Titel: Ueber das Bersten der Dampfkessel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 44, Nr. XLIX./Miszelle 5 (S. 228)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj044/mi044049_5

Ueber das Bersten der Dampfkessel.

Der berühmte Arago stellte bekanntlich die Frage auf, woher es komme, daß die Kessel zuweilen im Augenblike des Oeffnens der Sicherheitsklappe bersten, und daß diesem Unglüke fast jedes Mal eine scheinbare Verminderung der Elasticität des Dampfes vorausgehe? Die Antwort, welche Hr. Perkins auf diese beiden Fragen gab, befriedigte sowohl Hrn. Arago, als das Comité, welches vom Hause der Gemeinen erkannt worden war. Nicht so aber Hrn. A. Mackinnon, der im Mechanics' Magazine Nr. 448, S. 412 folgende Erklärung gibt. Wenn man das Wasser in dem Kessel so weit sinken läßt, daß die Feuerzüge troken und rothglühend werden, so wird der Dampf zersezt; es bleibt bloß Wasserstoff zurük, welcher nicht im Stande ist, die Maschine zu treiben. Dadurch läßt sich die geheimnißvolle Schwierigkeit, die man beim Oeffnen der Sicherheitsklappe erfährt, erklären. Die geringe Menge Dampf, die erzeugt wird, wird nämlich schnell zersezt, und die Elasticität des Wasserstoffes ist geringer als jene der atmosphärischen Luft, so daß mithin die Sicherheitsklappe beim Oeffnen nur einer bedeutenden Gewalt weichen wird. So wie aber die Luft durch das Oeffnen der Klappe eintritt, so vermischt sich dieselbe mit dem Wasserstoffgase, und diese Mischung ist es, die sich an dem rothglühenden Eisen entzündet, und dadurch augenbliklich die Berstung veranlaßt. Die Versuche des Hrn. Perkins sprechen nach Hrn. Mackinnon sämmtlich für diese Ansicht. Hr. Mackinnon meint zwar nicht, daß alle Explosionen durch den Wasserstoff hervorgebracht werden; allein den größten Theil derselben schreibt er doch lediglich demselben zu. Die meisten Explosionen erfolgen beim Abfahren oder beim Ankommen der Dampfbothe; im ersten Falle entstehen sie, wenn der Kessel zu schwach ist, um der Elasticität des Dampfes gehörigen Widerstand leisten zu können, und daher meistens bei Hochdruk-Maschinen; im zweiten Falle hingegen entstehen sie, weil die Maschinisten, wenn das Dampfboth seinem Bestimmungsorte nahe gekommen, sehr oft die Speisung des Kessels mit Wasser unterbrechen, damit bei dem nächsten Abfahren so wenig Dampf als möglich verloren geht.

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