Titel: Le Canu, über salpetersaure Natron.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 44, Nr. XC. (S. 375–377)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj044/ar044090

XC. Ueber das im Handel vorkommende salpetersaure Natron; von Hrn. Le Canu.

Aus dem Journal de Pharmacie. April 1832, S. 102.

Hr. Mariano de Rivero hat im 18ten Bande der Annales de Chimie et de Physique S. 442 bekannt gemacht, daß salpetersaures Natron in beträchtlichen Lagern im District von Tarpaca und Atacama an der Gränze von Chili vorkommt. Wahrscheinlich wurde |376| es auch bald nach seiner Entdekung in den Handel gebracht; denn nach dem neuen Dictionnaire des sciences naturelles (Art. Soude nitratée) kamen seit dem Jahre 1820 über 60,000 Centner Natronsalpeter nach Chili und Peru. Indessen scheint es, daß die Entdekung des Hrn. von Rivero ungeachtet ihrer großen Wichtigkeit in Frankreich nicht viel Aufmerksamkeit erregte; denn die Kaufleute in Paris kennen den Natronsalpeter erst seit einigen Monaten. Seitdem kamen aber so große Quantitäten davon in den Handel, daß die Fabrikanten in Marseille die Aufmerksamkeit der Regierung auf dieses neue Handelsproduct lenken zu müssen glaubten. Sie befürchteten nämlich nicht ohne einigen Grund, daß die Anwendung des salpetersauren Natrons an Statt des salpetersauren Kalis in einigen Fabriken, besonders zur Salpetersäure-Bereitung, die Production des schwefelsauren Kalis so vermindern mochte, daß sie in der Alaunfabrikation mit den anderen französischen Fabriken nicht mehr Concurrenz halten könnten.

Ich will hier nicht untersuchen, welche Reaction die Anwendung des salpetersauren Natrons an Statt des salpetersauren Kalis zur Salpetersäure-Bereitung, auf die Alaunfabriken und die zahlreichen Industriezweige, welche Salpetersäure gebrauchen, äußern könnte; ebenso wenig ob der geringere Preis des salpetersauren Natrons die Salpetersäure-Fabrikanten für den Nachtheil entschädigt, daß sie als Rükstand schwefelsaures Natron an Statt schwefelsauren Kalis, dessen Preis viel höher ist, erhalten. Diese wichtigen Fragen wurden von den HH. Proust, Darcet und Longchamps weit vollständiger discutirt, als ich es thun könnte. So viel ist aber gewiß, daß die beträchtliche Menge salpetersauren Natrons, welche gegenwärtig im Handel vorkommt, jedenfalls einen großen Einfluß auf die gegenwärtig bestehenden Industriezweige ausüben und vielleicht auch neue hervorrufen wird; dieß veranlaßte mich mehrere Muster des Natronsalzes einer genauen Untersuchung zu unterziehen.

Die Analyse ergab, daß alle diese Muster bis auf ungefähr ein Procent salzsaures Natron, fast ganz reines salpetersaures Natron waren. Salpetersaurer Baryt und kleesaures Ammoniak trübten ihre Auflösungen kaum, daher sie nur Spuren von Schwefelsäure und Kalk enthielten. Nach drei Versuchen enthält das käufliche salpetersaure Natron im Mittel in 100 Theilen:

Salpetersaures Natron 96,698
Salzsaures Natron 1,302
Wasser 2,000
Schwefelsaures Alkali
Kalksalz
Spuren
–––––––
100.000.
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Nach der angeführten Notiz im Dictionnaire des sciences naturelles scheint jedoch das salpetersaure Natron von Peru bisweilen eine beträchtliche Quantität schwefelsaures Salz zu enthalten.

Da das salpetersaure Natron sich im Wasser in viel größerer Menge auflöst als das salzsaure, so läßt sich lezteres durch öfteres Umkrystallisiren oder durch bloßes Auswaschen mit kaltem Wasser leicht davon trennen. Das so vom Kochsalz befreite salpetersaure Natron könnte desto vortheilhafter zur Fabrikation der Salpetersäure verwendet werden, weil es verhältnißmäßig viel weniger Basis als das salpetersaure Kali enthält. 100 Theile salpetersaures Kali bestehen nämlich aus:

Kali 47
Wasserfreier Salpetersäure 53
––––
100.

100 Theile salpetersaures Natron enthalten hingegen:

Natron 36,84
Wasserfreie Salpetersäure 63,16
––––––
100,00.

Wenn man Salpetersaure aus dem salpetersauren Natron an Statt aus salpetersaurem Kali bereitet, so muß man natürlich die. verschiedene Sättigungscapacität der beiden Basen berüksichtigen und folglich das Verhältniß der Schwefelsäure abändern, weil sonst das salpetersaure Salz nicht vollständig zersezt oder nur eine schwache Säure erhalten würde. Einige Fabrikanten, welche mit dem Natronsalze nur eine geringe Sorte von Salpetersäure erhielten, haben wahrscheinlich diesen Umstand nicht beachtet.76)

|377|

In den französischen Fabriken nimmt man bei der Bereitung der Salpetersure in gußeisernen Cylindern auf 100 Pfund Salpeter gewöhnlich 60 Pfund concentrirte Schwefelsäure. Wenn jene Fabrikanten nun zur Zersezung des salpetersauren Natrons eine gleiche Quantität Schwefelsäure anwendeten, so war sie zur Sättigung des Natrons mehr als hinreichend; denn 36,84 Theile Natron, welche in 100 Theilen Natronsalpeter enthalten sind, werden durch 57,72 Theile concentrirte Schwefelsäure neutralisirt. 100 Theile Kalisalpeter, die 47 Kali enthalten, müßten durch 48,79 Theile concentrirte Schwefelsäure vollständig zersezt werden, wenn nicht mehr Säure erforderlich wäre, als zur Bildung von neutralem schwefelsaurem Kali nöthig ist.

A. d. R.

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