Titel: [Johnson, über die dampferzeugende Kraft verschiedener Metalle.]
Autor: Johnson, Walter Rogers
Fundstelle: 1832, Band 44, Nr. XCVII. (S. 439–442)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj044/ar044097

XCVII. Ueber die dampferzeugende Kraft verschiedener Metalle. Von Professor Johnson zu Philadelphia.

Aus Silliman's American Journal im Mechanics' Magazine. N. 453. S. 26.

(Im Auszuge.)

Aller Wahrscheinlichkeit nach erfolgten schon öfter, vorzüglich auf Schiffen, Explosionen der Dampfkessel dadurch, daß das Wasser in denselben entweder auf höher erhizte Theile des Dampfkessels sprizte oder über dieselben floß. Bei der Einrichtung der Kessel der amerikanischen Dampfbothe scheint dieß ganz besondere Berüksichtigung zu verdienen. Aus diesen Gründen ist es von großer Wichtigkeit auszumitteln, mit welcher Kraft erhiztes Eisen plözlich aus siedendem |440| Wasser Dampf zu entwikeln vermag. In dieser Hinsicht nun wurden mehrere Versuche angestellt, bei welchen das Metall in eine gewisse Menge Wasser von 212° F. (+ 80° R.) untergetaucht wurde. Das Wasser befand sich hiebei in einem Gefäße, welches mit grünem Boi, Baumwolle oder dergl. umwikelt war, um auf diese Weise den Verlust an Wärme zu verhindern; es war an einem Wagebalken aufgehangen und konnte 28 1/2 Pfd. Wasser von 60° F. (+ 12,44° R.) fassen. Wurden in dieses Gefäß 14 Pfd. siedendes Wasser gebracht, so brauchte dasselbe 14 Stunden, um bis auf eine Temperatur von 115° F. (+ 36,89° R.) zu sinken, wobei die Temperatur, welche an Ort und Stelle herrschte, 80° F. (+ 21,33° R.) betrug.

Bei den Versuchen wurden 15 Pfd. Wasser in dieses an dem Wagebalken aufgehängte Gefäß gebracht, und dieses Wasser dann sammt dem Gefäße auf 212° F. (+ 80° R.) erhizt. Das erhizte Metall wurde entweder mit einem Male, oder allmählich, und mit einem durchlöcherten Dekel versehen, in das Wasser gebracht, und beim Aufhören des Aufsiedens wieder herausgenommen. Der Gewichtverlust, der nun hiebei Statt fand, wurde aufgezeichnet. Da es etwas schwierig ist, die Temperaturgrade über dem Siedepunkte des Queksilbers zu bestimmen, so wurde eine Glühhize, die sich am Tageslichte schwach roth zeigte, als Maßstab bei den Vergleichungen angenommen. Es ist wahrscheinlich, daß die erhizten Theile der Kessel selten weiter, als bis zur dunklen Rothglühhize kommen, und daher schien gerade dieser Punkt sowohl in theoretischer als in praktischer Hinsicht der interessanteste.

Die Versuche zur Bestimmung der Periode der größten Aktivität zeigen, daß gerade unter dem Punkte einer beim Tage sichtbaren Rothglühhize, in einer gegebenen Zahl von Augenbliken die größte Menge Dampf erzeugt wird. Dieß ist wenigstens der Fall, wenn die Versuche bei dem gewöhnlichen Druke der Atmosphäre angestellt werden. Dieser Punkt wurde daher die vergleichbare Temperatur (comparable temperature) genannt.

Folgende Tabelle gibt die Resultate der Versuche, die mit einem gewalzten Dampfkessel-Eisenbleche von 25 1/2 Zoll Länge, 7 1/2 Zoll Breite und 3/16 Zoll Dike angestellt wurden, bei welchem mithin 395 Quadratzolle der Oberfläche den Versuchen ausgesezt waren. Das Blech war in eine offene Windung zusammengerollt; das Wasser hatte 212° F. (+ 80° R.), der Barometer stand auf 29,9, die Temperatur des Gemaches auf 80 – 85° F. (+ 21,33 – 23,56° R.)

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Das genaue Zusammentreffen des 2., 3., 4. und 5ten Versuches ist sehr merkwürdig, und beweist, daß bei der Vergleichs-Temperatur und bei dem gewöhnlichen Druke der Luft 9 Pfunde Schmiedeisen 1 Pfd. Dampf erzeugen. Bei den späteren Versuchen zeigte sich, daß, obschon zur Vermeidung von Verlust und Irrthum alle Vorsicht getroffen war, dieselbe Wirkung doch in 25–30 Secunden statt in der angegebenen Zeit hätte hervorgebracht werden können.

Eine zweite Reihe von Versuchen wurde hierauf mit schmiedeisernen Cylindern von 6 Zoll Länge, und 1,7 Zoll Durchmesser, die eine Oberfläche von 38 Quadratzoll hatten, angestellt; die Temperatur des Wassers betrug, wie früher 212° (+ 80° R.)

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Der 5., 6., 7., 8. und 9te Versuch stimmen so ziemlich genau mit den Versuchen 2, 3, 4 und 5 der ersten Tabelle überein; sie beweisen daher, daß das Eisen sowohl in dieser Form, als das Blech, bei der Vergleich-Temperatur, auf 9 Pfd. Metall 1 Pfd. Dampf erzeugt.

Bei einer dritten, mit Gußeisen angestellten Reihe von Versuchen zeigte sich, daß das Gußeisen bei der Vergleich-Temperatur mehr Dampf zu erzeugen im Stande ist, als das Schmiedeisen, indem beinahe 8 1/2 Pfd. davon hinreichen, um 1 Pfd. Dampf zu erzeugen. Diese Wirkung läßt sich einem Unterschiede in der specifischen Wärme der beiden Metalle zuschreiben, und dieser Unterschied kann auch, wenn man die Verschiedenheit des Gefüges der beiden Substanzen erwägt, wohl Statt finden.

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