Titel: Programm der von der Société d'encouragement pour l'industrie nationale in der General-Sizung vom 28. December 1831 für die Jahre 1832, 1833, 1834 und 1835 ausgeschriebenen Preise.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 44, Nr. XV./Miszelle 1 (S. 71–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj044/mi044015_1

Programm
der von der Société d'encouragement pour l'industrie nationale in der General-Sizung vom 28. December 1831 für die Jahre 1832, 1833, 1834 und 1835 ausgeschriebenen Preise.

Preise für das Jahr 1832.

Mechanische Künste.

1) Preis von 12000 Franken für Maschinen zum Hecheln des Flachses.

(Wie im Polyt. Journ. Bd. XXXIX. S. 326.)

2) Preis von 6000 Franken auf Anwendung der hydraulischen Kreisel (turbines hydrauliques) und der Räder mit krummen Blättchen des Belidor (roues à palettes courbes de Belidor) im Großen bei Werkstätten und Fabriken.

(Wie im Polyt. Journ. Bd. XLII. S. 45.)

3) 5 Preise (von 2000, 4000, 3000, 2000 und 2500 Franken) für Fabrikation von Röhren zu Wasserleitungen.

(Wie im Polyt. Journ. Bd. XXVIII. S. 56 und XLII. S. 45.)

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4) Preis von 3000 Franken für die Anwendung der Eisenbahnen auf die gewöhnlichen Straßen mit unregelmäßigen Nivellirungen.

(Wie im Polyt. Journ. Bd. XLII. S. 55 im Auszuge.)

5) Preis von 2000 Franken auf Erzeugung von Ziegeln aller Art mit Maschinen.

(Wie im Polyt. Journ. Bd. XXI. S. 83 und XLII. S. 62.)

Chemische Künste.

6) Preis von 3000 Franken für Fabrikation von Flaschen für schäumende Weine.

(Wie im Polyt. Journ. Bd. XLII. S. 56.)

7) Preis von 6000 Franken für Ersezung des Röstens des Hanfes und Flachses durch bessere Verfahrungsarten.

(Wie im. Polyt. Journ. Bd. XXXIX. S. 325.)

8) 3 Preise (von 1500, 1200 und 1500 Franken) für die Verfertigung von metallischen Rüstungen und Amianth-Geweben, um gegen die Wirkung der Flammen zu schüzen, und für ein Verfahren, wodurch organische Gewebe unverbrennlich gemacht werden.

(Wie im Polyt. Journ. Bd. XLII. S. 57.)

9) Preis von 6000 Franken für Verbesserung von Eisengußwerken.

(Wie im Polyt. Journ. Bd. XXIII. S. 375.)

Oekonomische Künste.

10) Preis von 3000 Franken für Fabrikation von Gefäßen, in welchen sich Nahrungsmittel durch mehrere Jahre unverändert aufbewahren lassen.

(Wie im Polyt. Journ. Bd. XLII. S. 59.)

Akerbau.

11) Preis von 4500 Franken für Anpflanzung von Papier-Maulbeerbäumen.

(Wie im Polyt. Journ. Bd. XLII. S. 61.)

12) 4 Preise (jeder zu 500 Franken) für den Anbau der Föhre, der schottischen Föhre, der corsicanischen Föhre und der Lerche.

(Wie im Polyt. Journ. Bd. XLII. S. 61.)

13) 2 Preise (einer von 3000, einer von 1500 Franken) für eine vollständige Beschreibung der besten Zweige der Fabrik-Industrie, welche von Landleuten betrieben werden oder betrieben werden können.

(Wie im Polyt. Journ. Bd. XVI. S. 106.)

Preise, welche auf das Jahr 1832 verschoben wurden.

Mechanische Künste.

14) 2 Preise, jeder zu 12000 Franken, für Mittel zur Sicherstellung gegen die Explosionen der Dampfmaschinen und Dampfkessel.

(Wie im Polyt. Journ. Bd. XLI. S. 449.)

15) Preis von 1000 Franken für eine Handmühle zum Schälen der Hülsenfrüchte.

(Wie im Polyt. Journ. Bd. VII. S. 408.)

Chemische Künste.

16) 3 Preise (jeden zu 3000 Franken) für Verbesserungen an dem Baue der Oefen.

(Wie im Polyt. Journ. Bd. XIX. S. 205.)

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17) Preis von 3000 Franken für Errichtung einer Fabrik im Großen zur Erzeugung von feuerfesten Schmelztiegeln.

(Wie im Polyt. Journ. Bd. X. S. 494 und XLI. S. 457.)

18) 4 Preise (zu 600, 800, 600 und 1500 Franken) für Vervollkommnung des Steindrukes.

(Wie im Polyt. Journ. Bd. XLI. S. 461, nur sind dieß Mal die dort angegebenen Preise Nr. 4 zu 500 Franken und Nr. 6 zu 2000 Franken weggelassen.)

19) Preis von 2000 Franken für den Steindruk mit Farben.

(Wie im Polyt. Journ. Bd. XLI. S. 462.)

20) Preis von 2000 Franken für Fabrikation von Fischleim.

(Wie im Polyt. Journ. Bd. VII. S. 105 mit den Zusäzen in Bd. XXIII. S. 270 und Bd. XLI. S. 463.)

21) Preis von 2400 Franken für eine andere Belegung der Spiegel, als die bisher bekannten.

(Wie im Polyt. Journ. Bd. VII. S. 100.)

22) Preis von 3000 Franken für Entdekung eines Metalles oder einer Legirung, welche sich nicht so leicht wie Stahl und Eisen oxydirt, und zu Werkzeugen, durch welche weiche Nahrungsmittel zerkleinert werden sollen, anwendbar ist.

(Wie im Polyt. Journ. Bd. VII. S. 122.)

23) Preis von 1200 Franken für Reinigung der Rinden, aus welchen Papier bereitet wird.

(Wie im Polyt. Journ. Bd. XLI. S. 461 im Auszuge.)

Oekonomische Künste.

24) Preis von 2000 Franken für Aufbewahrung des Eises.

(Wie im Polyt. Journ. Bd. XLI. S. 461.)

Akerbau.

25) Preis von 600 Franken für eine Vorrichtung zum Reinigen des Heidekorns.

(Wie im Polyt. Journ. Bd. VII. S. 127.)

26) 2 Preise, einer zu 2000, der andere zu 1000 Franken für Einführung und Cultur von Pflanzen in Frankreich, welche für den Akerbau, die Künste und Manufacturen nüzlich sind.

(Wie im Polyt. Journ. Bd. VII. S. 242 und XLI. S. 46)

Preise für das Jahr 1833.

Chemische Künste.

27) Preis von 3000 Franken für die Entdekung und Ausbeutung von Steinbrüchen, welche Steine zum Steindruke liefern.

(Es wurden bereits mehrere Steinbrüche in Frankreich angegeben, welche Steine für den Steindruk liefern sollen, und doch wurde noch immer keiner derselben so ausgebeutet, daß er dem Handel Producte geliefert hätte, welche in jeder Hinsicht entsprächen. Noch immer muß Frankreich alle die vielen lithographischen Steine, die dessen Künstler bedürfen, aus Bayern beziehen! Die Gesellschaft hält es daher für sehr wichtig, die Aufmerksamkeit ihrer Landsleute auch auf diesen Punkt zu lenken; und bemerkt in dieser Hinsicht, daß es nicht genug sey, Steine von der gehörigen Größe zu finden, sondern daß auch durch Versuche erwiesen werden müsse, daß diese Steine so gut seyen, wie die Münchner Steine.25)

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Die Gesellschaft schreibt daher einen Preis von 3000 Franken für die Entdekung und Ausbeutung eines Steinbruches aus, welcher lithographische Steine liefert, die ein schönes Korn und einen Farbenton, der den schönsten Münchner Steinen gleichkommt, besizen, und welche sich eben so leicht und eben so regelmäßig nach allen Richtungen schneiden lassen.

Die Preisbewerber müssen beweisen, daß wenigstens drei Lithographen 12 Steine von 24 Zoll auf 30 Zolle aus den von ihnen angegebenen Steinbrüchen anwendeten; daß diese Lithographen diese Steine eben so gut fanden, wie die besten bayerischen Steine, und daß die Steindrüke, welche mit diesen Steinen verfertigt wurden, in den Handel kamen, und als gut anerkannt wurden. Der Preis dieser Steine muß niedriger seyn, als jener der ausländischen Steine.

Der Concurs für diesen Preis, welcher in der General-Sizung des zweiten Semesters des Jahres 1833 zuerkannt werden wird, wird am 1. Julius desselben Jahres geschlossen.)

28) Preis von 2000 Franken für die Fabrikation künstlicher Steine, welche die lithographischen Steine zu ersezen im Stande sind.

(Obschon die zahlreichen Versuche, welche bereits gemacht wurden um künstliche Steine zu erzeugen, die den bayerischen lithographischen Steinen vollkommen gleichkommen, noch keinen ganz günstigen Erfolg hatten, so läßt sich aus denselben doch hoffen, daß neue und wiederholte Versuche endlich zu einem genügenden Resultate führen dürften. Die Vortheile dieser künstlichen Steine bestünden hauptsächlich darin, daß man denselben nach den verschiedenen Zweken, zu denen man sie braucht, leicht die erforderlichen Dimensionen und Diken geben könnte.

Die Gesellschaft wünscht ein Verfahren kennen zu lernen, durch welches man lithographische Steine von festem, gleichem Korne, von gehöriger Dike, und von dem Farbentone der besten bayerischen Steine erhalten kann. Diese Steine müssen sich auch nach den größten, für die Lithographie nöthigen, Dimensionen verfertigen lassen.

Zum Beweise der Güte der künstlichen Steine sind genau dieselben Bedingungen nothwendig, welche bei dem vorhergehenden Preise gefordert wurden. Auch müssen die künstlichen Steine wohlfeiler zu stehen kommen, als die ausländischen.

Der Concurs wird am 1. Jul. 1835 geschlossen, und der Preis von 2000 Franken in der General-Sizung des zweiten Semesters 1833 zuerkannt.)

29) Preis von 4000 Franken für Uebertragung alter Kupferstiche auf lithographische Steine.

(Schon öfter wurden Versuche angestellt alte Kupferstiche auf Stein zu übertragen, unter welchen jene, die der berühmte Senefelder unternahm, die besten Resultate zu versprechen schienen. Dessen ungeachtet gelang es aber bisher noch nie vollkommen gute Uebertragungen zu erhalten. Obschon nun dieses Uebertragen keinen Gegenstand von erster Wichtigkeit für den Steindruk bildet, so könnten doch daraus, daß man alte Kupferstiche, deren Platten nicht mehr existiren, mit Leichtigkeit wieder neu auflegen könnte, sehr große Vortheile für die Kunst und den Kunstsinn erwachsen. Die Gesellschaft schreibt daher einen Preis von 1000 Franken aus, und verlangt weiter gar nichts, als daß die Uebertragung vollkommen gelungen sey.

Der Preis wird in der General-Sizung des zweiten Semesters 1833 zuerkannt werden, der Concurs wird bis zum 4. Julius d. J. geschlossen.)

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Oekonomische Künste.

30) Preis von 6000 Franken für die Entdekung eines Verfahrens, durch welches das Saz- oder Stärk-Mehl die Eigenschaft erhält ein Brod zu geben, welches so gut, wie das Brod aus Weizenmehl geht oder gährt.

(Nur das Weizenmehl allein gibt sehr leichtes und gut gegohrnes Brod; es verdankt diese vorzügliche Eigenschaft seinem Gehalte an Kleber, welcher bei der Gährung des Teiges die erzeugten Gase am Entweichen hindert. Der Kleber hat übrigens auch noch einen anderen Zwek: er animalisirt das Mehl, welches mit seinem anderen Bestandtheile, dem Starkmehle, allein nicht gehörig zur Ernährung dienen würde. Will man mithin aus dem Erdäpfel-Sazmehle, oder aus den Erdäpfeln selbst, gutes Brod erhalten, so muß man diese Substanzen nicht bloß animalisiren, sondern ihnen auch die Eigenschaft mittheilen, daß sie wie der Teig aus Weizenmehl gähren oder gehen.

Die Fortschritte der neueren Chemie lassen hoffen, daß man einen Körper auffinden wird, welcher diese leztere Eigenschaft besizt. Die Gesellschaft sucht daher die Aufmerksamkeit der Chemiker auf diesen Gegenstand zu leiten, indem sie folgende Frage ausschreibt:

„Es soll eine oder mehrere Substanzen aufgefunden werden, durch welche dem Erdäpfel-Sazmehle oder den Erdäpfeln selbst die Eigenschaft mitgetheilt wird, daß sie einen Teig bilden, welcher eben so leicht geht oder gährt, und ein eben so leichtes Brod gibt, wie der Teig aus Weizenmehl.“

Das Brod, welches nach diesem Verfahren erzeugt wird, muß eben so nahrhaft seyn, als das beste Weizmehlbrod, und darf durchaus keinen fremdartigen Geschmak besizen. Der Preis dieses Brodes darf ferner sowohl in Hinsicht auf Kosten des Materiales, als der Arbeit, nicht so hoch zu stehen kommen, als der Preis des Weizenbrodes.

Wenn die Substanz, welche angewendet wird, eine animalisirte ist, so muß das Brod dieselbe Menge der stikstoffhaltigen Substanz enthalten, welche man in gutem Mehle antrifft, welches im Durchschnitte 10 Procent trokenen Kleber enthält. Enthält die Substanz, die den Teig gehen oder gähren machen soll, hingegen keinen Stikstoff, so muß zugleich auch ein Mittel ausfindig gemacht werden, durch welches das Brod in demselben Grade animalisirt wird, ohne daß es dadurch einen Nebengeschmak erhält, und ohne daß dessen physische Charactere auch nur die geringste Veränderung erleiden.

Wir machen die Preisbewerber hiebei darauf aufmerksam, daß die Versuche, welche Hr. d'Arcet über die Anwendung der Gallerte, mit zerquetschten Erdäpfeln vermengt, anstellte, bereits Resultate gab, die in mehreren Hinsichten ziemlich gut entsprachen.

Zu Zeiten, wo allgemeine Roth herrschte, wurde sehr häufig das Mehl mehrerer Hülsenfrüchte, wie das Bohnen- und Erbsen-Mehl, zur Erzeugung von Brod benuzt, und noch jezt wird nicht selten betrügerischer Weise solches Mehl Unter das Weizenmehl gemischt. Diese Mehlarten geben aber einen Teig, der nicht gehen oder gähren kann. Die Gesellschaft macht es zwar nicht zur Bedingung, daß das Verfahren, welches sie verlangt, auch auf diese Substanzen anwendbar sey; sie würde aber mit großem Vergnügen und besonderem Interesse sehen, wenn die Preisbewerber ihre Nachforschungen auch auf diese besondere Frage ausdehnen würden. Eben so würde sie es auch gern sehen, wenn das gefundene Mittel auch auf das Stroh angewendet würde, welches man in neuerer Zeit zu Brod benuzen wollte.

Die Preisbewerber müssen in Gegenwart der Commissäre alle Versuche machen, welche diese für zwekmäßig erachten werden. Der Preis von 6000 Franken wird in der General-Sizung des zweiten Semesters des Jahres 1833 zuerkannt werden; die Abhandlungen müssen vor dem 1. Julius 1833 eingesendet werden.)

Akerbau.

31) 2 Preise, einer von 3000, einer von 1500 Franken für Bepflanzung abschüssiger Gründe.

(Vergl. Polyt. Journ. Bd. VII. S. 250.)

Preise, welche auf das Jahr 1833 verschoben wurden.

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Chemische Künste.

32) Preis von 2400 Franken für Entdekung eines Verfahrens, mittelst welchem man die Vermischung des Getreidemehles mit Sazmehl erkennen kann.

(Wie im Polyt. Journ. Bd. XLI. S. 457.)

Oekonomische Künste.

33) Preis von 5000 Franken auf Austroknung des Fleisches.

(Die Gesellschaft sezt einen Preis von 5000 Franken für denjenigen aus, welcher ein leichtes und ökonomisches Verfahren Fleisch zum Verproviantiren der Schiffe und zum Hausgebrauche zu troknen, erfindet. Das Fleisch muß so getroknet seyn, daß es durch Sieden in Wasser den Geschmak und die Weichheit des gesottenen Rindfleisches erhält, und zugleich eine gesunde und angenehme Fleischbrühe gibt. Die Gesellschaft hat in ihrer General-Sizung vom 28. December 1831 beschlossen: 1) daß der Concurs für diesen Preis am 1. April 1832 geschlossen seyn wird; 2) daß die Muster, welche sich gegenwärtig zur See befinden, und vor dem 1. Julius 1833 nicht zurükkommen, nicht mehr zugelassen werden können; und 3) daß in der General-Sizung des zweiten Semesters 1833 Bericht über die Resultate erstattet, und der Preis zuerkannt oder für spätere Jahre verschoben werden würde. Ueber diesen Preis vergl. Polytechn. Journ. Bd. VII. S. 247 und XIII. S. 124)

Preise für das Jahr 1834.

Chemische Künste.

34) Preis von 5000 Franken für die Beschreibung der Verfahrungsarten zum Bleichen der Zeuge, welche zur Fabrikation der Indiennen bestimmt sind; ferner der Zubereitung der Farben und ihrer Anwendung, und endlich aller Maschinen, welche zu diesen verschiedenen Arbeiten angewendet werden.

(Die Indiennen-Fabrikation erfordert, wenn man alle Zweke vollkommen erreichen will, sehr verschiedene Arbeiten. Die Zeuge müssen mit großer Sorgfalt gebleicht werden, und nach der Art der Zeuge, mit welchen man arbeitet, sind sogar sehr wichtige Abänderungen in dem allgemeinen Bleichverfahren nöthig.

Die Vollkommenheit des Bleichens beruht nicht bloß auf den Verhältnissen, in welchen man gewisse Substanzen anwendet, sondern auch auf der Art und Weise, nach welcher dieselben angewendet werden.

Einen der wichtigsten Punkte bei diesem Fabrikationszweige bildet die Zubereitung der Beizen und deren Anwendung auf die Zeuge, so wie endlich die Zubereitung und Anwendung der Farben selbst.

Die Gesellschaft sezt nun einen Preis für die genaue Beschreibung der Methoden aus, deren man sich zum Bleichen, und zur Zubereitung und Anwendung der Beizen sowohl, als der Farben bedient. Um ihren Zwek zu erreichen, genügt es jedoch nicht, bloß allgemeine Ausklärungen und eine einfache Beschreibung der angewendeten Mittel zu geben, sondern die Concurrenten müssen auch alle einzelnen und praktischen Details angeben, so daß die von ihnen beschriebenen Methoden unmittelbar angewendet werden können. Die Fabrikanten wissen selbst, welche Verschiedenheit die geringste Abänderung eines Verfahrens in den Resultaten hervorbringt, so daß der Nuzen einer praktischen Beschreibung, welche so genau als möglich ist, wohl keiner weiteren Erörterung bedarf.

Die hölzernen Formen, mit welchen die Farben aufgetragen wurden, wurden heute zu Tage zum großen Vortheile unserer Fabriken beinahe ganz und gar durch die Maschinen verdrängt. Viele dieser Maschinen sind jedoch noch wenig bekannt, oder blieben gar das Eigenthum einer einzigen oder einiger wenigen Fabriken. Die Gesellschaft verlangt daher, daß die Preisbewerber die vorzüglichsten der zum Auftragen der Farben bestimmten Maschinen genau beschreiben und abzeichnen, so wie sie auch fordert, daß die vorzüglicheren jener Maschinen, welche bei den verschiedenen Bleichmethoden gebräuchlich sind, eben so genau dargestellt werden.

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Die Preisbewerber müssen vor den Commissären alle jene Versuche wiederholen, welche diese für nöthig finden, und die Vorzüge, welche ihre Methoden in Hinsicht auf Vollkommenheit der Producte oder auf Ersparniß haben sollen, auch beweisen.

Der Preis von 5000 Franken wird in der General-Sizung des zweiten Semesters 1834 zuerkannt werden; die Abhandlungen müssen vor dem 1. Julius desselben Jahres an das Sekretariat der Gesellschaft eingesandt werden. Die Gesellschaft behält sich auch, im Falle die Aufgabe nicht gelöst werden sollte, vor, jenen der Preisbewerber, die dem vorgestekten Ziele am nächsten kamen, Belohnungen zu ertheilen, die der hohen Wichtigkeit des Gegenstandes angemessen sind.)

35) Preis von 2000 Franken für die Fabrikation von chinesischem Papiere.

(Da die Aufgabe ein Papier zu verfertigen, welches dem besten chinesischen Papiere gleichkommt, (vergl. Polytechn. Journal Bd. XLI. S. 453), im vergangenen Jahre gelöst wurde, so mußte der ausgeschriebene Preis zuerkannt werden. Der Zwek der Gesellschaft ist jedoch hierdurch erst zur Hälfte erreicht, und wird es nur dann seyn, wenn unsere Kupferstecher in einigen unserer Fabriken ein Papier finden, welches sie bestimmt das chinesische Papier aufzugeben.

Die Gesellschaft sezt in dieser Absicht einen Preis von 2000 Franken für denjenigen Fabrikanten aus, der die größte Menge Papier in den Handel gebracht haben wird, von welchem die Kupferstecher zugeben, daß es dem besten chinesischen Papiere wenigstens gleichkomme.

Um den Concurrenten Mittel zur Lösung der Aufgabe der Gesellschaft an die Hand zu geben, hat sie das Verfahren der Chinesen, und jenes des Hrn. Delapierre, dem im verflossenen Jahre der Preis zuerkannt wurde, in ihrem Bulletin bekannt gemacht (S. 67 in diesem Hefte des Polytechn. Journ.)

Die Muster, so wie die Zeugnisse der Kupferstecher über die Güte des Papieres müssen vor dem 1. Julius 1834 eingesendet werden. Die Menge des Papieres, welche in den Handel kam, darf nicht unter 5 Rieß betragen; es muß das Jesus-Format und die Dike des Papieres haben, welches gewöhnlich angewendet wird.)

Preise, welche auf das Jahr 1834 verschoben wurden.

Mechanische Künste.

36) Preis von 3000 Franken für die Fabrikation von Nähnadeln.

(Die Bedingungen sind, daß die Preisbewerber vor dem 1. Julius 1834 an das Secretariat der Gesellschaft 1stens Muster von allen Sorten Nähnadeln, welche die Fabrik erzeugt, mit Angabe der Preise derselben, und 2tens Zeugnisse der Localbehörden einsenden, aus denen nicht bloß die Thätigkeit der Fabrik, sondern auch der Beweis hervorgehen muß, daß sie so eingerichtet ist, daß über den Bestand und deren Gedeihen kein Zweifel bleibt, und daß sie jährlich Fabrikate im Werthe von 10,000 Franken in den Handel bringt. Außer den, nach Art der Aachener Nadeln, d.h. aus Cementstahl, verfertigten Nadeln, müssen die Preisbewerber auch Nadeln von allen Nummern einsenden, welche nach Art der englischen Nadeln aus Gußeisen verfertigt sind. – Alles Uebrige ist aus dem Polytechn. Journal Bd. VII. S. 95 bekannt.)

Oekonomische Künste.

37) Preis von 1500 und von 4000 Franken für Errichtung von Runkelrübenzuker-Fabriken mit landwirthschaftlichen Benuzungen.

(Wie im Polytechn. Journal Bd. XLI. S. 458 im Auszuge.)

Preise für das Jahr 1835.

38) Preis von 1500 Franken für Bestimmung der Wirkung des Kalkes als Dünger.

(Wie im Polytechn. Journal Bd. XVI. S. 109, mit den Zusäzen in Bd. XLII. S. 63.)

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Die allgemeinen Bedingungen sind dieselben, wie die, die in den früheren Programmen angegeben wurden. Alles was zur Preisbewerbung gehört, muß vor dem ersten Julius eines jeden Jahres an den Secretär der Gesellschaft, rue du Bac Nr. 42, hôtel de Boulogne, eingesendet werden.

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Die Summe der hier ausgeschriebenen Preise beträgt 164,300 Franken, wozu die Regierung 6000, und die Bäker-Innung zu Paris 2400 Franken beitrug.

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Die Gesellschaft nennt die bayerischen lithographischen Steine: Münchner Steine (pierres de Munic); scheint also über den Fundort unserer vortrefflichen Steine, und über die geognostischen Verhältnisse derselben, so wie der ganzen Gebirgsformation bei Solenhofen in völliger Unwissenheit zu seyn. Ihr berühmter Landsmann und Geognost Boué, dem auch unser bayerisches Vaterland, welches |74| er öfter besuchte und in geognostischer Hinsicht studirte, bekannter ist, als manchem unserer Bergräthe, wird die Gesellschaft wohl die gehörige Belehrung hierüber geben. Wir sehen aus diesen Preisaufgaben, wie sehr Frankreich sich bemüht sich in allen Zweigen der Industrie von uns und seinen anderen Nachbarn unabhängig zu machen. Bei uns hingegen befolgt man die entgegengesezte Bahn: bald wird man unserer in Nichts mehr bedürfen, während wir in Allem, was nicht geradezu auf unseren Feldern wächst, vom Auslande abhängig seyn werden.

A. d. Ueb.

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