Titel: Ueber die Anlegung von Obstgärten.
Autor: Towers, John
Fundstelle: 1832, Band 44, Nr. XLVIII. (S. 223–227)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj044/ar044048

XLVIII. Ueber die Anlegung von Obstgärten. Vom Verfasser des Domestic Gardener's Manual.

Aus dem Repertory of Patent-Inventions, Supplement, Januar 1832, S. 415.

Ein Correspondent des Repertory, J. S. B. bezeichnet, hat vor Kurzem51) einige sehr richtige praktische Beobachtungen über das Beschneiden der Obstbäume mitgetheilt. Ich will mich hier nicht auf das Gebiet dieses, wie mir scheint, sehr tüchtigen Pomologen einlassen, sondern glaube dem Publicum, nachdem es über die Erneuerung alter oder schadhafter Bäume unterrichtet worden, einen Gefallen zu erweisen, wenn ich ihm in Kürze die Grundsäze vorlege, nach welchen bei der Anlage neuer Obstgärten verfahren werden soll, wenn man sowohl für den Hausgebrauch, als für die Tafeln und für die Cider-Fabrikation Früchte von der ersten Sorte hervorbringen will.

Die erste und vorzüglichste Berüksichtigung verdient der Boden; denn wird diese vernachlässigt, oder nicht mit gehöriger Sorgfalt vorgenommen, so kann man nie bleibende gute Resultate gewärtigen.

Die Qualität des Bodens ist eine Untersuchung von größter Wichtigkeit, da jede Art von Bäumen ihr bestimmtes Erdreich hat, in welchem sie am besten und üppigsten gedeiht. Da jedoch die Aepfel- und Birn-Bäume die vorzüglichsten Bestandtheile unserer Obstgärten bilden, so will ich meine Bemerkungen lediglich auf diese beschränken, und nur ganz kurz bemerken, daß wenn man Kirschen- und Pflaumen-Bäume pflanzen will, für diese der Boden etwas leichter und weniger lettig seyn muß, als für Aepfel- und Birn-Bäume. Hat man daher im Sinne, Kirschen- und Pflaumen-Bäume zum Hauptgegenstande des Obstgartens zu machen, so wird es weit besser seyn, gleich einen mehr sandigen Theil des Bodens hiezu zu bestimmen.

Der für das Kernobst (Aepfel und Birnen) vortheilhafteste und tauglichste Boden ist ein starker, zwei bis drei Fuß tiefer, und auf |224| einer Kalkunterlage ruhender Lehmboden. Der Kalk ist das beste natürliche Mittel zum Ableiten des Wassers; auf ihm kann kein Wasser stehen bleiben; wo er ist, wird man daher nichts von den Gefahren zu befürchten haben, welche sumpfige Unterlagen beinahe immer mit sich bringen. Nichts desto weniger behält der Kalk, in Folge der Verwandtschaft seiner Theilchen mit dem Wasser, beständig einen gewissen Grad von Feuchtigkeit, die er dem über ihm gelegenen Boden in dem Maße der Aufsaugungs-Thätigkeit der Würzelchen der Bäume abgibt. Von diesen Eigenschaften des Kalkes kommt es auch her, daß die Pflanzen und Bäume, die auf einem Boden mit kalkiger Unterlage wachsen, selbst in trokenen Jahreszeiten jenes schöne Grün behalten, welches man selten in diesem Grade trifft, wenn die Unterlage aus undurchdringlichem Thone oder porösen, fressenden Kiese besteht, wenn auch der oben aufliegende Boden von Natur aus, oder in Folge der Kunst noch so gut ist.

Es gibt aber verschiedene Arten von Lehmboden: für den Apfel- und Birn-Baum ist der beste und geeignetste der sogenannte reiche Lehmboden. Dieser Boden enthält wenigstens zum vierten Theile thonige oder thonerdige Substanzen, meistens in Verbindung mit mehr oder weniger Kalk und einigen okerigen oder eisenschüssigen Theilchen, eine bedeutende Menge Quarzsandes und zersezte vegetabilische Substanzen. Ein Boden dieser Art ist, wenn er zwei Fuß Tiefe hat, nicht gering zu schäzen. Er wird fest, und in Bezug auf seine allgemeine Textur in gutem Zustande seyn; bei einem mittleren Grade von Feuchtigkeit sich aber leicht zerbrechen und pülvern lassen. Ein gewisser Grad von Weichheit oder Geschmeidigkeit ist eine sehr wesentliche Eigenschaft; denn wenn die thonigen Bestandtheile so häufig sind, daß der Boden, wenn er naß wird, ganz zäh und klebrig ist, so wird er beim Troknen große Schollen bilden und sehr hart werden. In einen solchen Boden nun wird man kaum Obstbäume mit Vortheil pflanzen können, indem der Boden nicht so frei gemacht werden kann, daß er mit den zarteren und feineren Würzelchen in innige Berührung kommt. Im Allgemeinen ist das feine, braune oder schwärzliche Erdreich, welches man unter den Rasen der Wiesen so häufig findet, für die Anlage von Obstgärten äußerst günstig; es ist nämlich gewöhnlich sanft, fest, leicht zu behandeln, von Natur aus mit vegetabilischen Stoffen gedüngt, und daher reich und nicht durch künstliche Mittel reizend.

Nach der Berüksichtigung des Bodens kommt zunächst die Zubereitung des Stük Landes, welches zum Obstgarten bestimmt ist, in Betracht. War dasselbe nämlich mit Gebüsch überwachsen, oder befinden sich viele Wurzeln von Bäumen in ihm, so muß es gehörig |225| ausgerodet und gereinigt werden. Diese Arbeit kann vielleicht zugleich während des Aufgrabens des Bodens geschehen. Dieses Aufgraben oder Umgraben ist durchaus unerläßlich und unbedingt nothwendig, wenn man eine bleibende Fruchtbarkeit des Landes bewirken will; es kann auf zweierlei Weise geschehen. Die erste und einfachste Methode ist die, nach welcher die Oberfläche des Bodens ganz umgestürzt wird; diese kann überall befolgt werden, wo der Boden 20 Zoll oder 2 Fuß tief von gleicher Güte und Beschaffenheit ist. Sezen wir z.B., daß man einen halben Aker Landes hat, dessen Boden unter dem Rasen gesund, reich und von gehöriger Tiefe ist, so könnte das Aufgraben auf folgende Weise geschehen. Man messe das Land in Streifen von 5 Yards Breite aus, und bezeichne dann die Gräben oder Beete (trenches), welche quer durch diese Streifen gezogen werden, und 2 Fuß breit seyn müssen. Nachdem man dann diese Beete mit a, b, c, d etc. bezeichnet, nehme man zuerst den Rasen von a ab, und führe ihn außer der Gränze des Streifens in einen Haufen zusammen. Dann grabe man alle Erde dieses Beetes a 2 Fuß tief aus, und führe dieselbe gleichfalls zurük. Wenn dieß geschehen, so grabe und hake man die Erde am Grunde des Beetes auf, und lege dann auf diesen Grund den Rasen des Beetes b so, daß das Gras nach Abwärts gekehrt ist. Auf dieses Rasenlager streue man etwas Kochsalz in einem solchen Verhältnisse, daß wenigstens ein Pfund auf das Beet kommt. Dadurch wird nämlich 2 Fuß unter der Oberfläche ein Herd von vegetabilischem Dünger gelegt. Nun grabe man die Erde des Beetes b 2 Fuß tief aus, und fülle damit das Beet a, so daß a wieder gefüllt, b hingegen leer wird; behandle den Grund von b wie jenen von a, und fahre so durch alle Beete fort. Das lezte derselben wird mit dem von a ausgegrabenen Rasen und Erdreiche gefüllt. Sehr häufig und gewöhnlich ist jedoch die Erde 10 bis 12 Zoll unter dem Rasen schlechter, als unmittelbar unter demselben: in diesem Falle muß nun das Ausgraben auf eine andere Art geschehen, damit die reiche gute Erde oben bleibe. Diese Methode rührt, wie ich glaube, von Cobbett her, dem ich zwar im Allgemeinen beistimme, an dessen Vorschriften ich mich jedoch nicht gar zu streng halte.

Bei jenem Auf- oder Umgraben, bei welchem der obere Theil des Bodens auch oben erhalten werden soll, behalte ich nun das Belegen des Grundes eines jeden Beetes mit Rasen, das Salzen desselben, so wie das Messen der Streifen und das Bezeichnen der Beete, so wie ich es oben beschrieben habe, bei, verfahre hiebei aber doch etwas verschieden. Statt daß ich nämlich a aus b mit Rasen belege und ausfülle, führe ich den Rasen und die obere Erdschichte |226| von b hinter den Streifen; die obere Erde beider Beete muß gleichfalls in Haufen an einer Seite, aber doch getrennt von der aus der mittleren und unteren Schichte von a genommenen Erde, gebracht werden.

Sind diese Vorbereitungen getroffen, so wird a ganz und b zum Theil leer seyn, d.h. es werden 8 Zoll von den 24 Zollen seiner Tiefe oder eine Schaufeltiefe von dessen Boden herausgenommen seyn; und hinter dem Streifen werden sich zwei Haufen Rasen, zwei Haufen guten oberen Bodens, und ein Haufen von der unteren Erde des Beetes a befinden. Hienach wird das weitere Verfahren sehr leicht verständlich seyn.

Man grabe nun den Grund des Beetes a auf, lege den Rasen von c umgekehrt auf denselben, seze Salz zu, grabe alle noch in b befindliche Erde bis zur Tiefe von 24 Zoll aus, führe sie auf a, und dünge sie daselbst wenigstens 2 Zoll hoch mit gutem Dünger. Dieser Dünger soll, wo möglich, frisch und ungegohren seyn, und gänzlich eingegraben werden, so daß er gleichsam nur einen Körper mit der Erde ausmacht. Bei diesem Verfahren wird der frische Dünger allmählich zersezt werden, und da er vorher noch keinen seiner chemischen Bestandtheile abgegeben hat, in einer bedeutenden Tiefe unter der Oberfläche des Bodens eine bleibende Quelle vegetabilischer Nahrung seyn.

Wenn das Beet a so gedüngt worden, so grabe man den Grund von b auf, belege ihn mit dem Rasen von d, und fülle a aus, indem man die obere Erde von c über das offene Beet b auf den gedüngten Boden von a führt. Nun wird die mittlere und untere Erde von c auf b gebracht und gedüngt, wie dieß mit der Erde b in a geschah. Auf dieselbe Weise wird dann ein Beet nach dem anderen gefüllt, bis zulezt die beiden Endbeete den Rasen und die Erde von a und b in der gehörigen Ordnung erhalten.

Jede beliebige Größe eines Grundstükes kann nach dieser Methode behandelt werden, und obschon dieses Verfahren langwierig und schwierig scheinen mag, so wird sich doch bei einiger Uebung zeigen, daß es nicht ganz und gar so ist. Ich spreche hier aus Erfahrung, denn ich habe nicht bloß ähnliche Operationen geleitet, sondern mich mit meinen jungen Gehülfen denselben zum Theil selbst unterzogen. Ich ließ am Ende des Jahres 1830 und am Anfange des Jahres 1831 einen kleinen Flek Landes von beiläufig 1/4 Aker, der seit Jahren jährlich kaum für 10 Schillinge (6 fl.) an schlechtem Grase eintrug, nach der zweiten, von mir angegebenen Methode bearbeiten, und schon wachsen 50 schöne junge Apfelbäume auf demselben, und |227| schon erntete ich 25 Säke vortrefflicher Kartoffeln, schwedische Rüben und andere Gemüse von demselben!

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Vergl. Polyt. Journal Bd. XLII. S. 424.

A. d. R.

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