bereitung einer unauslöschlichen Tinte als gut garantiren.

Erste unauslöschliche Tinte, welche die Commission vorschlägt. – Man verdünnt Salzsäure mit so viel Wasser, daß sie nur noch 1 1/2 Grad an Beaumé's Aräometer oder 1010 spec. Gew. zeigt.29) Dieser verdünnten Säure bedient man sich anstatt Wasser um die chinesische Tusche aufzuweichen, mit welcher man schreiben will.30)

Die chinesische Tusche läßt sich in Salzsäure viel leichter als in reinem Wasser aufweichen. Die so erhaltene Tinte fließt gut aus der Feder, dringt gehörig in das Papier ein und ist sehr wohlfeil: man braucht nämlich nur 4 oder 5 Gramme chinesische Tusche in einem Kilogramm Salzsäure von 1 1/2 Grad aufzuweichen, um 1 Liter unauslöschliche Tinte von dunkler Farbe zu erhalten; da nun das Kilogramm chinesischer Tusche im Großen nur auf 20 Fr. zu stehen kommt, das Liter Salzsäure von 1 1/2 Grad aber nur 2 Cent. kostet, und eine Arbeiterin, welcher man täglich 1 Fr. bezahlt, 3 Liter Tinte jeden Tag bereiten kann, so ergibt sich, daß 1 Liter solcher Tinte höchstens auf 42 Cent. zu stehen käme, während man das Liter gewöhnlicher Tinte im Großen um 50 bis 60 Cent. verkauft. Ueber die Anwendung der Salzsäure bemerkt die Commission, daß zwar einige Säuren, indem sie sich auf dem Papier concentriren, dasselbe nach längerer Zeit zerstören könnten; bedenkt man aber, daß die gewöhnliche Tinte überschüssige Schwefelsäure enthält und doch der Dauerhaftigkeit des Papiers nur sehr selten schadet; ferner daß unter allen Mineralsäuren die Salzsäure ihm am wenigsten schaden kann, weil sie sich leicht verflüchtigt; daß endlich das Papier immer mehr oder weniger kohlensauren Kalk enthält, überdieß eine mit vier bis |126| fünf Mal stärkerer Säure bereitete Tinte nach zwei Jahren das Papier fast gar nicht geschwächt hatte, so wird man es wohl für unnöthig halten, auf dem Papier die geringe Menge Säure, welche die Tinte darauf bringt, zu sättigen.31)

Zweite unauslöschliche Tinte, welche die Commission vorschlägt. – Man verseze eine Auflösung von essigsaurem Mangan, welche 10 Grad an Baumé's Aräometer zeigt oder deren specifisches Gewicht 1074 beträgt, mit 1/9 ihres Volumens Essigsäure, wovon 100 Theile ungefähr 160 krystallisirtes kohlensaures Natron sättigen und bediene sich dieser Flüssigkeit zum Aufweichen der chinesischen Tusche; nachdem man mit dieser Tinte auf Papier geschrieben hat, braucht man dasselbe, um die Schrift darauf zu befestigen und unauslöschlich zu machen, nur über ein Gefäß zu bringen, welches flüssiges Ammoniak enthält und in einen Kasten eingeschlossen ist.

Dieses Verfahren ist etwas complicirter, als das vorhergehende, weil man das essigsaure Mangan, nachdem das Papier beschrieben ist, durch Ammoniakdampf zersezen muß, hat aber den Vorzug vor jenem, daß das Papier mit keiner freien Säure getränkt wird.

Ueber die Sicherheitspapiere, welche der Akademie eingeschikt wurden.

Sicherheitspapier des Hrn. Coulier. – Hr. Coulier bereitet sein Sicherheitspapier auf folgende Art. Er nimmt eine Platte damascirten Stahls durch Scheidewasser, und erhält dadurch eine außerordentlich feine und in ihren Schlangenlinien sehr complicirte Zeichnung; er beschikt diese Platte dann mit einer schwarzen Farbe, deren Bereitungsart er nicht angab, welche aber durch Chlor zerstört wird; endlich drukt er auf eine sinnreiche Art diese Platte auf dem Papier ab, das er garantiren will. Auf die so abgedrukte Zeichnung schreibt man nun mit gewöhnlicher Tinte den Werth eines Wechsels oder die Hauptstipulationen irgend eines Vertrages etc.

Der Fälscher, welcher einen solchen Wechsel oder eine solche Stipulation verändern will, kann dieses, wie man leicht einsieht, nicht thun, ohne auch die darunter befindliche Zeichnung zu zerstören; diese Zeichnung ist aber so fein und complicirt, daß es fast unmöglich ist, sie anders als mit der nämlichen Platte wieder hervorzubringen. Wenn |127| die Schrift eines nach dem Verfahren des Hrn. Coulier gesicherten Wechsels verfälscht worden ist, so wird also derjenige, welcher ihn unterschrieb, die Verfälschung leicht erkennen.

Die Idee, mittelst einer damascirten Stahlplatte eine so feine und verwikelte Zeichnung zu druken, daß ihre Nachahmung außerordentlich schwer ist, gehört Hrn. Molard den Aelteren an, welcher dieses Mittel für die Assignate vorschlug. Hr. Coulier aber hatte die glükliche Idee, diese Zeichnung nicht mit Buchdrukerschwärze, sondern mit einer zerstörbaren Farbe aufzudruken, wodurch dieses Verfahren eine noch größere Sicherheit gewährt. Das Verfahren des Hrn. Coulier wird bereits von mehreren Handlungshäusern bei ihren Wechseln angewendet; zu diesem Zweke ist es ökonomisch und scheint die beabsichtigte Sicherheit vollkommen zu gewähren; es eignet sich aber nicht, um das gestempelte Papier gegen das Bleichen zu sichern, wobei die Kostspieligkeit des Stahldruks und die Zeit, welche diese Operation erheischt, große Hindernisse wären.

Sicherheitspapier des Hrn. Chevallier. – Hr. Chevallier überschikte der Akademie zweierlei Sorten von Sicherheitspapier: die eine war einfarbig und in der Bütte gefärbt; die andere war mit Zeichnungen versehen, welche mittelst eines sehr weit gewobenen Zeuges anstatt mit Metallplatten aufgedrukt wurden; die Farben auf diesen Papieren werden alle durch die Agentien, welche die Schreibtinte wegäzen, verändert; folglich kann man leztere nicht ohne die Farben zerstören.

Die einfarbigen Papiere haben jedoch den Fehler, daß man sie nach ihrer Verfälschung leicht wieder färben kann. Die Papiere der zweiten Sorte sind eine Nachahmung des Sicherheitspapieres mit regelmäßigen Zeichnungen, wovon vorher die Rede war, gewähren aber keine so große Sicherheit wie diese. Die Zeichnungen des Hrn. Chevallier sehen übrigens nicht gut aus, well die Linien ungleich sind und die Symmetrie fehlt; anders verhält es sich bei derselben Papiersorte, wenn die Zeichnungen auf dem Drehrade guillochirt sind. Sie gewährt dann, wie das Papier des Hrn. Coulier auch noch den großen Vortheil vor der anderen, daß im Falle eines Processes die Person, welche einen Wechsel auf solchem Papier unterschrieben hat, immer den Originaltypus, welcher ihm als Garantie dient, vorlegen kann, wo es sich dann leicht ausmitteln läßt, ob die Zeichnungen auf dem Papier, welches die Person, die es unterschrieb, für verfälscht hält, mit der gravirten Platte identisch sind oder nicht. Man kann gegen die von Hrn. Chevallier vorgeschlagenen Papiere noch einige andere Einwendungen machen, da sie aber auch die anderen Papiere treffen, so wollen wir auf dieselben weiter unten zurükkommen.

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Sicherheitspapier des Hrn. Mérimée. – Hr. Mérimée hat die Idee, welche die Basis des Patentes der HH. Lévrier, Delisle und Guittot ausmacht, weiter verfolgt und vorgeschlagen ein Sicherheitspapier zu fabriciren, indem man dem Papierzeug Fasern von Wolle, Baumwolle oder Leinen zusezt, welche in verschiedenen Farben gefärbt sind, wovon einige durch Säuren und andere durch Alkalien verändert und die alle durch Chlor gebleicht werden: dieser Vorschlag wurde folgender Maßen ausgeführt.

Mit Alaun und Weinstein gebeizte Wolle wurde mit Brasilienholz roth gefärbt; auch wurde Wolle mit schwefelsaurem Kupfer und Kampescheholz violettblau gefärbt. Auf hundert Theile troknen Papierzeug nahm man zwei bis dritthalb Theile eines aus gleichen Gewichtstheilen rother und violettblauer Wolle bestehenden Gemenges. Mit diesen Materialien verfertigte man Papier unter der Leitung des Berichterstatters und mit Genehmigung der Regierung in der Papierfabrik zu Cusset (Dpt. de l'Allier), wo das Papier, welches gestempelt werden soll, fabricirt wird.

Vorausgesezt nun, daß dieses Papier wirklich wohlfeil zu stehen kommt und die gefärbten Fasern ihm kein unangenehmes Ansehen ertheilen; daß jene Fasern, wie dieses mehrere Zeugnisse erweisen, weder der Regelmäßigkeit der Schriftzüge schaden, noch das Schreiben erschweren, noch die Federn abstumpfen; daß endlich ein Fälscher, welcher auf solchem Papier die Schrift und die Farben der Fasern ausgelöscht hat, lezteren ihre eigenthümliche Farbe nicht mehr so leicht wieder ertheilen könnte, als er ein einfarbiges Papier nach dem Bleichen wieder färbt, – so lassen sich doch noch immer so starke Einwürfe gegen das auf Hrn. Mérimées Vorschlag verfertigte Papier machen, daß die Commission es nicht empfehlen kann.

Bei mehreren Versuchen, welche wir mit diesem Papier anstellten, nachdem es mit gewöhnlicher Tinte beschrieben worden war, löschten die Schriftzüge durch Chlor oft noch eher aus, als die rothen Fasern sich entfärbten; man überzeugte sich außerdem, daß dieses Papier, wenn es der Sonne und der Luft ausgesezt wird, schnell verbleicht. Man begreift nun, daß auf solchem Papier eine Schrift möglicherweise durch eine andere ersezt seyn könnte, ohne daß die Fasern verändert sind, und daß man es auf der anderen Seite nicht mit Bestimmtheit für verfälscht erklären könnte, wenn die Fasern entfärbt wären.

Allgemeine Betrachtungen über die Anwendung der Sicherheitspapiere.

Färbestoffe können nur in dem Falle ein Papier sicherstellen, wenn sie durch die Agentien, welche die gewöhnliche Tinte zerstören, verändert |129| werden; unglüklicher Weise widerstehen diese Substanzen aber nicht dem Einfluß der Luft und des Lichtes, und die meisten unter ihnen können außerdem durch Körper, mit welchen sie zufällig in Berührung kommen, dieselbe Veränderung erleiden, die die chemischen Agentien, welche man zum Verfälschen der Acten benuzt, bei ihnen hervorbringen: Sachverständige, die über die Verfälschung eines auf Sicherheitspapier geschriebenen Actes aburtheilen sollten, würden daher in große Verlegenheit kommen, wenn sie beflekte oder vollkommen entfärbte Papiere zu untersuchen hätten. Auch sagt kein Gesez, daß ein Act nur dann gültig ist, wenn auf dem Papier, worauf er geschrieben ist, die Buchstaben etc. ganz unversehrt erhalten sind, so daß der Fälscher der gerechten Strafe dennoch entgehen könnte. Wenn wir uns aber auf diese Art über den Werth der Sicherheitspapiere im Allgemeinen aussprechen, so wollen wir doch ihre Anwendung damit nicht ganz verwerfen, denn sie können immer nüzlich seyn, wenn man von den unauslöschlichen Tinten, deren Bereitung oben angegeben wurde, keinen Gebrauch machen will. Wir glauben daß z.B. das Papier des Hrn. Coulier für Wechselbriefe sehr vortheilhaft angewendet werden kann, ferner ein Papier mit feinen und regelmäßigen Zeichnungen und sogar ein einfarbiges, in der Bütte gefärbtes, für Acten von größerem Umfang; denn mancher Fälscher, welcher einen auf weißes Papier geschriebenen Act verändern könnte, dürfte es nicht wagen, wenn das Papier gefärbt oder gar mit Zeichnungen versehen ist, die sich schwer nachahmen lassen und wovon man immer den Typus wieder vorzeigen könnte. Wir wollten mit Obigem bloß sagen, daß die Garantien, welche die Sicherheitspapiere darbieten, keinen so großen Werth haben, wie die Anwendung unauslöschlicher Tinten.

Antwort auf die zweite Anfrage des Hrn. Justizministers.

Wenn durch ein Gesez die ausschließliche Anwendung von unauslöschlicher Tinte für Schriften auf gestempeltem Papier angeordnet würde, so wäre der Fiscus gegen alle Versuche, altes gestempeltes Papier auszubleichen, um es als neues wieder zu verkaufen, sicher gestellt. In Ermangelung eines solchen Gesezes schlägt die Commission der Regierung folgende Verfahrungsarten vor, welche nicht kostspielig sind und wodurch derselbe Zwek erreicht wird.

Man druke auf gewöhnliches Papier, nicht mit Kupferplatten, sondern mit Cylindern, wie man sie gegenwärtig in einigen Tapetenfabriken anwendet, welche auf dem Drehrade guillochirt sind, Zeichnungen mit feinen, wellenförmigen und symmetrischen Strichen. Als Farbe wende man gewöhnliche, gehörig verdikte Tinte oder den schwarzen |130| Niederschlag an, welcher sich in den Farbkesseln der Hutmacher bildet. Die Zeichnungen sollten vier Centimeter breit seyn und sich in der Mitte des gestempelten Papiers in der Richtung seiner Länge befinden.

Bei Acten, welche auf gewöhnliches Papier geschrieben sind, und die man stempeln lassen will, kann man sich statt des Cylinders einer Rollwalze bedienen.

Da jene Zeichnungen eben so dauerhaft sind als die gewöhnliche Tinte, so wird man sie eben so lang sehen als die Schrift, welche mit gewöhnlicher Tinte darauf geschrieben ist. Uebrigens glauben wir nicht, daß der Gewinn, den das betrügerische Bleichen alter gestempelter Papiere abwirft, jemals so groß seyn kann, daß der Fälscher die Kosten, welche die vollständige Wiederherstellung dieser Papiere bei obigen Vorsichtsmaßregeln nach sich ziehen würde, bestreiten könnte und sich außerdem den Gefahren aussezen dürfte, womit eine Operation dieser Art verbunden ist.

Schluß.

Nach den vorhergehenden Bemerkungen hat die Commission sich über folgende Erklärung vereinigt:

In Betreff der ersten Frage, nämlich der Mittel, wodurch sich die Verfälschung der Schriften verhindern läßt, glaubt die Commission, daß man diesen Zwek unzweifelhaft erreichen wird, wenn man sich der unauslöschlichen Tinten bedient, die mit der chinesischen Tusche bereitet werden, indem man sie entweder in schwacher Salzsäure oder in essigsaurem Mangan mit überschüssiger Säure aufweicht und übrigens auf die im Bericht angegebene Weise verfährt.

Da man sich jedoch noch in sehr vielen Fällen der gewöhnlichen Tinte bedienen wird und die Sicherheitspapiere alsdann, obgleich sie keine so große Garantie darbieten wie die unauslöschlichen Tinten, doch die Verfälschungen seltener und schwieriger machen können, so glaubt die Commission die Anwendung dieser Papiere nebenbei als ein Hülfsmittel empfehlen zu dürfen. Sie bemerkt noch, daß man durch das gestempelte Papier, wovon S. 129 die Rede war, denselben Zwek erreichen kann.

Was die zweite Frage betrifft, nämlich die Mittel, wodurch sich das betrügerische Bleichen alter gestempelter Papiere verhindern läßt, so glaubt die Commission, daß die Regierung diesen Zwek auf folgende Weise erreichen wird:

1) Wenn sie auf alle Papiere, die gestempelt werden sollen, eine Vignette, welche auf dem Drehrade guillochirt ist, abdruken läßt, zur Rechten der Stempel, in der Mitte und nach der ganzen Länge jedes Blattes.

2) Wenn sie hiehei eine Farbe anwendet, deren Basis der schwarze |131| Niederschlag ist, welcher sich in den Farbkesseln der Hutmacher bildet, oder auch gewöhnliche Tinte, die nach Art der Farben in den Kattundrukereien gehörig verdikt ist.

3) Wenn sie die gestempelten Papiere mit einem legalen Datum versieht, der entweder in den Papierzeug eingedrukt oder auf die Vignette oder die Stempel gravirt werden könnte.

Unterzeichnet: G. S. Sérullas, Graf Chaptal, Gay-Lussac, Dulong, E. Chevreul, d'Arcet als Berichterstatter.

|118|

Nach dem Pater Montfaucon hat man erst gegen das Ende des neunten oder am Anfange des zehnten Jahrhunderts Papier aus Baumwolle verfertigt und aus alter Leinewand nicht früher als am Anfange des vierzehnten Jahrhunderts.

A. d. O.

|123|

Annales de Chimie Bd. 75. S. 194.

|125|

100 Theile dieser Säure müssen 5 Theile weißen Marmor sättigen.

A. d. O.

|125|

Wenn man auf dünnes oder sehr schwach geleimtes Papier schreibt, so muß man noch schwächere Salzsäure zum Aufweichen der chinesischen Tusche anwenden, weil sonst die Tinte so sehr in das Papier eindränge, daß man bis Schrift auf der entgegengesezten Seite sehen würde und folglich auf derselben nicht schreiben könnte. Wir empfehlen in diesem Falle Salzsäure von 1 Grad oder 1007 spec. Gew. zu gebrauchen. 100 Theile dieser Säure müssen höchstens 2 Theile weißen Marmor auflösen können.

A. d. O.

|126|

Bewahrt man diese Tinte in einer Flasche auf, so sezt sie bald einen Theil ihres Farbestoffes ab. Wollte man sich davon für eine Woche Vorrath bereiten oder die am Ende eines Tages übrig gebliebene für den folgenden Tag aufbewahren, so müßte man sie vor der Anwendung jedes Mal gut umschütteln.

A. d. O.

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