Titel: Ueber die Anwendung von Guimet's Ultramarin zum Bläuen des Papieres, des Garns und der Gewebe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 44, Nr. XV./Miszelle 6 (S. 79–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj044/mi044015_6

Ueber die Anwendung von Guimet's Ultramarin zum Bläuen des Papieres, des Garns und der Gewebe.

Wir haben bereits im polytechnischen Journal Bd. XLI. S. 220 angezeigt, daß das künstliche Ultramarin des Hrn. Guimet in Lyon das natürliche an Schönheit der Farbe übertrifft und der Erfinder den Preis desselben so herabgesezt hat, daß man es zum Blauen des Papieres, des Garns und der Gewebe benuzen kann.

Hr. Guimet liefert für 16 Franken ein Pfund Ultramarin, welches eben so viel Papier, bläut als zehn Pfund des schönsten und feinsten Kobalts, die im Großen auf 26 Fr. zu stehen kommen: das Ultramarin hat überdieß den Vortheil, daß es wegen seiner Leichtigkeit in der Flüssigkeit lange suspendirt bleibt, während das Kobalt sich bald niederschlägt. Um das Ultramarin mit dem Papierzeuge innig zu vermengen, muß man die Farbe in einen Sak von Leinwand oder Baumwollenzeug bringen, welchen man in Wasser knetet, wodurch das Blau genöthigt wird, durch das Gewebe zu dringen. Man kann statt des Sakes auch ein sehr feines Sieb anwenden. Bei dem Stampfen vermengt sich dann der Farbestoff innig mit dem Zeuge. Die Farbe ist so zertheilt, daß man, um sie auf dem Papierzeuge zu befestigen, 8 Unzen Alaun auf 1000 Liter (2000 Pfund) Wasser zuzusezen genöthigt ist. Alsdann ist aber das Resultat über alle Erwartung günstig und man erhält je nach der Menge des angewandten Färbestoffes alle Nuancen vom tiefsten Dunkelblau bis zum hellsten Himmelblau. Den Alaun darf man jedoch erst nach der vollständigen Zertheilung des Ultramarins zusezen, denn ohne diese Vorsichtsmaßregel wäre er eher schädlich als nüzlich.

|80|

Um Zeuge zu bläuen, welche nicht appretirt werden, bringt man das Ultramarin in eitlen Sak von Leinwand oder Baumwollenzeug und knetet ihn in Wasser, damit das Blau durch das Gewebe dringt; man braucht sodann das Gewebe nur in diesem Wasser herumzuhaspeln und abtropfen zu lassen. Das gebläute Wasser muß, ehe man sich desselben bedient, gut umgerührt werden, damit das Blau suspendirt bleibt.

Will man Kleister, der zum Appretiren bestimmt ist, mit Ultramarin färben, so zertheilt man das Blau vermittelst eines Sakes in der ganzen Quantität des zur Kleisterbereitung anzuwendenden Wassers, sezt dann das Stärkmehl zu und rührt während des Kochens um.

Da das Ultramarin die Eigenschaft hat sich in kochender Aezkali- oder Aeznatron-Auflösung nicht zu verändern, so ist es ohne Zweifel die schönste und solideste Substanz zum Bläuen.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: