Titel: Notizen über den Zustand einiger Industriezweige zu Lyon.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 44, Nr. XLIX./Miszelle 24 (S. 233–234)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj044/mi044049_24

Notizen über den Zustand einiger Industriezweige zu Lyon.

Buchhandel und Buchdrukerei. Schon zu den Zeiten der Römer hatte Lyon Buchhandlungen, in denen griechische und lateinische Manuscripte verkauft wurden. Der Lyoner Jean Coral verpflanzte die Buchdrukerkunst, bald nach ihrer Erfindung in Deutschland, im J. 1470 nach Lyon, wo sie im darauffolgenden Jahrhunderte einen sehr hohen Aufschwung erhielt. Sebastian Gryphe allein gab damals innerhalb 22 Jahren mehr als 300 Bücher heraus. Um diese Zeit war vorzüglich Lyon der Stapelplaz der protestantischen Werke, so zwar, daß man erzählt, der Jesuite Edmond Anger, der im J. 1563 beauftragt wurde, die kezerischen Schriften zu Lyon aufzugreifen und wegzunehmen, habe eine solche Masse davon zusammengebracht, daß man 3 Nächte mit dem Verbrennen derselben zu thun hatte. Seit diesen katholischen Beförderungen des allein selig machenden Glaubens verschwand der Buchhandel von Jahr zu Jahr mehr und mehr aus den Mauern Lyons. Gegenwärtig besizt es nur mehr 14–15 Buchdrukereien, von denen bloß Gebetbücher, Predigten, Zeitungen, Ankündigungen und dergl. zu Tag gefördert werden. Die Zahl der Buchhandlungen hat sich in den lezten 10 Jahren wieder etwas gehoben; sie belaufen sich auf 30, die zusammen jährlich für 2 1/2 Million Franken Geschäfte machen.

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Vergolden und Gold- und Silber-Drahtzieherei. Dieser Industriezweig, der zuerst von den Juden, und nach deren Vertreibung von den exilirten Florentinern nach Lyon gebracht wurde, beschäftigte im J. 1698 4000 Arbeiter, welche 150,000 Mark Silber und 1000 Mark Gold, im Werthe von 10 Millionen verarbeiteten. Gegenwärtig ist er nur in den Händen von 34 Häusern, die jährlich für 2–2 1/2 Millionen Geschäfte machen.

Stikerei. In den Jahren 1770 bis 1780 zählte Lyon 6000 Stikerinnen, welche gestikte Seidenzeuge lieferten; gegenwärtig beschäftigt es kaum den zehnten Theil so viel. 30 Häuser machen kaum für 1 1/2 Millionen Geschäfte des Jahres.

Bortenwirkerei. Im J. 1548 zählte Lyon 459 Bortenwirkermeister. In der Mitte des 18ten Jahrhunderts machten 30 Häuser jährlich für 20 Millionen Geschäfte. Im J. 1780 waren 2700 Bortenwirkerstühle im Gange; im J. 1801 nur 300. Heut zu Tage beschäftigen sich nur mehr 10 Häuser mit diesem Gewerbe, welches größten Theils von Lyon nach Paris wanderte. Die Bandfabrikation ließ sich Lyon größten Theils durch die Städte St. Chamon und St. Etienne entreißen; erst seit 2 Jahren werden zu Lyon wieder 12–14,000 Stühle in Gang gebracht, die jedoch kaum über 2 Millionen Geschäfte machen.

Hutmacherei. Dieses Gewerbe entstand zu Lyon erst im J. 1520. Im J. 1776 beliefen sich die jährlichen Geschäfte auf 20 Millionen, und die Zahl der Arbeiter auf 8000. Die Belagerung vom J. 1793 zerstörte jedoch auch diesen Industriezweig, der erst seit 10–12 Jahren wieder neues Leben erhält. Gegenwärtig liefern 40 Hutmachereien jährlich für 8–10 Millionen Waaren, welche von 145 Unterkäufern untergebracht werden.

Kürschnerei. Im J. 1548 waren zu Lyon 187 Pelzhändler. Der Handel blieb bis zum J. 1792 in Flor, und hebt sich erst seit 10 Jahren wieder von seinem späteren Verfalle. Gegenwärtig betreiben 10–12 Häuser, von denen die Hälfte jährlich für 80–100,000 Franken Geschäfte machen, diesen Handel.

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