Titel: Jacob, über den Gold- und Silberverbrauch in Großbritannien.
Autor: Jacob, Wilh.
Fundstelle: 1832, Band 44, Nr. LXXXVIII. (S. 359–373)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj044/ar044088

LXXXVIII. Ueber die Menge Gold und Silber, welche vom Jahre 1810 bis zum Jahre 1829 in Großbritannien verbraucht worden; besonders aber über die Benuzung derselben zu anderen Zweken als zur Münze. Von Wilh. Jacob Esq. F. R. S.

Aus dem Edinburgh New Philosophical Journal. Januar – April 1832, S. 246.

Die größte Menge Goldes und Silbers, welche jährlich zu anderen Zweken als zum Prägen von Münzen verwendet wird, wird in London verbraucht; auch in Birmingham wird jedoch jährlich eine bedeutende Menge dieser beiden Metalle zu sehr verschiedenen Artikeln verarbeitet. In Sheffield braucht man jährlich eine große Menge Silber zum Platiren; in Liverpool und Chester werden ziemlich viele Uhren und mehrere andere Goldarbeiten verfertigt, und an lezterem Orte werden jene Artikel, die einer Abgabe unterworfen sind, probirt. Zu Derby bestehen mehrere Fabriken von Goldarbeiter- und Juwelier-Arbeiten, deren Erzeugnisse der Feinheit des Metalles nach meistens vor den Birminghamer Waaren den Vorzug verdienen, obwohl sie vielleicht den besten Londoner Juwelier-Arbeiten noch etwas nachstehen. Zu New-Castle, York und Exeter befinden sich gleichfalls Fabriken dieser Art. In Schottland und Irland stehen die Waaren, welche hieher gehören, und welche einer Abgabe unterworfen sind, zu jenen, die abgabenfrei sind, wahrscheinlich in demselben Verhältnisse, welches in den Fabrikstädten Englands Statt findet.

Es gibt beinahe keine Stadt in England, in der sich nicht einige Gold- und Silber-Arbeiter befinden, die eine größere oder geringere Menge dieser beiden Metalle verbrauchen. Diese Arbeiter verfertigen gewöhnlich einfache goldene Ringe und goldene Ketten aus Draht von angemessener Stärke. Obschon nun die Quantität, die jedes einzelne Individuum fabricirt, nicht bedeutend ist, so muß sich diese Quantität, die nicht bekannt ist, im ganzen Lande doch bedeutend hoch belaufen.

Es würde bei aller Mühe unmöglich gewesen seyn, aus allen den einzelnen Orten genaue Berichte und Angaben zu erhalten; ich beschränkte mich daher auf einige derselben, und wählte hiezu London, Birmingham und Sheffield. Ich erhielt bei den Untersuchungen, die ich an diesen drei Orten bei den verschiedenen Classen von Arbeitern, die bei ihren Arbeiten mit Gold und Silber zu thun haben anstellte |360| im Allgemeinen so viele Beweise ihrer Bereitwilligkeit zu Mittheilungen, ich bemerkte großen Theils so viele Genauigkeit in ihren Angaben, und ein so großes Streben zur Erläuterung des fraglichen Gegenstandes beizutragen, daß ich mich der Zeiten, die mich mit diesen Leuten in Berührung brachten, mit großem Vergnügen erinnere.

In jedem dieser Industriezweige findet man einige Personen, welche bereitwillig genaue Angaben über ihren eigenen Verbrauch an Gold und Silber, und ihre Meinung über den Verbrauch dieser oder jener ihrer Collegen mittheilen. Vergleicht man nun diese verschiedenen Angaben mit einander, so erhält man dadurch einen Anhaltspunkt, nach welchem sich die Berechnungen mit einiger Wahrscheinlichkeit anstellen lassen.

In sehr vielen Fällen verbinden die Gold- und Silber-Feinmacher (refiners) mit ihrem Geschäfte auch noch ein anderes, jenes der Kehrichtwäscher (sweep washers). Diese kaufen die Abfalle und den Kehricht der Werkstätten, in denen die verschiedenen Gold- und Silber-Arbeiten vorgenommen werden. Dieser Kehricht wird zuerst durch einen Stampfapparat in feinen Staub verwandelt, und dann mit Queksilber amalgamirt, worauf das Queksilber durch Destillation wieder gewonnen wird, während die edlen Metalle zurükbleiben.

Ich suchte nun bei meinen Forschungen zuerst die Menge Gold und Silber auszumitteln, die jährlich von den Feinmachern und Kehrichtwäschern producirt wird, indem diese Quantität, wie groß sie auch seyn mag, ganz zu Fabrikaten verwendet wird, und mithin ein Mittel zur Berechnung des Ueberrestes an die Hand gibt. Es gibt verschiedene Arbeiten, zu welchen bloß Feingold genommen wird. So verwenden die Goldschläger, die Vergolder auf nassem Wege, die Goldspizenmacher, die Porzellanvergolder, die Knopf- und Geschmeide-Vergolder nur feines Gold oder Gold, welches nur so wenige fremdartige Theile enthält, daß die Eigenschaft anzukleben dadurch nicht im Geringsten beeinträchtigt wird. Auch die Juweliere wenden großen Theils feines Gold an.

Da die Berichte über die Menge Gold, welche die Feinmacher und Kehrichtwäscher jährlich den verschiedenen Fabrikanten liefern, nicht mit einander übereinstimmen, ja sogar manch Mal im Verhältnisse von 1 zu 4 und von 1 zu 5 von einander abweichen, und da viele der weiteren Berechnungen in gewissem Maße von dem Grade der Genauigkeit dieser Daten abhängen, so war es nothwendig zuerst hier auf einen sicheren Grund zu kommen.

Das Geschäft eines Feinmachers erfordert ein großes Capital. Wegen des großen Werthes der kleinsten Theilchen ihrer Waare ist überdieß bei allen Details ihrer Arbeiten die größte Aufmerksamkeit |361| nothwendig. Ihre oft sehr delicaten Operationen können nicht ohne bedeutende chemische Kenntnisse ausgeführt werden. Leute nun, die diese Vorbedingungen besizen, sind meistens offen und genau in ihren Mittheilungen gegen Leute, von denen sie keine Eifersucht zu fürchten, und keinen ungeeigneten oder hinterlistigen Gebrauch ihrer Angaben zu besorgen haben. Unter 23–24 Häusern in und um London gaben 11 auf die an sie gestellte Frage wirklich die Menge Gold an, die sie im Durchschnitte in den lezten Jahren sein gemacht hatten, und zwar mit der Bewilligung mit Hinweglassung des Namens jeden beliebigen Gebrauch davon zu machen. Eine geringe Anzahl dieser Häuser nun macht jährlich mehr als 13,000 Unzen sein; die meisten der übrigen hingegen nur 6000 bis 8000: das Product aller 11 Häuser beträgt beiläufig 108,500 Unzen. Außerdem gibt es noch 12–13 andere Häuser, von denen 3 wohl je 4500 Unzen, 4 je 3500 und die übrigen je 2500 Unzen feinmachen mögen. Hienach ergibt sich folgende Berechnung des Ganzen:

Product an reinem Golde, von 11 Häusern 108,500 Unzen
von 3 – 13,500 –
von 4 – 14,000 –
von 4 – 10,000 –
–––––––––
Summa 146,000.

Ich gehe nun zu der Betrachtung über, unter welche Fabriken diese 146,000 Unzen vorzüglich vertheilt werden. Auch in dieser Hinsicht wurden in den verschiedenen Fabrikstädten Nachforschungen gepflogen, die ein ziemlich genügendes Resultat gaben.

Die Zunft der Vergolder in ihren verschiedenen Zweigen verbraucht jährlich eine bedeutende Menge des feinsten Goldes, oder eines Goldes, welches nur 1 Procent Legirung enthält, indem sich in der Unze Goldes nicht mehr als 2–3 Grane Legirung befinden.

Die Goldschlägerkunst wird hauptsächlich in London betrieben; in einer weit geringeren Ausdehnung auch in Birmingham, Dublin, Glasgow, Edinburgh, Liverpool und einigen anderen Orten; in London befinden sich nämlich 80 Goldschlager, während die übrigen Orte deren nur 12–14 zählen. Einer der größten Blattgold-Fabrikanten gab an, daß er wöchentlich 20 Unzen dieses Metalles verarbeite; ein anderer, der als ein Fabrikant mittleren Ranges gilt, zeigte aus seinen Rechnungen, daß er wöchentlich 16 1/4 Unze verbrauche. Mehrere andere verarbeiten aber wöchentlich nur 3–4 Unzen, und einige, denen bloß die Hände ihrer Familie und jene von 1–2 Lehrlingen zu Gebot stehen, noch weniger. Rechnet man nun, daß von den 90 Goldschlagern ein jeder nur 3 Unzen Gold ausschlägt, so ergibt sich, daß die Mehrzahl der Arbeiter, die sich mit diesem Industriezweige |362| beschäftigen, sich nicht mehr verdient, als ein guter Taglöhner: dieß ergibt sich nämlich, wenn man den Taglohn berechnet, und ihn mit der gegebenen Quantität Gold vergleicht.

Das Blattgold kommt, wenn es fertig, zwischen Papier von 3 3/8 Zoll im Gevierte, und 20 solcher Blätter bilden ein Buch. Diese Bücher werden nach dem Tausend der Dike der Blätter gemäß zu verschiedenen Preisen verkauft. Es hat sich gezeigt, daß 8 Pfenniggewichte Gold in 1000 Bücher von der wohlfeilsten, d.h. dünnsten Sorte verwandelt werden konnten. Die Kosten des Goldes hiebei belaufen sich, die Unze zu 87 Schilling (52 fl. 12 kr.) gerechnet, auf 29 Schill. (17 fl. 24 kr.), die Kosten der Arbeit hingegen auf 23 Schill. (13 fl. 48 kr.). Da nun aber 1000 Bücher zu 2 Pfd. 15 Schill. (33 fl.) verkauft werden, so bleibt dem Fabrikanten nur ein Gewinn von 3 Schill. (1 fl. 48 kr.) bei 1000 Büchern. Der Fabrikant zieht aber noch einen anderen, und vielleicht seinen größten, Gewinn aus den Abschnizeln, die sich ergeben, wenn man die Goldblätter zur gehörigen Form und Größe zuschneidet. Das Gold wird beim Goldschlagen durch wiederholte Hammerschlage gehörig dünn geschlagen; allein es gibt auf diese Weise nur große Blätter von unregelmäßiger Gestalt, welche beschnitten werden müssen. Die Abschnizel nun, die sich hiebei ergeben, werden sorgfältig gesammelt, und diese sind es, welche den Gewinn des Fabrikanten vielleicht um 10 Procent erhöhen.

Das hier Gesagte bezieht sich vorzüglich auf die Goldschlägereien zu Birmingham, wo das dünnste Blattgold verfertigt wird, und wo folglich der Arbeitslohn im Verhältnisse zum Werthe des Metalles am meisten beträgt. In London wird nur weniges Blattgold für Mahler fabricirt, wovon 1000 Bücher 3 Pfd. 10 Schill, kosten; der größere Theil des Londoner Fabrikates besteht aus dikerem Blattgolde, von welchem 1000 Bücher 4–4 Pfd. 10 Schill. bis zu 9 Pfd. Sterl. gelten. Hieraus ergibt sich, daß das Verhältniß des Arbeitslohnes zum Golde außerordentlich verschieden seyn muß, und daß er beim dünnsten Blattgolde 2/5, beim dikeren hingegen weniger als 1/10 beträgt.

Diese Untersuchungen mögen vielen Lesern zu kleinlich und langweilig scheinen, sie waren aber zur Bestätigung der Berechnung des Goldverbrauches der Goldschläger durchaus nothwendig. Aus der Zahl der beschäftigen Hände, des bezahlten Arbeitslohnes und dem Gewichte des Goldes, welches wöchentlich in einer gewissen Werkstätte verbraucht wurde, ließ sich, wenn man die Zahl der Arbeiter der übrigen Werkstätten kannte, mit so ziemlicher Wahrscheinlichkeit der ganze Verbrauch dieser Fabriken an Hold berechnen. Ich kam |363| durch diese Untersuchungen und Berechnungen zu dem Schlüsse, daß alle Goldschlager Großbritanniens zusammengenommen jährlich ungefähr 17,500 Unzen feines Gold verarbeiten.

Eine große Menge reines oder feines Gold wird ferner zum Vergolden auf nassem Wege, wozu auch das Vergolden der Knöpfe und Bijouteriewaaren gehört, verwendet. Das Gold wird als Staub oder feines Pulver mit Queksilber amalgamirt, und in Form eines Teiges auf die Metalle gebracht, welche vergoldet werden sollen. Durch das Queksilber bleibt das Gold an diesen Metallen hängen; das Queksilber wird dann in der Hize verdampft, so daß das Gold für sich allein auf der Oberfläche der vergoldeten Gegenstände zurükbleibt. Das Knopfvergolden wird vorzüglich zu Birmingham betrieben; jedoch macht auch London bedeutende Geschäfte in diesem Fabrikationszweige. In ersterem Orte beschäftigen sich über 50 große und viele kleinere Fabriken mit demselben; in lezterem Orte ist die Zahl dieser Fabriken viel geringer, jedoch wird hier bei derselben Quantität Knöpfe eine drei Mal größere Menge Gold aufgelegt, als an ersterem. In Folge des Einflusses der Moden hat sich die Zahl der fabricirten vergoldeten Knöpfe in den lezten 3–4 Jahren etwas vermindert, dessen ungeachtet ist aber die Production noch immer außerordentlich groß. Die Knöpfe für das Militär und die Marine, so wie jene für die fremden Märkte werden größten Theils zu Birmingham verfertigt; London hingegen liefert einen großen Theil der Knöpfe für die höheren Classen, und beinahe ausschließlich die Livreeknöpfe mit Wappen.

Aus den Mittheilungen, die ich von 10 der größten Fabrikanten Birminghams erhielt, ergab sich, daß dieselben bis zu den lezten 3 Jähren wöchentlich 200 Unzen Gold verbrauchten, und daß die verschiedenen kleineren Fabriken zusammengenommen ungefähr wöchentlich 300 Unzen verarbeitet haben mochten. In den lezten drei Jahren hat sich aber die Nachfrage nach Knöpfen bedeutend vermindert, so daß gegenwärtig der Verbrauch an Gold nicht höher als zu 360 Unzen angeschlagen wird. Die Menge Gold, welche in London zu demselben Zweke verwendet wird, läßt sich auf 1/6 des Birminghamer Bedarfes anschlagen, so daß das Gold, welches im Laufe der lezten 20 Jahre zum Vergolden der Knöpfe verwendet wurde, wöchentlich 650 Unzen, oder jährlich 21,800 Unzen betragen haben mag. Eine größere Menge Gold wird zum Vergolden von Bijouteriewaaren verwendet, womit sich in Birmingham mehr als 100 und in London gleichfalls mehrere Fabriken beschäftigen.

Das Vergolden dieser Bijouteriewaaren wird zum Theil von den Fabrikanten dieser Waaren selbst vorgenommen; der größere Theil derselben sendet aber seine Waaren den Vergoldern zu, die sich bloß |364| mit dieser Arbeit beschäftigen. Unter jenen, die ihre Waaren selbst vergolden, fand sich, daß mehrere derselben wöchentlich 6–10, andere aber, und zwar die Mehrzahl, nur 3–4 Unzen Gold verbrauchen. Bei jenen, die das Vergolden für andere betreiben, ist der Verbrauch bei Weitem größer; er betrug in einigen Fällen 20–30, in anderen hingegen 15–20 Unzen wöchentlich.

Es war unmöglich von allen, die sich mit diesem Gewerbe beschäftigen, und deren Zahl in Birmingham allein mehr als 150 beträgt, genaue Aufschlüsse zu erhalten. Es blieb daher nichts übrig, als aus den Angaben der achtungswerthesten und unterrichtetsten Fabrikanten den wahrscheinlichen Gesammtbetrag zu berechnen. Auf diesem Wege, und berüksichtigend, daß besonders zu London eine große Menge Silberwaaren ganz oder bloß von Innen vergoldet wird, habe ich berechnet, daß sich das Gold, welches zu dieser Art von Vergoldung verwendet wird, wöchentlich auf 600, und jährlich auf 31,200 Unzen beläuft.

Zum Goldplatiren, welches bei den Juwelier-Arbeiten ausführlicher erwähnt werden wird, werden nach den Angaben vertrauter Geschäftsmänner wöchentlich beiläufig 50, mithin jährlich 2600 Unzen seines Gold verwendet.

Der Verbrauch des Goldes in den Porzellanfabriken und Töpfereien hat sich in den lezten Jahren bedeutend vermehrt. Jedermann weiß, wie häufig man es heut zu Tage an den Thee-, Kaffee- und Tafel-Servicen angewendet sieht. Wegen der großen Zahl der Fabriken dieser Art, und wegen der Verbreitung derselben über mehrere Gegenden, besonders über Staffordshire, Shropshire und Yorkshire, war es sehr schwer hier eben so genaue Erkundigung einzuziehen, als bei anderen Gewerben. Nach den unvollkommenen Daten, die wir erhielten, und nach der Meinung einiger der größten Porzellanhändler, läßt sich mit einiger Wahrscheinlichkeit schließen, daß der Verbrauch an Gold, der sich bei diesem Industriezweige ergibt, sich wöchentlich auf 100 und jährlich auf 5200 Unzen belaufen mag.

Die Porzellanfabrikanten wenden nur seines Gold an, womit sie von den Feinmachern zu Birmingham und Sheffield, großen Theils aber wahrscheinlich von jenen zu London versehen werden. Man versicherte, daß einige dieser Fabriken wöchentlich 12–14 Unzen verbrauchten; allein es könnte nicht erwiesen werden, daß dieser Verbrauch regelmäßig das ganze Jahr hindurch Statt hätte. Würde man nach dieser Angabe die Berechnung machen, so käme eine bedeutend größere Summe heraus, als ich oben annahm; ich hielt es jedoch für besser bei so großer Unbestimmtheit lieber die Meinung jener anzunehmen, welche am meisten mit diesem Gewerbe vertraut |365| sind, als Berechnungen anzustellen, die sich nur auf unbestimmte Daten gründen.

Ich habe nun nur noch die Menge jenes Goldes zu berechnen, welches zu der Fabrikation aller der Verzierungen verbraucht wird, die zu den Juwelier- und Goldarbeiter-Arbeiten gehören, und die eigentlich die größte Menge des feingemachten Goldes verzehren. Nach den besten Angaben, die ich mir hierüber verschaffen könnte, kam ich zu dem Schlüsse, daß von den 156,000 Unzen Gold, die jährlich fein gemacht werden, 88,000 Unzen auf die oben erwähnten Gewerbe kommen, und daß mithin noch 60,000 Unzen bleiben, welche größten Theils von den Juwelieren und Goldarbeitern verwendet werden.

Ich muß hier bemerken, daß mit Ausnahme des Goldes, welches die Goldschlager verarbeiten, alles Gold, welches von den übrigen, oben angegebenen Gewerben benuzt wird, nicht bloß angewendet, sondern wahrhaftig consumirt wird. Nur 1/5 desselben wird durch das Verbrennen von Rahmen und verschiedenen anderen Substanzen wieder gewonnen.

Ich will nun den Verbrauch an Gold, welcher sich bei den Juwelieren und Goldarbeitern ergibt, etwas beleuchten. Man braucht eben kein genauer Beobachter der Moden zu seyn, man braucht die Cirkel, in denen sich die Einflüsse derselben am fühlbarsten und offensten zeigen, eben nicht regelmäßig zu besuchen, um sich zu überzeugen, wie sehr sich die goldenen Schmukartikel des weiblichen Geschlechtes nach und nach vermehrt haben. Vorzüglich auffallend zeigte sich dieß in den lezten 20 Jahren, und besonders in den lezten 10 Jahren dieser zwanzigjährigen Periode. Nur eine Junta aus Juwelieren, Kleidermachern und Kammerjungfern ist im Stande einen vollkommenen Catalog aller der vielen goldenen und silbernen Verzierungen zu geben, die in neuerer Zeit bei dem Anzüge der Damen aus den höheren Classen eingeführt worden. Verschiedene Arten von Kopfschmuk, große goldene Kämme, Halsbänder und Halsketten und Spangen von bedeutender Größe, goldene Schnallen und Knöpfe zur Befestigung der Kleider, Braceletten und Armbänder, verschiedene Ringe für alle Finger, goldene Hafteln für die Kleider, Augengläser, die in Gold gefaßt sind, und die an langen schweren Ketten hängen, eine goldene Uhr mit einigen Verzierungen, und eine Unzahl von anderer Flitterware; Alles dieß bildet heut zu Tage den kostbaren Puzapparat einer Dame, die fashionable seyn, und Anspruch auf feinen Geschmak und Mode machen will.

Die Verzierungen dieser Art werden zuerst aus reinem Golde, und meistens nur in London allein fabricirt; allein bald werden sie zu Derby, zu Liverpool und besonders zu Birmingham in schlechterem |366| Golde nachgeahmt. An lezterem Orte wird so viel Gold mit so vielen chemischen Kenntnissen mit verschiedenen Metallen legirt, daß man dergleichen Artikel um die Hälfte und selbst um den vierten Theil des Werthes erhält, den sie haben würden, wenn sie aus Probegold bestünden. Aus Metall von diesen verschiedenen Graden von Feinheit werden nun Verzierungen gemacht, die selbst die niedrigere Classe in den Stand sezen, mit der höheren an Glanz und an Mode zu wetteifern, und zwar ohne Gefahr die Nichtigkeit ihres Glanzes entdekt zu sehen, da nur die geringe Zahl von Kennern und Sachverständigen die Güte des Metalles sogleich zu erkennen im Stande ist.

Ein anderer Umstand, in Folge dessen sehr viele Verehrer der Mode derselben auch folgen können, liegt in der Einführung des Goldauflegens oder Platirens nach der Methode, deren man sich schon lange beim Silber bediente. Nach dieser Methode wird nämlich eine dünne Goldplatte auf einer dikeren Platte eines schlechteren Metalles befestigt, und auf einem Strekwerke zu einer beliebigen Größe ausgewalzt, so daß man ein Blatt erhält, welches auf der einen Seite aus einer dünnen Schichte Gold, auf der anderen hingegen aus schlechterem Metalle besteht. Aus Metall dieser Art wird eine sehr große Menge Siegel und anderer Gegenstände dieser Art gearbeitet; sie haben den Vortheil, daß sie 10–12 Jahre getragen werden können, ohne daß sie ihr goldartiges Aussehen verlieren.

Leute, die sich weder Schmukwaaren aus feinem Golde, noch aus legirtem, noch aus platirtem Golde kaufen können, kaufen sich solche, welche bloß auf ihrer Oberfläche mit Goldstaub und Queksilber vergoldet worden. Millionen von Menschen in jedem Theile der Welt erhalten und zerstreuen auf diese Weise eine gewisse Quantität Gold, welche sich, obwohl sie für jedes einzelne Individuum sehr unbedeutend ist, doch auf eine ungeheure Summe beläuft, wenn man den Verbrauch aller einzelnen Individuen zusammenzählt. Wenn auch unter den Männern nicht eine so ungeheure Vermehrung der goldenen und silbernen Verzierungen eingetreten ist, wie unter dem weiblichen Geschlechte, so hat doch auch bei ihnen dieser Luxus bedeutend zugenommen. Die großen massiven Ketten, an welche sie die Augengläser hängen, die vermehrte Zahl und Größe der Siegelringe, die Vorsteknadeln, die kleinen goldenen, oder mit Gold platirten oder vergoldeten Westenknöpfe bewirkten einen sehr großen Verbrauch an diesem Metalle. Wer immer auf dem Continente gereist ist, wird über die Größe der Siegelringe und über die Menge Anhängsel und Ketten erstaunt seyn, die man sowohl bei Weibern als Männern an den Uhren findet. Der Einfluß der Mode dehnt sich aber von Europa selbst auf andere Welttheile aus; nicht bloß nach Amerika und nach |367| unseren ost- und westindischen Colonien, sondern auch nach ganz Asien, Afrika und Australien werden eine Menge Gold- und Silber-Waaren und Geschmeide ausgeführt. Diese Dinge sind oft die sichersten Mittel, um die wilden Völkerstämme zur Anknüpfung von Verbindungen zu bringen, welche gegenseitig zum Nuzen gereichen.

Da ich nur zu London und Birmingham genaue Aufklärung über den Zustand der Gewerbe der Goldarbeiter und Juweliere erhalten könnte, so beschränkt sich das, was ich hier sage, hauptsächlich nur auf diese beiden Städte, obwohl es vielleicht mit Recht auch auf Liverpool, Derby und andere Orte ausgedehnt werden dürfte. In London werden die kostbarsten Artikel von einen und denselben Personen ausgedacht und ganz fertig gemacht; an diesen Artikeln bildet das Gold, mit Ausnahme der Edelsteine, die größte Ausgabe. Das Gold wird aber hiezu selten ganz rein angewendet, obwohl zu den feinsten Theilen, wie z.B. zu den Filigran-Arbeiten, nur eine sehr geringe Menge Legirung kommt. Dieses feine Gold erhalten die Goldarbeiter und Juweliere größten Theils von den Feinmachern, und der Betrag desselben bildet vorzüglich die 58,000 Unzen, welche von dem Producte der Feinmacher nach Abzug der oben angegebenen, und von anderen Gewerben verbrauchten Summen noch übrig blieb. Dieses feine Gold bildet jedoch nur den geringsten Theil des Goldes, welches die Goldarbeiter verbrauchen; denn das Gold, welches die ersten Goldarbeiter Londons verarbeiten, ist meistens 16 Karate sein, oder es besteht nur zu 2/3 seines Gewichtes aus reinem Golde. Da das Gold, welches man kaufen kann, meistens aus leichten Guineen, Souverainsd'or, Dublonen und portugiesischen oder anderen fremden Münzen besteht, so kann man dasselbe als 22 Karate sein oder um 1/12 weniger sein, als das Gold der Feinmacher betrachten. Dieses Probegold gilt 3 Pfd. 17 Schill. 10 1/2 Doll. (46 fl. 43 1/2 kr.) die Unze, und wird um baar Geld verkauft. Das reine Gold der Feinmacher gilt 4 Pfd. 7 Schill. 6 Doll. (52 fl. 30 kr.) die Unze, und wird auf Credit verkauft. Der Unterschied des Preises beträgt mithin bei der Unze 9 Schill. 1 1/2 Doll. (5 fl. 28 1/2 kr.), während der Unterschied des Gehaltes an reinem Golde den zwölften Theil von 4 Pfd. 7 Schill. 6 Doll. oder 7 Schill. 3 1/2 Doll. (4 fl. 22 1/2 kr.) beträgt. Die Kosten des Reinigens und der Gewichtsverlust, der sich dabei ergibt, kann auf 6 Pence (18 kr.) bei der Unze angeschlagen werden. Der Unterschied im Preise zwischen dem Probegolde und dem reinen Golde beträgt mithin bei der Unze um 1 Schill. 10 Doll. (1 fl. 6 kr.) mehr, als der Unterschied im wirklichen Werthe oder Gehalte.

Es liegt hienach im Interesse jener Goldarbeiter, die ein so großes Capital besizen, daß sie ihr Gold mit baarem Gelds kaufen können, |368| ehe Probegold als feines Gold zu kaufen, und nur für die zartesten Arbeiten, die sich aus legirtem Golde nicht erzeugen lassen, feines Gold zu verwenden.

Aus den Unterredungen mit einigen der größten Fabrikanten von Goldarbeiterwaaren, deren Fabrikate hauptsächlich aus sogenannten schweren Artikeln, wie Trauringen, Tabaksdosen, Ketten, Braceletten und dergl., bestehen, geht hervor, daß dieselben kein reines Gold verarbeiten. Zwei Häuser, die wöchentlich über 100 Unzen Gold verbrauchen, versicherten mich noch besonders, daß sie nie sein gemachtes Gold, sondern bloß alte englische leichte Guineen oder fremde Münzen gekauft hätten, und daß sie den Grad der Feinheit dieses Goldes so weit verminderten, als es sich mit den einzelnen Artikeln, zu welchen sie dasselbe verwendeten, vertrug. Ein anderer Fabrikant, der die größte Auflage in der Goldschmiedhalle zahlt, versicherte mich gleichfalls, daß er kein feingemachtes Gold kaufe, und ein anderer, der sowohl feine als schwere Arbeiten liefert, sagte mir, daß er in den lezten 4 Jahren beiläufig 6/10 an feinem Golde und 4/10 an Probegold, welches aus leichten Guineen, Dublonen und dergl. bestand, verbrauchte.

Achtzehn der größten Fabriken Londons gaben so genau, als es bei dergleichen Dingen möglich ist, an, daß sie wöchentlich an 1000 Unzen Probegold, an feinem Golde hingegen nur 300 Unzen verarbeiteten. Diese Angabe ist übrigens sehr unvollkommen, indem die ersteren Fabriken dieser Art sammt den Fabriken mittleren Ranges eine drei Mal so große Zahl ausmachen, als diese 18, und indem sich die Zahl der kleineren Arbeiter, die in dunklen Kammern und Wohnungen ihr Gewerbe treiben, und die vielleicht monatlich nicht mehr als 2–3 Unzen Gold verbrauchen, auf mehrere Hunderte beläuft. Unter diesen lezteren Arbeitern nun, für welche ein kurzer Credit von großer Wichtigkeit ist, beziehen viele ihren geringen Bedarf an Gold von den Feinmachern, während jene, die etwas Geld bei der Hand haben, lieber leichte Guineen, Napoleonsd'or, Moidors und dergl. kaufen, je nachdem es sich mit ihren Finanzen verträgt.

Man muß sich bei Berechnungen dieser Art immer sorgfältig vor Uebertreibungen hüten, und aus diesem Grunde habe ich bei denselben immer mehr auf die Thatsachen, von denen ich mich selbst zu überzeugen Gelegenheit hätte, als auf die Angaben einzelner Individuen verlassen. Ich kam nach allen diesen Forschungen zu dem Resultate und Schlusse, daß von den Goldarbeitern und Juwelieren Englands zu London, Birmingham und anderen Orten vier Mal mehr Probegold als reines Gold verarbeitet wird.

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Nach allen diesen Angaben glaube ich über den Verbrauch an Gold in Großbritannien zu folgendem Resultate gelangt zu seyn:

Feines Gold, welches von den verschiedenen
Goldarbeitern und Platirern
verarbeitet wird
80,000 Unzen.
Von den Goldarbeitern jeder Art 58,000
––––––––
146,000 Unzen, die Unze zu 4 Pfd.
7 Schill. 6 D., macht

638,750 Pfd. Sterl.
Probegold, welches die Goldarbeiter verarbeiten 232,000 Unzen, die Unze zu 3 Pfd.
17 Sch. 10 1/2 D., gibt

902,270 –
Goldene Uhren, wovon zu London jährlich 13,820, in
Birmingham 600, an den übrigen Orten beiläufig 300,
in Summa 14,720 Stüke verfertigt werden, und welche,
das Stük im Durchschnitte zu 2 Unzen gerechnet, 29,440
Unzen Gold von 18 Karat geben; dieß macht, die Unze zu
3 Pfd. 5 Schill.





95,680 –
–––––––––––
Summe 1,636,700 –

Dieser Betrag bleibt, so groß er auch zu seyn scheint, weit hinter den Meinungen einiger anderer, mit den verschiedenen Gewerben, welche Gold verarbeiten, sehr vertrauter Autoren zurük. Unter diesen lezteren verdient vorzüglich einer wegen der großen Menge Gold, die er selbst verwendet, wegen seiner gewöhnlichen Genauigkeit und seiner allgemeinen Kenntnisse alle Aufmerksamkeit. Diesem Manne wurden mehrere Fragen über einige Zweige der Goldarbeiter-Fabrikate vorgelegt, und zwar unter anderen auch die folgende: „Wie groß ist die Quantität Gold, die die Goldarbeiter und Juweliere in so geringen Mengen verwenden, daß dieselben keinen Stämpelauflagen unterliegen?“ Seine Antwort auf diese Frage lautete, wie folgt:

„Diese Quantität beläuft sich, was am ersten Blike unglaublich zu seyn scheint, gewiß auf nicht weniger als 450,000 bis 480,000 Unzen Probegold, oder in Pfd. Sterl. auf 1,900,000 Pfd. Sterl., wahrscheinlich aber eher auf mehr, als auf weniger als 2,000,000 Pfd. Sterl. Ich brauche hier nicht anzugeben, auf welche Weise ich zu diesen Resultaten gelangte; ich bemerke nur, daß ich mehrere Wege versuchte, und daß durchaus kein Grund vorhanden ist, aus welchem sich auf eine Unrichtigkeit des Resultates schließen ließe. – Es gibt eine unzählige Menge Artikel, die wegen ihrer zarten Textur weder probirt noch gestämpelt werden können, und eben so viele andere, die aus einem so schlechten Golde verfertigt worden, daß sie kaum den Namen Gold verdienen. Und doch ist die Menge dieser Artikel so groß, daß dadurch ein großer Verbrauch an Gold entsteht. Jedermann, der das Geschmeide betrachtet, welches er oder seine Familie an sich trägt, wird sich überzeugen, welch ungeheures Mißverhältniß |370| zwischen dem gestämpelten und ungestämpelten Golde besteht. Die Menge desselben ist in dem ersten Theile meiner Antwort gewiß nicht zu hoch geschäzt.“

Hieraus ergibt sich, daß das Resultat, zu welchem ich gelangte, beiläufig um 100,000 Unzen weniger beträgt, als die Schäzung dieses einsichtsvollen Fabrikanten.

Ich komme nun zu dem Verbrauche an Silber, der jährlich in den verschiedenen Fabriken Großbritanniens Statt findet. Bei den Goldarbeiter-Waaren ist wegen des großen Werthes des Metalles und der großen darauf gelegten Abgabe nur eine sehr geringe Menge dieser Waaren der Abgabe unterworfen; allein bei dem Silber ist es wahrscheinlich, daß jene Quantität, welche den Stämpel bezahlt, beinahe jener gleich kommt, welche demselben nicht unterworfen ist. In vielen Artikeln, die für Gold gelten sollen, ist nämlich oft eine so große Menge niederer Metalle enthalten, daß sie gesezlich nicht als Gold betrachtet werden können, und daß man folglich auch nicht den Stämpel, der 17 Schill. auf die Unze beträgt, davon fordern kann; beim Silber hingegen beträgt die Abgabe bloß 1 Sch. 6 D. (54 kr.) von der Unze; und da Jedermann, der etwas aus Silber kauft, erwartet, daß dasselbe probehaltig ist, so wird auch beinahe jedes Stük, welches über 5 Pfenniggewichte wiegt, auf das Stämpelamt getragen, und die Abgabe dafür entrichtet. Außer goldenen Trauringen und Tabaksdosen zahlen nur wenige goldene Artikel eine Taxe, während hingegen silberne Löffel und Gabeln und andere über 5 Pfenniggewichte schwere silberne Geräthe beinahe durchaus der Taxe unterworfen werden.

Ich bringe den Verbrauch an Silber in England unter vier Abschnitte. Zu dem ersten Abschnitte zähle ich jene Gegenstände, über welche die amtlichen Urkunden einen Aufschluß geben, welcher auf alle Genauigkeit Anspruch machen darf. Aus diesen Berichten erhellt, daß der Verbrauch vom Jahre 1810 bis 1829 in London und Schottland 23,055,082 Unzen, in den übrigen Theilen von England 911,750 Unzen und in Irland 1,539,517 Unzen betrug, so daß sich der Gesammtverbrauch innerhalb dieser 20 Jahre auf 25,506,339 Unzen, oder jährlich im Durchschnitte auf 1,275,316 Unzen belief. Der zweite Abschnitt enthält das Silber, welches zu Uhren verwendet wird; die silbernen Gehäuse derselben werden nämlich zur Bestimmung der Feinheit des Metalles auf dem Probiramte gestämpelt, obschon sie keine Auflage zu bezahlen haben. Aus den amtlichen Urkunden hierüber ergibt sich, daß innerhalb derselben 20 Jahre zu London 2,015,461, mithin jährlich 100,773 gestämpelt wurden. Dieß gibt, das Gehäuse zu 2 1/4 Unzen gerechnet, einen jährlichen Verbrauch an Silber von 226,740 Unzen. Die Zahl, welche zu Birmingham gestämpelt, aber hauptsächlich zu |371| Coventry verfertigt wurde, belief sich auf 60,000, welche, ein Gehäuse zu 2 Unzen gerechnet, 120,000 Unzen auswogen. Die Zahl, welche zu Edinburgh, Glasgow, York, Dublin, Newcastle, Exeter, Sheffield und Liverpool verfertigt wurde, kann zusammengenommen auf 80,000, jedes zu 2 Unzen, mithin auf 160,000 Unzen, angeschlagen werden. Hieraus ergibt sich, daß in ganz Großbritannien jährlich aus 506,740 Unzen Silber Uhrgehäuse verfertigt werden.

Ein dritter Industriezweig, welcher jährlich eine große Menge Silber verbraucht, ist die Fabrikation platirter Waaren, die vorzüglich zu Birmingham und Sheffield, und auch zu London betrieben wird. Das Auswalzen des Silbers in Berührung mit anderen niedrigen Metallen geschieht auf großen Strekwerken, deren sich an den drei oben erwähnten Orten bedeutende befinden; die größte Menge dieses Artikels wird jedoch zu Birmingham erzeugt. Die schlechteste Sorte solchen platirten Metalles, welche zu Birmingham fabricirt wird, enthält auf jedes Pfund des niedrigeren platirten Metalles nicht mehr als zwischen 3 und 4 Pfenniggewichten Silber. Von dieser schlechten Sorte wird eine bedeutende Menge von Birmingham nach Sheffield gesendet, daselbst verarbeitet, und dann als Sheffielder Arbeit verkauft. Die besseren Sheffielder Fabrikanten beklagen sich aber sehr über dieses Verfahren, welches dem guten Rufe ihrer Waare bedeutend schaden muß. Das Sheffielder platirte Metall enthält nämlich auf ein Pfund Kupfer oder eines anderen Metalles mehr als 4 Pfenniggewichte Silber, und Vieles ist sogar auf beiden Seiten platirt. Ueberdieß besteht der kleine Rand, der um die Kanten der platirten Artikel läuft, aus Silber allein, und dieß macht, obschon es keiner Auflage unterworfen ist, im Ganzen doch eine bedeutende Menge Silber aus. Die platirten Waaren, welche zu London verfertigt werden, haben meistens eine größere Menge Silber aufgelegt; eine große Menge von dem Londoner Fabrikate wird daher zur Verzierung von. Kutschen und Pferdegeschirren verwendet, indem es wegen seiner stärkeren Platirung durch das hier oft nöthige Puzen nicht so schnell abgenüzt wird, als das Birminghamer platirte Metall. So viel ich von den Platirern, den Eigenthümern der Strekwerke und den Fabrikanten platirter Waaren erfahren könnte, schäze ich das Silber, welches zu Birmingham, Sheffield, Walsale und der Nachbarschaft (hier besonders für Sattler und Eisenhändler) zum Platiren verwendet wird, jährlich auf beiläufig 750,000 Unzen. Das Londoner Fabrikat, welches besser, aber weniger zahlreich ist, mag sich auf 150,000 Unzen belaufen.

Zu dem vierten Abschnitte gehören endlich viele Artikel, welche aus Silber verfertigt werden, deren Gewicht aber unter jenem Gewichte steht, welches die Probe bekommen und die Abgabe bezahlen |372| muß. So werden jährlich Tausende von silbernen Fingerhüten fabricirt, die alle unter dem verantwortlichen Gewichte stehen. Eine Unzahl von silbernen Ketten für Augengläser und Uhren wird jährlich aus einzelnen Ringen fabricirt, von denen ein jeder, als einzelner Gegenstand, unter dem Gewichte steht, welches die Taxe bezahlen muß. Die Bleistifthälter, die Kragen von Riechfläschchen, die Schlösser für Taschenbücher, Brieftaschen, Instrumenten-Etuis, Portefeuilles, die kleinen Silberstüke, welche häufig zu den Griffen der Federmesser und Rasirmesser genommen werden, und eine Menge Verzierungen verschiedener Art bilden, obwohl sie nicht der Taxe unterliegen, zusammengenommen jährlich eine sehr große Menge Silber. Die Goldschlager verbrauchen gleichfalls jährlich große Quantitäten Silber zu Blattsilber. Nach den besten Erkundigungen, die ich einziehen könnte, läßt sich das Silber kaum dünner ausschlagen, als so, daß es noch 2 1/2 Mal diker als das Blattgold ist; während man daher zu 1000 Büchern Blattgold 8 Pfenniggewichte Gold braucht, braucht man zu 1000 Büchern Blattsilber 1 Unze Silber. Der Verbrauch an Blattsilber ist gewiß viel geringer, als jener an Blattgold; berüksichtigt man aber, daß ein Blatt Blattsilber viel schwerer wiegt, als ein Blatt Blattgold, so möchte der Verbrauch beider Metalle dem Gewichte nach so ziemlich gleich seyn. Ueber das sogenannte Ueberziehen oder Waschen mit Silber (Washing with silver), welches von einer niedrigeren, jedoch zahlreichen Classe von Arbeitern betrieben wird, könnte ich keine nur etwas genaueren Aufschlüsse erhalten. – Nach den hier angegebenen Thatsachen und nach der Meinung erfahrner Gewerbsmänner dürfte der jährliche Verbrauch an Silber bei diesem vierten Abschnitte auf 500,000 Pfd. Sterl. zu schäzen seyn.

Die Menge des Silbers, welche jährlich in Großbritannien zu anderen Zweken, als zum Ausprägen auf der Münze verwendet wird, läßt sich hiernach mit Wahrscheinlichkeit auf folgende Quantitäten anschlagen:

Silber, welches die Abgabe oder Taxe zahlt 1,275,316 Unzen.
Silber, welches zu Uhrgehäusen verwendet wird 506,740 –
Silber, welches zum Platiren dient 900,000 –
Silber, welches zu verschiedenen kleineren Zweken verarbeitet wird 500,000 –
––––––––––––––
3,182,056 Unzen.

Dieß gibt, die Unze zu fünf Schillingen (3 fl.) gerechnet, jährlich 795,514 Pfd. Sterl. Rechnet man nun hiezu die 1,636,700 Pfd. Sterl., auf die sich der jährliche Verbrauch an Gold beläuft, so erhält man jährlich die ungeheuere Summe von 2,457,221 Pfd. Sterl.!

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Die Ansichten, die ich hier über den Verbrauch von Gold und Silber in England entwikelte, werden durch die Angaben, die mir aus anderen Gegenden Europa's zukamen, nur noch mehr bestätigt. Der beinahe 20jährige Friede, dessen sich beinahe alle Länder erfreuten, hat überall den Verbrauch von Zierde- und Luxus-Artikeln aller Art allmählich bedeutend erhöht. Jeder Reisende wird dieß sowohl in den Niederlanden, als in Frankreich, Italien und Deutschland beobachtet haben; und ganz vorzüglich in den Hauptstädten und Handelsstädten, wo nicht bloß die höheren Classen einen enormen Luxus treiben, sondern wo auch die niederen Classen es in der Nachahmung der höheren schon sehr weit gebracht haben. Selbst in kleineren Städten zeigte sich aber auch, daß der Verkehr der Goldarbeiter, Uhrmacher und anderer Gewerbsleute dieser Art in demselben Maße zunahm, wie die Bevölkerung dieser Orte.

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